nach_oben
Konrad Weiß: Kriegsbuch 5 (16. Juli bis 15. September 1916)

Konrad Weiß

Kriegsbuch 5

16. Juli bis 15. September 1916

1

Sonntag, 16. VII. 16[Sonntag, 16. Juli 1916]

Nicht Entwicklung der Gesellschaft zu sich als eine
Eigenschaft (denn darin ist die dramatische
Geschichtssubstanz, die Gabe und nicht Eigenschaft),
sondern sich dafür als Eigenschaft, wie Opfer
bringen. die Aneignung als (All)gegen-
wärtigung. frei aus Kelch [Strichzeichnung Kelch]
nicht die Wandlung und Spannung der dramat.
Eigenschaft in Kelchrändern, sondern reiner
Trank und Opfer aus der Mitte.

Nachtgesicht in Halbschlaf: Haus
außen ganz, innen durch die Stock-
werke dunkel beinah zertrümmert. Wendung
dieser Tage in wahre Eigenschaft und Entäußerung, aber immer nur
wieder Weg, Wahrheit und Leben

2

Montag, 17. VII. 16[Montag, 17. Juli 1916]

Wie weit man geistig sein muß, bis man nicht
nur vor Gott, sondern auch in der Ges.form, in der Geschichts-
form als Äußerung eines Kulturteils bekennen
darf, Confessor sein. Augustinus, einer-
seits „Gottesstaat”, gewaltiger Gesetzgeber
X anderseits „Bekenntnisse.

Paradox. umkehren „ich will nicht bekennen.”

Regengüsse zum Verzweifeln, immer im Zwiehellen
herunter fallend. Wiesen klatschend naß.
(immer wieder Fl. arge Natur einsehen (zum Ärgern bei sonstiger
Ungeregeltheit) Eheproblem „anpacken”.)

Eitel nennen, wenn man Gestalten nicht ihre
geschichtl. Stellung gibt, wie auch Christus nicht,
so daß er nicht historisch und ges. Kirche
gründend wird. So auch Saitschicks [Robert Saitschick] Franziskus
M. Lingen = Raabe!!

3

Dienstag, 18. VII. 16[Dienstag, 18. Juli 1916]

Arbeit (beim Anblick von C. „Ölberg“ in Mü. Sez) als Demut,
als Enthaltsamkeit und Zeitaufhaltung gerade
durch Teilnahme an der Zeit, Zeitförderung als
Demut und Enthaltung von steter falscher Genießung
der Substanz und träger Kontemplierung.
Daß durch Arbeit die erste Stärke der
ersten Empfängnis auswärts [??] vergeht,
aber ein anderer Wert, ein demütiger
Eigen wertbekenntnis {Heiligkeit} weit [?] dafür er-
steht, daß man so [VR: seine] Kräfte bindend
dienstbar macht, auch daß das Geheimnis
eintritt, daß das geringerwerden der
Gnade durch Verarbeitung, soweit es nämlich
im persönlichen enger als in der reinen (aber nicht
verwirklichten Geschichtsdramasubstanz wird1

4

Gespräch mit Eberz, daß er (Ausdrucksmann, der sich
gleich verrät, man braucht ja nur immer einen Augenblick
zu horchen: er sucht den „Klang der Farbe“ und „Ausdruck,
das ist ja alles {die wirkung}, was entscheidet) Porträt der Frau C.
nicht mag. Wie sehr muß es also organisch sein,
daß es die Ausdrucksmänner nicht mögen und auch nicht
die Ideesüchtigen. Gerade ein Porträt {anerkannt} ist das
Romantischste, Organischste.

Hilf mir vollends. was bis jetzt erfolgt, darin voraus
ahnend gesiegt, nun kommt Be-
währung, organ..


Moses, Lied des Mannes: „Ich kann nicht rein
empfangen“.

„wie ist Lebensform möglich“

Glaubensgehorsam. Die vermittelte
Fügung, die vermittelte Freiheit, die dadurch
den Glauben als einer der Geschichte überhobenden [sic]
Ordnung angehörig darum auch jedem Menschen,
auch dem der Geschichte kulturell nicht gewachsen

5

gefügten und geistig nicht in geschichtl. Lebensform
einbild- und einfügbaren vor Gott erlöst sein
lassen kann. Da [Die?] Kirche als unendliches Gut
durch Stiftung und Geschichte. Gehorsam als ein
unendliches Gut vermittelt gegenüber dem dynamisch
endlichen der Geschichte, der durch Geschichtssubstanz
viel schwerer aneigenbaren. Gehorsam als
Geschichtstrennung, aber etwas höheres dafür.

Es ist sonderbar wie [VR] Wunder um den Katholizis-
mus: Jede andere Sache wird durch
Einseitigkeit stark, der Katholizismus nur
durch Allseitigkeit. Wir werden durch
Einseitigkeit schwach. Katholizis kann
und muß darum auch nur in einer hohen
Kulturzeit wieder stark werden, wie er jetzt
bei einseitig niederer Kultur in Gegenwart
matt und schwach ist.
2

6

So nur, als Gehorsam, kann Glaube auch wirklich
entsagte Einfügung wahre Demut sein. Das
geschichtl. Erfahrnishafte ist noch nicht wahre De-
mut.3 Du sollst, die Tafel reclusen [VR: reinster] her-
stellung.

Kuppel: daß Bitte wieder zu Anbetung wird
innerste Erfahrung wieder zur Fläche [VR: Flucht] {und tragbar} Stärke
für Kuppel. Trägheit hat die Erfahrung
vermittelt
als Schwere und nicht Arbeit
wucherung, aber Schuld und muß wieder zerteilt
werden

Anbetung: Lehre und Erziehung als Gegen-
satz von Form und Anbetung gegen Förster
s. das Verhängnis.

7

Mitt, 19. VII. 16[Mitt, 19. Juli 1916]

Wie komme ich herab. Ich bin gerettet, be-
gnadet, doch kann es nicht sein, ohne auch andere
mitzunehmen, dieser Zwiespalt. Tafel und
Kelch, Moses und Christus. [mit Bezug auf 'Ich bin gerettet':] durch Arbeit.

Pflichtig werden [? VR: Pflichtung wird], immer organischer zu werden,
das sich dann aber auf Eigenleidpunkt verkehrt

mann
Einschichtig , Gegenspieler dem Weib in
der Madonna.

das ist das wichtigste, die Welt das ist die
Passion.
Zeugnis, Moses und Mann, ohne Geburt und
Gebärung.

Die Dummheit des Freimaurerei Aufsatzes, daß man da am wenigsten sagen darf [VR] unter
den Katholiken gibt es die allerdümmsten. Dummheit macht
verstellt und verstockt aus bösem Gewissen
Dummheit so wirklicher [VR] Frevel

8

Von gedanken betroffen wie jetzt der Generation Stoff
dargeboten wird. Wie selten jetzt Stoff und alle Eigen-
schaften in Gesellschaft groß und zerworfen und
in starken Gegensätzen, wie andere Generation nie.
Diese Nahrung, die der Geist einer gewissen Menschheits-
folge, reihe und Geborenheit, Berufenheit hier erhält.
So bildet sich Generation. Und ist ganz anders
als eine andere. Ist ganz frei möglich durch
ganz große Dargebotenheit, Abhängigkeit,
Bedeutung des dargebotenen Stoffes und der nicht bloß
persönlich, sondern auch kulturellen Dargebotenheit
und Opfermöglichkeit. Bedeutung und Zeitlänge,
Lebens- oder doch größere Generations-
dauer. „Wenn ich will, daß er bleibe.“ Joh Komm.

Johannes langes Leben!

9

Donnerstag, 20. VII. 16[Donnerstag, 20. Juli 1916]

Sebastian. Esche und Erinnerungen bei den kleinen Sträuchern
an solche Blätter [Zeichnung von gefiederten Blättern] Sprossen, wo an der Leiter der
andere Leiterbaum fehlt, diese Art des Steigens und losge-
fallene Gefühl der Freiheit. Wie sich im Sommer in der
Sonne nun Pflanze und Baum schon immer mehr zer-
gliedert. Bohnenblüte, ihre ernsten wie
hausgesellten [?] und doch aus Gesellschaft vertriebenen
wie an Paradiestor, Gartentor stehenden
Schönheit usw. [VR] Auf Weite spüren, daß kühl,
Sebastian und wie Ostern Wundmale.

Charakter der Zerteiltheit der Sehnsucht dieser Zeit: unten [VR]
immer noch Sträucher, ihre Gliederung und Ranken
schauend, angesaugt an Erde, immer mehr in dieser
Zeit
die Entrankung und Entknotung der Erde
betrachtend und durch Gottes stetes Geducktsein [? VR: Gedrücktsein] und [VR: wie]
gezogen nach oben gefesselt [Strichzeichnung] aber Mitte des Leibes gestaltet
sich nicht und nicht Mitte der Gesellschaft

10

Verhältnis noch nicht zum Menschen, falsche Geduld und Demut
Paradiesfluch so einfach durch Arbeit überwunden.
Geduld x Hoffart das Innerste des doch auch zuletzt
Nutzlosen [VR: Schutzlosen], sich nicht versündigen, daß nicht auch noch ver-
dammt. Mutter. Das falsche Leid.

Mannes: auch Frauenliebe Liebe wie zur Mutter
(ältere Liebe), wieder um ein Gefühl, Dauer des un-
gelösten Lebens zu erhalten.

Teufel und Natur, Stoff braucht, da auch Teufel
zum Stoff,wie gott Entschluß – Menschen machen.

jetzt endlich Aufhellung und Einstellung
aus dem Regen auf Sommerl. Aussehen.
Kühl klar zuerst im Süden geöffnet und
mittags dunsthell und man sieht die Blumen hoch [VR]
krautig in den Sträuchern aus der ⟨..⟩dorn [?] stehen
wie verstrickt und nicht gefangen

Die hohe Kultureigenschaft der gelehrten theol philos.
Formelerstarrungen {(cfr. Hochl. Aufsatz: „Iren auf dem Kontinent im Mittelalter“} und später der Scholastik

11

weil nur daraus zu seiner Zeit hohe Geistes-
gruppen form probungen kommen können, gegenüber der
triebstimmungs mäßigen Niederwallung, wo Differen-
zen nicht Höhe und Größe bekommen, weil das kulturelle
Element fehlt, das ist das Element der
Erkenntnis, die den Verderb, aber die Drama-
tik der Menschheit in sich trägt.

eigenes Schicksal: Er schöpft aus dem Verstand
immer neu schwere Fluchsegnungen als aus Stimmungen
und geht die Substanz der Geschichte aus dem bloß
Logischen, sich verschränkenden Schnitt zwischen Zeit {2.}
und Raum {1.}, Gesellschaft und Einzelnen über in Wesen-
heit der Eigenschaft und ihrer restlosen Zerteilung zwischen
Opfer und Verlust, Teilnahme und Übertragung, Substan-
tiation, Transsubstantiation im Symbol
und eigener Zugabe zu diesem, wie alle Transsub-
stantiation nicht selber die tragende Wesen-
heit, sondern bloß mitgabe dazu, nicht ⟨1⟩ Opfer, sondern bloß Anteil-
nahme, cfr auch im Bild und Werk immer nur die Vor- und rücknahme
am Wesentlichen
an der Fläche, nicht die
Verwirklichung, die erste und letzte
durch Fleiß [? VR]

12

Immer wieder weiter bei Hergeholtwerden zurückweichen,
weil immer aus ⟨1⟩ aus Schuld. Auch diese Luc. Verzweiflung,
zu weit zurückweichen

Rührung der Geister, zweier Männer, Rührung [?VR] in Gemeinsamkeit
der Rührung und Freundschaft (bei Wein im Fahrig [Café Fahrig in der Neuhauser Straße]).

Mann, der Gabe nur bewahren, nicht verteilen kann. Wie auch
Juden das Gesetz
. Diese Art Bewahrung gegen der
Empfängnis. Mann ohne Weib immer vor dem
neuen Testament cfr. P Desiderius

Das klassizist. Verfließen und das romant Verfließen
bei Vergleich der Aufsätze von Saitschick und Cardauns [Hermann Cardauns] Brentano
im Augustheft

Mit Neid, aus Neid, mit Problemen die Erde laden,
da uns doch schon Nichterlösung hat. Der Neid des
Teufels, Neid doch das ärgste in geistiger Verkehrung.
ablehnen zu tun, wie Gott, wenn aber nicht ablehnen
kann, nicht aus Gott, sondern aus eigenem Blutverderb, so daß
Schuld wie falsches Mitführen [VR: Mitfühlen] weiteren Verderb bringt.

13

Getriebensein, Geduld und leidende Untätigkeit
bei Trägheit und Werkohnmacht, gegenüber positiv Getriebensein
Werkohnmacht und die Weltgeschichte bloß logisch
zersetzend zu Ende führen [Strichzeichnung liegender Kelch] nicht
in Eigenschaftserlösende [?] aufhaltung, den
Gang der Gesellschaft. So auch eine Passion Lucifers
gestalten. Immer wieder Gedanke an Kelch der Zeit:
Reine Blöße der Beziehung.

Mitteilung Ettl über Brentano (Hertling und Lujo Brentano
über Brentanos Verlogenheit, dies ich beantwortet
mit Wendung gegen Verantwortungslosigkeit H'gs [Hertlings] z. B.
nicht ⟨..⟩kende einer [VR] christl K. gesschaft zu Gespräch für Roman
benützen. Bei Roman soll nichts gedacht sein
sondern lauter wirkliche Personen enthalten,
mit denen man sich auseinander setzen muß
dadurch die romant. Bewegung (z. B. mit Fl. [VR] Brentanos
Bemerkung [VR] am Schluß des Aufsatzes: einer, der mich ertragen kann.

14

Diese Wandlung: ganz losgelöst (spitz [?] Schacht
X
ganz innegeworden ⟨1⟩
Stufe Stafel [?] für Gewitterhimmel
Stufe sein cfr auch Barockstufen breite vor der [VR] Michelskirche
wie komme ich herab, indem ich mich als Stufen lege [?]
Sinaibau [?]

III Brief: Einformen in Geschichte, das
Romantische herstellen. Auch Liturgie
gegenüber der gegebenen Liturgie der Anbetung
die geschichtliche Liturgie durch Einformung
bis zum Ende mit Vorwegnahme
desselben herstellen (gegenüber Kunstschöpfen [? VR] Saitschick
gegen [? VR] den falschen Schöpfer begriff in Kunst
und gegen schöpferische“ Kritik, wo doch alles [VR]
nur einformen. Liturgie als höchste Geschichts
form = Gegenwart

15

Sebastian bloß geschnitten [?] Wir erhalten viel angeboten
nun muß zur Generation der Entschluß kommen.

Samstag, 22. VII. 16[Samstag, 22. Juli 1916]

Brentano, Folge des Romantischen ohne genügende allg.
gesellschaftliche Beschwerung, die zu leichte Ab⟨..⟩ung, das
bald [VR] Flüchtig und bald überpersönl. unpersönl flüchtend Fromme.
Aufsatz S. 603. Das [VR] ranken ohne Boden und Hintergrund.

Sonntag, 23. VII. 16[Sonntag, 23. Juli 1916]

Wie sie [VR: nie] nach Tat der Zorn. Falsche Milde und nicht wahre
gleiche Geduld Ölberg. das rechte Maß

Ich will die Strafe gleich als Lohn, furchtbar sich dazu be-
kennen, stürzend in sich als Fortschritt. Immer wieder Erfahrung,
daß durch Sünde gefördert, durch Untreue gerufen, laut, zur
Stimme kommt, Wort sich weckt [?], frei und rings nicht mehr
umwittert, sondern reine Witterung wird.

Ewig überflammt
triumphiert Erkenntnis doch {noch}:
ich bin verdammt

[Entwurf der letzten Strophe von Lucifer 2 (Tantum dic verbo)]

16

in Frauenkirche 12 Uhr Messe. Wieder das Furchtbare der
Erkenntnis, daß man durch Sünde vorwärtskommt und
diesen Grund der Kraft und des Leidens nicht verlassen will.
Alles aus der Sünde empfangen. Daß man nicht in steter
frischester Gegenwart immer Erbsünde immer für alles [?] stets vor sich
haben kann. Das nicht nur von ihr getrieben, sondern von neuer,
von der Erlösung des Verderbs gezogen sein.

in Kirche Einfall: Titel des J. B. statt
Krypta – Basilika.

Gedanke zu: Schranke selber selig, wer sich an mir nicht irrt: ... alles nur genützt!!
also [VR] Dank?

Montag, 24. VII. 16[Montag, 24. Juli 1916]

Diese Tage so oft Gedanke an Hall und der Lostrennung durch
Liebe aus der Heimat. Wie bei mir Heimat-
wurzel stärker als neue Frau [Fam?] und Weibliches [Weiblicher?] sinn.
und Abschiedsgedanke vor neuem Leben an kleine
Stadt und [? VR] Hall und wie ein Baum fruchtbar werdend
sich zergliedert und kleine Stadt und [wie?] alternder
Baum, wie er schwankt wie ein Arm verarbeitet.
der Ast schwankt wie in 3 Gelenken [Strichzeichnung] und langsam
schwankt dann fort gestumpft und schwer gefingert [???]

17

In Gedanken an das kulturell des Verstandes [? VR]
s. 20. VII. 16 die Einsicht: ein zweiter Weg der
Geschichte, nicht nur die Gefügte und das Gerippe
des Dramas und des sich Verschränkens der Substanz
in der Folge recl., immac. pieta, sondern
gegen diesen Weg der Gegebenheit und Gefügtheit
ein und der andere
Weg der Freiheit
der beim von unten bestimmten Menschen, doch
von oben darüber herleitet. Es ist in diesem Einsehen
jede Zeit, bevor gleich erkennbar, schon und immer
gleich nutzbar. Eine Regel des Verstands, stärker
als die Erfahrnis des Verstands, gibt den
Weg der Geschichte und Einordnung samt der
Einsicht darin mir vorweg in die Hand.
Ich bin wirklich frei und meiner Gefügtheit
Herr. Und so war und ist auch jede Geschichtszeit
im Volksgeist Herr!

18

Wenn man vom Berge steigt, wie es uns XX in die
Augen aufwärts steigt. Die Ahnung der Ergriffen-
heitsgeschichte.

David, Mantelzipfel nicht abschneiden, nicht Rache
an ⟨1⟩ Sternsystem Kopernik.

Zu jedem Schritt bestimmt: Bedürfnis zu fasten.
Drama als Freiheitsdrang zur Einzelung und zum
Einzelnen, zum Menschen, der mich verträgt oder
den ich vertragen will und muß cfr wieder Brentanos Äußerung
Schluß des Aufsatzes von Cardauns in Augustheft, auch
Gang der Freiheit x unleb. Gang der Fügung.
ich werde bedrängt. Substanz der persönlichen
Wert⟨..⟩ung
[Wortwerdung??; VR: Vertretung], der Aneignung durch Mitteilung
Wort- und Werkgabe, Opferung. Dies ist, was
ganz der heutigen Kunst und vor allem
kathol. Ästhetisierung fehlt, dieser innere Punkt.

19

eigenes Loos, das immer deutlicher erschaut, keine fertige
Form und gelöste, besitztümliche Zeit, sondern immer neu
durch ganz hin [?], alle lebende Zeit auf berufend
sich in Werk und Werk in sich nie vollendend bildend.
Ruhelos immer wieder an Ebenbildlichkeit klopfend
wie ⟨1⟩ unter zeitlichem Strom ganz zeitlich hinge-
tragen, ganz Knecht, stete Gegenwart suchen müssend
und so oft und meist durch Schuld in vorderste Bewußtheit
gedrängt und gelangt schnell Gesicht an Gottes Stirne
legend Gedanken einen und formen und wieder Entfremdung
und so hinter dem Gesichte bleibend und hinter
dem Schweißtuch. Nur solche Kommunion und
anders Lebensform nicht möglich.

Dien 25 VII 16[Dienstag, 25. Juli 1916]

Gegen Burger Kunstgesch. 29. Lieferung S. 90 (zufällig)
gegen das, was in K. Geschichte als „organisch“ bezeichnet wird.
darum (mit Beziehung auf Kulturged. letzter Woche) auch das Organische
der Geschichte nicht so halbnatürl formal (woher stammt dieser Begriff) sondern
etwas aus Paradies Intellektstärke und Verderb.

20

Mittwoch, 26. VII. 16[Mittwoch, 26. Juli 1916]

Getrennter, doch nicht ⟨1⟩ ausscheidend gegen die zurück-
bleibenden sprechen und ihre Fehler offen machen. es ist
man selber aber doch [? VR: noch] nicht richtig. Man soll also Gesellschaft nicht
so verlassen, eine andere Art Judas. Aber diese Erkenntnis
noch nicht gut, sondern Aufgabe des Rachegefühls und Geduld (in Paket⟨..⟩ tragen
Könnte ich doch in mir sein. Sommersatt gurgelnd hell
vor lauter Sättigung Gnade s. Pflanzen sich ⟨..⟩gend Art
der Sättigung, Schirm tragen und Dolden. frei und [?] Knoten
Höhle nicht findbar dagegen wie Pflanze ist, Röhre Stengel
Seele als Kühlung. Durst [?]. Von wannen so enthebelt
Gefühl der Juniwitterung
von wannen so entstellt.
Fasten schön entstellt, wie Wüste.

Bohnenranken nach dem Nachtregen wieder ein schöner Tag.
doch erst ganz Geist nach dem Fall! Beeren und Äpfel
über Laub heraus

Nicht Umspannung, sondern bloß Eigenschaft
Arbeiter im Weinberg

21

Donnerstag, 27. (oder Mittwoch?)[Donnerstag, 27. Juli 1916]

meine neue Einberufung auf 19. VIII.

Freitag, 28. VII[Freitag, 28. Juli 1916]

Ausflug mit Flaskamp Aying, Glon [Glonn], Trudering
Glon Kirche am Thorbogen Halbplastik „Verkündigung“
morgens Gärten am Ostbahnhof, Zwiebelblüten [Zeichnung]

luciferische Transfiguration (Beispiel für alle und doch
verdammt der wahren Form gedacht
bloß ⟨..⟩darum in form
in falscher Reinheit um so irdisch glänzender
Prachten. Verrat


Name: Casp Gestaltung immer zum großen gehend (konservat
Prinzip

Wille Formbeziehung immer zum kleinen
gehend, aber falsche
Liebe zur Kleinheit werdend und falsches Schmerz
gefühl, alles Irdische nicht mit nehmen zu können.
auch falsch elegischer [? VR] Humor

Was in diesem Krieg gesiebt [?] in deutscher Art abfällt
was vielleicht immer abfallen muß cfr Jesuiten ⟨.⟩

29. VII. 16[Samstag, 29. Juli 1916]

Diese Woche sehr heiß [VR: leicht] ⟨1⟩ der Schafgarbe
diese rächende Frömmigkeit, „wer Ohren hat zu hören, der höre“

22

29. VII.[Samstag, 29. Juli 1916]

wie komme ich herab

wie die Taube, oder Moses, oder die Kirche Basilika, vom
Verstand her, wie in [VR: die] Kirche heute das [?] gleiche Schicksal

Grade [Gnade?] des Gebets, Gebetsschirm wie Pflanz T.
Schirm reicht so weit oder so weit auf dem Stengel,
und tragt diese Grade [Gnade?] in die Höhe des Gebetes in mir,
Gebet das Drama, wie weit ich Berufung erfüllen
oder nicht kann, wie weit ich reichen kann. Schwerer
Gedanke im Hinblicken auf die Schafgarbe, auch
im Gebet die niedere Höhe bestimmt, aber
das junge dringt viel weiter, wie Frühling und
Sommer, das Gebet der Unmündigen Kinder dringt
zum Himmel.

Sonntag, 30. VII. 16[Sonntag, 30. Juli 1916]

in Pasing Kirchgang. Abends noch Spatziergang über erste
große Erntefelder blickend nach Blutenburg. „Im Schnitt der
Sense wird das Land nun groß.“ Stufen. Gebet auf den Stufen.
Inwiefern der Wille keinen Stoff hat, alles in sich gehängt.

23

Montag, 31. VII. 16[Montag, 31. Juli 1916]

ganz frei, Ungerechtigkeit Erbitterung über der
Verteilung (Frau, Gew etc) falsche Weise der Öffentlich
keit gegenüber mit ideal. Selbständigen [?] der Bearbeiter
demgegenüber Stärke bekommen.

Damit will ich Stufen bauen.

Israel: nichts mehr als Kampf mit dir, alles andere
gleich, Kampf mit dem Engel. cfr aber auch „Jericho“
Witterung vor dem Krieg. Rufer

August 1. VIII. Dienstag[Dienstag, 1. August 1916]

Niederhaltende Art, ich will nicht zweifeln König als Mittler
gegen Christus als Mittler

Fleisch {Natur} (Sinnlichkeit) und Geschichte. David, nicht
mehr Saul. Über Berufung zur Geschichte
hinaus, das persönl. Verschränktere und das Drama
und daraus Ton des Psalmes. Übergang
in Geschichte, sein Leben bloß machen, aufwachen
in Flucht begeben So muß Fleisch aus Natur 4

24

Mit Mutter, das Aufheben meiner Gleichheit, (wenn auch in Verderb)
zu große Frömmigkeit, das rastlos ziehende
und Auflegende. So auch Maria Schreckliches [?]
Zwischenhaltend sein, Schräge in der Welt

Eschatologie: Weg des Verderbs, dann ist Frucht der Erlösung
nicht mehr mächtig

Schuldersetzung durch Mühe (Paradies) Verlassenheitsgegenwart
durch immer stärkere Intensivierung der Gegenwart immer
mehr gottgleich, so Gott vor Mensch verzagt [?]. Grimmig
überflammt. [Zitat aus Lucifer 2 (Tantum dic verbo), mit Verweis auf 'Weg des Verderbs' weiter oben]

Es geht nicht, nicht Zorn, nicht Wachen [? VR: Horchen], größte hilfloseste
Verlassenheit
„⟨2⟩ schuldig nachgetragen
in neues aus der absoluten Blöße zu verwandeln
auch sonst diese Tage Unruhe und Verlassenheit.

Mittw. 2. VIII. 16[Mittwoch, 2. August 1916]

Ernte [Zeichnung von Ähren?] Ged. Madonna in der Ernte
Kann man sich Madonna morgens auf frühem

25

deutschen Feld in Tau und Blumen [? VR: Flimmen] vorstellen? Immer mehr
verdichten bis Garten und Bohnenblüte und Sonnenblumen feines
Rot und starkes Gelb und ganz gotisch wie Kirche

Wille ist nicht das Treibende, sonder der Name, Wille
dankt dem Namen (Dank an C.) Wille nur das
einhüllend zerteilende

Das konservative Prinzip

Wille, wie ist Übergang in Enteignetheit, nicht bloß als
geschichtl. Planwissen, sondern Enteignetheit, Hoffnung als reiner
Empfang des Vertrauens, innerste Grenzberührung,
Hoffnung als Getragensein von dem einzelnen Träger.

Donn. 3. VIII.[Donnerstag, 3. August 1916]

Überschwanken [Zeichnung von Kelch] wie Schwäche und Stärke
immer wieder Bitterkeit und Beschluß, ganz Gottes Welt-
werdung zu dienen.

Bild (modern wie Edschmid sehr schlecht [VR]) bloß Bilder
zusammenstellen, diese Art Kunst ohne jede eigentl.
Aneignung der Eigenschaft, ohne eigene Formsubstanti-
ierung. Ob Bild in Zeit und Deutschtum ganz

26

aufhören muß, ganz in Seele eingehen (Empfängnis)

Bedeutung des Bildes in Orient und reclusa als Gegenbild
wo Menschenleib [Menschenbild?] verdorben, um Zeit und eigene Form
nicht zu erregen, um Zeit nicht in Bewegung zu setzen.

Daß Römer keine Bilder im Stil hatten? Reine
Weltaufgrenzung hat keine Bilder im Wort, das ist
im Stil (Sprache) als wirkl. Eingeatmetheit des
Bildes, nicht bloß Vergleichung) Bild in Wort
gegenüber Bild in Anschauung, innerstes Symbol
daß in der Welt und Kultur und Dichtung und Kunst
die hohen Eigenschaften (die geschichtl Berufen-
heiten) abnehmen (cfr dazu David, Psalmen)
inhaltlich abnehmen und daß das heutige Kunstwesen
nur noch Geist und Natur und im wesentlich sittlicher
Kampf, aber nur herzugebrachter, nicht auch noch dazu empfangener
in eng eigener Selbstsittlichkeit als Zweckeinfügung, aber nicht
mehr in Großmaß vorfügend gemeingesellschaftlich ist.

27

auf diese Gedanken gekommen durch Bedrückung dieser Tage. Unbehaust,
ohne Güter und Ehre in Welt und Unsinn des Eifrig getrieben kul-
turellen ansehen, helfen müssen, Verlassenheit.
Weg dieser Abnahme, Verderb der Welt, Lucifer
Prinzip des Weltverderbs, daß Gefühl und Aneignung
der Gerechtigkeit z. B. verloren geht durch Arbei-
terorganisation und daher unmöglich bei bloß
kapitalist Fassung (Scheler) Kulturhöhe zu er-
reichen

Freitag 4. VIII. 16[Freitag 4. August 1916]

Was mir schwer wird wie den Sonnenblumen, den Stengel hochgeschirmt
dir [VR] beugen müssen. hochgewachsen immer mehr, wo die Tritte
gehen, aneignen Demut will ich, Gnade {Stufen}, die mich knickt,
und innere Gerechtigkeit der Welt erkennen; die Ordnung empfangen
(gegenüber zu viel Frömmigkeit) ohne Furcht, nicht eigen zu werden, sie
sind eigener als die Frühjahrsblumen. Kommt so innerer
Rhythmus zu Stande? Laß mich Demut gegen mich
wenden und muß noch beten um Gebeugtwerden und Gnade,
das Werk tun zu dürfen, denn die Ausbildung dafür ist noch nicht Welt [Werk? VR: Wert]. Schöne
Erde und Gottes Wendelstiegen

28

Demut wahre Aneignung. Nichts verdient haben (gegenüber den steten
bitteren Gedanken, daß alle Mittelmäßigkeit Gottes Gedeihen findet,
man muß zur Arbeit um Würdigkeit beten, wahre
Kuppel jedes Einzelnen [daß vieles Beten Kühnheit, da es
immer mehr mit Opferaufgabe verstrickt gegenüber Lucifer wahre Hoffahrt [?]
nun plötzlich nicht mehr paradoxon und logische Ver-
kehrung, sondern in der einfachen Hingabe der Demut organische
Einfügung und Wiederkehrung vor [VR: und] Mensch. ges. Wendung,
nicht falsches paradox Hernehmen, sondern Hingeben und Demut
haben (immer mit Demut gedanklich bes. beschäftigt)
Nun nicht mehr Lob zuerst, sondern Bitte, das Lob gestalten
zu dürfen, weil heute früh [VR] immer an Kuppel gedacht.

Schirm T immer höher, {und ganz ausnamsweise} [sic] Angst nicht möglich zu tragen und
zu nutzen für Welt. Angst, daß Stengel bricht.
Dies Gefühl nun gegenüber „Sebastian“, das noch nicht
in Geschichte übergegangene, noch das sinnl. sich nicht
aus sich enthebende Gefühl mit dabei (nicht bloß
Last der Gnade) wie Michelangelo. Schließlich aber nur 5

29

Förster u. a. bedauern, daß wir keinen „Staatsmann
von ganz großem Stil“ haben, der durch anständige Föderativpolitik oder [??? VR: verständige Föderation politisch]
diese Art, z. B. immer wieder den wahrhaft großen Dichter zu
verlangen gegenüber der Anerkennung und Dank der tägl. Schickung [VR]
zu ihrer dramat Wesenheit oder doch wirklichen Schneidung
gegenüber dem Ideal schemen [?].

Samstag, 5. VIII. 16[Samstag, 5. August 1916]

Gefühl beim Aufwachen und unter Gott wach liegen „Der
Herr ist stark –– und Bitterkeit, daß nicht die Kraft der alten
Väter

Wie schwer es ist, eine tatsächlich neue Weltkonstellation durchzu-
setzen oder auch nur dem Denken selbständig, nicht mehr gewagt, sondern berufen
notwendig zu machen. „Rettet England“, daß öffentl. Meinung
instinktiv ihren Verbalgemeinplatz [VR] zu
schützen sucht.
daß solche geschichtl. {Zähigkeiten der} Gewohnheiten durchbrochen sein wollen,
es braucht Gewalt. So auch ich wie Deutschland

Am Morgen noch auf Weg Gefühl der
dramatischen Sonderung: Schiller, Goethe

30

Schiller. Art der dramat. Empfindung und Verantwortung
die eigene Spannung als unausgeführtes Soll als eine

[ab hier rechte drei Viertel]

gesellschaft. Spannung bilden, hinaus-
tragen, das tatsächl. eigen nicht gelöste und
nicht lösbare als etwas absolut gesellschaftl.
Notwendiges und absolutes Fordern und
sich scheinbar dadurch selbgebunden
erlösen, daß man die tatsächl eigene
Verantwortung als allg. Verantwortung
forderung und Versagung wirken läßt, in
Art eines Schicksals und das logisch-
sinnl. eigene, nicht in gesch. Eigenschaftung
gelöst, gibt auch als heftige Sentiment
auswirkend

Schiller die weichende Harmoniespanunng
Goethe, die ahnend kommende Harmoniespannung

[geschweifte Klammer über drei Zeilen]

jeder weicht
der persönl.
Gegenstellung aus

[linkes Viertel der Seite]

Goethe, das
(mehr retrospektiv)
sich zubilden
das bloß gesellschaft
allg. geschichts
⟨1⟩ able-
gerisch bewährt
Typisch ⟨1⟩
auf eigene We-
senheit
dadurch diese erst recht [VR]
immer
einbildend
entschuldigt [VR]
nur immer diese
Harmonie, die
entsteht aus den zu großen Maßen [VR], die Beide dachten

31

das christl Drama verlangt aber eine in Demut entgegen
gestellte Einfügung, nicht in die Gesellschaft, sondern in die Be-
stimmung der Gesellschaft als eigene, die letzt mögliche
Verantwortung

Sonntag, 6. VIII. 16[Sonntag, 6. August 1916]

Wurmkritik in A. Postzeitung [Augsburger Postzeitung] gelesen über Neue Sezession {Casp}
Dieses katholische wiederum Versagen vor der lebendigen, sich
kühner Opfer ausdrück⟨..⟩keit. Gegenüber der künstlerischen
letzten Willigkeit diese Art, dies ein Geiz, mit den
katholischen Kräften zu hausen ist: ein Geiz als
Strafe
. Wie wichtig es ist, die gegenwärtigste
Sache vor sich selber als solche herzustellen, nicht das
weitgespannte der Zeit, sondern jetzt dieses Opfer zu tun, das
lohnt und Gesellschaft erziehend!! Einrichten, das dann
selber sich tragen soll und man so zu weit ausge-
spannt nichts tragen kann und nichts nützt,
seine Tragkraft wirklich beschränkend anwenden

32

Mon 7. VIII. 16[Montag, 7. August 1916]

Heute nun ganz verlassen von Kraft und lästernd im Grimme
und von {in} Selbstverwünschung wütend bleibe ich ganz gespalten in
Organ {menschlich unfähig} und wissend die Weisheit und kann nicht erfassen. Nur so:
ich verstehe ihn nicht mehr. Dieses Versagen im Kampf
mit Gott noch stärker, daß verflucht sein lieber denkbar
und doch behütet irgend nicht wegen [? VR: wagen]. Aber die Zeit bringt
doch das Geheimnis, daß man im Unrecht, wenn nicht
mehr ist, sondern rettungslos elend am Ende und sich nicht mehr schuldig
glaubt, so doch war und in Adam verworfen und mit
einem Kern, Teil des Kernes verworfen {dorben} und lüstern [? VR: lästern]
wie letzte Ohnmachtkraft. Ölberg: braucht dieses [?] in sich
selbst genügen geistiger Marter körperliche Marter?
Gnade versagen. Sich vom Kampf durch Hin-
gabe entfernen müssen
und doch wieder zur Gestaltung
und letzten Aufnahme gedrängt um die Gnade der Formung
bitten müssen, also nicht die vorderste Hin⟨..⟩ung, nicht des Dramas
Schnitt und Scheitel und Ende, dieses engste Drama, sondern die
Weite
, nicht Mensch bis in den Rest, sondern ein
göttliches unvertilgliches, Mensch, der nicht erlösen kann6

33

Im Grunde ist das nun, o sei es, der Kampf um die Trans-
substantiation, um Substitution oder eigene Ver
substantiierung.
Metaform geht also auch davon aus:
Wie ist Lebensform möglich, zu viel Gnade als Einsicht,
die Berufung, zu wenig Wachstum und es ist die immer
größere Gebundenheit an die eigene Freiheit. ⟨1⟩ wie
der Weg von der Wahl, die willig, mit der Qual, die selbst
und immer mehr Wesen selber ist, zum Wachstum und [?]
Ausgleichen als Opfer.

daß man bei Künstler viel mehr (in etwa wenn auch ganz
unbewußt hier wirkend berechtigt durch Kunst als
An⟨..⟩ung gegenüber Wort) als bei Dichtern einfach Stilperioden
mit ihnen als untergeordneten Formgestaltern festhält
statt auch und erst recht das Werden im Kampf der persönl.
Erfahrung, als bei den im Christentum selbst noch stumm
Gebliebenen.

Dienstag, 8. VIII. 16[Dienstag, 8. August 1916]

Augustheft an R. J. Sorge kommt zurück mit Bleistiftnotiz:
+ auf d. Felde d. Ehre.

Geführtheit, Dank und nicht Wagnis, Verpflichtung.

34

Freitag, 11. VIII. 16[Freitag, 11. August 1916]

Michael, K B. als Geschichtsauflösung, Geschichtsstoffzer-
teilung, Form wahl und Gegenwärtigkeit, als deutsche
stets neue Empfängnis der Geschichte, die Zeit

und Länge der Erde aus und in die Höhe stets neu
empfangen

Die Gefahr, aus dem guten Zeitwillen nicht in
den Stoff der einfach auswirkenden Wahrheit
zu kommen (Ettl [?]

Die Seele kann kathol. und Kunst sehr schwer ertragen
das ist das Schwerste gegen die Verinnerlichung: Thema
Knox [?]: Bildersturm als Zentralidee, das künst-
lerisch unfähige, nicht rechte Bild finden Wagnis der Zeit
was an der sog. rel. Verinnerlichung falsch ist; Es muß
rel. Veräußerung, mit allem Stoff Miterfahren [VR: Miterfassen] sein,
Entäußerung.

Samstag, 12. VIII. 16[Samstag, 12. August 1916]

Ob nicht doch an Sinnlichkeit, Weltgeschichte,
Paradiesfluch anging, Trennung von Organisch und Logisch.
Welche Art ⟨1⟩ [VR: von] Rolle Begier
oder ist die Art, Zerteilung am Anfang das stärkste
weil das mehr gesellschaft wirkende

35

Sonn 13. VIII. 16[Sonntag, 13. August 1916]
s. auch nächste Seite

bei Zusammenhang von Geschichte und Leben, stark hierat. und Naturfern
daß in alt. Ägypten großer Verderb gewesen sein müßte?
Ob es war oder eine Gabe zur Vorbildung und dann früh vollendet
? Israel in Ägypten!! Bruder x Schwester
Erfahrung nicht als Regel aus Anschauung und so auch nicht zur Tätigkeit kommen,
sondern als Kreuzweg, Leidensweg. Brief: steht aus der Reihe ab
nur [nun?] Glauben erproben, Hingabe! um wieder in Reihe
zu kommen

Reue [VR] : Vernunft, das Dramenlose
weil bloß menschliche
4. Gebot.

Gespräch mit der Mutter

es geht über das heidnische so hoch, einer Mutter
Sohn. wie [VR] so Natur und Geschichte in Weib und Jungfrau
gebunden.

Mont. 14. VIII. 16[Montag, 14. August 1916]

Der alles ähnlich macht und wieder sich sucht und ausnutzt: Martinian!!
Gott der du alles ohne Dich um Dich duldest! Nur mich laß Dir treu werden

36

Mont. 14. VIII.[Montag, 14. August 1916]

Das innerst Notwendige. Nun zur Wandlung! wie
lösen, daß man die innerste Naturschärfe, irdische Wahr-
wirklichkeit opfern, das letzte Erlebnis Insichkommen
(gegen Wurm für Caspar), daß man aber frisch zutätig, baut
einfach, was vermittelt das tiefste Gute?? Wie ver-
tauschen sich in dieser Wandlung die Stoffe der Seele?
Immer noch die Angst, durch Tun zu zeitlich an einem
gegeben zufälligen Dinge anzugreifen, sich zu beengen
und die mögliche Größe der Erfahrung, Umfassung und Lebens-
form zu beschränken. Diese Ängstlichkeit, die schon
als frühester Gedanke bei mir war: etwas nicht mehr
mitfassen zu können sich zu klein zu bestrecken [?],
in der Zeit hängen bleiben)

Sonntag, 13. VIII[Sonntag, 13. August 1916]

Botan. Garten. das Furchterregende
des regellos organisch lästernd auf Schöpfung läppischen [? VR: täppischen], überall
mit aller Kraft plumpheit ansetzenden Wachstums
bei Kakteen, wie die Welt im Bösen.

37

Dienstag, 15. VIII. 16[Dienstag, 15. August 1916]

Mariä Himmelfahrt. Nachmittags ⟨1⟩ Wörmann [Karl Woermann], Goethe, Schiller
Gedanke Titel: Christophorische Briefe.

Hoffnung: die 3 Schicksale: Wille zur Vereitelung
der [? VR: und] Verkleinlichung, Reich zur Verwirrung, Name zum
Ungeglaubten, Verhärtung.

Mitt. 16. VIII.[Mittwoch, 16. August 1916]

Ich habe an allen Dingen große Freude (dafür [? VR: Natur] ⟨.⟩ Dank)
Mosaik Noricums [VR] in den Böden der ersten frühesten
Basiliken. auch eine Art Freude reclusa an allen
Dingen Mosaiken als so anfängl. der Stärke
der Blutkirche nahe [?] Kunst wie Tropfen des
Reichtums cfr mit Perser Teppichen. z. B. Garten
mit Flüssen [?] Fischen und Vögeln, diese Größe, die Archi-
tektur aus dem Land von Füßen aufheben in sich
und gleich wieder hinlegen zu können. Spolien

je weniger tun, desto mehr Gnade als Kuppel Gottes

38

Verschiedene Typen für Basilika; nicht vorgefundene Form
maßgeblich, die die Wissenschaft sucht, sondern hierarchische
neue Gesellschaftsordnung, die sich formen zu einer
Form und neuen Formen nach- und zubildet.
cfr Marx, wo sich der Stoff die Gesellschaft bildet
wie er ein Contraktmittelding als Ges. einstellen
will⟨..⟩ [?] gegenüber dieser vollkommenen Umkehrung
wie ist Marx nun Umkehrung von Hegel und wie
Hegel falsche Formwahl, da er nicht den gegebenen
Geschichtsstoff als 1. Erschaffenheit anerkennt,
sicherlich [VR] im Ausgang toter als Marx.

Donnerstag [?] schwühl, Freitag nacht und Früh seit
langer Zeit wieder frisch fallender Regen Tag trüb
halbe Lust und schwere Hinderung zu Gottes Zeit

Mittwoch, 16. VIII.[Mittwoch, 16. August 1916]

Gefühl, daß Gnade über allem Willen sicher führend ist
und Weg scheidet gegenüber dem Verderb, so oft er auch durch-
bricht. Immer absprechend sein mit weichlichen [?] {(Fischer, Hochland)}, da Reich ganz
dagegen. {Verderben für das Reich sitzt in zu Tiefst [?]} Das gemeinsame Gebet in Sinn, Rosenkranz bet. [VR] nächstens

39

Wort. Rufer, der stärkste
cfr. C. „Jericho bild“, wie auch richtiges Gefühl für und
aus Zeit. Ruf vor dem Wort.

Willig immer stärker, um so mehr Qual,
ausgemessen zu sein Wille läßt umso
mehr Freiheit der Wahl, dies unheim-
liche Gesetz der Weltfreiheit. Willig aus-
gemessen zu werden immer stärker und aus der [VR] Qual
und Wahl das Maß selber [VR] zu nehmen immer
größer.


Das Gesellschaftliche nicht nehmen, sondern bilden


Niemand –, das ist die immer mehr zu durchdenkende Be-
obachtung aller halber [? VR: letzter] Schrift werke heute – niemand ist in
der Gesellschaft als ihm eigen, mit seiner zurück ⟨.⟩ vor
Bewegung. Niemand selbst Gesellschaft, aber nur so, daß
sie seine eigene Bewegtheit ist und bleibt

40

Montag, 21. VIII.[Montag, 21. August 1916]

Spaßszene in Drama, ein Schriftstück korri-
gieren, bis nichts mehr darin steht aus lauter logisch so genannt. [VR: gemauert] Be-
denken, sich ins Absolute korrigieren. Sich spalten in zwei Figuren.

Gegen Bülow „Deutsche Politik. Konservativ kann man nicht ein-
mal sein mit Willen, sondern ist es mit Naturwesen und Charak-
ter.

Mi., 23. VIII. 16[Mittwoch, 23. August 1916]

Aus der Natur folgt die Einzelung Frankreich
Rousseau. das Naturgesetz der Geschichte: im reinen
Befolgen des selben ist der Schwache stark. Diese luci-
ferische Lächerlichkeit der Geschichte gegenüber dem Humor.
Die lächerliche Persönlichkeit und Geistigkeit des schwachen
Rousseau. Das Wunder und Verderbgeheimnis seines Erfolgs

Die eigene Geplagtheit für den faulen Knecht
die Plage des Faulen: „Martinian sucht den
Teufel“ [Roman von Johannes von Guenther, 1916] lesen müssen. Solche Lästerung des
Wahr Erkannten, in dem ohnmächtig doch eigenes
Gericht [VR: Gewicht] bleibt, dulden müssen. lächerliche Bitterkeit.

41

Die Beiträge Für Oktheft zusammen geschrieben. Muß mein Leben so in
Plage der Enge und Armut eingefesselt bleiben und Gedanken
nicht gestalten können, im Wissen der Größe Gottes und der
Berufung und dann in dieser Arbeit, die schädlich ist und alles
was not für Berufung verdirbt und ges. {geschichtlich} vernichtet
(Martyrium). Diese selbst zur Lästerung des
wahren Berufenen zu schwache Eitelkeit. Gemeine
Ausnutzung des Erhabenen in diesen altchristl. Stoffen. Und
dem faulen geschieht so jegliches Zuvorkommen
zu seiner Seele Qual.
, der anfing: du kannst deiner
Zeit nicht nach kommen. So eile ihr voraus.
Muß ich hier zu Grunde gehen. Deus in
adjutorium festina! [Zitat aus der Komplet]

Bl⟨..⟩. Diese unsere ⟨..⟩. kathol. Neigung zum liberal
gesellschaftlichen als Ersatz und Täuschungsergänzung für kathol
eigenwesen trennung.

42

Um den wahren Rhythmus der Eigenheit des Sich gebens
um zu finden. Nicht Dichter wie Mörike dazu lesen,
sondern alles Haltende in Leben in Bewegung setzen; sich
als Kelch füllen und leeren

Sehr schöner Morgen dieses Freitags. Kühler! wehender
Südwind ohne Alpensicht. Land weit wegen
fallender weit wehender Schatten klein, weil Sonne
noch hoch und aber [VR: also] Erde doch noch hohen Raum
nicht schon lang hingebettet. heute hätte
Ausflug mit Max C. [Caspar] machen sollen Nachmittag heiß
gestern früh und noch in der Nacht Nachricht, daß
U. B. „Deutschland“ zurück gekommen [VR].

Samstag, 26. VIII 16[Samstag, 26. August 1916]

Ausflug mit Max C. C Frau C. ⟨1⟩
und mit Braut. Grafrath. Amperfahrt. Wildenten, Reiher, Eis-
vögel. ein paar Regentropfen, aber schön wetter. Fahrt nach Schondorf
Wirtshaus. ⟨1⟩ Kahnfahrt Herrsching bewölkt, dann
nachmittags Aufhellen Seefeld {Güntering} durch Wald nach Steinebach
in allen Blättern an Bäumen und auf Äckern ⟨1⟩ starker
Wind und starke Sonne alles [VR] hell gewendet

See ränder Wellen
reihen
abends gang mit Max am See.

[quer am rechten Rand]

Gespräch mit dem Priester über Lage der Kirche und eigen Los des Verräters be⟨..⟩. x s. nächste Seite

43

Sonntag, 27. VIII. 16[Sonntag, 27. August 1916]

Es ist England, das in dieser reinen absoluten Form die bürgerliche
Vergesellschaftung als Selbstzweck und Weltverderb hat. (Rußland
viell über Stufe des Gegenteils im Gleichen).

Was findet alles in Gegenwart in Bezug auf Gesellschaft statt
alles sonst Trieb, Fetisch und Hieroglyphen. Aber das ist
der Hauptgedanke
, das ist der Ölberg, nicht die
Gliederung eingetreten, die Gegenbewegung,
nicht hingegeben und wieder hergeholt, nicht Gegeben-
empfangen: Wort dafür und für die Be-
wegung des Opfers? statt Verschränkung, weil
nun nicht mehr bloß Verschränkung gemeint, sondern Dauer
und Spanne der Zeit. Art Antistes

Im Menschen wartet, lauert und im Menschen ⟨1⟩
Verlorene Lächeln und Auslachen, etwas zurückgehaltenes Nicht
gegebenes. Zweiheit. Wind wendet alle Blätter
Auge Wehmut. Abkehren. in Welker Rose in
unterem Blatt große Wasserperle, die fallen muß aber
unbewegt wartet.

44

Warum 19. Jahrhundert nichts geleistet. Zerworfenheit bis
zur Natur und dadurch, durch die letzte Zerteilung
gegenwärtig werden und einzeln in Verantwortung
zwischen Natur und Übernatur. Zerworfene Eckstein
Schlegel noch zu sehr historisch kontinuierlich. Sein
Reichtum an innerer Eigenformung ist sein
Mangel!? Eigenformung? Vervielfachung, Aus-
dehnung [?], Ansaugung. Armut im Geiste, Elendig-
keit Gegenwärtigkeit nötiger. Wie gegen
früher das doch zu wenig gegenwärtige Gelöste
bei Schlegel ich jetzt so begreife. Grundfrage seiner
Biographie und jeder Biographie.

dann auch eine mehr freie Hoffnung gegenüber Verderb
bei Schlegel (doch tatsächlich ja bei Schlegel nicht Verderb, aber
zu organisch reiche Hoffnung. Ist dieser mein Glaube
und Streben nach Mangel nicht vielleicht Strafe.
Reichtum des Organismus nicht mehr ertragen dürfen

45

Montag, 28. VIII. 16[Montag, 28. August 1916]

noch Sonntag abend Italiens Kriegserklärung. Windiger, scharf-
sonniger Sonntag. Montag früh Rumäniens Kriegserklärung
Abend Fl. von ⟨2⟩. Bemerkung. Persönlicher Kampf
nicht bloß geistiger Kampf und Auseinandersetzung.
So einfaches Wort ⟨1⟩ Kraft zwischen Gerät von Essen Pauken und Rauchen [? VR]

Mittwoch, 30. VIII. 16[Mittwoch, 30. August 1916]

Wulff, altchristl Kunst [Oskar Wulff, Altchristliche und byzantinische Kunst, 1916]

Symbole allee [?] Stoffe: Erde Tier Pflanz Mensch. Hiero-
glyphik der Schöpfungstage. Gewissermaßen eine geistige
Widerholung [sic] der Schöpfung im reinen Raum, wo Tier, Pflanze
Erde als unbeweglich und auch wie jetzt unwandelbar ge-
staltet als erlöste Elemente nun bedeutungsvoll
über noch irdisch unerlöstem Menschen stehen. Es ist
der Ort der Dinge (Fries etc wie Band. Spruchband Ort-
Wort, Übergang zu Laut werden ohne Adam mit Adam)
der Ort, der ihnen gewiesen wird in dieser neuen, nun nicht
mehr reclusa, sondern Offenheit des Raums, abso-

46

luter, nicht Wahrheit sondern: Bedeutung der Wahrheit.
Die orientalische Kuppel Aufrichtung (als Trägheit), wie als zu
frühe Festsetzung, zu wenig Geschichtsgang wieder gegen Zeitlich-
werden7 gleich X [Zeichnung aufrechter Kelch], nicht das Warten der Länge und sich
die Geschichte Offenbaren lassen [Zeichnung liegender Kelch]. aber je länger
Warten, um so schwerer Einmal das Auf-
richten und die Zeit der Möglichkeit kann
überschritten sein, auch so das Schicksal
der Welt und Ges. besiegelt und Sünde wider den
hl. Geist unerlöst geht an und Eschatologie
und Ende ist bestimmt und die Freiheit ver-
wirkt. Höchste Freiheit Ende. So wie wenn
der einzelne aus der Reihe fällt.

Höhe und Scheitel der Kuppel jetzt
gesehen und s. Moses auf dem Sinai

Teilung hier in der Art der reclusa als himml.
Raum. Gerade die Teilung und

47

Quantitierung in reinster Seele,die Einzelung
des Seelenwesens
in noch aller Gemein-
samkeit Erlösung Anteilnahme ist als stärkster
Gleichgegensatz ist der Haupteindruck der
erstgeschichtl. christl. Fläche. Diese Anfangsquanti-
tierung gegenüber der Endquantitierung [Neben eben-
gegenbild bis eigene Entgegenheit | – bis alles
gegen sich geteilt ist, nicht mehr neben ein ander geteilt
in Mitte und Vermittlung wie Wange] nicht des
geschaffenen, sondern des Empfangenen geschnitzten Bildes
des Osten stößt die Tiersymbolik ab.

Schalom das Tier als Wesen mitgehen lassen
die stete Beziehung, das Entgegengesetzt Wort-
spendend Fördernde, das reine Wort, die
Nichtgeschaffenheit, sondern Hin- und Hergegebenheit der
christl. ersten Kunst, das ist was sie im
Grund unterscheidet reinste Haltung reinste Spannung8

48

Mittwoch: [Mittwoch, 30. August 1916]

wieder Gefühl „Was findest du nur an dieser Seele
und was treibt immer und regt innerlich an und läßt
nicht Ruhe und weiches Ziehen (obgleich doch Herz wieder
kalt und nicht fließen will und nicht so sich herausbildet
und fast im Schämen Fruchtreichtum wird wie die unzählige
rote Beeren und Kügelchen an den Heckensträuchern
die schon lange jetzt die Büsche ⟨1⟩ und siedeln
und Zweige in Gruppen trennen [VR: streuen] und zu Lagern machen
über den Stämmchen und Ruten hin. Zeltlager
der Natur zum Herbste hin, nun alles wie
dauernd ins Freie gesetzt und doch gerade
so bricht ja das Jahr sein Leben ab

Was findest du nur an dieser Seele

Auch solches, sich nach Einsicht endlich zu gestalten
und frei zu treten. Aber die Antwort der Seele
immer größerer Wille und des Geistes Angewohnheit zu
Zagen aus Ungeübtgeblieben sein immer größere Wahl und
Qual.
aber dann wieder fast Gefühl der Erleichterung und Freude.

49

Gedanke in dieser Zeit des Tötens an Zeugen und Töten
wie früher so leicht Leben einsetzen, so sollte doch
auch heute Leben geben und nehmen und nehmen
lassen schwer wie leicht sein, das eine das andere
aufwiegen und entweder gleich vor oder hinter ⟨..⟩wißheit
bleiben [Hindenburg Generalstabsoberst

Do. 31. VIII. 16[Donnerstag, 31. August 1916]

Was findest Du nur an dieser Seele.

Herr eile mir zu helfen. Daß Gott dieses
Lächerliche der Ohnmacht, der Tragfähigkeit
ohne Frucht nicht fühlt und gleich ist, ist seine Nähe und Ferne,
ist die Bewegung der Menschen, ist Gottes größte Tat und Liebe,
Güte

Die Gefahr für eine religiöse Bewegung (und Zeitschrift),
daß sich alles Persönlich gequälte und auch bloß
in scheinbar [VR] selbstenteignender Bekennerschaft Eitle
herzudrängt und so dem noch Glauben [VR] als bloß Pietistische
von Anfang jede Form und Verantwortlichkeit
nimmt. dagegen sich stets das Bild vorhalten und sich
gegen das Bild (Ölberg) die Zeit der Geschichtl. Gnadensubstanz
verdemütigt kehren.

50

Kommunion die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen
Freitag, 1. IX. 16 September[Freitag, 1. September 1916]

Brunelleschi Frührenaissance Wölbung
als neue Grundrißbindung, wesentlich wirkend
nach unten und als Aufteilung und alles heraus-
treten ins Bild dann ein Kampfwerden
mit Fläche, ein Kampfwerden mit
Ansicht, mit der organischen intellektuellen Wahrheit
der Geschichtssubstanz, geht also schon
zurück hinter die organische Wahrheit der
Geschichtssubstanz, da nicht mehr organische
Selbstversubstantiierung, sondern aus dieser
sich heraus teilend ein Hinein und Zwischen
und Zurücktreten, ein sich selbst beab-
sichtigen und damit der reinen Fügung
versagen und ein ästhetisch beginnendes
Kämpfen müssen mit der Fläche, mit der
äußeren Zusammenhaltung der Geschichtssubstanz,

51

also ein Kampf schon unter dem Intellektuellen Organischen
mit dem Intellektuellen der Weltwahrheit,
ein Beginnen, am Glauben zu schüttern, da
die Hoffnung in der unbewußten Erfüllung des
Gottes planes schon verlassen. Reformation
kommt. Warum aber gerade in dieser Zeit die Liebe
und Macht zu den Kuppelformen. Das
Intellektuelle übermeistern des Organischen
als nicht bloß Schnitt und Krümmung wie
Barock sondern Scheitelhöhe menschl gesell-
schaftlicher Freiheit

Neue Grundrißbindung – Staatsbindung aus
gesch. eigengewollter Scheitelhöhe.

Arkaden und Seitenschiffe gegen Basilikadecke und Anlage
cfr auch Klösterhöfe (Savonarola S Marco Florenz
ähnlich [VR] Gedanke in Rom) Savonarola Ausgang da
Trennung aus weltlichem und geistlichem Absoluten

52

Frührenaissance aus dem Element fallen
nicht nur der Gottweltreclusa, der Geschichtssubstanz
sondern auch des Stoffes, so aus dem Element
fallen des Steins cfr Kapitelle der
Antike und Brunelleschis, die obgleich absichtlich [VR]
feiner, leichter nicht so reich in Form wie die
alten und eben [VR: aber] nicht mehr so Urelement
und Fremder Wirklichkeit voll sind wie
die alten. Selbst die Erde und der Stein ist nur
in der Fügung, Gefügtheit und Geschichte Stein und groß.

Samstag, 2. Sept. 1916[Samstag, 2. September 1916]

Die Heiligen hängen von uns ab, wie die edelsten
Kirchen und ihre Formen. || Ist anderen Zeiten
gegeben mit mehr Freiheit zu arbeiten.
Heute nicht mehr, Scheitelhöhe und Zwang.
Welt zu ihrem Ende, kann nicht mehr alles fassen. an Verkümmerung [VR]
enden und ist nicht mehr fähig die Spannung und

53

Weite der Eigenschaften in sich aufzunehmen und
die Höhe zu erfüllen und geht in den Verderb und
hat alle Schätze hinter sich unbenutzt gelassen.
wie das Los des Geizigen. Verhungert den Blick
mit der Gier der offenen Schätze gesättigt.

Stete Angst, Schuld festhalten wollen, statt
sich mit ihr hingeben und die Treue erproben
nicht mit Gottes Kraft allein in Welt bewegt sein wollen

Das Wichtigste des Anfangs für gegenwärtige
kathol. Ges., daß nicht Erziehung und der zeitliche
Weg und Notwendigkeit des Deutschtums
⟨..⟩ille von 100 Jahren ⟨1⟩ wird.

im Deutschtum, als seinem Bestreben die Zeit durch
eigene Entleerung in Absolutheit zu verfestigen ist
der Verderb der Welt

Das ganz Unhieratische als stärkste Gefahr

die 'Entleerung' in den
Fluch [VR] der reinen Tätigkeit. Paradies.

54

Sonntag, 3. IX. 16[Sonntag, 3. September 1916]

Wilde Kommunion, Gedanke von Gott verzehrt Gott zu ver-
zehren ohne aufgeben. Gericht.

Schwalbe in Kirche (Pasing) hilflos gilfen [schreien, jammern]. Findet nicht
Platz zum Sitzen, immer unter Gewölbe und bis unter
G⟨..⟩ wegkommt, ermüdet immer mehr, immerfort
fliegend. nur ein Fensterchen Lücke offen wie in Arche.

Gram gesättigt das Herz vor der [?] ⟨..⟩ebensLicht
Seele stille dich nicht.

dann nach Weßling gefahren und über Grünsink in
Wald ganz Mittag und Nachmittag allein auf Waldwegen
in Sonne und Glanz der vielen Blätter und Akazien
Bäumchen Wäldchen. Blaue Sumpfbla⟨..⟩ [?] keimen
Schmetterling über Blumen Köpfchen geneigt, Kopf
abwärts beugend [?] [Zeichnung von Blume] Damit ⟨..⟩los hängt [?]
Samen fliegend Wolle dabei und Federn Natur
bettet sich nicht bloß wie Menschheit in Geschichte.
Vor Geburt und Tod wie der Schmetterling bebt der [VR: hebt die] Flügel
hell und die Hügel, alles gliedert sich früher, nun wohin entscheide

55

sprüht die blaue Luft herab, rinnt auseinander
wie ein mürbes Netz. gesicht. Sieb weiß
Der Habicht schwankt aus seinem Flug im Kreis
{⟨..⟩ischen} Eichhörnchen, wie der Schmetterling trinkt [Zeichnung]
Ferner Donner der Ernte und Öhmdwagen am
waldrandweg unter dem milchig werdenden
Himmel. Baum weint Harz trocken, vor
Gier erlöst zu sein. So hängen, bleiben, an
Rinde der Erde, Heerschaaren

der blaue Klee und das Rot aus dem trockenen
Herzen der Erdbeerblätter.

Der Schmetterling sitzt auf dem heißen Stein im
Weg und trinkt die Kühle seines Eigenen Nektars.
Brombeeren. Unerwartet statt nach Grafrath
nach Gilching gekommen

Montag, 4. IX. 16[Montag, 4. September 1916]

Sinai [? VR] der Frührenaissance [Zeichnung von Kapitell] diese Art von Nichtberührung

56

Die erste Frage für mittelalterl Kunstsinn ist die, wie
entsteht die Gesch. und Ges. Gestalt, der Typ des „Reichs
aus der und noch {vor der} gegen die von unten und oben kommende
Dramawirkung (das Vorgerettetsein noch als offene
reclusa) die starke Haltung der Reichsformen noch
ohne eigene Absicht, cfr. dazu Zahl und Symbol.
personen, die Heiligentradition, so daß der
Mensch in deren Zusammenhang aufgehoben ist cfr
Taufbecken in Hildesheim.

daß in altchristl und mittelalterl Kunst Schweig-
wort durch Zeichen vorweggenommen9, auch Erfahrung
schon vorweggenommen.

Dienstag, 5. IX.[Dienstag, 5. September 1916]

gestern starker Regen nach-
mittag. Heute wieder schön. Schwere Schlacht an
Somme. Einmarsch in Rumänien

Das unwirksame Vorübergegangensein

57

der Schelerschen Artikel. Gespräch mit E. Jetzt wäre
für H. zum Anschluß, da doch auch im Wesentlich bis-
herigen erschüttert, Zeit und Gelegenheit gewesen,
umzuwenden und die Richtung in den neuen Gang
des Zeitsinnes zu kehren durch Schelers als eigen-
verdienst anzunehmende, dem H. verwandte,
doch kritisch und in eigener Unklärung dem
Neuen zugewandte, Art, die noch nicht verbun-
den und auch noch nicht verbindlich ist. Durch Klugheit
jetzt Möglichkeit gegeben, der Einsicht das Ver-
bindliche zu geben und den Anschluß an
wahre Zeitformung zu finden. Aber es geschieht
nicht, es geht nicht, das Organische oder Methodische
nicht einmal ⟨1⟩ eigener Geisteslogik, wo es ins
Organisch allg. wahre einführen will, beharren zu
lassen. Nur der Irrtum beharrt. Dieses
tiefste, schwerste Gesetz der Welt, der Irrtum
beharrt durch eigene Schuld,
sich selber reinigend und – dadurch noch mehr vom organischen und wenn auch nur aus dem unklaren Zeitgefühl loslösend

58

Wir sollen nicht frömmer sein (im Intellekt) als wir sind (organisch)
Wir bleiben an den Verderb der Welt gebunden. Sonst
das Pietistische, oder das kathol. Absolute des religiösen
Absolutismus {Katholizismus}. Die Antwort Hefeles [Hermann Hefele, 1885-1936] in Freien deutschen
Blättern in die Hand bekommen Großenteils gegen Scheler. Staunen
wieder an dem Geheimnis der Geschichte in Beharrung. Selber
die Zeit des „20. Jh“ und seiner inneren und äußeren unver-
antwortl. Zerfahrenheit und auch Liderlichkeit erfahren, und daß
sich nun dieser Irrtum sich läuternd um so mehr zu erhalten

sucht. Immer wieder diese Lebenserfahrung und ⟨.⟩eib⟨..⟩
⟨..⟩ung Schalomiels, daß Irrtum besser als sich
behauptender, selbst sich läuternd und noch mehr
dadurch [VR] Irrtum werdend besteht und niemand ihn so
brauchen kann, daß die wahre Lebensform allein
durch ihr Eintreten, oder auch nur durch intell. Geklärt-
werden ihn bricht. Wie der Verderb methodisch in sich als
Geheimnis in Zeit und Welt beharrt. Hier kommt ein Sinn
geschult an (Götz [Walter Wilhelm Goetz, 1867-1958] = Frührenaissance ⟨1⟩) und der Irrtum

59

sucht sich hier [?] der ersten christentum gesch⟨..⟩ Abirrung
und absoluten Schönformen, der Verräumlichung, um den
Glauben nicht mehr gotisch-christophorisch stets neuge-
kämpft [?] erhalten zu müssen, sondern verpachtet zu besitzen
als ein wohl geformtes absolutes Gut wie die Wissenschaft
unveränderlich hinzustellen. Diese Abschichtung [?] aus der
Zeit (in Gruppe von selber) aber in gewisse seelische Be-
zirke beabsichtigt und Christophorus der Leidende, denn
er gehört nirgends zu diesen Bezirken, bleibt für
sich allein ungesellschaftlich Weltbeladen und wird es immer
mehr, immer mehr in Mitte gedrängt, aber immer mehr als
alleinstehender. Hilflos und dabei Bewußtsein, dies alles
durch Sünde zu tragen, bevorzugt im Geist durch Schuld.
A⟨..⟩ statt falscher Mystik. Aber doch auch Not, mehr
als ⟨1⟩, nur Dulden, sonder ⟨1⟩ man auf Werk zurückblickt, das über-
wunden jetzt schon beherrschen wollen.
Staunen, wie eine Bahn sich sichert, Irrtum sich läuternd
bewahrt. Beharrung.

60

Renaissance, Schnitt, Reformkatholizismus, das Basilikale
bloß absolut abtrennen, die falsche Reinheit gegenüber dem richtig
notwendig verhängten geschichtl. Leben herstellen wollen,
aber nicht in sich eben (nicht für und gegen sich) sondern als eine abtrenn-
bare weltgestellte Angelegenheit. Diese Unfrucht-
barkeit, und dagegen die eigene Fruchtbarkeit, Unkraft
die als Werk ganz besonders schön erscheint und
gerade in absolut. Werkform, Entlösung Frucht zu
erhalten scheint. Intellekt. Scheidung als
Absicht, aber Werkwille nur insofern ange-
strebt, als die Scheidung gegenüber der Geschichte
und Ge⟨..⟩ gegenwart vollzogen werden will und
nur persönlich zugelassen. Hier ist die
Verschränkung und das Drama der Geschichte
verhindert, die aber also die Geschichte wirklich
anzuheben und der Gesellschaft kein rückgelegenes
Abbild, sondern ein vorliegendes Zielbild gibt.

[mit Bezug auf 'Unkraft' weiter oben:]

weil stets an Anfang gebunden, in Mitte anfangen müssen, und wenn

61

nicht in mir alles verwirklicht, nicht vor Gott und Welt
verwirklicht. Hier kommt (der irrationale Punkt)
das unirdische, ungeschichtliche, eigenewig seelische Element,
ein Wesen des Anteils und Erbes, das kein Ziel, sondern
Anfang und Ende und Keim und Frucht, die ausgebbare
Substanz, von der die Welt durch Erlösung lebt
die Entsagung als Anteilnahme, und das Werk nicht
schön für sich selber, sondern nur wie dieser Kern
unendlich gewonnen und verloren. und Besitzbar
nur in 3. Größe, besitzbar eben im Un-
besitzbaren, im Enteigneten, aber nicht enteignet
als absolut. Gesch. Ziel und kaltes Bild, als
Idol der heißen sich entrechtung des Pascal etc.
sondern der sich Berechtigung. Indem man es mit sich
messen muß und das soll nun bewußt
geschehen. Rechenschaft geben, da doch das
eigene Leben, Gedanke zum Taumeln, schicksal-
bloß, nicht eigenbar, und selbst nicht als Geschenk begriffen

62

Kein Bild machen, nicht abstrakt. In „reiner Religion“ selber ist
eitles Bild (Eitel? 1. oder 2. Gebot) „religiöser Katholiszismus“.

Basilika. Man darf aber vielleicht nicht solche charakteristische
Gotik zu sehr betonen (Sebastian und Christophorus“) sondern
gerade Basilika, wenn auch zu weit und zu vorvollendet,
lassen. Charakter opfern.

Ich bin das Maß, nicht ohne mich, (und wie Magie) jedes Ereignis
in Geschichte und Tragen des Krieges wie aller Zusammen-
hang des Geschehens und Opfertisch der Zeit in mir tragen, ein
Gefühl vermessen und hoch. Mich verzehren. Gericht
nicht möglich, diese ungeheure Fülle zu leisten, wie Geschichte
als Mutter. (Sibylle) Art der Unfruchtbarkeit.

Was treibt mich immer oft [?], und nur zum Trinken. Genuß
suchen, Sättigung vor Trieb zur Erfüllung. Gier zur
Belastung
, Beladung und doch nur Ausweichen. Passion.

Lebensform. Keine Vollkommenheit zu tot Erwarten. Nicht durch
Anfang und Ende, sondern nur durch gegenwärtige Ergreifung

63

welche stete Furcht, etwas nicht aufgenommen zu haben.
Kuppel: Entschluß Gottes, Menschen zu schaffen, Ent-
schluß des Menschen, nicht einfach Gleichheit von Intellekt und
Organismus wie Gott und so entsteht Kuppel aus
dieser Ungleiche und dem Kampf des Angleichens um
die renaissancenackten Gestalten des Menschtums
an Trommel, in Schnitt der Gefügtheit, Michel-
angelo.

Gedanke, die Führung doch noch aufnehmen zu müssen.

Origenes adamantios. Über das Gebet und Er-
munterung zum Martyrium, herausgeg. von Kötschau [Paul Koetschau, 1857-1939] 1899

Alexandrien – Athanasius – trinitarische Form-
mulierung gegenüber Vaterschaft der Geschichte

Anfang der christl. Kunst das Schwerste und am wenigsten
nur geschichtliche ⟨1⟩ Entwicklung zu erklären.

Das Wichtigste bei Übernahme von heidnischen Kunstgebilden
ist gegen der Erklärung und Mißverstehen, daß immer das der Entwicklung
entgegenstehende betont wird; die
Umwandlung der Substanz in sich selber

64

statt Angleichung und Benutzung die Umwandlung der
Substanz und das Geschehen der neuen Bedeutung
und Formbildung. So wird das Weltformleitmotiv
Transsubstantiation (cfr Jahreszeiten {frühchristl} darstellung)
so Zeit aus Natur eintretend, nicht aus Geschichte
statt der Geschichte der erlöste Geist. Transsubstantia-
tion aber vollzieht sich in Natur
, das ist in
der reclusa der Zeit, (Erlöstheit über der Geschichte
als reclusa des Raumes) (Paradies wiederholung in
erlöster Zeit = geschöpfter = Substanz. Sinn des
Pastorale, der gute Hirt gegenüber Adam

Schalom, wie weit noch bis zur reinen Auflösung
in Glauben, reiner Natur. Diese stete unbezwingt zehrende
Sehnsucht dieser Tage (Goldenes Zeitalter) Gezogen zum Land
Kampf, den Schalom in diesen Tagen aus Verderb nicht verlassen
kann und aus Trieb auch für Gott zu verlassen fürchtet,
um Fülle und Füllung der [?] innersten Grenzberührung mit
Gottes und Ölbergs Schaudern nicht zu verlieren.
Diese äußerste Spaltung in innerster Grenze, statt reines Leben
in Geschichte, immaculata

65

altestamentl. [sic] etc. Bilder der ersten altchristl. Kunst genommen
der Stoff aus Gebet (reclusa des Gebets cfr auch allgemein
orans). So tritt gegenüber der Natur (Zeit) Geschichte ein.

das Eigensein (auch Grab) umgeben von Natur
X X X
das Ges.sein, Sich Ges.eigenwerden, Gebethilfschaft durch
Vorbilder und Jesu Taten (Wunder) Geschichte
Gedanke der Errettung Symbol Gegenbildung

das Ges. und Geschichtsbildende des Wunders gegenüber der Natur

Es entsteht also in christl. Kunstformen das Gegenbild
nicht aus der Natur (x Übernatur), nicht aus dem Gegen-
satz, sondern aus der Einheit im Sohne
sondern aus der eigenen Geschichte und Herge-
kommenheit, aus der zugeteilten Gnade, also schon
aus der innigsten Gottmenschvermischbarkeit (nicht aus
dem sich selber Freischaffen können gegenüber Natur, nicht aus dem reinen
Zwiespalt (Gnosis10?), sondern aus dem schon begnadeten, von Gott

im Plan miterfassten,
mitgelösten Zwiespalt
am mittel- und unmittelbarsten

66

aus dem inneren Grenzkern, gegenüber dem heidnischen
äußeren Grenzkern
, dessen innere Verschlossenheit gerade
darin besteht, daß Gott noch den reinen Zwiespalt,
die Trennung beließ, sich den Zwiespalt noch nicht er-
lösend aneignete, oder vielmehr dem Menschen
durch Sohnschaft zueignete. Dadurch ist das Ge-
schnitzte Gegenbild (sich selbst aus Natur geschaffen)
abgeschafft und der Sinn des Symbols als eine
Gnade, eine gerade [?] Eigenschaftung, eigenge-
schichtliche Anteilbildung errungen.

Sarkophag reliefplastik. Auch hier schon Schmuck
der reclusa. Versch[l]ießen [VR] der geöffneten Gesellschaft,
reinste Zutat und Sinnschließung der Gesellschaft

Daß Architektur dann in christl. Kunst zuletzt, auch hier
eigentl. Gesellschaftsform nicht wie sonst zuerst? sondern
zuletzt, weil ideell Kirche für Bau vorhanden und ihre
Geschichtsform nicht mit bloßer Gesellschaftsform identisch

67

nicht mit gehalt identisch, sondern dieser allein für sich
als eben übergeschichtliches Gut und Substanz bestehen konnte,
ohne verflüchtet [?] zu sein, dann allerdings auch Kulturfor-
mung brauchte und sich also Christentum auch seine
Kultur bedingt (gegenüber Jansenismus, gegen Protestant etc.
Geschichtsform also weiter als Gesellform.

Metaform direkt so beginnen, mit Christus muß in
Kunst sichtbar sich die Welt geändert haben, also am
Mittelpunkt, Schnittpunkt des Dramas beginnen [Zeichnung: liegender Kelch mit zwei Pfeilen auf den Mittelpunkt (den Knauf)]

Der Streit, welche Kunstart mehr ausdrücken kann
(cfr Leonardo etc) ist Zeugnis eines vorhandenen
im Altertum oder eintretenden Mangels
der geschichtlichen Gläubigkeit

Ägypten als im Gegensatz zur altchristl. Kunst, wie
ist das Drama um [VR: von] {Übernatur X Natur} darin vereinigt?
Diese beiden sind nämlich die künstlerischen Komponenten,
die die außerordentliche Eindringlichkeit geben. Tier und
Hieratik. Die Ges.form selber aber ist die Hauptsache

68

in dieser Kunst, als erwartende Substanz wie in keiner
anderen.
Sitz des Wartens. Darum auch so starke Durch
arbeitung
und Relief. Relief als Zier des
Erfüllten im christl und hier als Erwartung
dazu die einfachsten Formen des Stehens, Schreitens in die
Geschichte. Hieratik Einigung des Zwie-
spaltes gesell. Art durch Erwartung. Be-
reitet und bereit sein. Hoffnung, aber
diese Hoffnung nur in reclusa. In ägypt. Kunst ist
in dieser Wort x Bild Art des Wartens etwas Zwie-
spältiges
(gegenüber der anderen heidn. Kunst, die nicht so
viel Zwiespalt, wo dieser mehr verstummt, weil sie
mehr Geschichte ist, Hoffnung also in heid. Kunst
als reclusa aus Natur X Übernatur

[bezogen auf 'Hoffnung'] während immaculata
dafür in griech. Kunst als eine Insichnahme
ges. Abrundung, Maß stillen. Die verschlossene
Immaculata.

69

Donnerstag, 7.9. 16[Donnerstag, 7. September 1916]

Wann kann ich sagen: Ich will mich Gott ganz darbieten.
Frei seinem Willen entgegen wirkend, nicht mehr wartend
stehen.

Freitag, 8. Sept. 16[Freitag, 8. September 1916]

Nicht nur intellektuell das Geheimnis, daß Fortschritt aus
dem Bösen und ich im Boden des Bösen von [?] Sünde und
Schuld gegründet, in meinem Zusammenhang mit Fortschritt-
streben des Ges., sondern auch plötzlich taedium vitae
und der Vergeudung der Zeit und keine reine einfache
Lebensform mir verstattet gewesen. (Bin ich Schuld?), daß
auch organisch dieses Geheimnis, daß durch Schuld wachsen
muß. Auf diesem Boden wurzeln bleiben müssen. Dieses
Schreckliche, aber vielleicht nicht so Schrecklich, denn unfaß-
bar in Freiheit, doch Groß sein zu können,so also nicht
mehr Frage: reine Lebensform möglich, sondern wie gegeben,
so zu nehmen und Kampf wie Knoten des Kelches,
in sich strebend, durch Not der Wege gegen

70

Gott hin und wie Petrus auf See und nun nicht
mehr Weg wie Kreuz als Erfahrung aus Anschauung
abgelegt [Zeichnung: Koordinatensystem mit Pfeil nach rechts] und an Stellen zeitlich aufgerichtet,
sondern zurückstreben [Zeichnung: Koordinatensystem mit Pfeil nach links]. Bisher immer hinter
einander Werke intellektuell vollkommen gliedern
wollen, aber einfach Knoten des Kelches anfassen
müssen, denn Ankunft nicht frei [Zeichnung: Unterteil von Kelch] und Aufbau
alles überlassen [Zeichnung: Oberteil von Kelch]. Restauratio Restitutio
auch das nicht Genutzte wird [?] zurückgefordert. Hier Schicksal
und Opferung. Auch die Sünde opfern können!

Samst. 9. IX. 16[Samstag, 9. September 1916]

Wende zu. Es wagen, Gott sich direkt zuzuwenden.
Ölberg jetzt erst wahrer Sinn. Nicht intellektuell,
daß man in Sinn schauen, daß man Gott zu sich ⟨1⟩,
sich direkt gegen Gott wenden kann, sondern Wagnis,
Gott zu sich wenden wollen und dürfen, organisch
bitten, daß er sich zuwende, und dadurch in sich
wachsen müssen. Gedult [sic]. Er will sich nicht zuwenden. Verzagen.

71

Das Unvertilgliche. Madonna, Marienleben.


Wetter diese Woche meist sehr regnerisch, naß kalt, alles feucht
triefend und anlaufend. Gärten mit auch schon abblühenden Sonnen-
blumen, vor noch stark farbigen, aber hängnischen [?] Nacht⟨..⟩ [?],
und Dalien [sic] und Kraut farbig. Nachmittags mit C. in N. Sezession (Schluß)

Sonntag, 10.9. 16[Sonntag, 10. September 1916]

Mit M. in München. Silistria [Donaufestung in Bulgarien] gefallen Wind. Am Abend Aufhellen
des bedeckten Himmel. Nebel weiß steigend in breiten Feldern
und alles einsinken lassend. Tiefste Betrübnis. Stimme
verstummt.

Montag. 11.9. 16[Montag. 11. September 1916]

Stiller Morgen hell auf schönen Abend, aber bald wieder
bedeckt und gießend. gerade stürzender Regen von
Frische zu Kälte.

Anatole France „Thais“. Art, Sinnlichkeit als organische
Eigenschaft und Verbindlichkeit für sich ironisch auszu-
schalten, durch das leichte im Intellekt und scheinbar
dadurch beherrschte herübernehmen (überaus echt französisch
demgegenüber der mehr zeitlich Deutsche, der gebunden
bleiben muß.

72

Wie muß der Art France's gegenüber, seiner Bearbeitung
seiner Art des Verweilens durch leichte
Dauerverleihung, Aus Schaltung des wirklich
geschehend Dramatischen, hellen nähernden [VR] und fliehen-
den, Ausschaltung [VR] der seelischen Bewegtheit in größter
Höhe und Tiefe, der lebendigsten Gespanntheit in
alter Ruhe Dauerverleihung durch unmerkliche
Übertragung aus dem geschichtl. christl. Organischen
ins Intellektuelle, das eben die räumliche Un-
wahrheit, Ungläubigkeit gegenüber der zeitlichen Ver-
und Entwirklichung gibt wie muß die Übersetzung
und Bearbeitung also geschehen? Bei Übersetzung etc {der vita Sanctorum} [VR]
alles so wählen, daß stets das Einmaligste, Schärfste
und Erdwirklichste ausgedrückt wird, das Wort
des Übersetzers wie auch des Heiligen aus Seelen-
lage und dem Geschehnis am schärfsten entgegen sei
also weiteste Spannung und gar nichts Vermitteltes, es muß

73

darum selbst das Reflexive des Kampfes verschwiegen
bleiben. Reinste Aktivität in aller Ruhe, keine
Überlegung, keine Darstellung. Wie sich also
bei Anatole France der Unglaube äußert
durch ein unbeteiligtes Allgemein machen der Natur;
Begriff der christl. Natur, der Einmaligkeit, selbst
wenn die Geschichte typisch, und der Erdnähe, innere
Grenzung. So entsteht in der Ruhe der Erfahrung als
Leere [VR: Scene] und der starken Stofflichkeit des Geschehens
die Hieratik des Stils, aus
Übernatur
X
Natur
cfr. ägypt Kunst.
Hier nun aber Geschichte vorhanden und Sohnschaft
die Träger als Vorbild. Wie Luther dazu?

Die Selbsttäuschung, sich mit besonderer
Büßerfertigkeit von Ges. zu bösen Vorhaben bereiten.
die sonderbare Erfahrung, daß bei Wille zu schlechter Tat,
auf Weg und Absicht zu Abfall man selbst Bestimmungen
auf sich nimmt und scheinbar sich selbst für die Sünde läutert
und reinigt.

74

Die stete Engwilligkeit, keine schweren Sachen bringen sollen
diese Trägheit des erhalten sollenden Geistes.

Zulassung Gottes gegen den allg. menschlichen Intellektuellen
Willen. Selbst wenn habitualer Intellekt zu Bes-
serung schreit, läßt Gott doch das Böse ihm widerfahren,
denn die Wandlung muß sich im Organischen Voll-
ziehen. Der Intellekt ist nicht gut und bös, er ist
nicht die Eigenschaft des Lebens und der Habitus
des Organischen ist nicht die Fläche und Gleichung, sondern
die Spannung. Sie ist aber stets neu zu halten.

Umwandlung im Pastorale im Organischen
wie auch im Intellekt [geschweifte Klammer] nichts festhalten
nichts festhalten, alles nehmen, empfangen.

Zuwende

France, das Pastorale nur vergleichsweise
wie auch heute, sozusagen unbeteiligt in falscher
Reinigung. Marias Gang zu Tempel Reinigung (mit Taubenopfer)

75

Lucifer II. Wieder nicht die innerste Not verlassen wollen
Antilucifer, nicht also Hoffart, sondern die Umkehrung
die Not verlassen wollen | cfr. France, wie die
empfindlichen Augen des Pferdes, diese
Art Pastorale

Von France, obgleich langweilig und unsympathisch,
den starken Eindruck und Zwang zur Gegenbildung

wie Gleichnis an diesem Tag der Verschränkung
aufhören will.

Dienstag, 12.9. 16[Dienstag, 12. September 1916]

Das Beharren des Geistes in der Geübtheit (Gewohnheit)
der Weg des Verderbs in der Richtung, die Richtung
der Welt, das Spiel der Mittel des Geistes, die Einzelung
demgegenüber unbewußt bis zum Unsinnigen und
zum Sterben, das Abscheiden aus dem Weltdrama
in die Einbildung und Eitelkeit (Skepsis), die leichte
Freiheit des Unglaubens ist alles stärker als

76

vieltausendfaches Todempfangen müssen des
Einzelnen (Somme und Karpaten) Das Gesetz des
Zusammenhangs der Menschheit, das Gesellschaftliche
der Verderbrichtung der Welt ist die erste
irdisch-menschliche Kraft, sie ist Urteil
und Verurteilung über den einzelnen und ein
offenes Geheimnis. Sie ist irdisch wie ein
Naturgesetz und ist keines und hört in
der inneren Grenze des einzelnen auf
und im Vertrauen, in der eigenen Freiheitsbe-
wahrung selbst bei Annahme des Urteils, es
ist wie bei den alten Martyrern. So den
Sinn ihrer Reden und außer sich tretenden
Freiheit bei größter Gezwungenheit verstehen.
diese Ohnmacht und fast lächerliche der [VR: vor] Welt
innere Größe, die im Winde zu Gott geht,

77

etwas Unfaßbares und Entfliehendes, in dem
Augenblick, da es der Richter doch sieht, auch ein
offenes Geheimnis, aber dieses aus der inneren
Grenze des Geistes, jenes aus der äußeren
Grenze, dieses ohnmächtig in Allmacht Gottes innerstem
Kern, jenes allmächtig in Ohnmacht zerstörtester
Natur. Aber so zur allg. Wehrpflicht und dem Zusammen-
hang frei beitragen können.

France, bloß mit Zeitsubstanz arbeiten, das
gibt das scheinbar Natürliche dieser Art
Entstehung des Pastorale und des Zweifels daran
zugleich in der Enge der Verschränkung, nicht in Höhe.
Säulenkapitell Hörner und Lächeln, Art der Freihheit [sic]
und Gottlösung auch in Art Pastorale, der weitesten
Trennung des Intellektuellen und scheinbar Gottähnlichen
Fernschauung auf die gemachten Dinge und den kämpfenden
kleinen Menschen in ihnen. Diese Art des

78

Pastorale, neues Heidenwesen benutzt aber nicht
den dunklen Stoff der Welt, sondern den Glanz der
Flächen (und allenfalls das mehr Blutrünstige) und vor
allem die stumm komisch, scheinbar auch überlegen
alt gewordene Wirken des geschaffenen Werkes,
Kleinwerkes, der Kunsttrümmer, die ihrem
entschwundenen Geiste nachlächeln oder nach-
trauern, die durch Erlöstheit gerade in der
äußeren Scheinung etwas Unverständliches, Ge-
leertes, Maskenhaftes, Larvenartiges bekommen
haben, die wie über Welt als Zeugen einer unbegreif-
baren, substantiellen Eigenheit in der Welt nicht
stehen. In ihnen ist mehr als der Kampf und
die Schärfe des Planes11, es ist Ausschweifung
und dies Gott und der Schöpfung nicht Verantwortete ist als
stete Versuchung in Welt geblieben

damit erzeugt sich wie mit dem Baum der
Erkenntnis das neue Pastorale

79

Das geistige Element dieser neuen Kunst ist aber dann
die Frechheit, sich dies unsterbliche Tote eigen zu machen.
Demgegenüber das Wagnis der Zuwendung
der Gottmenschgegenbildung des Einzelnen gegen alle
gegenüber dem Intellektuellen das Organische,
Sinn des Ölbergs, (Arianer, Ölberg, Menschen-
sohn nicht ewig, geboren
dieses zu starke Verlassen des Heidentums

Alles von Geheimnis der Zuwendung, das ist innersten
Verschränkung, Weltgeschichte in Schalom, Verantwortung
wagen, Zuwendungsbitte wagen gegenüber Berufung
so dreht sich die allg. Berufung in das Organische der
Zuwendungsbitte und die Freiwilligkeit, die Größe
der Zuwendungsbitte um Größe der Zuwendung
bildet nun die Spannung der Welt. Aber Würdig-
keit gegenüber Schulderfahrung.

80

dieses Pastorale, auch diese Arbeit eine Opferung der
Gesellschaft, aber in das tote Substanzielle
der Unerlösten, Unerlösbaren, gegenüber der
Arbeit des Hinnehmens, Art der Liebe, Opfer
x Thais, Art der Schönheit des landschaft. reclusen
Klösterlichen. Teufelspiel und Selbstversuchung
spielt zwischen dieses Substanzen, der einen
nun im christl. intellektuell Frei gewordenen
und dadurch erst vollends verlorengegangenen
der andern organischen

Hilfe suchen, immer gefährdet, Verstehen
des Schrecklichen des schweren Heilswegs und
wagens. Alles nun immer mehr zur Hilfe wollen,
nimmersatt der Gnade gegen Anfangs Angst
zu vieler Erkenntnis. In steter Umrungen-
heit plötzlich den Weg zu eilen anfangen.

81

Frei zu allen anfangen und je mehr
selig. Diese Ahnung und Verstehen, daß aus
dem bewußten Organischen das Mysti-
sche.

Was war das Mittel, das diesen Weg
geöffnet hat? Die Form, die zu ihrem
innersten Sollen und wesen unbe-
zwinglich war, die Unruhe zur inneren
wahrheit der Gestaltung, des Gebildetseins,
bis Zeit der organischen Gleichung der reclusa mit
der steten Kampfübernahme mit Immaculata
verbunden Ich sehe das Ende Verschränkung
und Gegenwart und Drama und Pietà und Liebereinheit
und zu Paradiesfluchlösung
zurück

Ich darf das Ende sehen.

Es war eine Beschützerin und Führerin, in der auch noch die
toto Heidenform lebendig, es war die Form, ihre
Untrüglichkeit, aber welche innere Kraft hat mich
Gott empfohlen und beschützt, welche Mutterschaft

82

Form X Wirrnis des Zusammenhang X Einsicht
Untrüglichkeit davon Weltverbundenheit und eigene Sicherheit

X Wirrnis der Wege X Mutter X Form Arbeit

Erlösung in selbst möglicher Arbeit an
der Untrüglichkeit der Form, Ausspannung
der Verschränkung.

Bekenner so enteignet, daß rein wie Vogel auf Unrat
Strindberg, Pastorale

Ich sehe das Ende hinter der Verschränkung (nicht wie France)
in Gegenwart und das Drama und Pietà (Mutter
diese Kraft der inneren aus dem Anfang geschaf-
fenen Unverzehrbarkeit, die nicht dem
Weltdrama unterworfen, die reine Fortsetzung
der Schöpfung und nicht die Verschränkung der Menschheit
mit dem Einen, sondern rein organisches
Wachstum und Hinbietung der Seelen

83

Und diese Mütterlichkeit (in einmal geschichtlicher
reiner Unvertilgtheit) und sonst wenn auch ange-
sehrter Unvertilgbarkeit, die gebliebene
Substanz des Lebens, die erhält, gegenüber der
gebliebenen Substanz der Erkenntnis
die leitet, Paradies baum des
Lebens und der Erkenntnis und Gott der
Vater wird Mutter und im Sohn und
Geist Erhalter

Aber die Gefahr der Seele in Freiheit
bleibt, die Gier und Lucifer sank
an der äußeren Grenze und Adams
Seele sank an der inneren Grenze,
getäuscht durch die äußere Grenze, Gott gleich sein,

84

Und wie kommt man auf den rechten Weg?
was ist das Mittel, auf dem Weg in Wirklich-
keit in Wahrheit zu führen? Die Arbeit führt
entgegen der Betrachtung und ist das Werkzeug der
Zeit. Es ist Hingabe und Bildung in Hernahme.
Es ist das Maß, nicht das klassische zwischen
Natur und Übernatur und dem Menschen, als
gesellschaft. Absolutem, aus ihm in geschichtlich
zugänglicher Reichweite gebildet, wie
in Ägypten und Christentum, es ist das
christliche Maß der Innenspannung.

und Sinnlichkeit und Übersinnlichkeit (Natur x Übernatur [VR]) gibt
die Tragik und Bitternis in Trägheit und die maßlose
Ges. Geschichte gibt bloß zeitl. Richtungslose Arbeit.
X Maß der Übung und Enthaltung, und wieder

85

steht das Maß der Freiheit frei und Gott des
Menschen Schicksal.

Gedanke an [? VR: und] Blumenstück. Der reine
Organismus des Weibes und das Schwert,
das durchdringt, Mater dolorosa
geschnittene Blumen gegenüber gesch Verschränkung

Gedichte: Widmungen: Vater Garten abc Sebastian

Mittw. 13.9.16[Mittwoch 13. September 1916]

(Zinsbeschlagnahme in Haus!) daß Staat mit fortschreiten-
der Zersetzung und Verlust der reclusa, immer weniger
und durch Trennung aus Kirche immer weniger ein
Gut ist ⟨1⟩. das Verhältnis zu ihm durch Opfer
herzustellen.

Nachmittags mit C. in Marc ausstellung. Überrascht
und gedemütigt durch die Werke, die in einer Art (mehr als
bloß Schlagwort Hieroglyphe x Fetisch) bedeutsam, so

86

in Fortsetzung der Gedanken über Pastorale ein Zurückgehen
cfr auch Relief etc. [VR: und] schweres Begleiten (wenn auch in vielen
weich und nicht gültig der unerkannten Ges.form.
(cfr Sarkophage) und [VR] Raum Zergliederung Fassung. Aber
in der gesch. Spannung der Menschheit ist die
innere Erfüllung zu suchen. Abweisheit [?] wahren.

C. teilt mir mit, daß Ankaufskommission für Pina-
kothek einstimmig, wenn man das prinzipielle Nicht-
mit, aber auch nicht dagegen tun des einen oder anderen
Mitglieds als Beistimmung rechnet mit lauter älteren
Leuten, darunter Habermann [Hugo von Habermann], Hildebrand [Ernst Hildebrand] etc unter
Dornhöffer [Friedrich Dornhöffer] für Ankauf des „Ölberg“ für Pinakothek
war, aber bei 3. entscheidendem Besuch der
Ministerialreferent das Veto des Ministers
Knilling [Eugen Knilling, Kultusminister] dem schon beschlossenen Ankauf entgegenstellte,
daß das Bild als rel. Gefühl beleidigend nicht in
Pinakothek kommen dürfe. Das ist im

87

katholischen Bayern und im Zeichen des heutigen Ka-
tholizismus. Wieder Beweis, daß alles eher Erfolg
haben kann (auch sicher jetzt Marc) nur nicht der Wille
für die geschichtl. Christophorische Spannung und Träger-
schaft

Donnerstag, 14. IX. 16[Donnerstag, 14. September 1916]

Dieses christliche Maß ist im Willen verstehen die Weisheit
und im Tun und Werke und Blute die Treue
so verschränkt sich auch im Heile Intellekt Weisheit
X Organisch Treue und giebt die Dauer der Zeit
dem Raume. So ist Zeit und Raum
im Anfang vereinigt. Name mehr Weisheit
Wille mehr Treue
. So kommt Schalomiel
immer wieder auf die Treue und wird auf sein Herz gewiesen.


Blumenstück als Widmung: Schwert durchdringen.

88

Maria, Weib Seele, Schwert durchdringen Bei reinen
Organismus der seligen Schöpfung. Blume und
Mariaweib Schwert durchdringen: was bei
uns Verschränkung, Drame, hier reines
Leiden, dessen Wert in Gott vor Erlösung
noch unvertilgt verborgen heute ist
hier reiner Schnitt, mir geschehe.

Mariä Reinigung x gegenüber dem falschen
Pastorale

Stumm geschicht, hier innerstes unendliches,
wenn innerst dem geschichtl. entzogenes und doch
organisches Maß.

Wille, der ohne Wunsch
fasst die Dinge wie das Auge, so ganz und gar sich
geschaffen fühlend, daß man so das Irdischste
Gottgleich.. (aber Michelangelo rein⟨..⟩ Zorn darüber)
was du behütest, das behütet Dich.

89

Ob es nun besser, sich statt dem mit Ironie
hineinzufinden.
Nun will mich Gott erst angreifen.

Bahrs Himmelfahrtsroman, was nun gegenüber frühern
Konvertitenroman so findet sich die Art eben doch
immer zurück, und Kralik [Richard Kralik, 1852-1934] und M. treffen sich in
gleicher stilist und dialekt. Klärungs
manier, statt im wirklichen Nottragen.
Immer dies dieses wirklich, daß mir [VR: nur]
ein schaffen Gott nicht will.

Goethe ungeschichtliches Pastorale
X
Schiller geschichtl

Begreife die große Barmherzigkeit, menschlich zur
Sünde verstoßen zu sein, um um Größe willen
Barmherzigkeit zu begreifen. (kann

90

das wirklich Fügung sein?)

Glaube und [erst?] Totforst [?]; Heiterkeit im Gefühl
daß doch geschützt

Joseph II und Hofbauer. Das Unvertilgliche

Freitag, 15.9.16[Freitag, 15. September 1916]

Morgens wieder Sonne, seit langer Zeit gestern nachmittags
Sonne aus Regen, nun schon in herbstl.
gebeugte ⟨1⟩, auch schon starr gerichtete Landschaft
mit plötzlich doch noch sichtbaren Blumen
stark und geschlossen leuchtend ernst, scheinend
diesen Morgen: Aus rauchenden Bächen lichtverklärt 12
zitternd von Tau. und aber Land wendet
sich ab hinab –, Mensch wird nun verlassen
Gebet. Mittags: willig und heiter zugewandt –
nach Grünwald und Spatziergang in Heide hochebene
Isarhochufer und Wald, kühl Dunst Sonne. Schwarze
Erde des Ackers. ⟨1⟩ naß im Walde. Herbst⟨..⟩

91

nur eins, arm im Geist. Stärker bewegt bis
nicht mehr geht, während die Erde sich legt und dauert.
Enzian blau, knarrende Heuschrecken.
die größte Gefahr, die Wiederholung der Zeit vor
100 Jahren der falsche Nationalismus
Erziehung alls nicht eigene Substanz Lüge
Immer wieder das furchtbarste Geheimnis

Der Wille, die eigene Substanz
anzubieten, So [?] Opferung und auch
Entfaltung des Glaubens
Entfaltung der Eigenschaften