nach_oben
Konrad Weiß: Kriegsbuch 7 (15. Oktober bis 26. Dezember 1916)

Konrad Weiß

Kriegsbuch 7

15. Oktober bis 26. Dezember 1916

[Vorsatzblatt]

1

Sonntag, 15. Oktober Kirchweih.[Sonntag, 15. Oktober 1916]

Vorm. Pasing: für J. B. Kassner und Buber besprochen
angeregt durch Kassner beiträge in „Neuen Blättern“.

Kelch aufrichten, nicht Blut vergeuden.

organ. Poesie der Bibel

Nur der Mensch hat den Gang über die Erde. Aber das
Licht ist ihm immer zuvor und das Wort kommt voraus
und dann kommt der Mensch. – Jedes Ding er-
kennt ⟨1⟩ zunächst seine Seele. Alles am
nächsten berührt sein.

Kassner etc. falsche Reinheit des Intell.
der falsche Baum der Erkenntnis wieder hergestellt.
Sich wenden in der eigenen Wahrhaftigkeit gegen
die falsche Reinheit; daß in der organisch.
Vermischung und Umwitterung Kampf und Wort
für sie bestehen bleibt dies Maß des Lebens

2

Gleichnis vom Saemann Markus gelesen.
Das Gleichnis an uns zu erfüllen. Gott gebe uns
Leichtigkeit, es bestehen zu lassen. (Nicht die tote Um- und
Gegenbildung [VR], sondern das Vorwärtige in ein Rückwär-
tiges verwandelt die gleichnisse der
Erde erlöst bestehen zu lassen).

Kampf mit Sünde aber einmal absolute
zeitlose Eigenschaft und doch uns in unserer
Natur ohne Besitz dieser absoluten
Eigenschaft Zeit uns nötig. {gegen Kassners Symbol.} Wir
brauchen das organische Zu-uns-kommen
der Zeit. Ein Maß des Daseins. So [VR]
Sinn der Welterhaltung und Geschichts und
Dauerbegründung
verstehen. Joh.
Komm.

3

aber was ist nun Kern und Halt der Welter-
haltung und Dauerbegründung des Organischen und
auch des furchtbaren Geheimnisses in
dem Erhaltenbleiben und fruchtbar sein
und Selbst aus Sünde Hoffnung immer stärker
schöpfen dürfen. Der Kern des Maßes
der Zeit und Welt und Geschichte und
des Kampfes und Dramas, der
innerste Kern und uns zugeteilte
Eigenschaft ist die
Barmherzigkeit
Gottes

Aus ihr leben wir und erreichen alles.
und haben das Maß des Kampfes.

4

Kirchweih nachmittag {mit M.} sehr schöner sonniger Tag nach Weßling
Grünsink, Stillhell am Kirchlein, durch Wald und Buchen-
laub nach Walchstatt (Bücheln [?]) am Steinebacher See.
Nachts kommt auf den schönen Tag Sturmregen.

Montag, 16.[Montag, 16. Oktober 1916]

Blätter am großen Eschenbaum
bis jetzt noch alle grün und groß und voll fast auf
einmal durch den Nachtsturm herab, einige
Tage regnerisch und windig. Dann am Freitag
früh liegt Schnee und schneit den ganzen
Tag leicht fort und auch noch Samstag {Sonntag in Schnee} Montag
Tauwetter und Wasser von Dächern eilend.
Die Blätter der Kastanien fallen und
Entblättern die starren Zweige und plötzlich
sind daran die blinkenden neuen
Knospen zu sehen wie ganz seltene unirdische
Lichtlein.

5

Montag, 16.10.16[Montag, 16. Oktober 1916]

Substanz nehmen < Kuppel
Bitte. das Mittel zur wahren Einzelung zur
organisch gegenüber dem Baum der Erkenntnis [Zeichnung liegender Kelch]
Lob > Dank < Bitte so aus der Verschränkung durch
Dank für Barmherzigkeit
kommen

Dienstag, 17.10.16[Dienstag, 17. Oktober 1916]

Fortschritt: sich der Substanz der Sünde erinnern. Das
Gefährliche des sich Schuldhaft fühlens ?

die Zunahme des Schuldgefühls als Weltgeschichts-
prinzip zur Beendigung und Hernahme der
Substanz. Ein Geheimnis, eine Substanz
diese Art zu ihrer doch noch mehr Erlösung
Beendigung mit der Welt. denn Erschaffung
der Geschichte und Gesellschaft als ganzer
ist durch Erlösung des Einzelnen nicht gleichmäßig zeitlich

6

Mittwoch, 18.10.16[Mittwoch, 18. Oktober 1916]

Nun Bitte zuletzt wichtig. das wichtigste. Also
doch nicht wie bis jetzt immer gemeint, Umkehrung
als das wichtigste für den endlichen Anfang.
Anfang und Ende als Eigenschaftung. Wie nun doch
gegenüber paradoxon recht geworden!

Nachtrag zu gestern: Ja welcher Sinn der Entwicklung.
Wie ist die Substanzhernahme, die Herbe-
wegung: Substanz der Bitte, Bitte
als die Zeitbewegung
cfr auch Baumstark Toten-
gebet im Orient, Hochland Novemberheft.
Diese Hernahme zwischen mir und Gott ist gleich –
ungleich.

Dank für den Reichtum, daß du leiden darfst
und kannst und nirgends den Profit und

7

Vorteil suchen willst und brauchst. (Drückeberger). Daß
es Entschluß braucht, dies anzuerkennen, daß man dafür
zu Dank verpflichtet. aber große Freiheit im
gefühl gibt.

Fest für Leidensdank. das äußerst Festliche
dies Gefühl und die innerste Freiheit darin in der
Annahme des Leidens und Looses als Dank
Grundcharakter der christlichen Festlichkeit
und Kunstfreiheit.

Nun bei uns der Hanswurst, {(Martinian sucht den Teufel)} [Roman von Johannes von Guenther] der die Endpunkte
als Geilheit und Frömmelei verkitscht und daneben
alles jetzt Zeitnotwendige ad absurdum führt,
aber man darf den Hanswurst nicht erschlagen,
sondern selber Werk tun. denn wo bliebe
das Paradies und die innere Folge und Freiheit.

8

Nachts in furchtbarer wut nicht mehr halten können. Nicht arbeitsfähig. Werk
unfaßbar. „Keiner Ehre Feld und Opfer“ und Blumen in stengeln
in unerreichbarer Friedlichkeit und natülicher Einfalt im Glas.
⟨1⟩ stilles Licht und Besessenheit von Ohnmacht. 4. Gebot
Schicksal Lucifer. „ich bitte dich.

Das katholische Weltwesen ist im Deutschtum
am schwersten. der weiteste {Spanne} Weg zur Aus-
gleichung.

Theatersache. der öffentl. Meinung rückgratlos
wieder dienen (gegen eigene ausgesprochene Überzeugung) immer
damit so zwecklos verbunden sein. Frechheit und dieses
Dienen beisammen.

Donnerstag, 19.10.16[Donnerstag, 19. Oktober 1916]

Schicksal des Deutschen, daß
er seine geschichtl.Verschränkung nicht erkennt.
Friedrich II. und Voltaire. Preußentum,
dafür aber dann in der Enge wirksam,
eben ungehindert

9

das voltairische Französisch der größte Schaden
das grammat. stilistisch logische, diese niedere
Art von Ertötung der gegenwärtigen Kräfte, das
niederste aus dem tot machenden Baum
der Erkenntnis gebliebene und mit diesem
totschlechten Rest wird gearbeitet.

Abends gespräch mit C. über die jüd. Kunstge-
sellschaft, die Dinge, die man mitanse-
hen, darin man leben muß Gemeinheiten,
„daß einem übel werden könnte“. Gespräch
über Claudel. C. hat Photogr einer Predigt
am Jordan {?} bei sich und zeigt am Johannes
und sonstigen Bewegungen, wo er von Claudel
damals, als wir ihn lasen, sich beeinflußt fühlt.
Spricht von seiner Absicht einer Todesangstfolge
Christi. Mir fällt seine Greise weit [weil?] leergefüllte Augen
bogenhöhlung unter den überstehenden Brauen auf.

10

So häßlich aber vielfach [VR] diese Gesellschaft, so doch bei ihr Interesse
und bei Katholiken nichts und unangenehm abgünstige
und vor allem beleidigend geringschätzend (fast absichtlich
nur gering sehen wollende) Denk- und Umgangsart.

M. sagt: wenn er es nochmal zu tun hätte, würde der Artikel
ich
finde es direkt langweilig“
1von Baumstark über das Totengebet nicht angenommen
werden (derselbe war von mir in seiner Ferienabwesenheit in
Satz gegeben worden) einer der wenigen Artikel, in dem
geschichl. Substanzwahrheit in kathol. Formen
gezeigt wird, wenn auch nicht weiter genützt.

Freitag, 20.10.16[Freitag, 20. Oktober 1916]

Nicht mit höherer Kraft arbeiten (mit
Gründen der Religion) wenn eine geringere
ausreicht. Das höhere erschlagend ange-
wandte Prinzip zeigt den Unterlegenen
und hat dann seine Werkkraft [VR: Weltkraft] vertan,
Das gleichartige muß besiegen.

11

Dieses schöne Gesetz auch im reinsten Geistigen, daß auch
die direkteste gleichste Berufung, die geistige Kraft-
und Stoffgleichung, der engste Kampf der wahrste.

2Thalhofer Kunst-geschichtliche Bilder für Schulen
J. B Der künstlerische Gehalt löst sich im Ablauf der
Zeit aus der weltgeschichtl. Geschlossenheit immer mehr
heraus, sowohl als Substanzübernahme der ganzen
Eigenschaft, als auch in Eigenschaftbelassenwollen
in Ges. als Substanzverlust. S. Besprechung in
Ratgeber.

Sonntag, 22.10.16[Sonntag, 22. Oktober 1916]

schöner Morgen im Bett, Schnee seit Freitag auf Bäumen
und Laub liegend. Schwarze Stämme Schwärzer
gliedernd, Hintergründe durchscheinend von gelb-
grünem Laub und Himmel blau und weiß und
Seitenblätter gelbgrün und Schnee überall dicht
und Luft mit den Handwurzeln der Zweige in die

12

die Blätter aufliegend, Farben {der Blätter} darunter und doch als fast
heraldisch dazwischen auf recht gleich erscheinend wie
gotische Farben, heraldisch als nicht ursprünglich, sondern
wie hier in Natur tatsächlich wieder gereinigt, daher
ihre Ständigkeit in Leichte und Geistigkeit, Unschwere.
wieder gereinigtes Element in Natur in der Kälte
und Reinheit des Schnees, so auch nach Geschichte wieder die Farbe
und Seele obgleich verfurcht und verfärbt und ver-
krümmt wieder geistiger rein. Aber immer wieder den Eindruck
nicht in sich halten können, Augen schließen, sich nicht an den
Eindruck fassen, noch frei sein in Gittern, Seele
immer innen warm. Die vielgleichmäßigen flach-
runden Lasten von Schnee wie Spätreife und
Früchte überlegt, aber kaum ein Luftzug und Linderer
Strahl und warmer Schein der Sonne und fallend und
zertrümmernd. Lücken und Stücke der Stämme dunkler trümmer-
haft Bild in seiner Reife schnell zerstört. Gitterknoten
unbewegt, Blatt dann [VR] dort wie Herz und Pendel schwankt

13

ungern entlastet. Ganze Bäume noch mit starkernst
grünem Laub stehend. Kastanien noch halbbelaubt
wie Gras und Laub grün wird im Oktoberschnee
grüne Blätter und wieder gerade und steif und glatt und selbst
die dürren wanken gleicher [?] welk und glatt und fester
und lösen sich.

Graf Stürkh ermordet. alle diese politischen Taten
und Geschehnisse dieser Kriegszeit

Wir müssen uns zu eigen machen, worauf wir fußen.
Das ist erst der wirkliche, seiner selbst [VR] sich sichernde Tätigkeits-
glaube. Diese Selbstbeschränkung in der Gegenwart und
dem Nächsten gegenüber ist Selbstbefestigung.
Gedanke an C. Todesangstfolgeabsicht [?].

Name: Teilnahme X Wille Eigen-
machen.

Das Geheimnis der geschichtlichen Kuppel
durch Weib und Praesepe. Gewissen

14

zart geblieben und gegen die Lüge. Das ist die
Mutter und Erbteil und der geheime wirkliche Trieb
und Entscheidung in Geschichte. Das ist die Mutter, sie
ist vorchristlich und unbefleckt gegenüber Befleckung
und Erlösung. Praesepe. Liebe [?] immer
auch zum geborenen Menschen ⟨1⟩ Verderb-
seinmüssen gegen Gott. Mutterliebe und
geschichtl. Not in Zeitgesetztsein ist stärker
auch gegen Gott. Geheimnis der Sünde
und der Mutter
in einem tiefen
Grund aus der Weltgründung aus Gott
gleich im Gewissen und aus Welt und Erlösung.
der Erlösung eine Macht von der Erschaffung
nachtragend, eine vor und übersündliche
Macht durch Welt nachtragend, eine
Substanzwirklichkeit, die vor Erlösung ist

15

aber ihre Erlösung, ihre Gewendetheit in der
Paradiesverheißung auf das Weib hat. Und so
vom Weib getragen und bis in Maria geboren
aber als Geschichte von Weib und Mutter weiter
getragen, die Substanz der Menschheit
und Stoff für Gott, dem Sohne geboten.
⟨1⟩ diese Unvertilglichkeit und Kuppel.
wie sich das K. B. nun umkehrt und [?]
den Gang in die Geschichte nimmt
durch die Wirklichkeit der Schuld gegen
die Frage: „Ist Lebensform möglich?“ als
Annahme der Substanz der Mutter und
Fortsetzung.

durch das Weib und Maria ist der Verderb
in der Verheißung und die Welt in Gottes Teil
und Schoß geblieben.3

16

Montag, 23.10.16[Montag, 23. Oktober 1916]

Gespräch mit E. Theater für Volk, daß Arbeiter besser
Publikum für Kunst als die Radikalen etc. Gewerk-
schaften, immer dies populäre falsche Volksgefühl. Das
Volk eine Zuflucht, statt es in sich bergen wollen.
statt Treue. Immer wieder diese imaginäre Huldigung aus
Unvermögen.

Mittw. 25.10.16[Mittwoch, 25. Oktober 1916]

Gespräch mit Eberz. ob das geschichtl. gotische dies alles
allein übernehmen, das Ölbergwollen (C) ein
zu großes Wagnis, gefährlich für Christentum
und Kathol. sein. in dem Fetischistischen
und modern. auch Hieroglyphisch primitiven
(hier [VR] nicht entwickelt) Dualismus nicht
gewahrt und darum Andacht nicht möglich
und nicht Lebensbaumscheidend in Mitte bleibt.

über jemand schreiben in geschichtl Charakteran-
gemessenheit oder aus Liebe, die den Charakter derart überwindet

17

26.6.16[Donnerstag, 26. Oktober 1916]

Hebbel eminent deutsch und einseitig. die Eile
des Sittlichen, bloß durch Härte des Wortes dramatisch
haltbar und gehalten. cfr auch Kleist, aber hier Wort
umfänglicher, noch substanzieller, epischer.
das Unepische des Hebbelschen Wortes.

Flaskamps Bemerkung: Du muß vieles zerdacht
haben zu dem Gedicht „Glaube“ Zerrüttung be-
hütet.

Seelenkultur gibt es eigentlich nicht in
dieser mod. Anwendung. Seele soll der
haltsame Gegensatz sein zur Sub-
stanzpflege und die Vereinigte Trennung der
Eigenschaften

Dreifaltigkeit der altchristlichen

18

religiös. Lebensform. Andacht über
Mysterien
. Anteil X Gegenüberstellung
und Symbolisierungstäuschung. [liegendes X mit Legende links, innen, rechts:] Andacht Opfer Andacht, aber
Opfersymbol muß in Mitte bleiben.
der Baum des Lebens und die äußere Grenze
der Kirche. Altarsakrament wie gegenüber
den alten Substanztäuschungsverkleidungs-
mysterien.

Man darf nicht allein an sich selber bilden, sondern muß
gegen diesen Lebensbaum in Mitte der Gesellschaft
sich treu und mitleidend verhalten cfr.
4. Jahrh. Synkretismus. Die
außerordentl Gesellschaftbildende
Kraft jenes Jahrhunderts. Die gesell-
schaftbildende Kraft der ersten

19

Jahrhunderte, da der Sohn noch stark und das
Reich Gottes

Freitag, 27.10.16[Freitag, 27. Oktober 1916]

Abendgedanke: Beim Beten nicht dem Gedanken
und Wort inne wohnen können und sich so fruchtlos ver-
zehren. je näher und einfacher an den Dingen
und jegl. Ding (und so auch Mensch, desto weicher,
wohltuender und leichter. Die Milde der Dinge
in ihrer Innerlichkeit, aber bitter bis ⟨1⟩
wie [VR] gestoßen. Was ist Milde? Dornen-
krönung. Darum sind es Dornen. Schmerz
aus der Spitze des Dornes und zärteste Seele
der Nähe am schmerzlichsten Wohl.

den Nahen aber gegen Würdigkeit leistet
Gott immer mehr Widerstand.

20

Franzose (revue hebdomadaire) meint, Hindenburgs
Stellung sei une sorte d'abdication des Kaisers. Franzose
kann nicht verstehen, daß ein deutscher Vasall gar nicht so denken
kann. Auch sei diese Stellung das letzte Auskunftsmittel;
auch hier [VR] liegt es dem franz. Geiste fern, zu glauben,
daß die Hindenburgverehrung mehr aus Liebe,
als aus Glaube an Unersetztlichkeit geschieht.

Der Deutsche hat in geschichtl. Hoffnung zu einer
Persönlichkeit mehr Liebe als Glaube. den
Glauben hat er trotz allem an den alten
deutschen Gott. Liebe und Zeit X Glaube
Verstand und Zeit.

Bahr „Stimme“ sei eben so gut und eben so wenig
berechtigt wie ein Ibsensches Gesellschaftsstück. Aber
bei Ibsen Ges. und Dialog doch etwas ganz anderes
als das religiöse Stück. Ibsen Drama der
theatral. moral. Gesellschaftsverschränkung

21

das Abspalten und Zubehauen, Zerhauen des Lebens-
baumes in der Ges. ist eben sittlich in Mitte, in
Dialog und Wortklügeln möglich

Samstag, 28.10.16[Samstag, 28. Oktober 1916]

Figur, Mensch, der zu Grunde geht (aus materiellem
Grunde, Mangel und Nichtachtung) weil er das Verächtliche
der Habgierigen (z. B. zu Weihnachtsgeschenken benütz-
bare Bücher etc) immer mit ansieht und eben [?] aus Ver-
ächtlichfinden alles hingibt, hinfahren läßt
und dadurch verdirbt. Das ist also trotz allem auch
in diesem Menschen ein Mangel an positiver Gerech-
tigkeit, Sichbehaupten nicht für sich, aber als rechtes [VR]
Gesellschaftsmittel. Auch hier mit [VR] Pfund wuchern.

Sonntag, 29.10.16[Sonntag, 29. Oktober 1916]

[linke Spalte] Die Paradiesäpfel.
3 Äpfel Tomaten in
Blumentopf, deren

[rechte Spalte] schöner Tag seit dem
Schnee wieder immer schöne
und schönere Tage

22

Blätter schon seit Wochen weg und Strunk abgestorben noch
ganz grün jetzt doch noch in Sonne und Reflexlicht rot geworden,
als Anfang .. „Ich bin ein hilfloser Mensch. Und jetzt werde ich vielleicht über mein
Leben entscheiden. denn es ist sicher, daß der Mensch durch
die Erkenntnis bestraft wird, aber er folgt dem Lebensbaum
Es handelt sich nämlich um einen Versuch. Ganz aus
den Einfällen leben“. Wie bei solcher Gestaltung immer
noch die Gesinnung zur absoluten, wenn auch hier [VR]
wie Jean Paul Phantastischen Lebens-
form spuckt. (mit Zahnbürstchen gespritzt, so genährt
mit Vorgekautem wie bei Kindern. Adam Eva appetit
in der Zeit der neuen Kunst und Tomaten. Versuch
nebenbei zu: aus sich selber leben; aus Liebe
zu Gott Stoff machen.

Montag, 30. Okt. 16[Montag, 30. Oktober 1916]

Einzige Lösung dieses Lebens in seiner unaneigenbaren
Verknüpftheit und Niederlage ist die Arbeit

23

und so einfach. Müßiggang ist aller Laster Anfang.
gewisse Verstockung
der faule Knecht.

die schwere kühne Arbeit der Welt und daß man sich
für Gott und sein Reich nicht mühen will. Gehorsam
Armut. Nähe und Ferne der Dinge.

Dienstag, 31.10.16[Dienstag, 31. Oktober 1916]

Hebbel, Maria Magd. gelesen

starre Väter in dieser Art Dramen wie auch Förster bei
Otto Ludwig. Diese Art der Eile und des Zer-
störenden Sitt
lichen. Grimm'ge Hagen
die zerstörende Treue, weil bloß leer sittlich
dies deutsche Problem und Strafe
Selbstvernichtung. Gott ist nicht so sittlich
wie der Mensch (er ist reicher). Immer wieder mit
Einsicht beschenkt und dabei wieder Sorge gedicht:
Diese Reinheit mußte fallen
und ich leben.

24

immer öfter der Gedanke, das im Geheimnis der
Sünde, organisch in der Geschichte noch für
Gott nicht Freie der Seele muß leben und Welt
fortsetzen und kann sie aber Gott nicht rein
mit sich zum Opfer bringen, sondern
ist mit der Welt im Urteil Gottes
zum ferneren Bestand berufen, so
Gedanke auf Allerseelenmonat
. Nach
Lektüre Hebbels gleich Gedicht fast einfach
hingeschrieben: + wie du mir den Sinn wendest
wie Eile und Wirbel (anders aber als die
sittliche Eile) festzuhalten. Mir so schnell
dies + gegeben immer unverdienter diese
Gabe kommt. O Gott, das Geheimnis: Confi-
teor deo omnipotenti – orare pro
me ad dominum Deum nostrum.

25

Daß Gott immer wieder verzeiht und sich dadurch immer wieder neu
beleidigen läßt, Schuld häufend. Mitschuld
Gespräch am Wagen vorne.

Gedanke, Gott durch seine Fähigkeiten, an die er vielleicht nicht
mehr glaubt, überraschen.

Dante x Beatrice diese frühe und reine Liebe
13. Jahrhundert [VR] Gotik immaculata

1. November 1916[Mittwoch, 1. November 1916]

Sehr schön warmer Tag, Nachmittags leichte
Wolkenbildung am Horizont dichte abblassend
Spatziergang nach Blutenburg Nachmittags, kühl
zum Abend.

(Zu Eberz vor einigen [VR] Tagen) die erkenntnistheoretische Aufgeteiltheit
Verstandesmäßig organisierende, aber tatsächlich
zerstörende ⟨..⟩teilig diese mod. Kunst und dazwischen [VR]
Füllung durch Farben in Stimmung und falsche Mystik

26

s. auch genau so Burger „Handbuch“, [Fritz Burger, Handbuch der Kunstwissenschaft] 19. und 20. Jahrhundert ganz
wichtig gemacht und förmlich dumm.
Dies und darüber hinaus ins Menschliche. dieser Weg, den
die heutige Generation nicht überwinden will, oder ganz
falsch beseitigen, den aber der heutige Mensch aus
ihr gehen muß. Dies ist der heilsgeschichtliche
Teil
des Schalom und seiner Berufenheit und so Erfüllungs
möglichkeit
Das ist jetzt seine Aufgabe gegen die
kritische des Verstandes als bloße Aufteilung
ohne Gabe und die falsche (radikal) Stimmung
oder Fetischierung und das unverbundene Erlebnis
der Kampf und die Zerfurchung des wahren
Organismus, alles für sich als Kampf für
andere als Gabe nehmen und geben. Schalom
so Mensch geworden hat seine Aufgabe in der
Zeit als ewige gefühlt. Immer persönlicher die Frage
der kritischen Mitteilung x dem Selbsttun

27

Eifelturm das absolut Nutzlose

Burgers rein dialektische Schwärmerei, das Ganz
Tote auch gegenüber dem Baum der Erkenntnis, das
Tote als Schnitt, als reine Trennung und dies soll der Stoff,
das Richtmittel sein. X Das Geheimnis
der Zielsetzung dem Leben dem gegenüber
Mann zu werden, gelten in der Welt.

Aufgabe in dieser letzten (letztmöglichen? wenigstens
logisch, wenn auch die Möglichkeit des Verderbs und
der Abtrünnigkeit unmeßbar der ewigen Seele)
und gegenwärtigen Weltg. und Geschichte Verschränkung und
Substanz zerschneidung die wahre Geschichte
in untersten und obersten Kräften herzustellen,
Geschichte aus diesem toten Punkt herauszureißen und
fortzusetzen.

28

Die furchtbare Sicherheit des in Richtung Gehaltenseins
Kelch der Zeit

Auch Burger gegen das Akademisch dogmatische Wesen;
diese Abneigung als vielfache Erscheinung der Men-
schen in ihren engeren ges. Lebenszirkeln als Ab-
fallende, in Wissenschaft, Theologie etc. Gegen-
wärtig diese Abfälligkeit, das Ges. zersetzende
des Dialektischen. Überall diese Abfälligkeit


So hat sich der Baum der Erkenntnis {Kreuzbaum, Gotik} für Geschichts-
substanz in einen Baum des Leids ver-
wandelt, um als Lebensbaum fortzubestehen.


gegenüber einer Liebe zu ihrem Berufswesen, diese
Nichtliebe (vielleicht in den gegenwärtigen Jahren
schon etwas vergangen)

Das heutige Transzendente ist wie in Kunst
nur nach unten gegangen zur inneren

29

Grenze, kann sich aber nicht erfüllen, nicht transzendent
werden, weil ihm die freiwillige geschichtliche
an der oberen Grenze haftende Gangmöglich-
keit fehlt. 4

Eifel in Frankreich
Diese rein logischen „Entleerungen“, die, wenn sie
zu älteren Stilen angewandt als ges. Rück-
bildungen durch unser ganzes letztes Jahrhundert
also stattfinden, deutlich werden, Rücktretungen
aus der Zeit


24. XI.[Freitag, 24. November 1916]

so der Baum der Erkenntnis, aus dem Organis-
mus und Baum des Lebens der Geschichte, der die Geschichte
Gott entgegen zu Ende bringen will organisch
wachsend, eine Abtrennung und Zurückgehen und will
Geschichte zu ihrem Anfang wieder nach rückwärts [VR]
beenden; so ist also der Baum der

30

des Paradieses durch Erbsünde in zwei Bäume getrennt
den Baum des Lebens, der die Zukunft und Wachstum
in sich hat {nach vorwärts} und Baum der Erkenntnis, der ganz
die Lehre der Geschichte mitbringend nach rückwärts
in sich hat und ohne den Lebensbaum nicht ges.
wirken kann (und Schalom hat bis jetzt nur
vom Baum der Erkenntnis gelebt) darum auch in Bibel
einmal von einem, dann von 2 Bäumen die Rede.


Diese Rücktretungen auch in anderm Sinne bei Stehr
und ähnl. Katholiken, die aus falschem Fortschritt
nun zum Vorn [?]5 kommen, sich aber zurückhaltend nicht
organisch werden können und nun auch kathol.
Geschichtsform zurückhalten wollen. Die Kirche
ist aber unsere einzige Zurückhaltung, auch nicht
das Bestreben des P. Desiderius, das [der?] extremste
intellekt. organ. Zurückgehen richtung [richtig? VR]

31

bei Scheler und anderen, die heute und seit Jahrhunderten immer wieder
über die kathol. Gesellschaft Bildendes tun und sagen wollen,
findet auch immer diese scheinbar absolute, aber bloß
dialektische Anknüpfung statt, während wir Katholiken
für unsere Geschichte immer auf unserem Wege her-
kommen, mit uns in dem Ebenbildlichen Punkte
der Erdzeit beginnen müssen.


Sonntag 5. XI. 16[Sonntag 5. November 1916]

Was Schalom alles den Nächsten verdankt. Dafür Dank-
Schuld durch Bekennen zum Nächsten und ges. Wirken.
Ein Prinzip sich zu stärken für ges. Wirken: an
die guten Punkte und Eigenschaften anknüpfen,
das Gute der Substanz auf dem Wege fruchtbar ma-
chen, das ist die wahre schöpferische Kritik
Wirken aus Dank, das heißt aus der Unendlichen
Verdienstbarkeit an [die?] Eigenschaft wachsen lassen, Gott
fruchtbar machen.

32

weiteres Prinzip Ideenentfaltung suchen aus der Übernahme
in Einzelnen, eben auch diese Anknüpfung und so wieder
gegenüber dem Einzelnen ⟨1⟩ Selbstverantwortung
allg. Gesellschaft herstellen, so vielleicht auch möglich,
wieder Gesellschaft allgemein zu gründen durch ihre
eigene Eigenschaften abnahme und wieder Hingabe,
Qualitierung und zwar durch [VR] Entfaltung zur Liebe; Liebe
als letzte Weltmacht, auch gesellschaftlich.

Maß des Lebens, Reinheit Sorge s. Notiz zu 15. Okt.

Barmherzigkeit

Kühl und lau, windig, föhnsonnig. Kranke Luft, Blätterfall,
Treiben, splitterndes Tanzen durch Luft

9. XI. 16[Donnerstag, 9. November 1916]

Wie bildet Gott die Milde? Und erst die Milde ist
reinste Eigenschaft nach Gebrochenheit (wie Gras und Halm
Reif und Auftauen) der letzte Tau nach Geschichte

33

und aus Milde Gerechtigkeit eben diese Bahnläuterung ist
wieder Willen, wieder in Erkenntnis notwendig. Absicht:
Trotz gegen Gott und trotzdem sein Werk tun wollen
aber Arbeit und Planvollendung dann nicht möglich auszuführen [VR].
sie brauchen ein gerichtetes, geläutertes, so über
das beschämende Gefühl der Schwäche siegreich
gewordenes, so in die Schwachheit der Ohnmacht des
eigenen Trotzes lächerlich gefallenes) Gedemü-
tigtes Herz. So Demut fast so wie Körper-
liche Strafen, Kriegs not, Demut ist fast
wie ein körperlicher der reinste Geistige
Selbst Zwang und Überwindung

Montag, 6.11.[Montag, 6. November 1916]

Trübung will nicht recht eintreten.
Notwendigkeit des Kampfes zum Dank für das Leben aus
dem Nächsten. Alles durch Kampf zur wirklichen Wahrheit

34

Verurteilt zu der verräterischen Hinterhältigkeit des
Daseins, weil Kampf nicht angenommen und nicht jede
Gelegenheit zum Kampf benützt. Kampf suchen
aus Liebe zu sich und anderen zur Wahrheit.
Diese Notwendigkeit gegenüber dem Warten,
wohin der Abweg des Getriebenseins, die falsche
Passion führt
, Hartnäckigkeit der falschen
Passion
. Dieser gegenwärtig, aber nun Weg
zur Aufgabe frei, sich Stemmen des inneren Ver-
nunftfeindes mit allen Gründen. Feigheit, Wahr-
heitstrieb und alle Gründe.

<– 2.11.16 <–[Donnerstag, 2. November 1916]

Ob die Schönheit der Evangelien von keiner Zeit und Natio-
nalität bedingt sei, da doch Christus selber durch Fülle
der Zeit bedingt cfr mit Apokryphen auf Stilunterschied.
– Beleidigungen und Strafen in den apokryphen Jesus-
legenden. {Die Härte} Es ist Orient zu große Lichte des

35

Verstandes. Verstandesnatur der Gegensatzre-
clusa das ist nicht organisch und darum auch nicht
[anknüpfend an "Gegensatzreclusa"] gegenüber dem Gemüt der Immaculata. Gemüt ist die
menschliche Eigenschaft, Gebrochenheit über sich
selber der Zeit und der Deutschheit

[anknüpfend an ".. darum auch nicht"] gewachsen im Gemüt, sondern geschehen im
Verstand. Das scharf in geistiger Stellung anders
sein, das hier herauskommt, Nicht das Kind, das wie
wir sind, nicht Einheit zur inneren Grenzen,
sondern Trennung nach oben gegen das Menschliche,
der Deutsche will kein Wunder, der Orientale
will das Wunder, besser in Orient Gott-
menschtrennung in der äußern oberen Grenze,
der Wille zum Wunder an und gegen den Menschen,
der Deutsche Gottmenschtrennung in der inneren unteren
Grenze als Wille zum Wunder an und gegen die
Natur. So vereinigt sich der Wundergefühlsweg.

36

10.11.16[Freitag, 10. November 1916]

Immer wieder

I. Brief: Wort zum Schluß Wort und Wahrheit. Droste,
Hebbel, Kleist

Dornenkrönung. Milde durch nächste Nähe und Härte an den
Dingen aus Schuld notwendig und in Milde gewendet.
Abend mit Caspar. Stuttgart grünewald Herterich, mit diesem München,
dann aus Stuttgart Igler, Haug. Sich durchsetzen. Die Sanctionen.
⟨1⟩ die unfruchtbar Eigennützigsten. Gedanke, daß Welt
die Unvertilglichen, die im Organischen unbesieglich, unaus-
weichlich sind, nicht mag (Fl.) Rede des Reichskanzlers
gegen Grenze. Nicht im Anschluß an diese Rede, aber doch, daß sich mit dem
Wage halten und dem Kritischen wie Untätigkeit aussehenden
Punkte nähern des Krieges Redegefahr zunimmt. Ist vielleicht
Schalom, Dichten auch bloß solche Redegefahr vor dem
kritischen Punkte?

Wenn das Wort nicht mehr Gabe und Nahme ist, sondern nur
Zeithalter und Gewissen ausweichend devensives [sic] Mittel
Hebbel.

37

Bäume jetzt fast alle bis auf einige Blattfetzen kahl

Donnerstag, 9.11.[Donnerstag, 9. November 1916]

Regentag Musterung in Eberlbräukeller
Freitag sehr trüb. regnerisch, Samstag trüb, dunstig, das
grüngelbe wie ähnlich Karfreitagsfrühjahrsregen grün.

Aus Gott Stoff machen: Wille, den Kampf suchen, Verstand
das Schöne immer genießen und betonen

Samstag, 11.11.16[Samstag, 11. November 1916]

Schalom. Mutter als Prinzip Dichtung der Anschauung.
Got. Kirchengefühl im Dreieck, aber in alle Freiheit
ist jeder Punkt und Seite zu stehen gespannt. Ich in
der Dreiheit nicht ausfallen
!

mit Droste „Geistl. Jahr“ beschäftigt. die Echtheit von Fl. Einleitung

Montag, 13.11.16[Montag, 13. November 1916]

am [im?] Anschluß an Droste, eben daß M. Erkenntnis des Volks
Plans nicht will, daß Katholizismus heute geschichtl. Substanzerkenntnis
(aus Angst vor Gegenwart) scheut, ist Dramakernfehler
und Wirkungsfehler. Wille. Besprechung des Geistl.
Jahres fertig gemacht.

38

14.11.16[Dienstag, 14. November 1916]

Gedanke nachts der Verteilung der Natur durch Vater
und Mutter. männl. Teil durch Mutter (also mehr
im Ges. Wirken) weibl. Teil durch Vater, also mehr ins
geistnatürlicheigene, Mutter aber gerade gegenüber
dem ges Geschichtsintellekt für Geschichte organisches
Erbe, Vater gegenüber Natur organik
der Erkenntnisbaum, also das der Seele adamitisch
als zweites gegebene. Mutter also in Welt stets
der Lebens baum der Geschichte, Vater das
Nähre [?] in Natur, aber eben als eigentlich aus
Geschichte erbliches, die Natur selber in die
Gegenüberstellung, ins Gegenbild entfernend.
Mutter das empfangene Bild, Empfängnis
Vater das gegebene, geschaffene Bild der
Geschaffenheit, Mutter die Empfangenheit.
aus dem Vater Creatur, aus der Mutter Bürgschaft.

39

Gerechtigkeit, nicht töten (5. Gebot) Gerechtigkeit im Sozialen
und besonders auch über das Soziale (Scheler) hinaus. Cfr. im
Lit und Kulturellen. die stete Unterdrückung Fl.ps, ist doch im
tiefsten arg, wenn man die Lage überdenkt. Gerechtig-
keit gerade die Tugend der Geschichtlichen Spannung
und wahren Verantwortung, des Zeit und Gesellschaft tragens
und Verantwortens, des Umspannens (gerade das fehlt
ganz und gar.

Gerechtigkeit als Haupt und Mittelpunkt zur Begründung
der katholischen Gesellschaft, der feinere Sinn der Wahrheit
in der Welt. Auf geistigen Kern des K. B. Michael.
man nimmt das Gesetz oder den Stil (gegen die Eigenwilligkeit
um zu töten. Der Widerstand gegen den wahren
wirklichen Organismus. der tötende ethische
Schillerschein.

Das organische Leben und seine Bedeutung
wenn auch noch so oft, z. B. in Försters Einheitsschul-

40

aufsatz gehörte Stellen (z. B. über die Eigenwilligkeit des
Begabtesten und Besten) und Neigungen zum Richtigen kommen,
die Hauptsache ist in Tat, die Neigung, die wahre
Neigung als alleinige Richtschnur an sich und
die Art des Freilassen oder Annehmens, des
Entscheids. Der nur Vermittelnde und der im
Herzen des Organischen Lebens arbeitende. Immer
wieder diese kurze Art des Wandels, des Wandelndür-
fens, der leichte Hang und zarte Zwang des Gewissens,
der wahrheit des Entscheidenden. Die ungeheure
Größe und Unendlichkeit der Seele im Stillen
und Unentschiedenen, und die enge Wahl oder
gar keine Wahl, das Muß in Wage in Tat und
Wort. die Absicht, die tötet und lebendig macht.
das Geheimnis der lebendig machenden geschichts [VR: geschichtl]
Wahrheit
.

Scheu vor dem Auswachsen des Eigenartigen. Nur so

41

lange wird mitgetan, als in sentimentaler, im Nächsten
noch unverbindlicher Weise Seelenkultur geheißen,
aber nicht wenn wirklich organisch sich die geschichtliche Anstoßkraft
bildet.

Auch so weit verstand, läßt Liberalismus gelten: So
es gibt nichts geduldigeres im Geistig noch unverbindlichen,
als den Liberalismus, solange nur der Schein und die
Lüge auch Platz hat oder dem Nächsten kein verpflichtendes
Nachgeben erwächst, und wo hat sie nicht Platz. In jedem
Spalt hat diese Lüge und Eigentrennung aus Geschichte noch
Platz gerade Eigentrennung aus Geschichte, Eigen-
sucht und Mystische Erlebenslüge, diese Trennung
ist die unduldsame Lüge. Diese Lüge sitzt im Spalt
der Geschichte. Lüge ist die innerste Spaltkraft der
Geschichte. Teufel Lügner von Anbeginn.

15.11.16[Mittwoch, 15. November 1916]

Besprechung des „Geistlichen Jahres“ zurückbekommen. Es ist das
abstrakteste, was ich bis jetzt geschrieben. Außer den Citaten
verstehe er keinen Satz. Vielleicht verstehe es meinesgleichen. Er
verstehe es einfach nicht. Ich habe nur erklärt, wie ich das Wort auffasse

allen Stoff in Wort auf-
nehmen, daß Wort Wahrheit
ist gegenüber Saitschick. Stoff
durch Worte
verteilen
bloß
zurichten.

42

Schalom. das Überschätzen einzelner gepackter Dinge Überschießen
des Urteils, zu Hoch greifen, statt der lieben Nähe der Dinge
aus Geheimnis des faulen Knechts und dem dann beim Fassen
eines Stoffes plötzlichen bis ans Ende getrieben sein. Daher,
was mir selber an der einfachen Besprechung auffällt, eine
harte Eile des Erledigens. Mitgerissen und wie plötzlich aus
dem einfachen Dasein getrennt. Dieses dauerlose Werkbrechen.

Angst zu Extremer Reichsrechter, Rechtsrechtler; Vortruppler,
daß nun zu große Bevorzugung der allerdings (allerdings zu
einer mittelmäßigen Haltung, geschichtl. vorsichtigen Haltung
jetzt gebraucht) jetzt vielgebrauchten oder geduldeten Linken
eintritt und Gefahr eines Schattenkaisertums entstehe.
Diese doch Symbolsucht, Kaiseridee hier ohne Substanz
und Freiheit bloße Abbegehrensformel

Schriftzeichen und Gesetz. die Vielheit der Zeichen Reichtum
der Schriftbilder X Armut der Sprache ⟨1⟩ China cfr

[links]zuviel kleines Bild [hier?]
Schreibtrieb

[rechts]Leibniz über Sprache Absatz 58
Das Leben X das Zeichen.

43

Wie doch das Leben sonderbar und wichtig und daher eine
Sache, ein Geschenk, das beste für den Menschen, das man
heiß empfangen und halten muß (Fl. daß er bloß existiert)
Wunsch des Tötens zu begreifen aus der Widerstandskraft
als geistige Möglichkeitsgebot. Leben hat etwas alle
Konventionen und falsche Literatur vernichtendes an sich

Lucifer III. zerhöhlt. Reines sich zerhöhlen und sich so als Beispiel
bieten, weil was behütest, das behütet Dich. Diese art reiner Lebens-
form. Immer und selbst im natürl. Leben und sei es nur
an der Nahrungsnot und Triebnötigkeit, Speise zu erwerben,
merkt Schalom jetzt die Schranke vor dem reinen Sein
eigenster Form. Hinfort an dieser Schranke. Über die
Verschränkung durch nun an der Schranke weiter. Der
Zwang der Ebenbildlichkeit
gegenüber dem Willen reiner
Lebensform.

Abends mit Caspar zusammen (Bilder in Kestnergesellschaft
Hannover verkauft. Dieser Fortschritt und dagegen in Katholizismus
kulturell Nullarbeit.

44

Immer wieder: Kelch der Zeit gedanke: Was willst Du nur mit
mir? Ohnmächtige Schale.

Freitag, 16.11.16[Freitag, 16. November 1916]

Bunter lyrischer Abend mit C. dabei. Immer wieder die Schranke,

Däubler, Becher, Lasker-Schüler
[über Becher] Wanze [?], der ihr Licht
auf den Buckel scheint
[über Lasker-Schüler] larmoyant, verstiegen, knödelnd.
aber viel echtes.
[unter Däubler] agitatorisch harmloser lila gläsern sentimental oberlehrer
haft programmatisch, aber etwas abgefalle-
nes, abtrünniges

das Trennende zwischen dem Gleichnis und dem Ziel,
daß ich immer sehe und in keiner Eigenschaft, selbst zur Güte
gelangt vorauswissend nicht überwinden kann. Es ist eben
der Mensch selber diese Schranke, diese Trennung
. Er kann
nicht aufgeben, so muß sich jeder vor oder hinter das
Gleichnis stellen. und jeder Rhythmus muß sich verörtlichen,
verzeitlichen.

17. XI. 16[Samstag, 17. November 1916]

Lieber sterben als Ansicht für Gott aufgeben in der gewählten
Form. Aber man spürt, nur der Kampf im Augenblick
der Verhärtung der Erkenntnis für Gott und die Bahn zu ihm
gibt diese Starrheit, aber da ist das zermürbende des stillen
Kampfes und die Last des Leibes und der Bedürfnisse.
Mitte des Dramas. Kampf um [?] Wort

45

Erfahrung, Wort der Liebe: „Sei ehrlich.“ die äußere Grenze,
die Erfahrung der äußeren Grenze, durch das Wort aus dem Ge-
wissen überwindet die innere Grenze und so für Gesellschaft
aus sich das Opfer bringen, ehrlich, ist stärkend. und so
lohnt sich aus der Substanz der Geschichte und macht
den einzelnen seiner inneren Grenze gegenüber stärker die
Gnade in der Geschichtssubstanz, die durch Freiheit
in Arbeit aneigenbar. Das auch das Geheimnis
der Kirche, daß sie mit der noch verstärkten Geschichts-
gnadensubstanz über das Einzelgewissen siegend
gebieten darf durch die Aufforderung zum Einge-
hen frei in die Geschichtsplangottessubstanz. Das
ist die Stärke, die Unvertilglichkeit der Kirche
gegen den bloß sich auf die innere Grenze stützen⟨..⟩
Dies fälschlich der äußern wiedersetzenden Grenze des
Vaters der Lüge. das ist die Metaphysik
der Arbeit
. Paradies fluchsegen.

46

Die Wahrheit als Wort, als Mitteilung ist so der reine prozessus
der Weltelement
. und im gewissen ist ihr Anfang und in
Gott ihr Ende und die Welt durch Wahrheit vor sich selber im
Gewissen. Sinnlichkeit gerade birgt die Unruhe
zur innersten Wahrheit „erkannten, daß sie nackt seien“.
Es ist leichter große Worte vor der Welt und zu ihrer
geistigen Traktierung zu sagen als vor sich selber. Versuchen
Sie, die großen Dinge nicht nur vor der Welt, sondern vor sich selber in Wahr-
heit zu sagen und zu deuten. dann wird Ihnen die schwere
Mühe um das Wort kommen
. Es ist in dieser Wahrheits-
substanz, in diesem Stilkampf unser stiller
und gelegentlich laut werdender Streit ange-
gangen. auf beiden Seiten Stilbehauptung.
Es liegt in dieser Mittelharrung, in diesem prozessus und
erst in dieser Lebendig machensmöglichkeit zwischen
innerer und äußerer Grenze die Kernkomplizierung,
Kernfrage der Gegenwärtigen kathol.
Gesellschaftslebensform

47

Sonntag, 19. XI. 16[Sonntag, 19. November 1916]

Morgens im Bett endlich das schon seit Sommer 1915 in Weßling
bedachte Gedicht in Grünsink „Bittgang“ beendet. an jenem
Sommertag auch „Trüber Tag mit lauem Schein“ und „Scharf wie die Schwalbe“ Frohn-)
leichnam?)

Immer näher Frage, kritische Aufteilung, (nicht wahres Wort) Mitteilung
oder Selbstbekenntnis und alles entsteht ohne Absicht und nicht
am Werk. und Stoff in Werk aufnehmen und Wahrheit
in Wort durch alle Stoffe haben oder Stoffvordringlichkeit
durch Worte verteilen (ohne Wahrheit des Elements und innerste
Wahrheit ⟨.⟩ Sittlichkeit, die innerste Bewegung, der Punkt der
Erkenntnis und Geschichte. Baum der Unterscheidung.
Evas Mitteilung. aber reine, reinste Lebensform,
das allen Gemeinsame, Geheimnis der
Mitgeteiltheit und Gehörigkeit aller Gesellschaft
ist die Reinheit, das eine des Einen in allen
Baum der Unterscheidung. Die Schranke (Mitteilung) Wort
Eva Leben [? VR] gestört durch Erbsünde und nun ist selbst
als Mithilfe für die Reine Lebensform für die geschwächte

48

innere Grenze eben die Schranke zwischen Seele und
Weltges. substanz. Diese Schranke (Wort, Mitteilung, Zeit
geborensein, Form usf. usf. [VR]) ist eben zwischen Mensch
und Weltplanallerlösung, sie ist jetzt in der Zeit
selbst an der inneren und äußern Grenze gegen-
seitig wirkend besser. Diese Wechselwirkungs-
schranke ist der Kern der Weltsubstanz
und des Dramas zwischen Reinheit und Wahrheit –
dem inneren und äußeren Träger des Wort. Und
man kann selbst fast wie Ersatz weise mit
wahrem Willen zur äußeren Substanz Ges Wahrheit
der inneren Reinheit nachhelfen. Das
Weib aber ist die gebliebene Gottge-
schöpfte Weltsubstanz {verheißen} und der
Sohn ist die Schranke, statt der toten
Mitteilungsmöglichkeit, der Wortschranke nun
das lebendige Wort
, erfüllte Zeit und gehobene
Schranke,
Erlösung.

49

während heute Unsittlichkeit zu Unwahrheit wird,
war aber Eingang des Teufels in Welt und Paradies
umgekehrt, aus der Unwahrheit, aus der äußeren
Grenze (denn er war noch nicht im Herzen der ersten
Menschen) zur Unsittlichkeit. Diese Umkehrung auch
als Sturz. Engelsturz. Die erste Sünde war aber
Zweifel am Wort
, {erste Untätigkeit, Unform}, an der Freiheit der reinen Da-
seinsform, an der Schranke als noch reiner Lebens-
form und so Welt aus Glauben und Unglauben
wie mußten die Seele der ersten Menschen frei
und weit sein, daß alle Grund lage des Bösen
schon in ein Wort und eine falsche Enthaltung gefaßt
werden konnte. Die schreckliche Freiheit und Herrschaft
der eigenen Menschenform

Dienstag, 21. XI. 16[Dienstag, 21. November 1916]

Schlegel, Shakespeare, Calderon. Menschheit letztes
Element. Es muß noch viel heftigere eigne

50

seelische und menschheitliche Entfaltung werden, nicht
immer das Stimmen von Gleichnissen in Natur. Wir
haben alles um uns.

22. XI. 16[Mittwoch, 22. November 1916]

Bild und Gleichnis Natur Gleichnis, Menschbild, Gleich-
nis darf kein Vergleich, sondern ein vorwärts mitnehmen
oder zurücklassen sein, dazu S. 159 Schlegel Meta-
form, daß das einseitig Sittliche die Natur nicht zu erklären,

weil die natürl. geistige Trennung nicht vollziehen kann

daher auch das Göttliche nicht verstehen kann. und
als selbstunbewußter Imperativ in Geschichte (Kant
steht. Auch das Sittliche muß erst, um vom Natür-
lichen loszukommen auf dem Weg der geschichtlichen
Entgegenstellung gebrochen
werden und dadurch
zum Moralischen (Flask! immer das Moralisch⟨..⟩
betont) während Dein Wille sich an das Sittliche wandte, war
Dein Reich ohne Streit auf dem Wege und im Besitz.
Hoffnung, Metaform. die Weltgeschichte wandelt

51

sich zur inneren Grenze, um die Natur in
ihrer Tragfähigkeit aufzuloten [? VR: aufzulösen], für den Geist zu prüfen.
Renaissance. Michelangelo Druck und Widerdruck
nach der Zeit der Mitteilung im Mittelalter nun
auf den inneren Punkt, dem die antike Art der Re-
naissance ausweichend, Leonardo ein
Weitmaß des inneren Punktes gegeben hat; von diesem inneren
Punkte dann Ausentwicklung. Suchen nach Erweiterung
mit Natur und Gott hernahme. Die Entkleidung
muß sich nun wieder nach unten und oben und in Man-
gelung [VR] bekleiden Natur und Idee stattdessen
als eigene Reiche genommen und genannt, und dann
es [VR: erst] recht kritische Trennung. Sittliche innere Verlassung
hilflosigkeit der inneren Eitelbehauptung und diese Erwartungen
erst ganz abgeschnitten was nicht ebensoviel ist wie
zerhöhlt. (Lucifer ist weiter) überzeitlicher, (über
zeitlich) auch nicht sammeln kann, um die letzte

52

weltüberwindende Formel zu finden, so daß man immer
hergeben muß und durch form selbst Form werden. binde=gebunden.

23. XI. 16[Donnerstag, 23. November 1916]

Gegenwart
Zeit besonders starker Verschränkung und Kunstgegenbildung
(und menschlich Opfers) darum auch die Gegensatz Extreme beson-
ders deutlich, Fetisch, Hieroglyphisch. und auch Verschränkung
wie C. reizend. andererseits besonders (Futurism [VR] Staat)
sich in Geschichtl. wendend.

Figur Der Landjäger. Ich bin dazu da, die Leute zur Bestrafung
zu bringen. das tote Prinzip des Gesellschaftlichen
die Strafe des loyal statt dogmatisch gerechten.
(„Vielleicht ist die Zeit nicht fern, wo auch wir wieder zu einer neuen
Dichtung kommen der das Wort heilig ist, weil sie aufhört,
Worte zu machen.)

Schlegel: Opfer des Ich s. Hiemenz in Dez. heft S. 354

Dies ist es, was man nicht will, die Kontinuität
des Gewordenseins, des Wuchses, die sich wahren und wachsen
will und ihrem Aufgeben aus Feigheit widerspenstet,

53

durch Kühnheit gerade dem Wuchs zu opfern und der
Sünde Bruch dadurch vollenden. Verschränkung und Bruch
selber vollenden; Das in Zeit und Welt durch Ver-
heißung aufgeschobene, Dasein als Aufschub gemeinsam vollenden [VR]

Schaloms Lebensziel und Aufgabe, durch die Substanz
und Erkenntnis ihres Planes, ihrer eingelegten Unbeirr-
barkeit gegenüber dem irrenden Menschen, der geschichtli-
che Gottesbeweis
zugleich als Mittlerschaft eigener Er-
lösungsmöglichkeit durch Wirken auf Substanz und äußere
Grenze. Verdienst suchen für innere Grenze.

20.11.16[Montag, 20. November 1916]

Förster Schulaufsatz: Immer die Überschätzung des geschichtl. gewordenen
Klassenorganismus. So sehr dieser geschätzt werden muß,
aber wenn ihn nun plötzlich ein Mann wie Förster schätzt, merkt
man, wie falsch er geschätzt werden kann. Er schätzt
das ges Organische wie das wahr Organische, nicht nur
wie den Ordnungsbeweis. Er schätzt und sucht den

54

den organischen Wuchs in der ges. Form statt in sich
und der einzelnen Seele. gerade intellektuelle
Verkehrung und erst recht fortgesetzt Erbsündliche cfr. diesen
falschen ges Wuchs in England und Amerika, diese seelische
falsche Zeitlichkeit, zu der er immer hin neigt, dieser falsche
zeitliche Frieden auf Erden. Diese scheinbar bessere
Lehre, weil die Einheit, die in Seele als Übernahme herzu-
stellen, im Ges. als Forderung (auch bei Saitschick gegenüber der wirklichen
Geschichtlichen Dualität „Dem Kaiser, was des Kaisers
ist) aufgestellt, eine bloß natürl. Ges. Lösung
ideell nur scheinbar
, weil alles ideelle erst
durch das geschichtliche Drama wahr wird6

Knabe Scheit. Das übertreibende Abschaffen der Strafe auch wieder
zu organisch. Wissen und Lernen müssen auch als Strafe für Trübung
verkannt

Förster immer gegen den Intellekt statt dafür mit Nachkommen
des Organischen, Wort und dann Gewissen in Geschichtl. Folge
und so auch in ideeller, obwohl doch natürl. Umgekehrt wäre.

55

Immer diese falsche Natürlichkeit und so nicht ideell und
nicht geschichtssubstanzgründend möglich.
Kern des 1. Briefes überall der gleiche
unselige Povertà wille. falscher Franziskus,
immer falsche Güte des Organischen suchen in Ges.
immer wieder Menschenkenntnis, aber diese nicht aus der Nächsten,
Eigensten, pflichtigsten [VR] Quelle, nur in natürlichem
Gemeinswesensgefühl, nur niedere Verwandtschaft, nicht
höhere Trennungen im Geistigen
, nicht Verschränkung, nicht der
Übergang in Ges durch Hernahme, Nur Tausch
statt Opfer
, bloßes Taschenspiel der Natur
Immer auch wieder England sei voraus S. 323 Diese ganz falsche
Transsubstantiation des Organischen in Ges. Scheinbar
natürl. Gefühl geistig wärmend tötet sie die Welt im Geiste.
Wie kommt nur aber diese geistige Pest, die für H. nicht mehr
ausweichlich ist, von zweifellos auch ernsten Männern immer
wieder zu Stande?7

56

Schalom auch praktisch Klassen bestehen lassen, bescheiden, nicht gütergierig
zur Armut neigen, dagegen sich aber im Geiste niemand beugen
wie auch nicht recht [VR] und auch hier [VR] umgekehrt Streben nach Besitz Forderung
geschichtl. Bruches!!

21. XI. 16[Dienstag, 21. November 1916]

Schwere Kriegsdrängung, härtestes Zeitgefühl und doch eigenbeschäftigt
nicht recht drinnen sein können. Gestern montag abend die jungen Soldaten
in zwei Kolonen quer durch Hauptbahnhof, nicht geschmückt,
lauter junge Sturmtruppen.

Schlegel etc cfr Hiemenz (Görres) auch im Alter dieser Gesundheitsleib-
trieb, Luft cfr Subislawski [? VR]. Wie viel [VR] bloß Zeitmode und wie viel geist körperliche
Alterserscheinung.

Förster 337 Anmerkung. das Christentum ist ja in
seinem Wesen Rückberufung von der Kompliziertheit
zur Einfachheit. Immer diese falsche Reaktion und Kulturschwäche.
Öde Denkart.

Förster und Demokratie wollen immer das Lebendige
organisieren, unterdrücken und dem Toten Freiheit
lassen mystisch oder als unfaßbare Kraft der Gesellschaft
Kastenreaktion.

57

Gegen Klassenwechsel und Vorsicht dabei. Dies Reaktionär menschlich
und politisch. Diese die organische ge. Transsubstantiation organi-
sierende. Kühnheit

22. XI.[Mittwoch, 22. November 1916]

Ungerechtigkeit immer in diesem kathol. literar. Leben
und menschl. Dasein so stark und grundfehlerhaft empfind.
müssen. Töten. Tötliches Leben. Z. B. Fl. immer deutlicher einsehen

Gegenüber allem Wort und Suchen und Erfahren das Sichfestigen
durch das Tun, diese Form, reine Lebensform aktualis. Aber wie
zerhöhlt Lucifer III. (Schlegel – Scheler) dieses Geheimnis und das
Geheimnis des [das?] Schreckliche der Geschichte, dem man sich
ausliefert

Donnerstag, 23. XI. 16[Donnerstag, 23. November 1916]

Schlegel: dieses Opfer und dagegen das immer strebend sich be-
mühen Goethes. Arbeitsbegriff ⟨1⟩ soziale [VR] Natur
O. B. [Schalom bemerkt, daß jetzt Wortkampf das
gleiche wie reine Lebensform

Erlebnis auch Franziskus und falsche Mystik

58

Immer diese falschorganische Transsubstantiation
Bei jedem Brief die falsche Verschränkung {theit} feststellen,
so das Geschichtl und das Opfer und die Erlösung als geschichtl
zeitliche und notwendige Mittelform festgründen.
so lohnt sich für Schalom auch die durchgemachte intellek-
tuelle Verschränkung, das Paradoxon
.

(Lippert, Bahr, Kamnitzer (Jude [?] Fastenrathanwärter) Scheler diese kathol.
gegenwärtige Findlingssammlung. Kein Mittelpunkt, überall Tätigkeit
suchen, aber nichts aus der Bahn gehen wollen. Aber dieser
Drang des Menschen, sich gleich und treu bleiben zu wollen.
letztes luciferisches Mittel. Sich freibieten, Bahn prüfen
und bleiben.

Mangel zum Führer: Nicht bloß
schärfer, sondern mehr Reichtum und Duldung und Sicherung
des Waltens, nicht nur des Wollens.

Statt kathol. Gesellschaft ob man vielleicht lieber christl.
sagen soll. Aber auch hier [VR] die leise Neigung, die
entscheidet, wie gute Meinung zum Morgengebet. Die Mitte
der Gesellschaft, das weltlich-christl. findet sich von selbst.

59

Es handelt sich nicht um das natürl. Herz, das christlich
zu machen wäre, sondern um das geschichtliche, das in die
bestimmte Form gebracht werden muß. Es
handelt sich nicht darum, Voraussetzungen und Duldungen
anzubahnen, sondern geschichtl. Formen, die schon be-
stehen durch ihre genaueste Anwendung zu
erproben. Dazu braucht man nicht die naturalis [VR]
christiana Seele, sondern die katholische Ge-
sinnung, das schon geschichtlich geprüfte. Und
dies in Gewißheit und Stolz der Probe ohne
Feigheit.

Lucifer: Dank für Sünde, für die Lebendig-
machende und ihr Mysterium zerhöhlt, ganz
Stoff Steine Brot diese Versuchung8

Daß man durch das im Kathol. Geiste bleiben wollen
immer die kaltschärfere [VR: haltschärfere], unfruchtbarer ? Hältigkeit und nicht die welt-
gängliche Bewegtheit hat, Mittelpunkt der Freiheit nicht werden kann,
„Springe hinab“ --> Diese Versuchung. –

60

Sonntag, 26. XI. 16 Namenstag zu Hause Pasing[Sonntag, 26. November 1916]

England, die Hure der Völker, in allen Ländern mit den schlechten
Volksfreiheitsfreimaurereiinstinkten verbunden (in
Rußland zu dessen Untergehen und dem des Monarchen) verbunden
mit Duma.

Menschheit Blut geschwitzt

Ghibellinentum Dante

Die scharfe geistige Idee höchster Zeitlichkeit
in dieser scharf weltl. reine die religiöse Verschränkung
zur Papstgeistl Macht innehabenden Herrschafts-
form, während Guelfentum (bes. Florenz in Mitte)
lokalisiert pfiffige, verbürgerlicht werdende Kirchen-
idee. das falsche himmlische Jerusalem in Städten
auf Erden. Hie Waibling.

Dompeter bei Avolsheim. Das frühere Datieren
bei genauerem Forschen, ⟨1⟩ die Beobachtung, daß
subjektive Zeit alles auf sich herfallen läßt,
das ungläubige Gewissen durch alles frech herange-
zogen doch bedrückt wird, das Alter nicht

61

kennt und sich zeitlich alles annähert, auch hier geschichtliche
Spanne in Spannung nicht duldet, sondern zu sich her verkürzt,
das ist das entgegen bewegende Schicksal, dem dann in Dia-
lektischer Trennungssucht das Zurücktreten (Burger
s. ⟨1⟩ vorne) aus Geschichte in Geschichte zurück wieder entgegenent-
spricht, die Verschränkungstrennung, Meidung, die Umkehr
des Reaktionären, also einesteils frei zur Verschränkung
eilen, auf sich zu, andernteils durch ein absolutes Mitteln
ausweichen. So beginnt das [VR: aber] paradoxon in
der falschen Geschichtssubstanz
hier im
Toten als wahr. Lucifers Schicksal. Das Zurück-
treten aber und Haltsuchen abstrakter Art an absolut
gewerteter Form einer Geschichtvergangenheitsform oder
Begleitung ist der falsche geschichtl Gottesbeweis
den zurücktretende Gedanke cfr auch auf Bibelforschung
etc anwenden ⟨.⟩

Gnadenstrafe für Sünde, an Mutter in Geburt zum
Leben und an Gnade, an stetig reicher gegebener
Geschichtssubstanz möglichkeit ersticken, und
an immer steigendem Wasser.

62

Deutlicher kann man, Barmherziger, die Gerechtigkeit der
Verdammnis nicht mehr spüren. s. Notiz zu Chr. M.
vom 26.11. Vater und Mutter und Geschichte 4. Brief

Die Welt ist mir nicht mehr verborgen.
Den Dingen für Namen zu sorgen
dies alles will
ich Vögelein
was naht sich gebrechlich Gestalt
ich bin den Zeiten zu alt
Geheimnisträchtig auch morgen.

Lucifer als Beispiel höchster Form des Verderbs Rettung
erwarten und Behütung, vielmehr Bewahrung wie eine
substanzenthaltende Geschichtsform und Ewiges
Enthaltend. Das ist die Versuchung des vom Turme
Fallens, daß im Falle Bewahrung als Beispiel
aber die Natur zerstört sich ewig. Wir müssen
auch Natur mitretten

wir müssen auch etwas Geschaffenes, Natürliches
mit uns miterlösen
, wie Christus die
Natur erlöst hat.

27. XI. 16[Montag, 27. November 1916]

den Wortverschleierer kann nur
das Urteil an der Tat, die Unsicherheit vor dem Werk entlarven

63

29. XI. 16[Mittwoch, 29. November 1916]

Schalom: So also auf das Natürliche und Ideelle
kommen aus der Verschränkung, so also doch
Stoff entstanden, aus bloßem
Horchwillen.

Stil aller geschichtlich geistig führenden Zeiten ge-
wisse Verschränkung, geistige freie Bewegungen
und Haltungen: Die geistigen Dinge werden
nie für so einfach gehalten, wie man sie
heute populär traktiert und (Förster) kom-
pliziert heißt. Wir müssen zur Kommu-
nion, zur Verschränkung der Geister und Ge-
danken streben (Wortspiele, Shakespeare)

29. nachts im Bett[Mittwoch, 29. November 1916]

Dante Lektüre. Geist
brechen
. die alten gotischen Gesichter,
dies alte dieser Gesichter, weil zu Erfahrung gebrochen.

64

Das Brechen des Eigenen und Inneren gegenüber dem
äußen [?] Brechen der Natur ⟨1⟩. Beispiel.
Krämpfe, sich selber als Beispiel brechen
(über Kubismus etc hinaus). Selbstzernichtung.

Donnerstag 30. Nov.[Donnerstag 30. November 1916]

vormittags (wie so selten) einmal da M. verreist [VR] etwas in die Stadt
gekommen um Einkauf zu machen. das stille
eilende frohmachende Leben „Man faßt nichts
an und doch getreu im sichern Wandel ...

das gotische Spiel in Kunstformen
nicht phantast Grotesken wie Renaissance
aus Möglichkeiten, Überraschungen und Reizungen
des Verstandes, sondern aus dem Gleichnis
der Tiere und Pflanzen. Das Spiel ist
das Gleichnis der losgelassenen Seele, die sich im
Niedrigeren erkennt, auf dem Wege der Herkunft ⟨.⟩
Verderbrückgang, also in einem organischen Weg, nicht [VR] in
einem bloß bildbeigebenden [?] wahres Symbol

65

30. XII [sic][Donnerstag 30. November 1916]

Durch vieles Erkennen, Wissen schreiben
nächstenlos in Brut versunken (aber doch
dieser Faustgedanke nicht ehrlich, das Wissen ist
nicht ein in sich treibender Faktor, wenn es
überhaupt ein Planwissen sein will, sondern immer mit
Seelen lebendigkeit und Pflicht verbunden,
so Goethes Faust von einer Eitelkeit und
gedachtem Schicksal unwahrhaftig leicht
ausgehend. {Anfang zurecht gedacht, darum auch nur bürgerlich}
Aber alles wahr, wie hilflos
in Brustversunken. So muß es im
Geiste geschehen Schalom. jetzt der Zeitpunkt
das Wissen zu brechen.

1. Dezember 1916[Freitag, 1. Dezember 1916]

Gott ist uns nicht genug, wenn nicht als
in Sohnschaft vermittelt, in Erlösung
Prozessus, Dreifaltigkeit

66

Das stille Drama jeder Zeit die eigene, Geist und
Seele mißhandelnde Stellung.
Der größte Teil der heutigen katholischen Kulturpflege
geschieht in dem glaubenslosen Geiste, nicht in der
zuwendung zu Leben und in dem Spüren
nach eigenen Gesetzen

Vor Mittag Dr. Paul Ernst mit Begleitung
auf Redaktion. Pläne gegen Moderne Becher und Strindberg
in maßlosen und durch ihre übermäßige Abwehrabsicht
Unsicherheit, den (protest) Sonderling klassizist
ethisch eng, {spitzig} scharfstistisch [sic] verratend. Aus-
sehen etwas [VR] genialisch renaissance geistkummergreis
gar wenig weiterer Mensch, sondern in einer etwas
flattierten verhockten Seelenpose; auch wehleidig.
Eindruck: nicht bloß geistig, sondern auch jetzt, da ihm Zeit der Ernte kommen [VR]
sollte, keine rechte Fühlung zu einem bestimmten
Kreis und der läuft nun zu Katholizismus.
Diese Gefahr und dadurch das Bessere und Beste des Katholizis-
mus nicht mehr sich selber ausbildend. Zutaten, statt Eigenschaft

67

Zuerst zwar sittlich entrüstet, aber dann doch mehr das
ästhetisch formlose verfolgen wollten, da er aber merkt,
daß ich darin etwas anders Zerwerfung etc finde {C. neue Sezession}, auf das
Sittliche, bes mit Hilfe des adlatus, der den doch gemein-
samen Standpunkt betont (Strindberg Weib bespeien
etc) und fast wie erstaunt Boden verliert, da auch
das nicht zieht und ich mit P. Desid etwas viel höheres
als das Sittl. die geschichtl Verschränkung etc
C. Ölberg. Schließlich mich auch gegen ihn selber wen-
dend, da er doch auch seine Sachen in N. Blätt. neu [VR] gebracht
wie wenn er was jetzt [? VR] sagt, man nur hört, was den
Ohren passt, nicht aber, aus welcher [VR] Form es gesagt ist.
„Sie arbeiten nicht für die innere Form, sondern nur gegen äußeren
Schaden“ nachgedanke: ich sprach und tat der
Wahrheit Liebe
Es ist nicht an dem, daß wir den Bruder
zurückstoßen, sondern wir stärken ihn und
uns nützen wir nur und am meisten durch eigene
Eigenschafts entfaltung.

68

Samstag, 2. Dez.[Samstag, 2. Dezember 1916]

Abend mit C. Mitternacht Brief von Ma. Auch der [VR: da], ich habe auch
diese Seele in der Hand. Sie kann auf der Höhe bewahren
hält tapfer stand Allmacht der Seele in allen Gefahren
im Freiesten geborgen. Gib mir Liebe, denn über
die reinste Natur hast du gesiegt Maria
über die innerste Natur des ganz geworden

Sonntag, 3, Montag 4.[Sonntag, 3. und Montag, 4. Dezember 1916]

seit 8 Tagen Schnee aber wieder halb weg
Wiederaufnahme aus Schuld: So bleibe
atemstiller Hauch
zerreibe innerlicher Dornenstrauch
Die Stunde wechselt um [VR auch: in]
schwarze Ohnmacht

Donnerstag, 7. XII. 16[Donnerstag, 7. Dezember 1916]

Religion hat keine Früchte und keine Form
außer in ihrer geschichtlichen Wirklichkeit.
Die Geschichte kennt keine {letztendlich wahre} religiöse Wiedergeburt
außer der Menschwerdung im Erlöser und jedem
Menschen. | Bukarest genommen.

69

Die vielen religiösen Äußerungen und immer das
eigene befreite Schicksal zu vergleichen ge-
zwungen. daß gerade der Unkämpfer im ideellsten
Glaubenssinne und aus Schuld lebende über-
lebt. Auch eben durch Böses. durch die Ver-
flochtenheit. durch die mitgeteilteste,
weltbeteiligtste, angenommenste, in Freiheit
des Bösen stärkste Dramatik. Geheim-
nis der Sünde, Substanz auch der Sünde
als das 1 Pfund des Faulen. Zeiterfüller
So nicht reine Dramatik als Ges.form
so wie Hegel etwa, sondern der Mensch gibt der
Verschränkung der Zeit in sich den eigenen
Anteil und ein Freiheitliches Übergewicht,
das aber auch fortreißende Element.

70

einige Tage unwohl, Hals etc.

So bleibe, atemstiller Hauch, aber nicht fertig
Gefahr, überall die weiten Gedanken zu
finden, aber Knotung am Schwersten,
Strafe der immer weiteren Gedanken [Zeichnung: Kelch]
Opfer Quelle

Freitag, 8.12.16[Freitag, 8. Dezember 1916]

die Wissenschaft kann nicht geschaffen, sondern nur mitgeteilt
werden. Alle die Versuche, etwas wissentliches
absolutes zu suchen, zu statuieren, kommen
von dem eigentlichsten Willen eine absolute Moral,
eine Selbstverpflichtung aus der Menschheit zu
erstellen. | Bild und Gleichnis haben keinen
Stoff, nicht extensiv, sondern nur Wahrheit. durch
die Stoffzuteilung verlieren sie Wahrheit

71

Samstag, 9. XII. 16[Samstag, 9. Dezember 1916]

„Brüder Karamasoff“
das Herz wirklich einsetzen im absoluten Vertrauen
und Zutrauen. Diese Art organ. lebendig fließender
Unvertilglichkeit gegenüber der Luciferischen: ,Behütet
dich. Die Wahrheit des Herzens, aber bei Dostojewski
mit einer fanatischen (Unverdient [VR Unverlierb.]) Verschwendeten
und doch nicht durch filioque weitergegangenen Verloren-
heit (nicht im Tempel wiedergefunden)

Herz einsetzen, diese Form letzter Verschränkung
hier ist die Wahrheit des Herzens eigenste Kühnheit
und das Übermenschliche einfassend und nun die
Wahrheit der Überwelt auch geschichtl. Gnade
einer Überlassenschaft. Hier setzt der Ort in [und?] die
Spanne ein, die dem Herzen die Geschichte bietet
und die Dostojewski – und daher sein Verhältnis zum [VR]
Katholizismus nicht hatte, darum aber größere Kühnheit9

72

Sonntag, 10. XII. 16[Sonntag, 10. Dezember 1916]

Wille in größerer Gefahr, nicht mehr so aufnehmend weil
mehr selber ausgegeben, gesiebt, siebend sich
selber. Das mittelste dramatische als Kern der
Dramatik durch Eigenschaftsverzehrtheit nicht
mehr wertdramatisch, zerhöhlt. Das Prob-
lem des Dramatischen mit dem seelischen
über der Geschichte eigen gehabten, empfangenen
die gesch. Substanz nährenden Über-
gewicht Frage nach der geschichtl. Substanz
von Hfmnthl. bes. cfr. 7. XII. 16 Nicht
Drama gehalt mehr, zu viel Trennung bei
Form. Es darf nicht nur Dramaform bei
Menschen sein, sondern ist mehr gefordert,
es ist auch sozusagen das gefordert, was ihm nicht
gegeben ist, was das Pfund erwerben kann.

die ganze Welt gefordert. Je mehr Form und

73

Drama, desto mehr Trauer, viel, desto mehr
gefordert. Es ist also wirklichste sich stets selber
verantwortlich bewegende Trauer und Genügungs-
forderung, einzelst und seelischst, nicht die Trauer
vor der Lücke zum Seelischen, wie in Reclusa
der Klassik. Nicht dumpfe, sondern be-
weglichste, Herzfließende. Die Trauer ist
ganz auf den Menschen übertragen, er
darin nicht mit allen unerlöst bloß eingeschlossen.

Passion Geißelknecht

Herz der Mutter, aber nur als organisch eigenes,
nicht auch geschichtlich. Rußland zu viel Herz der Mutter,
dann auch das Organische im ges. Leid ohnmächtig. In
Geschichte muß aber der Sohn vor die Mutter treten

Ausgewogen Ausgerungen wie ein dürrer Baum und gedreht
zu Hilflosigkeit wie Besen, ganz zu Ohnmacht
zu spät, ich fühle wie geknetet, geknechtet.

74

Freundschaft, Stern der Weisen der gebrochne
Stern, aus seiner Bahn.

Montag, 11.12.16[Montag, 11. Dezember 1916]

Schön und hell, plötzlich mittags Wind und
Schneetreiben. dann wieder schön und fast reifend farbig. Winter-
abend

Nicht verantwortung bloß übernehmen aus Einsicht, sondern
Eile aus Liebe.

Lebensaufgabe: nicht der geschichtliche Gottesbeweis, sondern
die Wirkung der Erlösung, Beweis der Mittlerschaft
Beweis der Sohnschaft. Verrat oder Pflege des Planes
des Erlöserblutes. Aus Gott durch Christus Stoff
ob nun Geduld Reichtum gibt, Geduld als gebrochene
Liebe, wie aber diese zum Herz und seiner Freiheit,
das noch höher. Dostojewski. Geist ⟨2⟩ Tun brechen.
Selbstzernichtung, aber durch Geduld, nicht durch
Verderb

Nachts: hilfloses Gebet: Gefühl: Schmetterling in meinem
Hauch

75

12.12.16[Dienstag, 12. Dezember 1916]

das jetzige deutsche Friedensangebot: gute Regie und doch
sicher ehrlich. Der die eben zulängliche geschichtliche
Kraft hat, dieser echte protestantische (? jetzt
noch?) Geist kann ehrlich sein. cfr die eigene
Stellung und wie man im Katholizismus aus
gegenwärtiger falscher Kraftlage nicht ehrlich sein
kann. Darin aufrichtige, fast aufatmende Aner-
kennung der großen feindlichen Offensiven, zugleich
selbstvertrauende Besiegelung des eigenen Erfolges
auch auf die Gefahr hin, daß bloß als Siegel auf letzt mögliche
Kraftanstrengung angesehen. So im verschränk-
testen Augenblick der {gegenwärtig} Geschichtslage ins kleinste
gebracht größte geschichtl. Freiheit

zu M. über den Kunststreit in Hannover wegen C. aus stellung. Antwort:
Abwarten, Kriegskonjunktur. Es wird jetzt gekauft worüber man
sich nicht einbilden kann.

76

Schalom ist immer geneigt, im Besitze des Pfundes (der
faule Knecht) etwas Erreichbares immer zu schnell fahren
zu lassen, aber alles, auch das Kleinste und der Schmuck
will erworben sein, wie der Name tut. der Wille
immer in dieser Gefahr des bloßen Dramas ohne
Besitz.

15. XII. 16[Freitag, 15. Dezember 1916]

Jede Pflanze ist ein Bild, aber das Tier ist
bild los. Tier Wille, Pflanze Geist Anschauung.
Tier Zeit, Pflanze Ort. alte Seele im Tier.
neue Lamm in Dornen. Lamm der Seele.

Durch Willigkeit so weit gebracht, Gott-welt-verlassen
Martyrium. durch die Stimme, die man hören
will, die entsprießen soll. daß {eins} aus dem
Munde blühe.

Nicht durch Gesellschaften, sondern im Einzelnen Seelen-
verantwortlich liegt das Problem der kathol.
Kunst, wie jedes Nähe, um Gerechtigkeit

77

zu verlangen und das innere Drama der
Welt 5. Brief und 1. Brief. Jeden Brief
mit der Notwendigkeit der Gerechtigkeit und
inneren Näherung schließen, weil Gesellschafts-
gründung durch Gerechtigkeit und gerade diese
in heut. kathol. Gesellschaft (cfr auch Art Wurms
gegenüber C. und bei Hochl.) fehlt.

Bis man sich daran gewöhnt hat, daß man
Wirkung in sich und aus sich vor der Fügung wie
Pflanze in Hand in Mund lebt. Lebendigkeit [? VR: Wendigkeit]
Aktivität durch stetes Ergreifen. Nahrung des
Geistes wie jede auszusaugende Regung durch
Zeitalter und Schickung körperlich und geistig bekommen
das was Schalom doch ganz fehlt. Gott will nicht
diese [? VR] Strafe.

Nicht das Verstehen des Geistes wirkt Kraft, auch nicht das
Erlebnis, das alle gleich haben mögen, sondern nur die Trennung des Herzens

78

16. XII. 16[Samstag, 16. Dezember 1916]

Man kann auch zu seelisch sein. Christentum
zoon politikon. Saitschicks Politikartikel
zu sehr bloß innere Lebensfeige Selbstpflege
dagegen Christentum wahre Übernahme.

Ich dachte, dieser Übergang in Geschichte durch
Seele wäre mein neuer Gedanke. aber er ist
nichts näher selber wieder empfangen, befruchtet
gegeben durch gesch. Gnade. Und auch vielleicht [VR: fehlt] in mir
sich als Teufels regenbogen das allzu seelische vielleicht [VR: fehlt]
in anderer Form immer da

Sait. immer gegen „sie, sie, sie, wer Sie? man muß
jeden Menschen trennen. Sonst Eitelkeit und Un-
wahrheit.

S. ⟨1⟩ das ganz Reine!
Stil selbstverräter, Chaos, Wirren ⟨.⟩. Gedanke
welcher Selbstverräter in eigener hier [?] noch mehr

79

Kampf, also auch der Selbstverräter verschieden, auch
diese in Spanne der Geschichte eingefügt. Welcher Art
von [VR: und] Spannung Judas? Daß all dies Saits-Ge-
wäsche Seitenlang gedruckt wird, und ich muß
lesen, Wort finden. Nah⟨..⟩los Gefahr. alles kathol.
Geld geht da hin.

Selbstcharakterisierung [VR] S. 399. Spotten ihrer selbst
und wissen nicht wie. Blind. Diese Haupteigenschaft
dies Weltweisen, Verteilen, Zerschneiden das
nathlose Gewand der Geschichte, von Mutter ge-
woben, sitzen unter dem Kreuz und sehen
das Drama nicht.

Sonntag, 17. XII. 16[Sonntag, 17. Dezember 1916]

Nicht jeder, der zu mir sagt Herr, Russisch, Eitel,
Drama, Hebbell [sic], bloß sittl Prägung als anderes Gegenteil
reclusa Vaterschaft

Zweck der Arbeit gegen russisch. Drama
Blumenstück gegenüber Dostojewski

80

Es ist kein Gesicht
Auch die bloße Seele ist es nicht, das letzte der äußeren Welt
was der Knabe –

wie nun im Winter alle Bäume, alles dünn wird,
hart eingezogen, gegen die Härte in seine [VR] eigene Milde
bricht. Knabe (Karamasoff Knabenszenen)
so immer mehr aus Trotz in Milde vor Gott zurück
weichenmüssen. Weisheit und Beschämung
wie des Knaben. Schluß von Schalom.
wiederverjüngte Knaben. Verjüngungsgang
des Lebens
.

18. XII. 16[Montag, 18. Dezember 1916]

cfr Schlaf? Hochland Jan. S. 451
„das germ. Übertragisch“ cfr auch Paul Ernst. Diese Goethe-
sucht überdramatisch Das wahre Eitel nennen
das zwecklose (cfr auch Kant) muß irgendwie im
deutschen Geiste liegen. Übertragisch in Gleichge-
wicht gebrachte Sensibilität S. 454 ohne prozessus,
das Protestantisch.

81

19. XII. 16[Dienstag, 19. Dezember 1916]

Sich durch Geschichte gegen die Geschichte wenden nicht
wie Bahr, weichliche ananke, Gerechtigkeit.
Nicht warten, bis Gott gerecht ist, sondern ihn empfangen,
auf daß man zeitrecht, sondern zeitgerecht, für Gott
recht sei. Barmherzigkeit dann ⟨1⟩ Gerechtigkeit
Das Komische vor dem Tragen der Gerechtigkeit
auf sich zurückgewiesen, auf sich zurückzukehren. Dies
Lächerliche des ideel [sic] arbeitslos, filioquelos
angestrengten. Dies auch Mitte der Weltge-
schichte und ihre Stimmungsbrechung
(auch bei Dosto-
jewski. etwas Lächerliches in dem unvollzogenen
prozessus. Willegis

22. XII. 16[Freitag, 22. Dezember 1916]

Vollzug der Dreifaltigkeit

82

Daß man judasmäßig, was C. nicht versteht?, bei Hochland
bleiben und leiden muß. Mörder wie Selbstmörder
(Dostoj) wer es fassen kann, der fasse es.

Nur dies. in Druck liegen. sinkende Last. Wo-
her diese furchtbare Begründung und dies schreck-
liche Los. weil [?] Frömmigkeit ohne und darum über
dem gefügten Leib und der Natur, desto höher
oben schwimmt wie Kelch übergeht. Kein Knauf
und Vereinigung sozusagen Mund unter den Rand
ertrinken tiefliegend. Gefühl, Erdenball
mit aber Herbst und Wildnis und Gestrüpp in
sich tragen und tötlich verwundet innerlich
zu bluten.

Geduld, immer dies dulden müssen, von Gott verurteilt [VR]
sein, Einsicht in ihn, ihn zu speisen, seiner
Ehre Zeugnis zu geben durch eigene Vernichtung in
Sünde, Gott als Last der Selbstvernichtung tragen
als bloßes Zeugnis, Gott rettungslos aus sich tragen, ihn immer gebären
in [? VR] mir, ohne meine Rettbarkeit

83

23. XII. 16[Samstag, 23. Dezember 1916]

Verwandtschaft des Schalom faule Knecht mit
Rußland. fruchtlose Vaterschaft. Klosterwesen
beschäftigung.

die zu große Verurteilung zur Geschichte aus der
Vaterschaft Carl V das andere Extrem
gegenüber Rußland

Vielleicht deutsche Friedensnote nicht nur ein ehrlicher
Zug der Zeittatkraft und Einsicht, sondern wirklich
dabei noch eigene Friedensgläubigkeit, wenigstens
der nicht alles auf einmal zu lösen rechnenden Re-
gierung; daß Regierung sich hier so der Zeit an-
vertraut und nicht Aufgabe restlos lösen will.
Dieser, sich auch der Zukunft noch vertrauende
größere Mut der inneren Triebsicherheit gegenüber
England.

24. Weihnachtsabend[Sonntag, 24. Dezember 1916]

glatteisig kalt Mitternachts-
Kirche in Pasing.

84

Weihnachten 25. XII. 16[Montag, 25. Dezember 1916]

Daß auch Nichtwort, das Vermeiden des weichlichen
Wortes, Lösens der Schranke gut ist, das alle
Aggressivität der Natur vergrößert. Bewahrung des
Heidentums vor dem Wort erschienen im Fleisch,
daß ihm das Wort nicht ganz gegeben war und ⟨1⟩ so
nicht ganz gelöst verderbt werden könnten.
Weihnachtsgedanke | aus dem steten Ge-
heimnis wieder geschöpft | Sinn und Rettung der
Geister in Vorhölle. Näher wollen aber fortge-
peitscht wie die Tropfen aus dem Sturm

Dostoj. der hilflose Helfer, Hörer, Schauer

Sinn „Seine Mutter bewahrte alle diese Dinge
in ihrem Herzen [Lukas] 2,51

der vielfach 3. Beteiligte, bloßes Ich {ohne filioque} statt dem Sohn
und Wort. Dies bloße stehts [sic] gegenwärtige alles auf schärfste, aber fast nur [VR: nun]
wie unwissend zerlegt auch in Tiefe sehende Gewissen

85

doch nur Bild der Erfahrung nicht Wort, nicht die Leib-
haftigkeit der Erfahrung, das [VR: des] Urteils
prägende Wort ist
Gott deines Wortes

26. XII. 16[Dienstag, 26. Dezember 1916]

die Erscheinung des von Literatur und
Kunstwollen zur Kultur in
Zeitlage, oder [VR] wenigstens ges. Fragen
kultureller Dinge Übergehens, ohne
aber die ersten bewältigt zu haben
weil Erkenntnis wille und Tat fehlte
und sich nun das Eitel persönlich mit
Sittlichkeit in ges. meistern
wollend wichtig macht.