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Konrad Weiß: Kriegsbuch 8 (27. Dezember 1916 bis 4. April 1917)

Konrad Weiß

Kriegsbuch 8

27. Dezember 1916 bis 4. April 1917

1

27. XII. 16[Mittwoch, 27. Dezember 1916]

Morgens nach den Feiertagen auf Tisch Brief über Graßl-GnauckKühne
Streit gelegen mit folgender Stelle:

„Noch möchte ich etwas erwähnen. Ich bin begeisterte Kunstjüngerin,
aber die Artikel von Konrad Weiß über Kunst und Kunst-
anschauungen sind so ledern und trocken geschrieben,
daß es eine Anstrengung ist, sich über diesen hölzernen
Stil hinüberzuarbeiten. Gewiß über Kunst sollen
im Hochland keine Dilettanten schreiben, aber
es gibt auch Kunstkritiker, die einen lesbaren
Stil schreiben und das tut Conrad Weiß nicht.
Gottlob, daß er in letzter Zeit wenig zu
Worte kommt! Frau Oberst Müller [VR] in Cleve

daran anschließend Gespräch mit M.
{„Sie sehen, was ich immer sage und man redet darüber mehr als man glaubt da und dort“}
Ich: ich bin
meiner Sache sicher und wenn ich Zweifel einmal
hätte, daß so sehe ich an der Art und wie diese ⟨1⟩ auf
den rechten Weg sich durchgesetzt hat, daß richtig.

2

C. hat sich jetzt ganz in der deutschen Kunst auf die
Höhe gebracht und zwar allerdings trotz der kathol. Arbeit
gerade nicht bei Katholiken. M: Man kann doch
nicht Malerei und diese Sprache einfach vergleichen. Ich: Aber
man tut es wirklich, auch allerdings wieder nicht bei
uns. man hat in der Diskussion um die Ausstellung in
Hannover Caspar, Claudel, Scheler und ? {Bloy [?]} zusammen
genannt und wenn man noch wüßte, daß C. katholisch
ist und vollends die katholische Form einsehen
würde, würde alles noch schärfer in dieser Art werden.
Es handelt sich da um mehr. M: „Claudel wird auch
in Frankreich abgelehnt.“ Ich: das ist gleichgültig, überdies
auch von uns nicht mitgezogen, es ist nur dann einfach [? VR]
Name. Es handelt sich für Deutschtum über das hinaus, das
Ästhetische, aber auch über das Sittliche hinaus um das
Geschichtliche, um den Kern des deutschen Wesens, sein
Schicksal und Bestimmung. Muth ganz unvermittelt
aber wie sonst nicht in der Richtung des Gedankengangs

3

diesmal bleibend: Ich bin mir ganz klar, mehr
als je, daß mehr als je notwendig, etwas Festes
zu haben und zu halten, mehr wie nur je,
daß das Klassische gegenüber der Wirrnis und
Unklarheit etc und was Flaskamp
will, das Romantische auf der [sic] Falsche Weg
ist. Wir müssen alle Romantik abschütteln
etc. –– Ich ließ damit das Gespräch ungereizt [? VR] aus-
gehen.

Es beginnt also der Kampf zwischen Klassik und
Romantik, zwischen neuem [reinem?] falschen und gültig festem
Punktstreben und der Hingabe und Opfer an
Geschichte.

der Kern des I. Briefes ist also durch Sohnschaft
das romantische Problem

Obwohl mir selbst zu leicht befunden, bin ich das
menschliche, irdische Gewicht der Geschichte, dieses
letzte sittliche wahre paradoxon

4

gegen den festen Punkt und in welcher Art
natürlich äußerlich und ideal innerlich fester Punkt
Knotung, Kelch der Zeit, Geduld

Ich vielleicht mit Willen und wider Willen zum Führer der [?]
Romantik und Beispiel der Geschichts hingabe bestimmt,
wo der sonst im Reden wankelige ungefasste Flask.
rein ihrem Wesen immer verbunden trieb und ich
doch in Lebensbaum gebrochen dem klassischen
Schnitt des falschen Schmerzes und falschen Halte-
punkt näher gestellt war und eigentlich mein
Schicksal als Strafe beschieden und fast wie eine
weltliche, aus Gottes Freiheit ausgeschlossene Eigenschaft
notwendig, diese letzte bewegteste und lebendigste {Lüge} Wahrheit

Beten zu Gott dem Geber alles Guten
zum ersten Begriff Gottes Kuppel

5

nach dem Gespräch Korrektur Lektüre des Manuskripts von Schlaf
über Sonnensystem. Dieser schließt:

„Denn mit dieser Entscheidung wäre von Grund aus zu-
nächst sofort dem in der Schwebe hängenden
Relativismus der Wissenschaft ein Ende geworden;
daß damit aber auch der Religiöse beseitigt wäre,
muß sich in weiterer Folge von selbst verstehen.
Jedenfalls: auf schlechterdings keinem anderen
und ausschlaggebenderen als auf solchem Wege
wäre das nihilistische Krebsübel, an dem Europa
und die vorgerückteste Menschheitskultur krankt,
wirklich und allerdings endgültig“ – – -.

Schlaf gegen Relativismus allg. und religiös. für geozen-
trische Welteinrichtung, Weltordnung. Das
Warnende dieses Beispiels, dieses Gleichdenkens
ohne geschichtl. Überreich des Stoffes mit Idee
und Welt, ohne Lebensbaum

Alle guten Geister (wie Schlaf) sehen bloß Zerrüttung, diese Geistes-
schwäche, charakteristische Nebendenken in diesem
Kriege

6

Es gibt diese äußere formale Klassik nicht in
der Wahrheit und wenn sie eintritt wie in
Renaissance (cfr auch Descartes) (Gespräche über
Mathematik in dieser Zeit mit Dr. Volk und
Max Caspar), dann ist die Kirche verloren.
Immer dies falsche katholische Bestreben cfr.
Kirchenväter.

dazu schließlich noch am gleichen Tage {andererseits [VR]} Gespräch über Delbrück
„Realpolitik und Pazifismus“. Preuß Jahrbücher: M.
„solche Äußerungen ordentlich böses Blut gemacht
draußen. Diese Leute verderben fortgesetzt, was
andere mit großer Mühe gut machen.“ Jedenfalls
Försters Wirken in der Schweiz dabei im Auge.
So auch das Wohl des Deutschen Wesens und die Kraft des unge-
brochenen deutschen geschicht. Kerns in dieser Denkart ver
raten.

Dies Art des Denkens, auch wenn überwunden
immer noch zu verstehen und eben immer welt-

7

läufig. Es ist die liberale Art, bei der man sich
jeglicher Dingswirklichkeit entschlägt, das
falsche Sittliche in Ges. tragen. Man erkennt immer
wieder: Es kommt nicht auf die Schwierigkeit
von Gedanken und Tiefe, sondern auf die Art zu
Denken
an. So wie bei Betrachtung von
Kunst. Darin liegt die erste Notwendigkeit
einer Änderung nicht des Urteils und Verstands,
sondern der ersten Wortwirklichkeit, des
Charakters zu Welt und Zeit. Wer
Ohren hat, zu hören, der höre.
Ohren hören nicht verstehen müssen

Du sollst nach den Dingen der Welt
begehren, die schön sind, dadurch aus dem
inneren Leid loskommen.
Zersetzung durch Berufung ⟨.⟩ groß

8

Lektüre Dostojewski „Dämonen“ I
Kapitel VII Christophorus, Gott Tragendes
Volk. Wann wird wieder der Katholizismus
Völkerheil sein, nicht bloß menschenrassenbildend. {formgeschichtlich}
Rußland, Deutschland, Frankreich
„Leib Christi“ S. 366 ohne christophorisch zu
sein. Die Antithesierung, weiß Rußland
nicht den gleichwertigen Prozessus und das filioque wie
Katholizismus hat, mehr reclusa, tote Vater-
schaft, darum mehr Leidenschaft zur Sohnschaft,
Art von Leidenssucht. „Leib Christi“.
S. 371 „gut und Bös“ Volk.

Metaphysik der Geschichtslage des Sittlichen. Unter-
schied von Gut und Bös durch Volk lieben
Leib Christi S. 371

28. XII.[Donnerstag, 28. Dezember 1916]

erste Sitzung für Porträt. Abends mit C. und Max zusammen.

29. XII.[Freitag, 29. Dezember 1916]

Die selbstgemachte (an eigenem) Erfahrung, daß
Wahrheit der Welt, das gewußt wahre und Sichere ver-

9

verschwindet, so lange noch nicht wiedergeboren als Selbst-
form der Wahrheit. Angst. Wann werde ich
Wahrheit ganz? Gedanke wiederholt an Tieck, mit
dem Fl. Ähnlichkeit bei mir findet. „Unsicher
wird die Sicherheit.“ Was wird das kommende
Jahr entscheiden? Gibt Bringt es noch tiefere Fährnisse?

1917

1. Neujahr[Montag, 1. Januar 1917]

Halbe Nacht durch Dostojewski „Dämonen“
gelesen. Gedanke: Ganz frei, furchtlos.
Reich: Nun die 2 Bitte ⟨.⟩ „Dein Reich“ ganz
bloß Bereitung. Reich gründen.

Schon ganze Woche her starker Sturm.

In zwei Stunden ist das neue Jahr, Sturm und die künftige
Zeit Du hast mich sicher in der Hand Entscheidung
innere Bewegtheit und Beweglichkeit Du nun doch schon
einmal Träger ⟨2⟩ Gebirg [? VR: Geburt]

10

3. I. 17[Mittwoch, 3. Januar 1917]

Die Wurzel der Gerechtigkeit des Menschen in Ges. ist
der glaube und seine erkennende Kraft an der Substanz [VR]
quelle der Werke, der Kunst, der Geschichte.

4. I. 17[Donnerstag, 4. Januar 1917]

leichte Luft und Sonnentreiben nach Sturm. ob Taumel
oder vielerfahrner Gang. Ein altes Kleid und ausge-
bleicht und schwarz bebändert. jeder Schmuck [VR] doppelt,
Kastanienblitz. Fuhrmann schaut [VR] nach. Ast hell wie
Ordenstrieb [?], Besitz, zu schnellbewegt. Aus dumpfem
Brüten aufgescheucht. Rößlein trabt, Mitleid Gant
und Kauf. was eine Seele selten macht. Im frischen
Wind [VR] nicht reden kann.

5. I. 17[Freitag, 5. Januar 1917]

Bewahrte⟨..⟩ in ihrem Herzen, Maria
Nahtlos, Wort wie Naht. Droste, Urteil, Hebbel
Geschichte, Kleist das romant. Element. Johannes,
der Evangelist des Wortes, bezeugt es. Joh. 19, 23 und 24

11

Dienstag, 16. ? I. 17[Dienstag, 16. Januar 1917]

Hoffnung Wille das Sittliche Wenden zu Gesellschaft bei
Versagen von Glaube und Namenskraft. Das
Sittliche dann aus der eigenen Erlöstheitaufgabe wieder heid-
nisch als Forderung der Gesellschaft als Trägerin zuschieben
Das Sittliche ist kein Wille, sondern ein Urteil,
schon Urteil und [? VR] Verdammung des Einzelnen
gegenüber Gesellschaft in seiner Gesellschaft bei Nicht-
annahme der Namens-Berufungsgnade

letzte Woche zu Hause, Sonntag nach Ulm, Montag
heim. Dienstag Verlobung angegeben. Mutter: da-
rauf habe ich immer schon lange gewartet.
ganz in stiller Übereinstimmung und Fügungssicherheit
Auf Hinweg am Abend von Hessenthal (am
Montag angefangen zu schneien) das Wilde der
verschneiten Obstbäume an Straße fort

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stockig fest aber hilflos und kurz gebaut Stumm,
aber Zweige (arabeskenhaft) wild. Dienstagabend
Waad {in A⟨..⟩}, Birken, Fremdling. Gedanke: Gedicht
Winter zu Herbst, Frühling, Sommer, {Heerlager)}

Mittwoch Gaildorf mit Mutter. Nach⟨..⟩ ge-
mütlich, obgleich nicht innerlich (Kameralamt)
freigeworden. Speck in Wirtschaft. Schneien.
Dienstag in Neumühle am Kocher mit Franz
Nachts Mutter sich in Stall bei krankem Kälbchen,
daß es am Tag, wie ich fort ging kaputt sein mußte
verderben, Freitag Samstag, Mist führen.
Schneeweiß und kalt von Holderacker ⟨1⟩ Komburg.

Erschütterung in Gebet Ort [VR: Ost] sehen ⟨1⟩ Baum wie über [VR] sich
kommen und Hügel und Berge rücken lassen und als
⟨1⟩ schärfer über sich. Sonntag mit schwerem Koffer
Verspätung nach München. Nachtgedanke
zu Hause: Nicht Begründung, sondern Be-

13

festigung des Reichs. Antichrist Zeugnis
geben im Trotz und wider allen gedemütigt
falsches Leid. gegenüber Mutter. Auf dem
Rückweg von der Verschränkung: Antichrist Leid
Am Montag gleich, nachdem wieder da, Herr und Frau Caspar
bei starker Kälte in Pasing zu [VR] Besuch.

Wieder die Idee nachts eingefallen wie früher einmal
das paradoxon wagen. das Zurückaltern
aus Verjüngung der Zeit. Idee im Gegen-
gang zu Schalomiel aus der Einzelübertragung
zurück und immer mehr als Einzelseele unteilhaftig
intellektueller und außerordentl Wiederherstellung
der Erbsünde in Zeit zurückgehen. aus dem
jüngeren Tag in den älteren, ältesten, an
den Anfang. Greis werden im Zurückzug.
also nicht aus persönl Verschränkung vorwärts,
sondern aus geschichtl. Verschränkung zurück oder

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vielleicht: durch Vorwärtsgehen aus der
persönlichen Verschränkung zurückgang der geschichtl
Verschränkung herstellen
.

Mittwoch 17? I 17[Mittwoch, 17. Januar 1917]

Wenn du alles versuchst, so versuche doch auch die Gnade. Ich
will die Gnade versuchen, mich darauf verlassen, daß
bei Wollen des Werks sich gelingen einstellt.

1. Versuchung umkehren
Springe hinab

furchtbare Sicherheit des in Richtung-gehalten seins
Entschluß vom eigenen Wesen abzustehen, diese Angst, am
leichtesten, wenn in Wahrheit Gesicht in Angesicht
immer das furchtbare Geheimnis eigene Sub-
stantiierung
statt Erziehung anbieten
zu müssen

15

Was ein Wille tut und eine Einwilligung und das
fließende Herz, daß man meint alle Sorge sei weg
und Zukunft offen und alle Sicherheit. Mutter Warten auf Ver-
lobung schon Vorwegnahme aller Zeit in jedes Herz. Ewigkeit
in Mutterherz in der Geschichte, der Glaube und die Gewißheit,
daß man sich immer ganz ändern kann, daß
Qualität immer über Quantität ist. Grund aller Schreck-
lichkeit des Geheimnisses.

Manet: cfr. Personen Schauspieler als
Hamlet etc. Diese Vorliebe für Theaterpersonen zusammen
mit Substitution. Daneben nun Giotto,
Auswirkung durch Charakter. Das Edle, Ideelle
Aufnehmen in das Eigene in nächste Substanz.
Hier das Ende und weiteste Weg der Verschränkung:
Wer durch Charakter (gegenüber Erziehung) wirken kann,
am Ende und höchster Mensch und muß
sich nicht verlassen, sondern ganz in sich. So

16

auch Angst, sich verlassen zu müssen, nur ein
Stück und böse Kreuzung des Weges der
Transsubstantiation durch diese Ver-
substantiierung. Giottos Gestalten
von Gewändern wie von Geschichte erdrückt
in Wehrbann gehalten und dadurch immer
ernster und größer. nahtlos Gewand
Gefühl bei Caspar. Porträtierung des Zufalls bei
Porträtsitzen. Dieser Zufall ist die höchste
Freiheit der Substanz willigkeit im
Augenblick der Zeit, so auch Christus vor Kaiphas
bei Giotto s. Dieses Gesicht in Glorie des ver-
ratenen Augenblicks.

10. Brief. Nicht begehren des Nächsten Gut,

17

sondern höchste Substanzwilligkeit in
Charakter ist letztes höchstes Element
der höchsten Gesellschafts⟨..⟩ Passion
ohne Leid
. Gegen Neid

Dieser „Zufall“ und Zeitsicherheit in Charakter, das
ist die Blüte des Nur-wenig, dieser leichten
Neigung, die entscheidet, das Fließen des Herzens
und Wirken des Wortes (besser und gesellschaftli⟨..⟩
noch reifer und weniger gepresst aus der verschränkten
Innerlichkeit, weniger Kleist und Hebbel mäßig,
blühend füllender und weniger urteilend, auch
das deutsche Wesen reich machen könnend,
diese leichte Neigung, die ich schon lange merke.

Dies leichte Nur-wenig und Neigungsrichtung ist [? VR] aber erst
möglich und fruchtbar bei schon endlichem eingestell-
tem Charakter, vorher nur Strafe der Einsicht

18

dies [VR: zu] liebe⟨.⟩ [??] mein Verhalten bei Mutters hilflosem Bettligen
gedacht. Gewiß der Erkenntnis, des tötlichen Leids selbst,
Traum Duelle nächtig Mann Sekundant, dann gegen Sache
rechtend, wehrend. Überfüllter Kopf mit Blut
schlimmstes Verhängnis, falsche Passion

Nicht in Einsicht soll das Tun zur Ruhe aufgehen,
sondern in Charakter aufgelöst werden, verschwinden
cfr höchste Tätigkeit und Dramatik
Drama ist annahme der Geschichtssubstanz,
und Genügens kampf um etwas Absolutes.
Bei vollsten Charakter hört Drama auf in
reinste gelöste Schicksalarbeit, Heiligen
darstellung. 3. Brief von Drama zur Arbeit
und Volksubstanzidee bildung [mit Bezug auf "Dramatik" weiter oben:] und zugleich
höchste Hieratik, Ruhe.

19

so kehrt für Schalom das anfängl gegen Arbeitsein
gegen Arbeit denken wie auch gegen Charakter
denken wieder zur gleichen Ahnung des Genusses
der Ruhe und 7. Tages zurück nach Überwindung
der Arbeit. Aber dies nun dazwischen der
schwere Stein Strudel des Bluts

Entschluß zu dieser Volkssubstanz, zum
corpus Christi durch Hieratik im
Charakter. Charaktergeschichtsheiligungs-
willen.

Heute Mittwoch 17. I. 17[Mittwoch 17. Januar 1917]

vormittag aus bösem
und unempfindlichem Herzen heraus weiter Schritt
gegeben in Zurücklesen in K. B. Notizen zu 18. III.
16 (und dies mir als Gnade und Begleitung aus Krieg
für Zukunft gegeben) daß Gehorsam das Entschei-
dende, das wahrste Verlassen seiner

20

selbst, um allen Stoff zu bekommen,
Im Gang zum Organischen aus der Ver-
schränkung so weiter kommen, statt daß
der intellektuelle Erkenntnisbaum der
Einsicht, daß gut sein und Besserung nötig, nun
Frucht vom Lebensbaum, statt Einsicht der
Gehorsam, statt Lebensgenuß ohne Erfolg
der Empfang und Bereitschaft zur Gnade in Ge-
horsam. Es ist das Gleiche und doch in Eben-
bildung das Entgegengesetzte. [Zeichnung: liegendes X bzw. Kelch]
[Beschriftung oben rechts:] Gehorsam [Beschriftung unten rechts:]Einsicht

Im Anschluß an Notiz zu 19. XI. 16 nun an
Ende der Verschränkung und letzten Freiheit der [?]
Erlösung gekommen auf einmal in tiefster
Erfüllung von Wehmut und Gnadeneinsicht

nachgetragen dies alles seit
1. Januar am Montag, 12. II. 17, zu Hause nachmittags mit Hals und
Brustleiden.

21

Das Untrügliche von oben [Zeichnung liegendes X bzw. Kelch]
das Unvertilgliche von unten

Die letzte große Verschränkung und zugleich Lösung
das Untrügliche ist ein organischer Aufweg
von Gott Wissen Weisheitsbaum
von Menschen organischen leb. [VR] Gehorsam
das Unvertilgliche ist in Abweg aufhaltung
von Menschen Erkenntnisstelle
gegen Gott Naturverderb.
Das ist nun die Unvertilglichkeit, die
Reinheit in ges. Sinne. Seeleneigen-
schaft. ges Grundwesen der Seele.
falsche Verschränkung und wahre Wandlung. Magie und
Wunder, Tausch und natürl. Taschenspiel statt
Opfer. Begrifftausch statt Sohnschaft

22

und Opfertod in tägl. Wandlung in Kirche

Unsere Herkunft ist immer größer als
wir selber

Donnerstag, 18. I. 17[Donnerstag, 18. Januar 1917]

Die Sucht nach Geheimnis und Bestimmtsein, die
Neigung zum Weltplangeheimnis, nicht reine Liebe zu
Gottes Weisheit und Mittat mit ihr, sondern der faule
Knecht sucht den Dunklen Schoß und eine Be-
stimmtheit fast abergläubisch, Maternusidee.
Dagegen soll alles offen sein. Mannlied Moses.

Treue war in Mitte der Verschränkung, diese
tiefste, auch im Unerlösten Eigenschaft, woher
Verdienst?

Wille: warum auch mehr für Degas und jetzt doch
den Mangel in eigenem Willenscharakterempfinden
Mangel in Freiheit des Wachstums

23

und deshalb ges. Lückenspiegel vorliebe
einsehe. C. bei letztem Besuch wieder Vorliebe für
Renoir bekannt.

Die Trockenheit des Geistes und Gemüts und die
Ungläubigkeit, wann erster Anlauf vorbei
(z. B. 1. Brief und unten [VR]) und die Zagheit
gegenüber der Hoffnung (so Reformation und Ab-
wärtsgang zur irdischen Vielfältigkeit entstan-
den gegen Hoffnung?

Eucken nach Schlegel nachgelesen: dieses Denken
für sich, aber nicht in der Spannung der Welt.

Der Name Fr. Schlegels, der in zunächst unbegreifl. Weise
eine ganze Zeit und Bewegung von zugleich tragenden Geistern
wieder trug, das [?] wirklich eine hierarchische Geistes-
gesellschaft, wie Goethe eine schöne [VR] Eigenform bildet, fehlt ganz.

19. I. 17[Freitag, 19. Januar 1917]

2. Brief, nicht, Herr Herr Eitelkeit des Namens [VR]

24

sondern wahres Drama das ist der Inhalt des 2. Brie-
fes. Gebot. Nicht mit Gnade mitwirken, Gottes-
name eitel sein lassen, den oberen
Teil des Dramas, den Geist der Sohnschaft
vernachlässigen, die wahre Substanz
vernachlässigen
, cfr heutige Tatlosigkeit des
Katholizismus und anderseits klassizist
absolute Wortglaube

Sonntag, 21. I. 17[Sonntag, 21. Januar 1917]

gelesen Scheler „Östl. und westl. Christentum“ Das aktive
im Glauben ist von Scheler in seiner Erkenntnisart ver-
nachlässigt, oder vielmehr [VR], da er Europäerideal eine
kleinliche ges. Aktivität, scheinbar größerer gegenüber
der großen Dostojewskihaften scheinbar kleinen persönlichen
dem inneren künstlerischen romantischen Verschränkungs-
kern. Sohnschaft höchste Willentlichkeit
filioque von ihm nicht geschätzt, fehlt diese leise Neigung

25

Östl. Heiligenbild Antlitz, Erfahrnis ausgeschlossen
und auch vorherrschend als Gesicht und Antlitz und gelegtes
Gewand nicht Geschichte. Antlitz und Kuppel
und [?] Antlitz in Vaterschaft, das in sich ent-
wicklungslos festgehaltene, selbsein wollende
Anschauen ohne Charakter und Erfahrung,
dies eben die Einsicht und der behaltene Baum
der Erkenntnis als schon in Anschauung verhindert
und [in?] bloßes Gesicht. Diese Art reclusa, nichts quantitiert
dagegen Jesuiten quantitierte Geschichts-
teilnahme ohne Qualität der Stoffreclusa
Benediktus Geschichtsenthaltung mit anderer-
seits starker Stoffreclusa anerkennung.

S. 1271 Idee des Tragischen „individuelle Unlo-
kalisierbarkeit der Schuld und des Bösen“
(Scheler), das aber nicht christl. Tragik, die christl.
heidnische Tragik ist, Sohnschaft auslassen

26

das ist aber im Schicksal die Gegenwendung, Wieder-
kehr, Lokalisierung im Einen und geschichtl Spannung durch
alle gegenüber der heidn. Tragik, dem Schicksal, Sohnschaft
nicht zu besitzen.

das eigene luciferisch Nutzlose, Vater, dolorosa
Dostojewski Kirche Staat eine verkehrte Ver-
schränkung, statt wahrer Quantitierung eine
falsche Qualitierung.

In Nacht von Zweifel tiefsterschüttert, diesen Leuten helfen
Ich bin gewaltig berufen.

die ausgelassene Verschränkung, das ist der Antichrist,
das ist die Zukunft der Welt, das Problem, dem
wir in der Verschränkung vorgestellt sind

heute wieder K. B. aufnehmen und Auflösung aller
Geschichtsformen im deutschen Wesen. filioque.
Vaterschaft, Leiden und Drama gewicht und höchste Erlö-
sungs zuversicht

27

daß wie eigenes Schicksal so des Deutschen Wesens
Kern und Rettung weniger die Freiheit des Christen-
menschen, (Reformation) als die höchste Heilszu-
versicht.

Schalom. Jetzt nichts mehr. Mensch angehängt. lässt die Füße weg
hängt wie Judas am Stricke.
schwebt an deiner Gnade.

2. Brief mehr geschichtl. Gang der Wiederkehr
seit Christus und dadurch Entstehen des christl. Dramas
gegenüber griech. Drama: Gang der Hinkunft.

als reinste Lösung des Wortes nicht nur mit
Dramaurteil, sondern mit dem Reichtum
jenseits der Verschränkung.

Dienstag, 23. I.[Dienstag, 23. Januar 1917]

2. Tag starken Rauhreifes und Frostes. das Aussehen
Münchens. Jugendlich und Greisenhaft von den wie mattblühend
zartstenglig gekrausten Bäumen und kalt vieleckigen
und wändigen Mauerns. Die Härte nimmt das Licht

28

nicht an. Dantebildaushilfe für Febr. heft. Diese Gefahr
des geistigen zu schnellen Fassens

Mitt. 24.[Mittwoch, 24. Januar 1917]

sehr starker Rauhfrost. “Über die Häuser aus
der Luft“ etc. [1. Zeile des Gedichts "Frost"]

25. I. 17[Donnerstag, 25. Januar 1917]

Lektüre von „Irrwege der Baukunst“ [Cürlis, Hans/ Stephany, H.: Die künstlerischen und wirtschaftlichen Irrwege unserer Baukunst. München 1916] gegen der Überfülle an
Außenstofflichem, dem toten Überfluß der Zeit im
eigenen Schicksal das fast tötlich knapp Zuge-
schnittenwerden
von Gott und nur Neigung in
sich zu Boden zu fallen immer in harten Fall
zu Boden ganz vergehen zu wollen. Nach Ver-
schränkung jetzt gerade in Weite [senkrechter Pfeil mit zwei Spitzen] der Zuschnitt

Samstag, 27. I. 17[Samstag, 27. Januar 1917]

Eberzausstellung, in solchen Ausstellungen zuerst
das stark abgewandte Gefühl ganz rein zu sein
in der Stoff falschreinzerteilung zur trennenden
Kraft. Reinheit oder Überwindung: Art der
Vereinfachung. Daß auch Vereinfachung, ja diese Erst
recht Erfahrung braucht, geschichtlich. Diese Art des
Unbestimmten, Geschichtslosen. Auf mich kommt immer
und überall her die gegenwärtige Übertragung.

29

Hilfsmittel des Ausdrucks: warum z. B. in „Garten
der Mönche die Kirche auf Hügel so spielzeugklein und nahe,
weil nicht von sich trennen und als wirklich gewordene Eigen-
schaft, Substanzwahrheit sehen kann. wie so heute
geschichtl. Formen mangels der Kraft aus Ver-
schränkung teppichartig zusammengeschoben werden
so auch persönlich in dieser Kunst des Kindischen und
Greisen X Sohnschaft als stärkstes nicht zusammen-
schieben, sondern Auseinanderfassen durch stärkste
geschichtl. Gegenwart. Verschränkung und Verklem-
mungen, das sich Nötigenlassen durch Scharf-
kantige Formen
. Die wahre Mitte, das Fest-
halten des christl. Dramas. das Besitzen der
Neigung, die Gnade bloß [?] herrschen besitzen
Statt Gnade hier das zu leichte benutzen, Zufallge-
machte Gefügtheit, falsches Wundergefühlkomponieren
magisch-glasfarbenhaft. Man kann diese Bilder
zu sehr erklären. Farbensetzungen, Schränkungen und1

30

Entwicklungen. Suchen eines inneren ästhet. Gesetzes statt
eines in dem Schaffenden geschichtl. Wahrwerdens.
Es soll Gewalt sein statt Gestalt, Erfahrung statt
Gebahrung. Übersteigerung als Ersatzversuch der
Erfahrungen. Sinn der Verschränkungen: daß
Schalom. immer schon Verschränkung in diesem Erfahrungs-
gang des KBuches dachte und jetzt plötzlich
das Wort in dieser Kunst überall sieht.

Daß ihm selbst diese eigene Notzeitförmigkeit
so verborgen sein konnte, daß sie die Notzeit-
förmigkeit eines wesentl Teils der Gegenwart
und ihrer Kunst überhaupt ist. Eberz sehr stark in dieser
Schnittmitte (auch aus kathol. Unfruchtbarkeit) und
Verklemmungen, ohne Farbe, die besser ist, besonders
deutlich.

(Feuilleton für K V [Kölnische Volkszeitung] über Eberzausstellung)

Aus Gott Stoff machen = aus Besitz leben
wie aber zu dieser Einsicht gekommen?
welcher innere Trieb

31

Immer wieder von der falschen Idee apologischer Irrtum hören müssen,
die halben gewinnen wollen, dabei selbst halb werden
oder eher der [VR: da] Grund schon dieser Idee, schon selbst
bloß halb sein und darum noch andere zur Selbst-
sicherung und Beruhigung um sich sammeln wollen.

woher unsere engere, unfruchtbar möglich bleibende
Bedrängnis und allg. Taumeln und Machwerkerei,
daß uns nicht nur das Tun, sondern auch die Tuenden
diese ganze Welt nur eine moralische ist,
auf uns sitzende Welt ist (nicht aber als
sittliche der Ästhetik, sondern auch in Wendung auf aus
der geschichtliche. [?] das unsere Bedrängnis der
Sohnschaft
. Wir gegenüber der älteren kathol. „H.“
art, diese ist ein eifriges Tunwerken damit
aber zufrieden. Wie muß man die leise
Neigung herstellen, der Verstand (und das
Verdienst der Sünde und des faulen Knechtes? Geheim-
nis und Furcht) zeigt die höhere Ordnung. Bitte um ⟨.⟩
Gnade für Werden und Wachsen in d. höhere Ordnung.

31a

Di. 30. I. 17[Dienstag, 30. Januar 1917]

Eberzfeuilleton geschrieben. {Zu} Schluß der Gedanke wie
Demut, Dank etc aus Geschichte entstehen muß
wie wird Eigenschaft auch im Werk zu wahrer Eigenschaft,
nicht mehr als ein zurechgedachtes Zufallgefüge der
Linien, nicht mehr bloß aus Stoff und Form reim-
artig empfunden (das Reimen in der
neuen Kunst cfr auch Däubler2), sondern vorbild-
lich. Denn Kunst soll vorbildlich sein. Daß
die Wahrheit des Vorbildlichsten erst aus
der geschichtl. treuesten Nachempfinden,
Nachbildung entsteht, dieser Zwang,
dies liebe und leide Geheimnis ist in
der Welt und in der Verheißung und in Jesu
Erdenwandel, und wie soll doch die Liebe
groß werden zu diesem Geheimnis. So ist
der Mensch also ganz und gar in die Geschichte
gezwungen
, und so ist also Verantwortung ganz eigent
lich nur Nachfolge.

32

einfachste, tiefste, wirklichste Antwort auf die
Frage: wie ist Lebensform möglich, wie in Geschichte
kommen, auch Lied des Mannes: Folge mir nach.
Jüngling von Naim

Dies auch Lösung und Kern der Dreiteilung der
Metaform. Vorvorwegnahme. Wegnahme,
Nachvorwegnahme paradoxon.

Nachts. Judas Verrat über alle Übel das Größte
sich selber nun in der Wahrheit und ihrer Vor(weg)nahme
von Judas trennen, sich so wirklich gegenüber den früheren
Gedichten trennen und in ihnen trennend in Gesellschaft
eingehen und sich von ihnen gegen sie Halt geben.
So dem Wort und Urteil das Scheidende, den Platz
geben können. das Wort statt des Bildes der Einge-
schlossenheit für sich bieten. aus reclusa in Immac.
Immaculata wahrer Sinn reinstes Wort statt absoluter
Kunst, Kern der Ästhetik ist das Wort. Mitte
gegen der Verschränkung Gespräch mit C. am 29. über

33

Rembrandt ergriffen von der Wahrheit z. B. wie Jakob
bei Anblick des blutigen Rockes. Und C. bemerkt, wie
R besonders gut die Heuchelei darstellt.
durchhalten, nicht Judas sein. dieser Weg
der Wahrheit [Strichzeichnung] hier ist nun das scheidende
Wort in Mitte aus der Verschränkung. dieser Weg der
Wahrheit; ich komme Gnade! voran. So auch
zurückweichen von Lucifer, aber Erfahrung wollen
und reines Seelendrama (Nebengang zu
„Unbedingt“) und damit Tod. Judas
sei gegrüßt Meister, bekommt alles, auch sich
verdorben, der Lauscher am Tische.

Do. 1. Februar 17[Donnerstag, 1. Februar 1917]

Mitteilen Wort, nicht mitteilen in Hingehen
in Verschränkung, aber mitteilen in Herkommen
aus Verschränkung
das letzte Lob aus der Kuppel
Lob, Dank, Bitte, Dank, Lob, Lob als Selbst-
äußerung des Hergangs

34

Wer nicht im Glauben, der alle gleich macht, aber in Hoffnung
in [und?] Kunst denkend, der ist seiner Zeit immer voraus
(gegen Scheler)

am 31. I. 50. Geburtstag von M. Huber X Muth. Dörfler. (Schleich)
am anderen Tag Gespräch mit M. in schärfsten Gegensätzen, aber
Streit ganz vermieden: er jetzt Vorsätze ⟨1⟩ Goethe etc. denkt
wegen Stiftung an „Neid“ (dies auch wie in Rede am Tag vorher be-
tonen des „Glückes“) Diese Art klassizist. Unsicherheit statt
Dank etc. Die nächsten 10 Jahre was es gilt und es soll Losung
Vereinigung der Kräfte. Spricht für Goethe, Klassik, Das
Absolute. Ich was ist das: dafür das wirkliche und das
Erlöste in der Geschichte. Schillers Notdurft und unser Besitz
Naivität. Bewußtheit. Es müsse sei ein geheimes Gesetz zwischen
Dichtung und Kunst und es wäre interessant, und eine Aufgabe, daß
auch Kunst auf Dichtung, nicht nur umgekehrt, wie man wisse,
Einfluß habe Ich: ja der Übergang zum Wort
Giotto während er das Franzisk Volksmäßige [VR]
auch der Raum aber, der gar nicht da⟨..⟩. wo kommt das her?
aus Papsttum in Italien. Gegen Gotik. Wie [VR] so das Absolute geschichtlich
verwirklicht worden. Das Heidnische im Klassizistischen

35

Furcht vor Neid, das Klassizistische des Neidgefühls trotz des Absoluten
der Götterneid, Glück und Furcht X falsche Liebe. Der
5. Brief gegen die Klassizistik

deutsche Literatur vornehmlich mit Berücksichtigung der
Katholiken. Dies ändern wollen der Stiftungstendenz
(im Grunde ja auch Furcht vor der engeren wirklicheren
Aufgabe und darum Suchen weiteren Bodens)
Er: Es mag sein, daß diesmal (weil [VR] ich C. erwähnte [VR]) vorausgeht.
hier auch vor dem geheimen Gesetz und ich: Anschauung zu Wort
und Anschauungsgröße Stumm bei Giotto. Kant und die unfähige
unwirkliche Lit, letzte Kunst statt erster.

Die falsche Wertbildung der „Tat“: der Einzelne – Gesell-
schaft – der Einzelne statt umgekehrt

Empfinden außerordentl. quellender innerer Größe,
daß lebenlang für sichere Geführtheit immer mehr
werde danken müssen und dankarbeiten.
Dies Empfinden gegenüber früherer Empfindung, daß Herz quellen
will.

36

Ubootskrieg, wie das Recht auch durch Zeit groß wird,
so jetzt dieser UBootkrieg nach Friedensangebot

2. II. 17[Freitag, 2. Februar 1917]

Frost im Licht. aus der Nacht geboren. Verhärtung
heller und heller jede Schicht, um das Dunkel der Herzen
der treibende himmlische Strom wie Schollen. Haufen wie
Ameisenhaufen [vgl. das Gedicht "Frost 2" in Tantum dic verbo]

3. II 17[Samstag, 3. Februar 1917]

noch länger und heller, blendend weiß wie vor Feuchte
wie Blüten und Gespinst. Äste ganz überdeckt und gefügt
alles überzieht sich mit Richtungen von Nordost nach Südwest,
d. h. von festen Punkt Knopf an Pfahl nach SW. anziehend [VR]
dunkler Trieb, Stamm. innere Gegenbewegung. Greis
je älter, desto frischer. die Gegenbewegung dunkler Kraft
und feinster geistiger Blüte.

Für Einbildungen, Einfügungen, Verfestigungen [Verfertigungen?] jemandes
in die Gesellschaft sehen durch Tun und Fortsetzen.
Daß Geist allein nicht wirkt. Hoffnung: Name treibt
immer, zu wirken, als Gegensatz des falschen Geistes
zu Namen. Stein, Brot. Dieser Geist als
Sünde gegen den heiligen Geist noch dauernd und außerhalb
der Geschichts verschränkung. Dies ist im Gegen-

37

satz zum falschen moralisch-Absoluten des Klassizis-
mus das falsch-geistig-{organisch} absolute der gotischen
christlichen Gesinnung.

Unsere Arbeit gelingt nicht ohne Läuterung Schlußgedanke des
2 Briefes, daß unser Glaube nicht durch Klarheit, sondern durch
Kraft wirklichkeit schaffen soll. Stilist. in Kunstge-
danke ebenfalls. Aber diese Arbeit gedeiht nicht ohne
Läuterung.

letztes Muttergedicht: Sommer: Alles einsaugen, desto hingege-
bener zu sein und aufgezehrt nichts eigenes als
Kraft, Fortsetzung gegeben zu haben
, innerstes enteig-
netes Wesen des Charakters, Charakter als
Opfer, Ende nach der Verschränkung, größte Weite X|
cfr auch nun um diese Zeit Gedanke, daß man auch Lob, Bitte,
etc und Vaterunser, was doch schwer ist, zugleich als Gebet
nicht aneignen, sondern aufopfern soll, sich im Gebet
und das Gebet enteignen. Ahnung, daß das so sei.

4. II. 17[Sonntag, 4. Februar 1917]

Sehr schöner [VR] sonniger kalter Reifsonntag. nachdem am Samstag wieder leicht
auf den Schnee geschneit. Montag Abbruch mit Amerika

38

Dienstag, 6. II. 17[Dienstag, 6. Februar 1917]

Judas fertig. Nach der Verschränkung aus dem na-
türlichen Verderb sich noch größeren Verderb durch
freiwillige Anteilnahme an Weltschuld wünschen
und gesellschaftl. Sünde wünschen, um diesen Vers fertig
zu bringen. Nicht wollend müssen! Gib mir Ver-
derben der Menschheit. Judas bringt, indem
er das Wort nicht ruhen lassen kann, der Geschichte
die weitere Erfahrung und Fortsetzung. Das Zögern und die
Furcht, bis dieses zu schreiben wagen [Pfeil auf "Gib mir..."]

am Abend da fertig Judas an Schreibtisch auf Redaktion
in Zusammenbeugen vor Beschämung und Gewähr und Augen schließen
in die Hände: Gebeugt vor jeden Dinges lichter Blende
– – – gleich ganz fertig – nur immer kummer-
kleiner will ich werden – und wahrer.
[1., vorletzte und letzte Zeile des Gedichts "Scheidung" in Tantum dic verbo]

Dieses nun am Abend nach Wut dareingegeben,
o Gott. Später Titel: Scheidung. Gedanke, sich so
aus den Dingen und der Gesch und Welt aussondern,
daß es die reine Gotteswelt wird, wie vor Menschen
geschichte war.

39

m. [?] Heuchelei und Scheinheiligkeit, auch die falsche erlogene Bescheidenheit
zugunsten einer rein absoluten Kunst und Nachruhms erst als
edler Sättigung als das Element des falschen um die Verschränkung
das falsch irdisch machen und der Verschränkung nicht genügen
können, aber doch ihr diese teuflische Eigenschaft und Umschwindelung
geben. Kern des 8. Briefes. Die Geschichte des Auf-
gangs, der Erneuerung der kathol. Literatur in dieser Zeit
bis jetzt ist eine Geschichte des sich selber falsch Vormachens, der Heu-
chelei, der erlogenen Ästhetik, sich für sein verlogenes Ungenügen
gegenüber der geschichtl. Wirklichkeits verschränkung ein absolut edles
Reich vormachen 8. Brief Kern. Und darin Schalom zur
Strafe teilnehmen. So rächt sich sein persönliches Ungenügen.
Es gibt eine Sünde außer der persönlichen, an der der Mensch
zur Strafe teilnehmen muß, die gesellsch. Sünde und Lüge, um
Brot zu essen zu haben. Diese Spaltung des Sündengeheimnisses
in K. B. in Folge der Verschränkungslösung. Ganz ⟨1⟩ nur
ist der Entschluß, ganz wahr zu sein. Auch dies zu
erlösen durch Führersein. Abends bei C. mit beiden
Gedichten. Gefühl der Flüchtigkeit gegenüber der Größe der ? [3?] C.

40

7. II. 17[Mittwoch, 7. Februar 1917]

Morgens Nachgedanke, weil gestern nacht noch Mitteilung
daß Versteigerung, sie die Last los wird, Mitleid und sich dadurch
auch forttragen, endlich Änderung wünschen lassen. Diese
Dicke des bösen Geblüts. Gestern gib mir Mitleid Vandalen [?]
heute gib mir Mitleid.
Diese Eigenschaft trägt ganz aus der Verschränkung und
versteht die ganze Seele und Weltgeschichte x den Verderb
diese Anteilnahme in Freiheit der Seele. Geheimnis also
hat Gott die Welt geliebt. Das Wehleidige statt Unrecht
gestehen sich in natürl. Verhinderung zurückziehen.

Romantik Goethe, Trennung von Subjekt und Objekt
vollziehen. Werther, sich selber töten gesellsch. Sünde.

8. II. 17[Donnerstag, 8. Februar 1917]

daß einem die Menschen gegeben werden. Diese
Demut der Geschichte sich zur Wirkung ganz aneignen
wie ein Künstler auch so früher im Auftrag schafft.
so Verschränkung nützen. den Kreis gespannt:
Kommet alle. Geiz, Judas, Gram

41

Neid (Scheler) Verstehen dieses Abschneiden, Ver-
kümmern der wahrsten Lebens Kraft, Geschichtskraft

Je weiter zurück Märchen, Sage, Totenreiseutensi-
lien in Gräbern, desto weniger Gott und ewiges Leben
aus Gesprächen Geschichte, desto mehr aus der Unerschlossenheit
und Weite der Stoffreliefteilung zu erschließen.
Paramente, nicht sich und sein Leben leben, sondern das allg.
Interesse des relig Kultus vorschieben.
Liebes Dichtung wie religiöse Dichtung. Diese Selbsttäuschung
und Heuchelei, daß dies wahre sei, die nur aus Über [?] Lebensdruß [?]
entsteht. Über [?] Das hohe Lied.

9. II. 17[Freitag, 9. Februar 1917]

Frost wie Licht
aus der Nacht geboren
um der Dinge Kern gefroren etc.
[Anfang des Gedichtes "Frost 2" aus Tantum dic verbo]

Die Kunst, arm zu sein.

die Einbildung in jüngeren Jahren, daß sich Glaube,
Glaubensannahme nicht erzwingen läßt, diese
dumme Überhebung, daß man Macht habe, sich diesem

42

Zwang auszusetzen

Frühling Mutter diese Umkehrung, immer mehr Gnade
je weniger ihr genügen.

10. II. 17[Samstag, 10. Februar 1917]

Vor Gott gleich, aber im Sohn verbunden, verschränkt
Ges. form. Hoffnung, Sohn, Reformation. Dies Ausweichen
daß an [? VR] Erd- und geschichte gegebenen ganz allein an
Sohnschaft hängt Kulturfrage, nicht an allg.
Gottesidee, dies hat auch M. cfr aber Protest. Christusglauben.
Die rechte Weisheit

Gegenüber [? VR] Ettl. eigen und nachziehbare Natur der löschende
Funke, Mutter, welche Schwerkraft.
S. 646 nicht Liebesgemeinschaft mit Gott wie
Scheler, sondern warum vermittelt, etwas Natürli-
cheres Stoffliches, agape. Joh. Komm. Sich darin
scheidend auch im Wort, das am Stoff zehren
muß.

650. Solidarität der europ. Staaten.

43

Warum das Widerstreben gegen die Sohnschaft z. B. der
Sozialdemokratie. die rein gesellschaftliche Sünde als Wider-
spiel gegen die russische Vaterschaft

650 unten, der Glaube, daß aus Quantität Qualität
entstehe, statt künstlerisch bis zum Punkt der
eigenen Verschränkung und schließlich zur Erlösung zurückgehen.
Lebensproblem Schaloms. Scheler ist immer
zu viel Europäer. die größten Probleme
Willensfreiheit etc. Augustinus bei uns nicht
heftig genug.

Angst, Sohnschaft zum Eigengut übergehen,
sonst nicht mehr behütet.

657 Mein eigenes ist noch (trotz Scheler etc)
und trotz Angst, ausgeschieden zu werden und Wehmut
Schmerz, ungenügt zu haben [Linie zu "ist noch"] der prozessus
Schicksalsentscheidung Schalom
der Prozessus ist keine Trennung wie Schelers Divisionis-
mus, sondern eine Vereinigung

44

faule Knecht: bis jetzt in der Berufung und Beharrung
behütet (Lucifer) nachgekommen, aber jetzt Gefühl, nicht mehr
behütet werden, selbst mit Pfund wuchern, fruchtbar
machen.

S. 654. magna charta Europäer über das eigene
deutschwesen[s?] Sohnbetonen welcher Unterschied
aus dem prozessus zeitl. Spannung gegen falsche hierarch.
Raumwesenssetzung. Scheler faßt immer die europäische
Quantität zusammen und hält sie {als Summe} für eine
Qualität. wie ist aber gegenüber der gesellschaftl Sünde
auch eine gesell. Qualität vorhanden, nicht als Summe
sondern als geschicht⟨.⟩ Empfangenheit. die reclusa
des gesell Guten [Gutes?]

Auch Scheler das Ritterliche be⟨..⟩ S. 655. Dies Nebeneinanderleben
in einer Zeit gegeben.

655 vergißt das ältere, die Vaterschaft der reclusa
Namensquantitäten. Scheler zu wenig immer europäisch
zu wenig nationalstaatlich, gottstaatlich deutsch und
zu wenig weltgeistlich, augustinisch.

45

Schalom aus der Verschränkung heraus in scheinbar
größerer Freiheit des Gottempfindens gleich nun
ganz räumlich und durch Drängen [VR: Dränger] (Scheler) die
Pressung empfinden und auf einen Platz
gewiesen werden, den erst erobern, sich einstemmen
müssen. Neue Art des Einfügens gegen dem
zeitl. Willen. So entsteht aus der Zeit in ihrer
Wahrung der Wahrheit der Raum. Neue
offene reclusa. wahres Symbolwerden gegen
paradoxon.

Scheler, feucht [flucht?], Kern schwinden.

Marx, Hegel, ewige Jude etc. daß ich alles
dieses ausgedacht, und ohne Frucht, wozu, welche
Bestimmung, was willst Du nur mit dieser
Seele. reine Vaterschaft verlassen, weil
Scheler der sozial Tätigere, oder ich in Sünde Dosto-
jewski doch richtiger bin.

46

„Stand“ Förster. Soll ich scheiden, Schieder sein
zwischen Förster und Scheler, zwischen Scheler und \ Wort als
Urteil, die leise Neigung

nachtragen beginnt heute 1. Mai, Tag der [Leerraum], in München, Mozartstr. nachts.

Nicht Willkür der Höhenlage, die man nehmen kann, wie Scheler
sagt, sondern Punkt der Ebenbildlichkeit und geschichtl. Spannung ist unver-
laßbar. (Nur soviel Freiheit gib, daß auch dir etwas frei tun kann)
Nicht in einem schuldgefügten Organismus, sondern freie Gabe und
Opfer des Organismus selber. Das ist ja aber alles
wie Bedeutung der Sohnschaft selber und des Menschensohnes.
Christus hat die Verschränkung erst begründet für die Mensch-
heit, da er sich außer der geschichtlichen Organismus bedrängung
gestellt, in sich in Freiheit dem Organismus zum Opfer
gebracht hat. Kern des 1. Briefes.

Daß wir ganz diesen Punkt hätten, aber Neigung muß
sein dazu. Freigabe einer willkürlichen Höhenlage.
Gefahr für Scheler, Graßl, Gnauck, Saitschick, Förster cfr dagegen [VR] den
Charakter von C.

47

Wort ist Fleisch. Je mehr ich mir das Urteil spreche, desto mehr
spricht zu mir die Zeit
, so substantiell heftig.

16. II. 17[Freitag, 16. Februar 1917]

Frührot, aber mit der Ahnung, daß nun die Frostzeit seit Mitte
Januar gebrochen, leichter duftiger Rauhreif und schwarze
Raben wie Sicheln am Westrande der Bäume. Sonne von
Osten rot blendend zwischen Häuserlücke, aufblauender
Himmel über Dunst. Erde klar. Wölkchen der Kamine oben rot.
(rokoko) und eilig geballt. In den höchsten Reifzweigen gelbe
Farben wie hingemalt, ganz stark gelb bei Hinsehen wie
gemalt Sichel schmal am Morgen, wohin den Schritt

17. II. 17[Samstag, 17. Februar 1917]

Samstag, noch leichter Frühfrost aber föhnig klar wie Gebirge, Mittag
gleißend und tauend, nach dem dunsttreibenden Vormittag.
Was geht bei Sünde, bei stets neuer Haltlosigkeit, sich untreu und wie
gebrochen wendend verloren? Erkenntnis hält doch zusammen.
Es geht etwas wie Kraft verloren, aus der Qualität der
reclusa (Gedanke an Nachtbild zusammengestürzter Stock-
werke, deren Spiegel gesprungen), aber doch geht etwas ver-
loren und trotz dem Wissen, daß Gnade einmalig
auf einmal wieder ausgleichen kann und erlöst

48

gleiche Höhe möglich. Der Verlust der Dauer und doch bei Willen,
sich ganz in Niedrigkeit des verschuldeten Gefühls halten zu
wollen, das Gefühl, daß man sich weltlich nicht zugestehend, Seele
haltend, als ob nichts geschehen wäre, besser diente. Dieser
Glaube ist mehr als Glaube an Gott (I. höchste, aber
im persönlichen niederste Stufe. II Glaube an Berufen-
heit II. und mittlere Stufe.) darüber der Glaube an
das eigene Bessersein als stetes gekonntes Vollendetsein
(III. persönlich höchste Stufe, da dieser Glaube das Innerste
berührend, erhaltend und vollendend den Menschen in sich
führt und verpflichtet. Dieser Glaube ist nun auch nach der Ver-
schränkung
. Das Unsittliche oder vielmehr jeden Trieb sofort
durch Behaltung der Triebkraft in seiner schwankenden
Wurzel zur Formung seiner Natur in Gott benutzen,
diese innerste Naturgeistbewegung, innerste Quelle
der Kunst und Unvertilglichkeit oder Wachsenmachung,
so der Verlust Kraftgewinnerkenntnis. Besondere
Erkenntnis.

Unter Menschen, daß ich bin. Die Unruhe des geschlagenen
Hundes, der gleich wieder zu seinem Herren schnuppert.

49

das böse über die flach werdende Schneedecke gleitende,
die Augen verderbende Licht, schief, steile, überall grelle
dieses Mittags.

Unbedingt, Droste, Kleist, Hebbel. „Da {M} scheint mir eben
der Fehler zu liegen, daß Bild und Wort. ... Das Absolute X
Substanzgeschichtliche. Nicht für mich, sondern für die Gesellschaft.
sich das Urteil sprechen.

18. II. 17[Sonntag, 18. Februar 1917]

Daß wir nicht nur aus unserer, sondern auch aus der
Verschränkung Europas und der Welt gehend sind,
durch uns zu geschehen.

Die leise Neigung und das filioque, die Freiheit
Charakter durch ges. überall anknüpfen. Diese
Zufälligkeit
(Giottogedanke) als größte geschicht-
liche Behandlungsfreiheit (Carstensen) paradoxon:
zurückhalten, bis kein Wort mehr, sondern ganz
Bild
s. Würzburger Meister Abb. 7.
in eigenem Dichten mehr Trennung bringen, ges. Sonderung durch-
dringend (Dehmel), statt Naturhilfesucht.
Samstagabend die Trennung bei C.

50

19. II. 17[Montag, 19. Februar 1917]

Gegenüber der Angst feig zu sein: Einsicht;
sich selber trennen [trauen?], nicht glauben, daß bei einfachem
Reden und Tun (Eberzartikel) schon nicht mehr möglich
sei, das Große, die eigentl. Aufgabe auch zu tun. in
sich selber zu Stufen sich teilen und wachsen. cfr C.
dieser wahre wirkliche Mensch.

Golembesprechung in Kunstwart, wie man sich im Klüngel
hält, vereinigt mit der Gesellschaft. statt leiser Neigung
aus sich, den Ort des Daseins zu finden.
wie Schalom immer wieder an der Beobachtung, wie sich
Gruppen finden und halten und er außerhalb, früher
die Ordensschichtung bedenkend, immer seinen
Ort und auch seine Nahrungsstelle heimlich nicht kennt.

Vater unser, Bitte als Hingabe, Ahnung (ganz und
würdig) dieser [VR] Höhe des Gebets, die empfangene Bitte
als Opfer zu bringen. Höchstes der Kuppel in der
Bitte.

20. II. 17[Dienstag, 20. Februar 1917]

Geschichtl Dank Joh. Komm. Schlußgebet: Gott, da [VR: der] du die
Stunde bist, nein die letzte, in der der Mensch mehr und am
ärgsten schauert, die Minute, der letzte Augenblick
höchste Seligkeit.

51

21. II. 17[Mittwoch, 21. Februar 1917]

Aschermittwoch, unwürdig den Gedanken empfangen [VR].
Mitteilung gegenüber den Univ. Prof. bloße Lehre. Lehre als
Mitteilung. die neue Mission, daß man dafür durch Tat,
Dasein {– Hochland}, gehen unter Menschheit eintreten muß. Rechtfertig-
ung eines Daseins wie ich. Die neue Mission I. Brief.
Aus der Verschränkung so zur persönlichen Unvertilglichkeit
kommen || Das ist die größte Gefahr, wenn das Bild nicht
mehr Wahrheit ist, sich von Bild zu trennen. Géricault
Klein auch M. dann der leise Zug jedesmal Pfingststumm

Indem wir die Natur in uns aufnehmen, trennen wir
die Geschichte und Gott aufnehmen, trennen wir die Natur
Wir müssen in uns die Natur vereinen und die Geschichte
trennen, in Gott die Natur dann trennen als gegenwärtigen
Kelch und die Geschichte vereinen. Sie mußten stumm sein.
Die leise Neigung (Blennerhassett{x}) Glauben an eine ver-
pflichtende absolute Wahrheit x Verantwortung

„wie ich persönlich eine Freundin“ verloren M. Macht der
Stellung und des Alters.

St. Georg, das verderbliche abwendend, Ceremonien
(Bernhart) aber auch Fruchtlosigkeit der unfreien
Ceremonie, Stachel

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24. II. 17[Samstag, 24. Februar 1917]

der Schwindel (Medard) der sittlichen Reinigung als bloß einmalige,
oder einmaliger Venusberg, diese falsche literarische Romankritik gegen
Kampf und Dauer und die Hauptkämpfe auch darstellerisch
erst in der Ausschränkung. Jetzt alle Kunst und
Kritik nimmt es auch so als gültig an, [bezogen auf "Kunst"] nur Problematisch
in Gang in Verschränkung, statt doch [?] wahre Trennung
und Erkenntnis der Reiche und Möglichkeiten der Kunst
erst in Ausschränkung

Gespräch mit Scheler und Dörfler über Kunst bis zu
katholischer Farbe. Scheler: ja wenn die [VR: Sie] den Glauben
so haben, dann ist es auch so. Diese Art Ausweichen. Dörfler: Das
ist Theosophie. {Gnostik} Tanzen lassen auf der Nadel.
Ich werde kalt durch eure Glaubensleere
Mit Nadel kitzeln. Wunder ist das bloße Wort
Dank spricht gegenüber Demut bei Lucifer der gläubige
Phantast „Und so entsteht der Antichrist“
jede form jede farbe Gott, erst, wenn sie durch mich,
nein durch alle Menschheit.

Antichrist also bloße reine Lebensform möglichfrage
statt freier Gebennahme der Gegenwärtigkeit

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26. II. 17[Montag, 26. Februar 1917]

nicht zu viel Selbstverantwortung, ⟨1⟩ bloß in toten
Erkenntniswortstreit (auch das Antichrist,) aber
auch im niederen Sinn der sittlich protestantische
(falkin⟨.⟩gespräch⟨.⟩). demgegenüber Weise sein,
Allweisheit.

So stellt sich auch die ständig festgehaltene Idee der
Selbstverantwortung jetzt anders und richtig.

M: weil Städter politisch denken kann, er aber nicht spüren lassen
daß er den Bauern dumm hält. Dummer Bauer! Staats-
gesinnung, altererbte Kulturgüter.

Charakter. die Art der Literaten, sich durch Totreden und Be-
haupten festzulegen, selber versteifen. Osterhuber, M.

Unter Menschen, daß ich bin, Hund vor der Welt
Mann, Tierbild.

Tier in ägypt. Jetzt auch in Ausschränkung das
heidnische Tier aufnehmen.

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März 1917

1. III. 17[Donnerstag, 1. März 1917]

Die fortschreitende (Quantitierung) Kernverteilung der Qualität
Das im Fleisch Wahrwerden muß in jeden Muskel und Tropfen-
gang selber und immer mehr der Kern sein. Alle
Verantwortung
, diese bis jetzt von Schalom gedachte Art ist und
muß sein nur eigene Bereitschaft, sich selber zu verantworten
innerster Aufbau, alle Forderung an sich, dann wird sie, ohne sie
aus der Geschichte zu fordern, immer größer und unendlich. So
wieder Lösung aus Verschränkung, ohne die beiden Ebenen
als reine Fülle, Kubus aber nicht der Renaissance
X. So Lösung der Frage: wie ist Lebensform möglich.
vollendete Selbstteilung als Mitteilung, sich zur Kommunion
geben, gegenüber dem schwer ohnmächtigen Gefühl, sich selber nicht kom-
munizieren zu können. Belastet mit Nichtmitteilbarkeit
von sich selber, sich selber ohnmächtig. Die Quantitierung, Neben-
einanderschichtung {||||} statt cfr O. B. [vier waagerechte Striche übereinander] ⟨.⟩ 4. Gl.

55

Die 3 Versuchungen

[linker Rand]
Ib. [?] II ⟨.⟩ I ⟨.⟩ III
Lucifer

I Zu Erde Natur das tot Vollkommene empfinden
II Zu sich alles geben, das erkannte Vollkommene teilen
III Zu Menschen Flug das Mitteilend Vollkommene
Willkür der Erkenntnis gegen I " des Lebens
gegen II " Freiheit Fatalismus

tue das bloße Werk, das hier Wertkriterium [VR: Wortkriterium] wird, sich das Werk
selber in einer eigenen Vollkommenheit fordert. Was du
behütest, das behütet Dich. Das Absolute in sich, die Erfahrung dieser
jeglichen Verteilung und Vollendung. Hunger Bedeutung vor
der Versuchung, innerlich angelegt zur Gier, Wüste; so sprich
daß diese Steine Brot werden. Glaube; nicht vom Brote allein
gegen Wüste II Berg. Teufel in Christus hineinbildend
Selbstversuchung. Gott sollst du anbeten. Alles aus mir.
ich teile mich selber vergebens. So wird nun endlich durch
Sünde und Elend in Fluß gekommen
. So auch Welt von Adam
herein Fluß. Stocken und Fall, Eile, Heidentum. binde los.
III. Turm durch Wagnis sich zu stürzen Zeit aufhalten,
nicht wie im Schlafe Hunger vor Sättigung an Welt.
laß mir alles, unversenkbar, gegen Geiz. Unhaltbar
bestimmt. Zinne. Tötliches Leben im Geist gezeugt
je mehr erkannt, desto dauernder. Hält [Holt?] dich das Wort, das
kaie [VR: keine] andere Seele in sich nimmt. (Letzter Wille nicht mehr Wider-
stand
zu leisten.

56

Aus all dem auch dies Geheimnis der schrecklichen Bestimmung
ersehen, daß Seele zu Schuld bestimmt, das Elend wie
Kreuz tragen muß, da es von Werk gefordert ist. Diese
Lebensform notwendigkeit der Schuld auch in Zukunft, durch
Gebet nicht auf einmal loszukaufen, sehen müssen,
das Verurteilte im Dasein der Seele als irdischer
Kraftverdammnislösung. Von Gott durch Schuld um Einsicht
der Erlösung bitten müssen. Auch die Bitte durch Schuld erkämpfen [VR]
die Hoffnung ist mit dieser Last begründet. Diese
christl. Tragik, die nicht mehr reclusa ist, indem
hier die heidnische rückwärtig dumpfe vergangene
Schuld im Christentum als der auf dem Menschenge-
schlecht liegende Fluch in die Zukunft, als die mit-
wirkende Weltkraft unfliehbar, dies[e?] auch im
ganzen unerlöst und auch durch Verschränkung in [und?] Ver-
antwortungsübernahme nicht lösbare, sondern als Weltge-
setz zum Ende, deutlicher Weg des Verderbs, auch die
Vorwegnahme nun eine deutliche jede Seele durch
das bloße Geschaffensein in die Welt vorge

57

legte Vorgabe, uneinholbare Geschichtsbeendigung erst
in zukünftigen Zeit raum (diese in Erfahrung gekommene
Umdrehung des früheren rein intellektuellen Erkenntnis-
gedanken: „Du kannst deiner Zeit nicht nachkommen,
drum eile ihr voraus“ nun dies aber nicht voraus-
eilen können, sondern verfallen sein, auch durch Zurück-
halten und durch dies erst recht (der faule Knecht)
die Widerlast, Gegenbewegung aus dem irdischen
auf die gedachte reine Lebensform. So trennt sich aus der
früheren Ideemeinung der christl. Tragik als unge-
nügender Übernahme eine viel tiefere Tragik
nämlich das in der Gesellschaft und auch insofern
als Geschichts ⟨..⟩ nicht erlöste Schuldver-
hängnis. das bleibende des „in einem alle ge-
sündigt“ [vgl. Römer V] Auch im Christentum dies unlösbare,
es ist das unentrinnbare durch die Geschaffen
heit gegebene misterium iniquitatis

58

Strzygowski – öfnet mehr die äußere Grenze, der heutige
Künstler, der die Verschränkung nicht nur Europas, sondern der Welt und
zuletzt das Problem von Verhängnis und Freiheit in sich aufnimmt,
muß die innere Grenze geben oder besser selber sein.
Wenn man bedenkt, daß die Religionsstifter und auch unser Heiland
in Asien aufstanden, daß Paulus sich dort die Berufung holte,
daß Augustinus in Afrika, und in [?] immer mehr Einblick in die ersten
Kirchen und die anschließende Kultur ––– Wo der göttl.
Geist der Welterschaffung, da mußte doch auch ihr {menschliches} Herz die Kunst
ihre Nahrung und Blutquelle gefunden haben.
Schrift, Kuppel, Bild, diese 3 wesentl. Probleme
der Moderne. Wanderung und Ornament, dann [?]
christlich als Geschichte das Bild als Örtlichmachung
der Ebenbildlichkeit S. 19. S. 54.

Abends noch Droste gelesen darauf heute
Ich kann nicht verloren sein
andre mit den Dingen so in Frieden.
Dankesernst macht Herz weich und bitterquellend die
Funken aus Erde in [VR] Brust.

Nicht leiden, daß ein Herz so heftig glaubt
ich glaube an die Form der Welt in mir

59

10. Brief mit Fichte beginnen. Gegenüber der Ethik des Ergreifens

3. III. 17[Samstag, 3. März 1917]

Mittun überall, um in Gesellschaft anzukommen, das ist das
hl. Land, Moses, Demut, Widmung.

[linke Seitenhälfte]
Ort, Munde blühe.
Mutter, Frau, 4. Gedicht, nicht eher
Wort⟨.⟩, als bis in Zeit ereilt

Der Ort ist das Gleichnis für die Zeit
und auch Raumentstehung
für prozessus, Schöpfung
der Welt und Spiegel darf es sein und dann fast [VR]
Sohnschaft.

Wahrheit 6 Brief. Hegel 1. Brief gegenüber leiser Neigung
der stete Hand der Erkenntnis, die die Welt
in ihrer Form der Geschichte vernichtet, daß der Baum
der Erkenntnis auch immerfort noch die Geschichte,
wie die Lebensform des Paradieses vernichtet, indem er
die Ebenbildlichkeit fälscht. falsche Vollkommenheit.
Das viele Wehleiden der heutigen Dichtung, da eben gelesen, wie
Lingens auch den Ton von Lersch sucht. da mir endlich einge-
fallen Aus Abneigung vor [VR: und] Wille zur Zerstörung, Zerklüftung,
aber nur im engeren, wie im Brot, unterfangen von der gärenden
Wucht.

60

Ist diese Selbst- nicht Demütigung des Herzens,
sondern Verringerung des Geistes, diese Gering-
wütigkeit
wie in Verschränkung? doch nicht Demut

4. III.[Sonntag, 4. März 1917]

Halbreif halbe schmelzende Sonne mit doch leicht fast von
blau dunstigen Himmel irrenden Flocken.

6. III. 17[Dienstag, 6. März 1917]

Brief Schöpfung und Raum Gleichnis Klassik
Menschen machen nach Bild und Gleichnis.
Gedanke über Zeit und Raum nach Gespräch [?] mit C. über Demuts [Denk?] schärfe.

nicht Bewegung geben, das war nötig in Verschränkung,
jetzt durch Bewegtheit halt geben, alles binden, daß wieder
eine offene reclusa am Schluß.

Das ist uns gesetzt, die Erde zu umfassen, die Erde kann aber
nur umfasst werden durch die Geschichte der Menschheit.
Aber die Geschichte der Menschheit ist in uns begraben. Wir
müssen sie gegenwärtig auferstehen lassen. Ostern.

7. III.[Mittwoch, 7. März 1917]

Das kathol. Volksteil Zeit nicht ausnutzen kann, gegenüber Frei-
maurerei, etc. Diese Ohnmacht, daß man die Zeit nicht kommunizieren kann.

61

8. III. 17[Donnerstag, 8. März 1917]

Das Ausweichen der Griechen Apollo und Dionysos. Dagegen
für Gang in Zeit und Geschichte der Schrecken und die Er-
habenheit des Geschlechts und der Zeugung.

Gegenüber Wilsonschen Idealen die Pflicht der Eroberung
oder die Folgerungen des Krieges wie Scharten zu
tragen, sich selber dadurch eine zu behaltende
Pflicht aufzulegen, ein Opfer des Nichtvergeblich ge-
wesenen der geschichtlichen Taten gegenüber Wilson Geldver-
schiebenheucheleipenetration.

Die leise Neigung und das furchtbare in Richtung
gehalten sein.

van Gogh, „Brücke“. Brückenbilder und ähnliche
als eigentl. Kunstausdruck, nicht einfach Indu-
striestoff, sondern die Verschränkung des Geistes mit dem
Stofflichen fordert das Industriebild, gerade das
Verschobene ist der eigentl. künstl. Ausdruck
wie also auch hier Stoffwahl der Form.

62

9. III. 17[Freitag, 9. März 1917]

mit C. in Ausstellung: Junge Münchener Kunst. Ölberg. Nun
Platz für den Engel, so aus Verschränkung in Schiebung [?]
gegenüber Jagerspacher. Ahnung immer stärkerer Freundschaft,
das Treusein in seiner Art dieser Charakter ⟨.⟩ und [? VR] Glück, einge-
schlossen zu sein und zu werden. Bei heutigen Besuch
der Ausstellung, daß er die Passion malen will.
Daß meine Gedichte – auch Flaskamp und auch C. alles nicht religi-
öse Kunst aus dem religiösen Erlebnis, sondern in Ver-
schränkung und Hoffnung, meine am niedersten in der freien
Beherrschtheit, aber nicht [? VR] aus dem H.programm, alles aus der
Sohnschaft und Bewußtheit und Zeitversetzung.

In Ausstellung das Klassizistische: Scharf. nun wieder cfr
im Herbst Gespräch mit Fl.: die Stellung der Klassik
vor und nach der Verschränkung und ihre Stellung zur Ent-
stehung der Reformation, die Überbindung [VR] des
Raums in der Zeitlichverschränktheit, der Gegen-
satz, auch für mein Ged. „Säule der Erde“ nachträglich
ähnliche Empfindung.

63

Marienleben
Wiege. Daß societas antihierarchica nicht entstehen
wollte und dieser Art Erfolg und Eintritt in die
Zeit nicht gegönnt und Gnade wie Beladenheit dauert,
bis Wiege bereit und in Bewegung und getreten, daß
in anderer Form nicht das bloß Gestrebte wie bei
Scheler (sondern wahrer Joseph) die Form nach und aus der
Verschränkung heraus Wiege für Leben findet.

cfr auch äußerlich Wiege gegen Kelch Form gegenüber der Ver
schränkung [Zeichnung] und auch Krippe

Auch nicht so Marienleben als Bild eben in sich infolge
Aufnehmen Sichvornehmens, sondern wenn man selber
Wiege und Form des Empfangens und dann die
einzelnen Stoffe verteilter, freier, z. B. Wiege allen
falls in Nacht in Bett gedacht: plötzlich in der Nacht, daß alles
auf einmal kommt und nicht genug sich tun kann, ganze
Welt zu erstreben und alle noch jetzt Stoff haben, schaffen
und bereitet in Windeln, Marienleben

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aber kaum Zeit zur Themengliederung, nur Eile. Schwere
und Eile, doch noch Leben zu fassen und das Menschliche
des einmal uns gegebenen Lebens nicht zu verlieren

Sich für Dich, glüht zu wenig, glüht zu viel.
recht willig in das kommende Schicksal, das stürzen-
de [VR] Gefühl in das Fügen [?], recht willig Vorsatz

Lucifer: wieder der Gedanke, der sich Trennung, daß sich trennen
in der Vereinigung Kraft und menschl Ingeborenheit
des Zwiespaltes, daß erst in Mysterium Trennung
möglich. Verzicht auf letzte Erfahrung, um nicht wahrste
Erfahrung als Opfer selber hingegeben teilhaftig zu
sein, sich in die Hand gegeben, sich selber verraten
zur Kraft Gottes Bedeutung der Versuchungen. Christus
statt Verschränkung in Wüste gegangen

Samstag, 10. III[Samstag, 10. März 1917]

Der Pelikan: Nahrung. Herz bloß wie Schüssel für alle, so
in Kathol. sein, aber während will und festhalte, geht {reißt} der Strom ab

65

und während ich trinke, geht Nahrung an mir vorbei, ver-
loren; dadurch daß ich mich teilhaftig mache, werde
ich unteilhaftig. Aber auch Christus so in Zeitfülle
Daß M. nähren muß, was ihn tötet, Zeit und Gelegenheit geben,
um die Kraft wachsen zu lassen, die ihn tötet

die frühere Angst, alt zu werden und junges Gutes nicht mehr [VR]
zu verstehen. Verstehen, wenn wir die Liebe bewähren, können
wir nicht altwerden. Liebe, das ist auch das III. Zeitalter
in letzter Ausschränkung, reinpersönlich Gleichheit
der Alter. Kindlein, liebet einander

12. III. 17[Montag, 12. März 1917]

Montag, Frost und Sonne. Gedanke wie Dichtung nicht
mehr bloß aus Trieb und Druck, sondern mit Bewußtheit
und sich in aller Lebensform dafür einrichten. Sein Leben
so formen, daß die Bewußtheit zur Wahrheit der Form
in der Trennung aus der Verschränkung wird (wie doch auch C.
als Maler bewußt arbeitet). Das ist nun ganz und gar
gegenüber dem Hochl-Erlebnis. In diesem aber der Zwiespalt
Kunsterlebnis und Geschäftsbetrieb. Hier dies in ein
Vertrauen fassen. So löst sich die Frage, wie Lebensform
möglich plötzlich innerlich wie erster Strahl weiterer
Gang zum Dichter. Erkenntnis fast wider

66

Willen, daß Ziel der Entlösung der Dichter sein soll.

ghärt, khärt, gehörte sich, dies bayrische recht eifernd
in dieser Zeit soziale Schärfe. daran Gedanke der ge-
teilten Worte für jede Beziehung. Die Völker, die
nicht zum Wort kommen, aber [VR] immer ihre Bilderworte und
Bilderquantitierungen nicht Organismus. Dagegen
christl. Stil.

Wieder Gedanke an Mainz vor Röth in Kirche Kreuzzeichen
Verrat selbst in Fanatismus des Verstandes noch nicht
Bekennerschaft des natürlichen Wesens. cfr auch Bahr.
Gottes Kindschaft.

13. III. 17[Dienstag, 13. März 1917]

[Pfeil von "der Dichter sein soll" (oben)]

Lebensform zwischen Verstand und Organismus, Geist und
Stoff als Wahrheit, Scheidung und Urteil, so daß Wort ent-
steht und der Dichter. Kann man so Gott schaffen
X aus Gott Stoff machen, Dichter X Gott dieser lucife-
rische Turm die 3 Versuchungen Wüste, Organismus
Berg Intellekt Geist, Mitte Turm, Fliegen. Hegel
Die Verschränkung auch im Deutschtum Geschichte, alles auf sich
herkommen lassen und nicht mehr aus sich

67

trennen können. So hat in Hegel das Deutschtum die
Geschichte erlebt und dann die bissig falsche Willent-
lichkeit Schopenhauers. Auch also möglich diese falsche
Umkehrung des Willentlichen, der Pessimismus als
Bösartigkeit. daneben das Intellektuelle, falsche
Gegenwärtigkeit. Bahrs Gotteskindschaft und dazu
Wundersucht („Stimme“.

„wer vorübergeht - verbleibt [im Gedicht: wer bleibt] in Pein“ [Zeile aus dem Gedicht "Säule der Erde"]. und früher „Drausen [sic]
im gewiesnen Gang“ [Zeile aus dem Gedicht "Lucifer 2"] plötzlich deutlich diese Je-
remias
gestalt und Gedanke an Michelangelos
Jeremias Drama. Jerusalem. Er ist der vergeblich
Leidende3, die unfruchtbare Passion, er ist in der Ver-
schränkung der Geschichte – der leidendste Prophet
und der Ungehörte. Was willst du mit mir?
ungefügter immer reiner. Fall auf Erde, viele Glieder
nicht gebrauchen. Beil und Axt. Gesicht zer-
schlagen. Wüten, daß Ohr nur mild in Rede sein
soll. Laß mir das Herz nicht satt werden wie

68

Gott es macht, das Wort und nicht die Sprache gibt, immer
später dann Zusammenhang und dazwischen sitzen, auch
Michel. Jeremias das weit vorsitzen wie Druck der
Beladung und eigene Schwere des Falles. Jeremias, Werk
gestalten, bis es schwerer als die Seele selber.

14. III. 17[Mittwoch, 14. März 1917]

Schön mit leicht weichendem Frost. Sonnenmorgen aber dann sich
schleiernd und bedeckend.

Gedanke, daß an die Erde nicht äußerlich durch Schwere, sondern
innerlich durch Schmerzverpflichtung gehalten, sowie
an Mutter Bett. Sinn der Mutter, die immer mit Schmer-
zen Beladene gegenüber Maria ohne körperliche Schmerzen,
wie dann doch mater dolorosa. der geistige Schmerz
vom Unrechttun und es ganz auch mit Leib verstehen,
dieses leibgeistige Wohnen zwischen Mutter und Gott und
Sohn, (der Sohn im Schoße, die 9 Monate) ist also noch tiefere
Schmerz, der im Geistigen möglich wird erst nach Ent-
sinnlichung, Schmerz und Heuchelei und Unrecht, Denken
an Gespräch mit C. über die Darstellungen der Heuchelei
bei Rembrandt. Gesichtsausdruck in Schmerz dieser
Empfindung (bei C.) wie hl. Ergriffenheit. So

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Mater dolorosa die furchtbare Passion der Liebe, gegenüber der
unfruchtbaren kurzen eigenen und deutschen Passion.
Also auch Leiden, Passion erst in Länge der Geschichte,
in Metaphysik der Geschichte zu bringen. Dann aber Joh.
Kommunion: Mutter sieh deine Sohn, Sohn s. d. Mutter.
Jeremias, sich mit Treue {Trümmer} beladen, älter sein als die
Menschheit, näher dem jüngeren Tag, dem jüngsten Tag wie Prophet
ich komme vorwärts ohne Werk. Trümmer der Seele, so die
Welt sehen, sich als paradigma. So aus der Ver-
schränkung den Plan erkennen aus eigener Zerstörung
statt aus denken, Kelch der Zeit, letzter Kelch.4
ob, wo wir wohnen, wieder Füchse hausen. Lust der Zer-
störung, Ahnung der Änderung stärker als früher
Revolutionsgedanke „Ich fühle Lösung“

Gedanke: „Kirchenstaat“ cfr Artikel von Fischer in
Aprilheft. in allem dagegen.

15. III. 17[Donnerstag, 15. März 1917]

Lucinde diese Dauer ertragen, diese Art klassizistischen Leides
als Scheinbare Hedonie. Ged. für Schlegel. Zu weit
geschritten gegenüber Schlegel und nun zurückkommen.

70

der „Sinn“ und das „Sinnliche“ Goethe in Rom S. 95
das Eigenschaftliche über das Hauptwort | Schlegel S. 158
über christl. Kunst, Glaube, Hoffnung, Liebe bei Bild in
Diese Über-
raschung ⟨2⟩
von Formenzusamm-
hang wieder in Kern
getroffen werden
Köln. Schlegel nicht ganz an- [er-?]
schaffen wollen und überhaupt sich
nicht ganz hergeben wollen,
verraten wollen (immer die Angst
schon in dem Wort!) Dieser falsche Neid, vielleicht demgegenüber
durch kummerlose Offenheit für alle, da Angst, sich zu
verlassen, überkommen.

Porschs armselige Schofligkeit gegen York-Wartenburg, das
Vorwerfen der Tat des alten York, falls der junge jetzt
nicht freiheitlich mitmacht.

16. III. 17[Freitag, 16. März 1917]

Zar abgedankt. Gestern regnerisch, heute auf
nacht kalt und Nordwind, scharfwolkig klar kalt sonnig
S. 17 (Fischer) peinlich an früher eigene Redeeitelmeinung
erinnert. Kirchenstaat, als Ort und [VR: Oster] Gleichnis, ob er
nicht doch sein muß. 10. Brief das Wort des Ortes
und Gutes.

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warum bei Fischer und Scheler doch nicht Nationalwerden
und warum dieses eben als Ort und Gleichnis
der Verwirklichung notwendig? Katholik [VR: katholisch]
muß durchaus nicht immer neutral sein, (sondern Stoff-
wahl der Form)

S. 17 „starre Wahrung“ dagegen Unfehlbarkeit und
Empfängnis, welche kühnste Neuerung der
Mittel des Weltstofflichen, eine Art Technik der
innersten und äußersten Grenze.

17. III.[Samstag, 17. März 1917]

Angelhaken Kant s. 41 warum aber doch falsch.

Sonntag, 18. III. 17[Sonntag, 18. März 1917]

wenn man eine Aufgabe ver-
säumt hat, wie lange erscheint die Zeitdauer da
sie immer auf [VR] einem liegt, und wird immer schwerer, und zu tun
sicher immer nerventreibender, und [? VR] selbstgetrübter und
Ersatz die Dauer versäumnis zu ersetzen immer drückender
und Wille, sich zu überwinden und die Dauer zu binden
und zu lösen immer wichtiger, so auch Kuppel entstehen
und so auch Zeit von Michelangelo

Nicht eitel nennen, Achtung vor Sohnschaft, vor der geistigen
Wertform, nicht Hausknecht machen, anderseits Knappheit der Sohnschaft,
gegenüber Kindschaft leer eitel Bahr.

72

21. III. 17[Mittwoch, 21. März 1917]

Die Ruhe über Hindenburgs Rückzugsmaßnahmen
die russische Revolution. Mietvertrag s unruhe.

Minaret X Glocke{got. Turm}, Wort X Glocke

die Einfachheit des Genies Hindenburgs
die russische Weltl formunruhe [sic], zerstörung der Vaterschaft

II Hohenstaufendrama s. Schlegel Kunst S. 199 [Friedrich Schlegel, Grundzüge der gotischen Baukunst]
Conrad von Hochstetten.

Donnerstag, 22. III. 17[Donnerstag, 22. März 1917]

früher immer vor Ehe als Hinderung, nun aber, daß Ehe
Fortschritt zu Loslösung. anders wächst, als geglaubt.
Aufatmen. Auseinandergezogen werden. Ist Wuchs
im Glauben.

Frühling Mutter, wie falsches Licht das Auge schlägt
mehr begnadet, als Sinn erträgt Wind [? VR]
Sich Leid halten wollen, und froher Hoffnung wie Schuld
muß wagen diese neue Schuld, daß Hoffnung ? man
muß die Hoffnung wagen in neuer Teilnahme stets auch
Schuld fürchtend, sonst noch schlimmer [VR].
desto mehr in Gegensatz zu Menschheit muß leiden
Grabesruhe oder Geißelruhe, je mehr ein Mensch in dem
innersten Kern leben will.

73

Geknechtet, daß ich nicht zum Knecht Bahr Besuch
Marc Wichtigkeit
⟨1⟩ holen, frech [VR]
gemein [VR], die Wendung auf sich

den andern mache

Geißelung als Sühne, zur Liebe durch Neid
getrieben worden.
Ich bin der arme Knecht
die Guten tragen den Schlechten zur Befestigung bei
am Kreuz
So bei Hochl C. Fl. Diese Einrichtung, Festsetzung der Welt
Kreuzigung Weg
Der gute Hammerschlag
Kreuztragung: „Muß ich etwas erlösen (immer wieder diese Idee und Druck
aufgetaucht, daß ⟨1⟩ in dunklem Los bedrängt.

Freitag, 23. III. 17[Freitag, 23. März 1917]

Abends bis nachts 3 1/4 Uhr bei C. (Scharf) Gespräch:
Tier, Pflanze, Dostojewski, Vaterschaft, Sohnschaft,
Glaube, Hoffnung, Liebe, Dank, Dogma gegen das Sittliche
aber in natürl. Leben

     X                         X                    X
⟨1⟩ im geschich⟨..⟩ich reichen [? VR] Leben das der Hauptgegenwart [VR: die Hauptgewalt]
im Laufe des Geschichtsganges [VR] gegenüber der einen gleichen Notwendigkeit
P. Desiderius, Klassik (C) das Tieropfer ⟨.⟩ Osterlamm
bei Christus und Johannes. Riemenschneider überlegenheit
Nun aber wieder für das Sittliche mühen

74

Eigenschaften wie Treue, Verrat gegen der aus dem
Natürlichen gefolgerten Notwendigkeit verrät die
Trennungsnotwendigkeit in geschichtl Welt. Judas.
Lucifer, Dürer Adam, Eva, Riemenschneider
Evaplastik das Gesicht gibt das Zeitliche
geschichtl. ist das s⟨..⟩rend bestimmte in dem
naturhaft gelöst. Weib, weibl Seele
Deutschtum (wieder Frau C.) Das Mönchische und der
Weltkrieg, Abhängigkeit und gehorsam
Mut und Wagnis, aus Gott und aus dem Glauben
allein Stoff zu machen, das Opfer des bloßen Em-
pfangs bringen Dies Kern und Tier, Lamm der Zweiheit
und Gesellschaft (Lamm zur Schlachtbank für Gesellschaft
Christus und Joh. Sitte. Gotik, Weib, die männliche
Seele als weiblichste.

Der wirkliche Franziskus, nicht das absolute Bauen
in Ding, Kant, wie [VR] auch Liebe und das Sinnliche
fassen wollen, aber das getrennt sein lassen müssen
(Erbsünde) dann erst Ding fassen. der Künstler
ist durch größte Trennung wahrer Weltschöpfer

75

das wirkliche, Ornament früher groß als Zeitliches,
also die Aufgabe, Ding nicht ⟨1⟩ [VR: muß sein] daß überhaupt Stoff-
wahl der Form: nicht bloß Gegenstand, sondern die Wirklichkeit überhaupt
aus Weltanschauung erst schafft. Künstler erst [VR: Künstlerart] schafft
die Welt aus Erfahrung, Stoffwahl die schließlich [VR] ganz künstlerisch
ist (Pietismus,) auch für christl Kunst der Gegen-
wart Verschränkung ⟨.⟩ Grundproblem. Allweise
Rembrandt. gotik Einsturz, Tier man darf nicht zu
fromm sein, (Schlußgedanke), weil wichtiger Empfang
und Spannung zu viel persönl, ohne die Dinge an sich
für sich erlöst zu haben, kulturelle Form nicht brauchen
kann.

24. III. 17[Samstag, 24. März 1917]

Der faule Knecht findet doch dies ganze Talent, daß die Kirche
nicht getadelt werden darf, das heißt er findet seine Richterin;
[bezogen auf "getadelt werden darf"] als innerliches Gut.

Dienstag, 27. III. 17[Dienstag, 27. März 1917]

Versteigerung, und noch Notfragen, Umlagen, Möbel, Dauernde
Lastung. Mitleid 1. Brief als falsche Verschränkung nach [VR]
auswärts ohne innere freie Heiterkeit, diese Eigenschaft
des Mitleids gegenüber Abhängigkeit

76

ruß. Revolution cfr Widerspiel der Vaterschaft X
die gesellschaftl. Sünde des Nichteinzelnsohnschaftan-
nehmens, dieser scheinbar ganz religiöse Gedanke
als Verderb. Warum das Widerstreben gegen die Sohnschaft
z. B. bei Sozialdemokratie.

naive Frage aufstellen: Wozu macht man eigentlich
religiöse Kunst. für ein Feu⟨..⟩ Jude Schülerin

die Kampfschärfe in sich nehmen gegenüber der bloßen Quanti-
tät

Freitag, 30. III.[Freitag, 30. März 1917]

Aber auch das persönl Trennen ablegen, diese falsche
Schärfe. C. am Mittwoch Gespräch

Gibt es [VR] auch eine natürliche Lebenskraft außer der reli-
giösen Platzhaltung und wie [VR] diese das wahre Pflanzenfreude-
sein auch das Kulturbeste bilden [VR] und sich lebenshaltend
ohne die letzte Konsequenzen [VR] die kein [VR] natürl Grasboden gibt
diese Freiheit sich im Brotfinden [VR: Wortfinden] bewähren müssend, Trennung
der Verschränkung. || Durch Religion wird ein Ding
wirklich aus Gegensatz, durch Wirklichkeit wird
ein Ding unwirklich.

77

2. April 1917[Montag, 2. April 1917]


1. April Bin ich nun in der stillen Zeit
⟨1⟩ Wasser durch die Rinde flieht
d. h. er selber ist Opfer

Der treuste Mann ist dem Verrat am ausgesetztesten, ist
die Geschichte Verräterisch, verräterisch Treue, aber von der Sentenz
abdrehen und diese neue christliche Eigenschaft des Dramas,
innerste Eigenschaft der Eigenschaften (des Dramas) als Treue
und der Verrat am wesentlichsten Kern des christl. Dramas
wieder Hohenstaufen, Orvieto, nur noch [VR: mir nach] auf meinem Punkt
des Lebens und der Lebensaugenblick als Ausschränkung, das die
Idee oder nicht Idee nennen, sondern Eigenschaft des Dramas

Lied des Mannes

Ich bin im schweren Mittelpunkt der freien Welt.
Verrat und Treue, diese Stellung nicht klassizistisch, (nicht als dieses Maß)
weil Träger gegenüber Treue und Verrat dies kleinste klassizistische, wie weibliche
Eidung [?] ist Treue, ist christlich, weil als christl. Aufgabe zu wahren.
Dies sei der Kern und die innerste Auseinandersetzen [?] zwischen
heidnischen, so auch diese Eigenschaft kennt, zum christlichen
Drama (Treue cfr Hebbel und Hagentreue) Treue x Gesellschaft [? VR]
Treue gegen sich und Verrat gegen Gesellschaft, diese Folge der Über-
nahme auf den Einzelnen ist wie das Untreuliche
des Christen

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Sonntag, 1. April[Sonntag, 1. April 1917]

in Kirche begonnen

Mit Gott mein Schritt
immer geht sein Atem mir vom Herzen mit
unbewußt und stets bewußter, schwerer und
diesen selgen Augenblick aus meinem Mund.
mit Glaube nicht, rege, sichrer, sondern Tat, macht Kunst
wie kam ich zu Dichten, Dank, an Arme wie gepackt
gewiß, zeitverschwendung, Versäumnis, Kirchenstufen, Fließen

das allein machen ist nicht das gute, Lebensform eigene Gestaltung.
rege, nicht sich verlassen zu sagen: bis jetzt bewahrt
besser als selber

Selbstbesinnung und beschämen. Verdemütigung des
Untätigen. Dr. Müller X diese Sicherheit des Glaubens x die
kleinen ges. Mittel. Un⟨..⟩ in Herzen, wie Wetter stürzen.

Demut aus der eigenen erkannten Schwachheit ist Verrat
Nur die Größe, Fülle. Gezwungen ist der Mensch, der
Christ, mit der Zuteilung mitzuwirken. er ist zur Leben-
digkeit in Geschicht in jedem Punkt gezwungen. die
Verpflichtung zur Gesch., die in der Erlösung, in der
Anwendung der Gnade und erlösten Kraft liegt. Stärke

79

die treueste Empfänglichkeit seines Herzens täuscht am
meisten und verrät durch die größere, größte Empfäng-
lichkeit

Die Mutter gibt dem Kinde das Gesellschaftl., das erhaltende
mir also das Weltvertrauende. [die stärkste Passion
ist das stärkste Weltvertrauende
[, dies Passion mittel-
punkt von K. B. jetzt in dieser neuen Eigenschaftung
der Seele.] der Vater gibt das persönlich sittliche,
das zu Erlösende. Inhalt in Ges. erlöst, wenn
ich das Persönliche dahin auszulösen fähig bin. Somit [VR: Sonst]
Verschränkung unlösbar

Weg zu Kanzel aus der Gemeinde zu Wort,
Bild von Gegenbild aus Verschränkung.
das Kanzelbild mit langer steiler Treppe. [Zeichnung]

Mannbild, früher immer gedacht, wie wenig der Mensch ist
als Mensch jetzt, wie ungeheuer die weiten in Festigung [VR]
abnehmend, jetzt als zunehmend bis Furcht
selber weiter gefaßt zu werden. [Zeichnung]

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Anfang mit Szene, um zu stacheln. „So wollen Sie also von Ihrem
Grundsatz absehen, daß die beste Parade der Angriff ist, im
Hinblick auf ein künftiges Gespräch, um für einen dritten schon
einen Angriff durch den Zweiten einzuleiten.

Daß der Liberale charakterlos z. B. N [?] Nachrichten im kritischen
Augenblick ganz Regierungstreu sänftigend (überhaupt
die linkere Presse in der Kriegszeit) Autorität schwört,
weil selber verantwortungslos ist und sein wollend.

3. IV.[Dienstag, 3. April 1917]

immer sprach ich Opfer sieh, eilend und zu viel
jetzt mehr gab, was [VR] mir nicht gehört. Ges falsche Geistreich-
tum weg. neue Gabe Verschwendung geben.

Ausgießung des hl. Geistes zum Anfangsgedanken von Schalom.
Damit Willegis schließen.

Wahrheit das Vertrauen in das Gebrauchtwerden ganz
durch Welt und Weltläufigkeit und so sich gliedern und selber
oder unfähig Vorwerfer der sich ausschaltet, ob als
Weltgeschehen wirkliches Weltgericht. Dieser Kern des 4.
Gesprächs.

Aus dem Weibe wird der Mann geboren

81

will ich, willst du mehr nicht für Neigung zu Tugend gibst du
Last und Qual und schütterst, schüttelst mich in Mark
und Herz des Lebens, wie ein Brunnen aufgestört in Grund
zeigt in Angst den Spiegel, Abwehr herauf

Mittags (Sudelwetter) mit Miller Mittag gegessen. M. [Muth, Mutter oder Maria?] krank [VR]
von Morg Schek [? VR]. Angebot an mich für Allg⟨.⟩. Kunstverein.
bei C. Max da. Er zeigt [VR] in all die Zusammenhänge. Die Organisation
(T. Stadler) und alles drum und dran als wilde Eiferkraft und Zu-
fassen um unbekannte Zweck hätte Dostojewski schildern können.

Dürer Holzschnitt „Der Kalvarienberg“ Dies stark weltbür-
gerlich gesch⟨..⟩ und nicht mehr wahrer Glauben. (1504) S. Dürer [?] 190
abends Ratskeller

4. IV.[Mittwoch, 4. April 1917]

heute auf Sudelwetter gestern der 1. frühlingssonnige und
warme Tag, Morgensonne, die gleich Schnee und weiße Rasen-
fröste wegschmilzt bis abends aller Schnee weg.

Das tägliche Wunder der Welt, des sich stets Neufügens
der Transsubstantiation des Mannes, dazu Sünde, es ist
genug Frevel und Gnade unbefleckt.

Stolz der Demut (Streit mit Miller) So lange ich an dem
Werk kommunizieren kann, mich teilhaftig machen, brauche
ich das andere [VR: den anderen] (ein ästhetisches Buch) nicht, der kann

82

es auch tun, statt Brot und Wein zu zergliedern.
„Das ist der größte Stolz, der mir je begegnet ist“
Nein, das ist die größte Demut in ⟨1⟩ [? VR: Gasser]

{„Ich habe dir das} Ölbergbild erklärt, vermöge eben meines Vorgegangenseins [VR]
das auch sonst kein so . –
nicht erziehen wollen

Zureden zu dieser erst Kunstsekretär [VR]
angebot häufigkeit.

C. zustimmung zur Weltfügung, die nicht der Natur ⟨1⟩.
– daß immer, nicht die Welt der Natur entspricht. Welt
aus fließen soll aus Brust, aber eingenommen
werden muß. Seitenwunde, empfindet
meine Brust wie eine Wunde

Der faule Knecht, aber wo hat hier Natur ehrliches
Recht, sich zu Ablehnung zu kehren.
Jeder seinen Platz und Nahrung verdienen [VR]

früher war es, das Ungleiche, die zu viele Gnade ab-
wehren, zu viel bekennen [? VR], jetzt mehr
wollen, mehr brauchen, Wunder der aktualen
Gnade, Wunder der tägl. Wandlung in Welt
diese Summe und Quantitierung, Bitte, Kuppel.