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Konrad Weiß: Kriegsbuch 6 (17. September bis 13. Oktober 1916)

Konrad Weiß

Kriegsbuch 6

17. September bis 13. Oktober 1916

1

Sonntag, 17. Sept. 1916[Sonntag, 17. September 1916]

Gedanke, daß man aus dem Organischen doch auch immer im
Leben wegbleiben muß, das [VR: bis] alles und [VR: in] das ganze umfassen
muß (zu Lebensform nicht kommen können ohne Zwiespaltung:
Ist denn die Sünde und als welche folge und wie Sub-
stanzbeteiligt notwendig? Ist die Substanz
der Weltgeschichte nur diese gesellsch Notwendigkeit
nach der Seite des Einzelnen genommen,
Substanz also diese Herbeziehung [VR] und als
Folge aus der Ges. im Einzelnen Lösung
Notwendigkeit aus und in der Ges. aber zur
Freiheit im Einzelnen werden müssend,
die Substanz der Ges. als solche nur Erscheinung.
Erkenntnis, Baum der Erkenntnis {Zeugnis} im
Einzelnen aber Wirklichkeit Baum des
Lebens. Ist vielleicht gerade dem Sünder

2

immer um die „reine Lebensform“ zu tun und dem
einfach Reinen um die wirkliche Substanz

Das Wollen als stetes Wagnis im Fleische bleibt
Verurteilung und daraus Vermessenheit und Verzweiflung
(ist aber im Baum des lebens kein Wagnis, sondern ein Müssen und
Freude der Kühnheit und Wahrheit
Selbstlösung immer kühner das Wagnis

(dies auch der Kern der 3 Versuchungen, da Lucifer nur
aus Erkenntnis sie von Christus verlangt.)

Auch Fleisch mitnehmen müssen: Michelangelo. Auch Klassik
muß heute mitgenommen
werden

Gespräch am nächsten Tage abends in Puchheim, der [? VR: da]
aber nicht genau sehend, was meine, doch richtig
fühlend, was erst später Schal. einsah, daß es
tatsächlich nicht Klassik, sondern Schaloms falsche Erkenntnis
reinheitsform, die diese Forderung nun stellt, die
selbstverständlich auch für den natürl. ges.

3

Organismus ist; aber Schal. damals zu betonen ange-
fangen und das erscheint ihm immer richtiger, daß in
Gotik dies Wagnis noch nicht auf den Einzelnen
angekommen und durch ihn lösbar, insofern
Michelangeloproblem noch nicht darinnen und heute die
Gotik erst zu erfüllen durch das sich selber
in den Ges. Geist ihrer Mitte als Baum
stellen betont einige Tage später in Gespräch mit
Caspar.

Es wird uns vielleicht nicht die reine Läuterung der
Zeit (auch der gegeben, sondern alles in Vermischung.
tue Adam das bloße Werk, mit der ganzen
Inbrunst [VR], zu erfüllen. Zur Geduld, füge.

warum gegen M. [Muth] bes. immer wieder trotz gutem Willen abgeneigt 1, weil
Schalom durch Form des Wortes in Richtung gebracht
und gehalten und dann bes. als Deutscher (und von Hause)
gegen franz. logisch grammmat. Zerlegung abgestoßen.

4

Wagnis geschichtlich mitmachend, Vertrauend, das ist
Kelch, Erkenntnis wort (Stil zwang) was der Übergang

Feindschaft ist der Übergang Joh. Komm. Wort

das ist nur intellektuell der Luciferische Kelch
aber in Christus am Ölberg war die organische
Substanz annahme, Opfer auf sichnahme,
nicht die Luciferische Bewegung an deren
Verderb der [die?] Gesellschaft, in sich ihn Erkennt-
nishaft lösend teilnehmen, sondern
den Verderb organisch auf sich nehmen
dann nicht mehr Zwiespalt in Lebensform notwendigkeit.
sondern Zwiespalt in Freiheit.

Nicht zur Ges. hin, sondern diese zur eigenen Eigenschaft
her. Diese Substanzbewegung. Also nur
ein Baum, aber die Erkenntnis ist Verderb 2<–

5

Wort und Werk, apodiktisch immer mehr, immer fanatischer
je mehr selbst verurteilt. Der Baum der Erkenntnis
schärft die Sinne, die Weishei Erkenntnis Lucifers
Sie erkannten“ Streitbar. Immer mehr sich um genau-
igkeit mühend. das Kriterium der Erkenntnis für die Welt
schärfend. Dann gibt Gott als Sohn vielleicht
auch das Organische. Sich immer zuleitend die Geschichte
in sich wahr machen. Das ist der kulturelle
Weg.

8.10.16[Sonntag, 8. Oktober 1916]

Nein, denn nicht die Erkenntnis
wirkt, sondern die Eigenschaft, wieder nicht die
Verteilung, Quantitierung, sondern Hernahme
der Substanz, Qualitierung. Die
Substanz ist wirklich in der Welt
nur lebendig als Bewegung, als die
innerste Verschränkungsbewegung, die sich im
Opfer vollzieht.

6

Montag, 18. IX. 16[Montag, 18. September 1916]

Abends Puchheim. Michelangelos Klassik. Wagnis vorwärts, das ist
wie sehr und wie lange darf man den Fortschritt, den Drang der Welt-
zerstörung, Weltaufhebung, der die Weltbeendigung nach vorwärts
will, die Zeit erfüllen will, beschleunigen. Wann ist das
Haltsame, die Haltung, sich selber zu halten, notwendig.
Italien, Trauer. Adam. Man muß sich halten und frei
das Maß, auch im christl. Sinn bestimmen. Diese Trauer, daß man
das Wagnis des Maßes auf sich nehmen müsse. das ganze Gespräch hatte
den Fehler, wie 8.10.18 [16?] eingesehen, daß Maß bestimmen an dem
gesellschaftl. Drang, an der Substanz der Gesellschaft gemacht
war, an dem Notwendigen, statt an der eigenen Versubstan-
tiierung
für die Gesellschaft, an der Freiheit. Es war auch versteckt
das Schillersche Verhalten, nicht so im Sittlichen, obzwar im
persönl. Grund doch zuinnerst auch im persönl. Sittlichen
begründete (Verwahrung gegenüber dem Baum des Lebens) Ver-
haltung. Maß und Trauer liegen aber in Treue und
Würdigkeit
. Würdige mich und sich selber würdigen. Immer
hat Schal. für Gnade der Erkenntnis, die ihm zu viel wurde fast, ge-
dankt. Aber auch Lucifer ist aus Gottes Gnade entsprungen. Aber
Gnade der Wählung. Wie aber doch das Spendende

7

des zerstörenden Fortschritts, das Nützen Können und Fruchtbar machen
der Sünde, dieses furchtbare Geheimnis immer wieder, das sich ent-
gegenwirken
, nicht im Maß der Versubstantiierung in Treue
zum Würdigwerden, sondern in der Weltsubstanz. Sich zur
Erkenntnis Feind sein können und Feind sein müssen.

Michelangelo. – Daß in der Annahme der Sünde, wie in Annahme
der Weltsubstanz und des Opfers schon etwas Erlöstmögliches, nicht in der
Sünde, sondern in der erlösten Sünde als Welterlösungsbe-
gründung die Substanz steckt, der man sich einbilden
muß, dies ist notwendig und wirklich gegenüber reiner Lebens-
form. dies ist der grundmenschliche Zwiespalt und dies
auch das heidnisch unerlöst wirkliche Erbe, und
daß dieses Erbe, daß man Teil hat an dem Versagen
des Menschen, reine Substanz zu bleiben und
Freiheit, sondern des sich zur stofflichen Mitgabe der Geteiltheit der
Welthinterlage
im Menschen immer bleibt und eben die reine
Lebensform hindert, den Baum des Lebens, das ist
die Trauer
, und der Raum, der vorhanden
ungefüllt bleibt und stärker ist als das reine Zeit wagen wollen
als Dynamik der Lebensform.

8

Dienstag, 19. IX. 16[Dienstag, 19. September 1916]

Daß jetzt viele aus Schwäche national werden und zur Stärke und
Scharfmacherei sich bekennen. Südd. Monatshefte. Diese Art der
kleinlichen konservativen Opposition der gewählten Mittel. Nervositäts-
opposition. Bei dieser gemachten Stärke verrät sich die Ver-
gangenheit und Schwäche durch Ärmlichkeit der Mittel.
Daß aber andere, Demokraten, aus angeblicher Sorge
für Allgemeinheit feige und sozialistisch werden. Die Sozial-
demokratieneigung der besseren Stände aus sich selbst sal-
vieren wollender Feigheit, die ja im wirkl. Falle ganz
wertlos wäre. Das Verlangen, in der Öffentlichkeit von
Regierung immer ganz unterrichtet, nicht „angelogen“ zu werden,
diese falsche Art, seiner eigenen Stärke zutrauen zu lassen, da
doch die Regierung auch in sich das Maß wissen muß, wie weit sie
die Gesellschaft teilnehmen lassen will, die haltlose Masse ist.

Mittwoch, 20. IX. 16[Mittwoch, 20. September 1916]

Tue Adam. Was du behütest, das behütet dich.
Alle in Jugend sich gelöst, die Plätze auf Erden
fanden, oder Lösung, die man ihnen gab, angenommen.

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Schal. trägt Jugend ungelöst, die Nichtgeschlossenheit, den nicht
gebrachten Entschluß immer mit. Das Unvertilgliche, unsterb-
lich sichere. Reclusa der Trägheit als falsche Vollkom-
menheit. Idee des faulen Knecht.

Welches Opfer; daß man in reinster, härtester Freiheit, Unbe-
schiedenheit, wie Fisch an Angel zappeln, bleiben muß.
Dies als Opfer bringen. Aber es ist auch wieder nur ein Täuschen.

Donnerstag, 21. IX. 16[Donnerstag, 21. September 1916]

Das Festliche. Der Substanz, der Welt
gewiß sein.

das Problem der Gotik, daß sie die Substanz
in Ges. gelöst hatte, aber nicht im Einzelnen
das Wagnis übernommen. das Klassische
nicht mitgenommen, den Übergang auf die jedeinzel-
ne verantwortung nicht vollzogen. Wo dies kommen
sollte, Hallenkirche, Reformation und Michel-
angelo nackte Gestalten. nicht mehr das
Festliche.

10

? Freitags nachmittag[Freitag, 22. September 1916]

auf schön Wetter aufhellen aus Regenstriemen Ungeschickt
und ungetan.

Samstag:[Samstag, 23. September 1916]

wie es möglich ist, immer wieder abzu-
fallen und zu vergessen (gegenüber Lucifer) was du behütest, das be-
hütet dich. Wenn nur Erkenntnis behütet. Nein.
Wort aus Sorge.

Hoffnung C. Name, das Wahre Substanz stärker
Fl. Reich, das Lebendige. Bezogenheit stärker

21.9.[Donnerstag, 21. September 1916]

Abraham – Isaak statt Opfer
Gehorsam
Geschichtseigenschaft gegenüber
Armut. Israel durch Gehorsam stark und vom
Opfer erhalten. Gehorsam Geschichtser-
haltung Geschichtseigenschaft gegenüber
Armut Natureigenschaft.

Goethe das weltgeschichtl. Pastorale aber in
falscher Weise unfrei
Schiller: das geschichtl.

Samstagabend[Samstag, 23. September 1916]

die Wolkenstreifen dicht gehäuft über Himmel, wie
gedroschen Stroh aus Maschine läuft und blutige

11

Brandung Abendhorizont sich stark in gelbrot klärend hinter Bäumen
Ofenfeuerung und Himmelsstreu.

Sonntag, 24. IX. 16[Sonntag, 24. September 1916]

Schöner Morgen. Adam versteckt. Nicht mit Erkenntnis zusammen-
hängend, Substanz nicht offenbaren.

Werden des Sinnes von Knaben ab. in Kirche nicht horchen und doch erfüllt
werden.

Der brennende Dornbusch „was du behütest, das behütet
dich. In Natur leben wollen unersättlich, aber doch unge-
löst gleich überall erfließend, aber in Geschichte überall leben wollen
in der Substanz der künstl. Formen. Immer mehr erfüllt [VR] immer mehr
geistig läuternd gesättigt mehr wollen zu vollenden ⟨2⟩

Sonntagsarbeit {nach Weßling} in Öhmd. soweit ich bin umgeben, die Erde
dringt in mich, nur das engste Zupacken, wie hilflos.
Und Moses schritt nun in die hohe Zeit, benetzt
die Schuhe und das Haupt in milchigem Himmelblau gewärmt
brennend Herz in reiner [seiner?] Brust. Herbst Pastorale
Vögel Scharen ziehen. Nicht Angst haben, sich verlieren
zu müssen und damit seine Wesen [?] bekämpft, immer wieder diese
Angst, sondern sich recht [VR] groß stärken, wodurch [VR] das Altwesent-
liche neu vergrößert wird, aber nun Haltung bekommt

12

also doch dies Prinzip des Fortschritts als Wagnis und Größe be-
wußte Annahme, wie bis jetzt nur gequält. Von
Weßling weg tief glanzlos schwarze Raben lautlos
aber schnell und in sich wechselnd fliegend über Haupt
zu weiter blauer Halbhimmelhöhe flache Zeltkuppel
an den Rändern hauch blind anlaufend. Der
Bauer, der den neuen Rechenstil gegen Schulter gelehnt ihn
auf der Straße vor sich schütternd laufen läßt. Laune.
Vater. Gespräch mit ihm. Grünsink. Und das
Wort ist Fleisch geworden. Knarrende Heuschrecken,
gelbe Falter. Wald schon leicht angegilbt. Und rote
Streifen wie beschossen von gefiederten Pfeilen. Barocke
Marter gedärme aus Leib haspeln. Wie im Winter leises
sich Streichen [VR] gebrochener Bäume. Immer Gedanke an Vater.
Wenn er mitgehen könnte. Wieder auch in Dürre vielfach
Trotz wenig Blumen doch ein matt werdendes fast
vergänglich rote Stimmung. Wieder dann wieder alles glitzernd, ab-
lehnend [?], abwerdend, abwärtig. Mauritius
Grünewald [Matthias Grünewald; Erasmus-Mauritius-Tafel] das Festliche der Barockmalerei

13

und getöteten Natur. Festlichkeit jetzt gegenüber Hedonismus
und so in Stille des Einfalles immer wieder das Knarren der
Heuschrecken.

Moses wollte die ganze Natur trinken – einmal für
immer und alle Jahre. da bekam er die geschichtliche
Aufgabe. Moses entdeckt: die Erde bildet sich
Winkel und zäunt sich zäumt sich und das ist Rücken
eines Berges. Steinebach, Schütte Lenz [?] über See her.
Walchstadt, Bachern, Schlagenhofen, Flieger gegen Ammersee,
Hechendorf.

Montag, 25.[Montag, 25. September 1916]

Streit betreff Unterseebootkrieg etc. Immer wieder das Verständige
der Feigheit beobachten. Zuwachs zur Sozialdemokratie
aus Flau- und Feigheit vor geschichtl. Berufenheit.

daß man die rücksichtslose Kampfforderung
gegen England auf der Hasenseite als letztes Mittel und Zeichen
der Verzweiflung ansieht, da doch in Krieg das schärfste
Mittel ⟨2⟩ abgesehen
von geistige Wissen [?]

Schalom. Unhaltbarer Lebenszustand
das unhaltbare Kritische, weil darüber
hinausgewachsen, aber nicht organisch gefühlt
Gespräch mit Eberz: hilflos gerade die eigene

15 [sic]

und dünnere Bahn, die man eigen hat, finden.
Der Eindruck, der Hilflosigkeit und so Maß und Be-
stimmung nicht ausweichen können. In Eigenart der
Berufung angenommen und verworfen. Hilflos
bestimmt und ausgeliefert Von Gott
zugelassen wird diese Angst statt sich zu verlieren,
Ohnmacht und Reue, eigenes Maß, Bann. Schicksal
die Hilflosigkeit der Gnade genehm zu sein
Baum der Erkenntnis immer mehr den
Bann der Hilflosigkeit um sich ziehend [VR]

Mittw. 27.9.16[Mittwoch, 27. September 1916]

Vergeuden müssen auch den Verstand
die Einsicht und [VR] nicht organisch fruchtbar
werden, sich Natur nicht behütet.
Schicksalauflage von Gott für den

16

Nun doch Deutschland in seinem Schicksal allmählich in
Gottes Hand. Charakter der Rechten wächst durch
Treibereien mehr als durch Vertrauen, die Linken
verschanzen ihre Ziellosigkeit hinter Vernunft
und es gibt Leute, die aus Feigheit zu Eroberern
werden und andere, die überall nur ihre Schlachten [VR]
Meinung Folgerichtigkeit in Versagen suchen. Man
muß Kriegsanleihe absichtlich zeichnen, um sich darüber [VR] zu
erheben.

Kathol. Würdigung auch für Opfer, dies ganz
unprotestantisch. Hier ist Kern der Stoffbe-
reitung aus dem Glauben, Hoffnung
und Liebe, der eigenen Verdreifältigung.

Donnerstag, 28. IX. 16[Donnerstag, 28. September 1916]

Baum der Erkenntnis Gier nicht rechter Art
den Stoff zu verzehren, weil Mensch sich ver-
stofflichen, nicht rein geistig sein will

17

Haß und Liebe, mehr Haß als Liebe, Trennung statt
Prozessus
. quantitierung dann in Geschichte, sich also
aus Haß und Liebe oder Eigenschaft der Liebe wie am Ende
der Welt so am Anfang zugehörig zerstört
und Christus in Mitte Liebe. Irdisch Trennung.
Liebe eint den Menschen und trennt den Welt-
plan der Geschichte. Diese Trennung Gottes Prozessus
zu Sohn also als Mitte sichtbar innerhalb
der Quantitierung der Welt.

Immer diese Angst, sich und sein jetziges schlechtes der
Erkenntnis dienendes Wesen verlassen
zu müssen, es als Feigheit ansehen,
diese Entwicklung zu verlassen statt
Tapferkeit des organisch werdens
das aber 3. Hilfe erreichen [?]

18

muß, wahre organische Tapferkeit
X intellektuellem (Faulheits) Wagnis.
Roman Stoff. Jean Paul Humor

Freitag, 29. 916[Freitag, 29. September 1916]

Ich habe den Tod verdient, aber doch Freiheit
wenn dies als gefühl. Abgrund nicht ohne dich
Adam in dir verflucht,
Tue das bloße Werk, unablässiger [? VR] eigen Feind
Wie im Fortgang behüten, nicht im Zurück-
halten, man muß in Zeit gehen, organisch
werden, man kann nicht behütend
bleiben. Man kann sich nur der Vollkommenheit
als Geschichtssubstanz zeitlich anleben,
man kann nicht in sich selber zurückbleibend
sie erwarten, da man aus sich selber nicht die Bewegung
holen kann, sondern aus dem Tod. Man muß

19

stocken und dann fluchen in falscher gebundener Rastlosigkeit.
Daß das Fortschrittnötige eben überkommen man
kann, nicht halten, wie die Voreltern nicht gehalten
haben [anknüpfend an 'überkommen':] muß ohne gegen Eigenschuld, Erbsünde
daher auch das Gleichmaß mit der Zeit nicht haben,
immer vor oder nach und nicht die wahre wirkliche Mit-
lebensgrenze (Verfluchung gegenüber der Mitteilung
nur immer Zerteilung, nicht Mitteilung. Aus
Eigenopfertrennung soll Wagnis und dann wahre Kraft
für allg. – wachsen!

Der falsche Bewahrer, Angeblichkeit und Kleinlichkeit im
Alltäglichen das Organische sucht diesen Ausweg.

2970% Dividende. Kapitalismus Quantitierung. Das Orga-
nische sucht diesen
daß sich Staaten bilden werden,
die nur andere in Botmäßigkeit und Sichverzehrungsnot [VR]
als Sklaven halten müssen, um ihrer Dividende wegen
den Absatz zu haben. Diese neue wirtschaftl.
Sklaverei gegenüber der alten politischen. England – Amerika

20

Sinn dieser Staaten – die apokalyptische Hure, demgegenüber
der aber auch verdammte Antichrist, weil in Selbstzer-
wühlung ([nicht?] Wert und also Qual umsonst (in Schalom Deutsch
land vorgebildet) Das deutsche Schicksal?

Mysterientheatersucht. Auch dieses Ausweichen der
Zeitsubstantiierung, was alles treibt. Wo irgend etwas Religiös
klingt, darauf losfahren und jedes Surrogat schätzen
religiöse Selbstbehauptungsnervosität

Einen Menschen nicht zum Dienen veranlassen können,
nicht Arbeit geben können. falsches Selbst tun
d. ist in diesem Falle falsches Selbstleiden wollen.
zerstörerisches sich opfern auch dieser organ Fehler –

Samstag, 30.9. 16[Samstag, 30. September 1916]

Knotenpunkt eigener Substan-
tiierung
. Ausweichen des Hochland nach ges. Substanz
seite dafür das verstockt [VR] klassisch und Ethische
dafür [VR: daß] bezeichnend Werben für Schiller und Goethe.

21

dagegen das eigene Ausweichen ins Selbstsubstantiale
aber nur in Erkenntnis und darum [?] zerstörend [VR]

Hochland also das falsche Tragen ins Ges und Gesellschaftige
vor [VR: und] eigene Natur in den falschen Teil der Gespalten-
heit beide also im Ausweichen verwandt wenn
auch im absoluten Gegensatz. Diese schon immer
bemerkte Verwandtschaft und Fluch des zusammen
geschaut seins. (stilitische Gegensatz forderung und
auch da verwandt, weil auch nicht organisch.

Mutter und Kirche.

nicht im allgemeinsten, sondern im genauesten Sinn
sind die Menschen verwandt, nicht ideell als Welt, sondern wirklich
(dies im Anschluß an Gespräch über mod. Kunst und Sorge [Reinhard Johannes Sorge, 1892-1916]). das
Flüchten in das Mystische des Genies beim Rationa-
listen. Sucht zur Geheimnishaften Agnostik
bei diesen gegen Erkenntnis kämpfenden Leuten wie Saitschick

Auch bei Leibniz Harmonie fehlt gerade das3

22

Sonntag, 1. Oktober 1916[Sonntag, 1. Oktober 1916]

Muttergedanke, Leiden x [über] Vater. Mit Mutter im
innersten Kern der Geschichte vor wie nach der Erlösung zusammen-
hängen. Die ganze Natur leidet als Mutter
unschuldig, erst in Vater in Erkenntnis schuldig
Baum des Lebens Mutter. [anschließend an 'als Mutter':] durch Erkenntnis und
Adam hat nicht bestanden, indem er organisch
blieb. Maria Verheißen [VR: Verschließen].

Daß der deutsche nicht Innen- und nicht Außenmaß hat
und Gesch. durch Organisation ersetzen will.
Auch hierbei Schalom das schwere Los, in dieser Zeit das wahre,
das Organisations lose festzuhalten, aber nicht zu
seinem Heile.

Gesicht [Zeichnung] Frankenschädel von heute
Karl Große Art des Hinterkopfs [Zeichnung].

(Wann ist mein Herz in deiner Wahrheit froh?)

Gelesen Cervantes, „Die Macht des Blutes“

23

Unehre und Öffentlichkeit. Diese groß. ges. span. Wahrheit
Sinn der Ehre x russische zu großer zerstörender De-
mut

Zuviel (auch Schalom) von Gerechtigkeit verlangen, den
schon gegebenen Ausgleich irdisch statt in innerer
Ehre auch äußerlich [? VR] und Selbstbehauptung. Dies Deutsch zu
bloß persönl. und pietistisch gerechte, naturalistisch
sittlich
unsere Zeit und Literaturproblematik
(nordisch). dagegen mehr der Ungerechtigkeit durch ges.
Überlegenheit und tieferen Halt begegnen. Freie
Herrschaft, so auch Dauer geben zur Änderung, selber
sich an Dauer gegenüber geschick beteiligen wie Gottes
Mühlen. Cervantes und Kleist (unproblematisch [???]) Das
stark geschicht dramatisch ⟨.⟩ (wie Caesarius [? VR] aber viel) weiter
fragmenthafte dieser Erzählungsart, Herausbrüche aus der
Geschichte. Gebrochene Ordnung Heftigkeit der
ganze Weltsorge wieder [VR: und] Mutter

[bezieht sich auf 'Diese groß. ges.' am Beginn der Seite]
diese ges. Tugend
lässt in Wirklichkeit mehr die Vorsehung gelten.

24

Montag, 2.10. 16[Montag, 2. Oktober 1916]

daß auch Verräter in Mitte geduldet. Mein
ist die Rache, ich will vergelten, also tragen auch am
Unrechten. Daß weltgeschichtliche Erfahrung: eine sich
verfehlende Sache oft nicht an dem Fehler schließlich
gerächt verdirbt, sondern an etwas anderes, in der Zeit
kommendes, Eigenschafts ausgleichung. Daß dies Kleine
zum Verderben überliefernde aus dem Zusammen
stoß mit dem großen Weltplan kommen kann,
so der eigentl. Verrat dem (Nutzen) Geschehen
dienen mußte. Dies hier Formwahl stoffwahl
selbst zum Verderbbringen wichtiger als der selbst
eigensubstantiell verderbliche Prozessus des
Verderbs4. So möglich, daß H. vielleicht nicht an eigener
Versagung gegenüber der mehr bewußten Geschichts Gesetzannahme
sich ausschaltet, sondern wenn Zeit gekommen, vielleicht sogar durch
älteres geringes Verdienst ausgeschaltet wird,
so nicht über etwas Zukünftigem, sondern etwas Vergangenem zur

25

Sühne stolpert. Zeitschriftgedanke Görres Ges.

Montag früh sonnig und starker reif. die hohen Gräser
schnell getaut stehen lind gelb in früher Sonne, die anderen
vielen in Teppich gebeugt ganz bereift hinliegend.
Gefühl der linden, wenig höher aufgerichtet.

Nachtgedanke: der Mutter Pfand, Ich in der Welt als
Mutter Unterpfand, unverbrüchlich sicher in allem
Schmerz, Schmerz der Mütter, aber ihr gewährtes Pfand
weil sonst Mutter nicht erlöst, dies vor Erlösung wichtig
sehr. Verheißung. Maria Blumenstück.

In Verzweiflung wieder bis zu hilflos in Glauben5

Mittwoch, 4.10. 16[Mittwoch, 4. Oktober 1916]

Christi Reden aus dem Zwischenleben Natur
und Übernatur in Geschichte treibend. Beispiele
für Christi Redeweise suchend auf Evangelium
Markus, das bis jetzt weniger geachtete

26

gekommen und nachts im Bett noch seine besondere Stärke
erkannt. wie Stufen schlagend in die Seele
des Menschen, der Geschichtl werden will. Mar-
kus Löwe, Venedig. Erzählt von Vergan-
genem so weit und eng Freigeworden wahr und
mitten im Schnitt [Zeichnung] wie bei Verpflich-
tetgewesen werdendem. wie von Zukünftigem
wie Stufen aus dem Vergangenen für Zukunft
Klüfte kluftig (cfr. Cézanne) aber nicht logisch
sondern dies kluftige auch in Geschichte.

Matthäus ⟨.⟩ besingend, Markus gesch treibend,
Joh. vollendend Lukas gesch. nachbildend
Markus nicht bezeugend, sondern stark setzend in
Geschichte. Sinn des Predigers des Evangelisten

Weihe, nicht Verstehen und einfach Eigenschaft [VR: Gegnerschaft] bis zu
Glaube entwickeln

27

Donnerstag, 5.10.16[Donnerstag, 5. Oktober 1916]

was findest du nur an dieser Seele. Sich ganz frei
machen. Nur aus Not, ganz losgerissen. Kein
Kind Himmelreich überdenken und Gegenteil

Charakterist. Replik Duplik. dies immer Einschnappen auf dialekt. ausdrücke
Ahn⟨..⟩ gegen ein Aufsatz über germ. Schönheitsbegriff, der allerdings nicht
maßgeblich von Müller-Freienfels [Richard Müller-Freienfels, 1882-1949] ablehnend Theoretisch abstrakt.)

polit. Gespräch Verheimlichung von Seiten der Regierung des Brot- {Kartoffel}
magerjahrs oder sonstige Mittel. Frage der Offenheit
⟨1⟩ das (feige) Duldertum, denn es handelt sich ⟨1⟩, nur
auf kurze Zeit die Gesellschaft, idem man sie über ihre
eigen Schwächen täuscht, hinüberzubringen. Friedens-
aufgabe: Dauerhaften Frieden machen. Geschichte wird nicht
organisiert. Geschichtsfortsetzung, Berufung und Eroberung

Donnerstag, 5. Okt.[Donnerstag, 5. Oktober 1916]

Über-Natur
X
Natur – Geschichte Christus in seinen Reden
Markus Evang. Stufen Geschichte Löwe

28

aber weiter Jesu Sinn des Bildes oder Gleichnisses
das Einmalige auch des Bildes als Formwahl der Zeit

Christus redend erfüllt das Gleichnis durch
Zeiterfüllnis. Das Bildgleichnis durch Wort und
durch Tun erfüllt. Er verwendet das
Gleichnis besonders deutlich als solches
, indem
er es gegensätzlich eingrenzend geschichtlich erfüllt
während gleichnisse in stehende Geschichte (bes.
in der falschen mystisch. Zerstörungsweltbannung der
Gegenwart) das ist in der nicht organisch, aus dem
Einsehen aber und das Einsehen um sich spiegelnd
bilden wollen, in dieser stehenden Geschichte, herumge-
stellt werden. Hier fängt man sich selber ein
macht sich gleich und erlöst Natur doch nicht, während Christus
so gerade trennend, sich und sie abtrennend erfüllt
das ist die Entäußerung. So voll-

29

vollzieht sich der Weg aus der Abhängigkeit zur Ent-
äußerung. der Weg des Opfers und aus der Ver-
schränkung. die Tätigkeit, die geschichtl
Kraft der Tätigkeit und des Geschichtssubstanz
leitenden Triebs
bei Markus bes.
einfach stark. Geistig erfüllt [VR] und trennend, nicht angleichend
durch die ent
gegengesetzte Bewegungshervorrufung [Zeichnung]

Freitag, 6.[Freitag, 6. Oktober 1916]

schöne Frühe. wie Bäume sich delta artig teilen
und Rhomben und Äste stärker und Laub nicht mehr
gleich, sondern sich an stellen verlierend den Baumgebinden [?]
gemäß [VR: Gewicht] verteilt, schräg und quer und so auch bei
Himmel und Blätter Mittelrippgrat grüngold ge-
rändert und gezackt.

Lieber Tod sein, kein Leben. Nicht so schnell [VR] diese Erkenntnis
Bild suchen so [VR] nur anfänglich, Gleichnis zuletzt oder
zugleich.

30

Freitag, 6.10.16[Freitag, 6. Oktober 1916]

auf Straße mittags Köster getroffen. Essen im
deutschen Haus. Dann in seinem Atelier.

Frühwestf. Schrank. – Casp. Büffett Niederländ. Renaissance – Ge-
gewärtiges [sic] ⟨..⟩chschaffen Pflicht – Ja aber wenn, auch zu eigenem Werk,
nicht so weit in Ausdruck und Kraftlösung, jetzt nichts Entsprechendes [VR] zu finden –
doch Beispiel Banken nein Organisch organisiert mit dem
Stoff, aber nicht durchdringen. Gewichte verlegen [VR: Verleger] , Kämpfer, gegen
den Stoff – auch gegen Holz – ja aber was ist ⟨1⟩, Fläche
der Renaissance, aber Vierung, Gotik, Gruppe Brunelleschis
– eigene Haltfindung persönlich und Technisch verständig-
Ideales (das Ideelle ist immer, wenn nicht geschichtl gelöst, bloß ver-
ständig oder nützlich
[VR: Nutzungslösung]) aber nicht Zeit wirklich ver-
schränken
nur Gewichte verteilen (tatsächlich aber
Kunstgewerbe wortspiel verschränken [Zeichnung]
– und sodann man kauft eine Eigenschaft und geschichtl
Substanz im alten Kunstwerk, die es nicht mehr
giebt, und wo das absolute seelische des Werks noch

31

stärker in Geschichts ges. v⟨..⟩ geplanten in der wahren reclusa –
so sollte man Publikum erziehen. Nein denn es
ist Eigenschaft der Gegenwart – wieder neue Sezession
aber es fehlt Kultur {außer Jagerspacher} [Gustav Jagerspacher, 1879-1929] – nicht gerade hier Falschheit gegenüber
Verschränkung in Ecken und Kanten. {Gegenscheidung ohne Verschränkung} Vortäuschung
fehlt Geschichte – das kunstgewerbliche – Marc
Tierbilder – Ölberg

Christus nicht Künstler und warum
doch Ölberg Mittelpunkt

Musik von Köster –
Hodler Kante [?] liberal –
Trübner [Wilhelm Trübner, 1851-1917] Kunstgewerbe – was meine Meinung über Musik –
ich maß Forderung an ges. Substanz, darum [VR] zu wenig das
persönlich geleistet. Dieser krit. Mangel, darum auch
weniger Musik, als rein Organismus und darum
Liebe für Architektur, mehr das Programm als das Wachsende
Musik Jagerspacher – ja aber dieser Geiger nicht innere Formung
Harmonie, sondern nur Effekt. – Köster will „reine Kunst“
– Ja aber was, reine Kunst als Form oder Ausdruck –

32

Musik als Wohllaut: diese reine Form ohne Geschichte Aus-
druck schränkung Jugend dies Kleist Natur x Übernatur
bloß formal füllen Schiller – Wohllaut – reiner
Laut des Lebens – das geschichtl Verhalten Übergang
von Bild auf Rede, auf Worte – Zeiterfahrung {nicht zur Bedeutung Siegen [?] können} Becker
Gundahl [Carl Becker-Gundahl, 1856-1925] nur Heraldik Leibl Cézanne Markusevg.
Zeiterfüllung, Priestertum Geschichte Christi Wort. –

Dies so erklären sollen – ⟨..⟩den selber wollen
und dann sich überhebend und falsche Richtung [VR] nehmend falschen
Weg gehen. Substanz hernehmen und festlegen –

Landschaft betrachtet Weg in Sonne oben hochhori-
zontig schließend. Kante – ja dies Bewahren und
doch Biegung Wendung finden – so auch Kunstgewerbe große [VR]
Kunst, aber Heraldik für Volk, auch Gängerpartie [VR] zu
Charakter – Wendung finden – Cézanne, van Gogh –
Klüfte und hier gehört [VR] Geschichte hin, als Lineare und
Verteilung, durchkreuzung, wieder Buffet, Kultur

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Kante und hier eben [VR: aber] wieder zu Barock, Gotik, Schrankdynamik.
(nicht unterstützt von kathol. Seite) Immer nur Naturstudium,
bis alles in Kopf – Nein auch Geschichte, bis Substanz
in eigenen Kelch übergeht. Gut. Gesinnung alte
Plastik zu große Köpfe, so starke gesch Gesinnung
gegen kleine klass Köpfchen – Katholiken
ausweichen. Köster hat das Charakteristische und
sucht das Ideale

C.

Der Fehler der Gotik, das mangelnde Mitneh-
men des klass. Wagnisses ist aber vielleicht {die dann folgende innere Leere}
nicht Fehler, sondern eben noch nicht zeitl. Gefülltheit. Der
Fehler der Romantik ist so vielleicht auch noch nicht
mit der german. Verschränkungsaufgabe gefüllt
gewesen, nicht recht gegenwärtig gefasst doch X Gegen⟨..⟩
⟨1⟩ kathol Novalis.

hier erkennt Schalom aber die Sünde

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Ahnung in Furcht vor Freude wie Verdammnis – die
Sünde, die ihm die Fülle gibt und das klass.
Mitnehmen und sein persönl. Fortkommen
der belasteten Seele und ist durch Sünde
immer wieder am Baum der Erkenntnis begnadet
und das Herz löst sich ganz und ist von Wasser
umgeben und Schmerz der Freude und Hoffnung
das tiefste Wesen der Geschichte kann wahr
werden
. Hilfe. wie ist er der zeitl. gefüllt-
heit teilhaftig im Verderb als Paradigma
leben dürfen, wenn auch nur für sich. Puppe für
Auferstehung Gottes. Wenn nur der barmherzige Gott durch Demut und
Dank diese arme Seele einholen könnte:
sieh Herr ich war es nicht. Ich war es, aber
dein Werkzeug. Du kennst mich nur als Deine
Hand; es ist nicht möglich, aber es ist doch eine ge-

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schaffene Seele, die Nähe hat und Trennt sich so die
Seele von Gott in der Erlösung eigen und mit ihrer
Farbe der Schmerzen in eine Blume, die ihre Be-
wegung hat auch in Weide aller, tritt sie im Himmel
frei vor Gott in seine Weide und Augenwehen
an ihren Platz.

Wille, der von allen getragen vagierende
und Dank für das, daß er von andern als gefunden
gestützt wird und damit verdient.

daß heute niemand Erfahrung hat. Durch
Dialektik wird Erfahrung und Blick für Menschen-
organ Verhältnisse verloren. und Charakter mißachtet
und mißkannt

Der Mangel der Gotik, die Übernahme auf den Einzelnen,
das klassische Mitnehmen, woher im Gegensatz zur got.
Allmenschheitsubstanz die Renaissance als entgegengesetztes [VR] Extrem
aber nur nur im gleichen viel mehr ges. getäuscht kam, ist entscheidend

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Versäumnisse des Katholizismus. Das Zeitwichtige. Gegen-
wärtige Kunst, Romankritik. dann die ganze neue
deutsche Orientierung: Benz [Richard Benz, 1884-1966], Worringer [Wilhelm Worringer,1881-1965], alles vom
Religiösen falsch Abtrennende auch in Kunst (Wölfflin [Heinrich Wölfflin, 1864-1945])
mitgemacht, weil man in Selbsttäuschung glaubt dem
Kern und der Notwendigkeit, doch auch etwas mittuend, ausweichen
zu können. Und den Schaden wohl für die kathol Gegenwart
sehend, aber nicht glaubend daß davon kommt, also nie lassen
wollend.

Wir müssen Tradition bilden, Folge um
uns und in uns, uns kennen und diese „Verengerung“ zur
Eigenschaft, Qualität machen, nicht Abstraktion der Kunst
auch das Sittliche, das zu sehr gleich macht und den Unter-
schied, nicht die Ähnlichkeit, die im sittlichen ist,
im geschichtsgetrennten bilden
. Das Sittliche, das gleich
macht (wenn es Form hätte), aber die höhere Ordnung
der Tradition nicht hat.

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7.10.16[Samstag, 7. Oktober 1916]

Samstag freier Tag Ausflug allein nach Grafrath, Amperboot [Amper, Fluß vom Ammersee zur Isar]
sehr schön, wolkig sonnig windiger Tag, ziemlich heiß
wie das Schilf im Wind gebogen zittert, tausend Lanzen-
blätter zittert, Wasser sprüht vom Wind gegen Lauf bewegt
über Wirbel, die unten gleich still fließen. Totes Schilfblatt
geneigt in Wasser, nicht von Sturm faßbar. Nicht so
Seele die geboren. Gegen Gleichnis Zugvogel
gebärend [gehörend?], in Wind gegen Gott Gedanke an die arme Mutter,
die Brot schneidet, in Fröhlichkeit der Kinder, und in
Gedanke Not. die Wehmut des sicheren Vertrauens
⟨1⟩ Schilf Körper Halm hinter Seerosenblätter wie
dunkle Fäden schwankend. das Leibliche
verloren. Nirgend satt und wie der Mund im Winde
– ohne Worte flüsternd bebt
hell
ihr {tief} Wasser Rand umschwebt.

Zu Fuß über Schondorf nach Utting, Schiff Herrsching. das tiefsatte
harte Blau d. Sees.

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Sonntag 8.10[Sonntag, 8. Oktober 1916]

wieder sehr schön Wetter zu Hause

Montag 9.10[Montag, 9. Oktober 1916]

Föhnartig sich trübend, streifend über die erste grüne
Saat. starb [? VR: stark] herbstlicher Föhn und erste grüne Saat wie
grämlich

diese Woche stark herbstlich. goldene Blätter, kaum mehr Rinne [VR: Stimme ???]
und Herz grün und Leben wie getropft.

Mittw. 11.10.16[Mittwoch, 11. Oktober 1916]

der Schwache der alles tragen muß, unbelohnt
Pompeius
die Schärfe, wenn [VR] er sich selber widersprechend
etwas tut, diese Schärfe dann abladend
etc. das Sichbehaupten gegen andere des Schuldbe-
wußten, Theater Kulturfrage (Drama)

Das Unvertilgliche, aber nicht Stoa
diese kulturelle
Falschheit. Stoa als ges. Eigen-
schafts täuschungs versuch [VR]

Blätter und Schmuck der Natur im Licht, das
hinter und vor, nicht mehr oben her fällt,
Glanz nun, kostbar abgelöst, grün und
gold wie [VR] Pfennige fallend.

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alles Erziehen nichts, solange nicht Kern der
Entwicklung (das Monumentale) in sich hat, oder wenigstens
als Ziel genommen.

12.10.[Donnerstag, 12. Oktober 1916]

Fastenrathsti⟨..⟩. Sorge tot. Lersch [Heinrich Lersch, Dichter, 1889-1936], Stach [Ilse Stach, Dichterin, 1879-1941], wer sonst noch da. man
müßte suchen und finde niemand – Fl.. Nein, nicht dafür auf keinen
Fall darauf berufen [? VR], wer sich soviel nachsagen lassen [VR] müsse, geldlich, das die [?] doch
auch moralisch, denn so dürfe man darauf und [VR] Charakter trauen. ⟨1⟩
lieg nichts vor (dann aber „geistl. Jahr [Annette von Droste-Hülshoff. Das geistliche Jahr. Hg. von Christoph Flaskamp, München: Müller 1915] und Romantik [Die deutsche Romantik. Ein Vortrag aus dem Jahre 1912. Ebd. 1916]) außerdem (als schlechte Beschwichtigung [VR])
es sei für ihn nichts zu machen. Wie sich nun da verhalten. Verräter
teilnahme. Eichert [? VR] (zwei Fliegen Edelmut)

13.10.16[Freitag, 13. Oktober 1916]

behütet, löst.

immer diese Tage des kostbaren Herbstglanzes noch
viele Bäume ganz in Laub. Gärten satt und Hecken
dunkelrot in Beeren.

Immer diese Tage nun Gedanke an Substanzher-
nahme. Richtung der Eigenschaft6. (Daß nicht nur
ein mögliches Resultat zur Diskussion stellen, 7

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