nach_oben
Kriegsbuch 11 (11. August 1917 bis 6. Dezember 1917)

Konrad Weiß

Kriegsbuch 11

11. August 1917 bis 6. Dezember 1917

1

11. VIII. 17[Samstag, 11. August 1917]

Referate über Handel-Mazzetti und Dörfler. Das
Übersatte der Handel und (Stoffliche Dörfler, weil wahre Wirkung
nicht in Zeit gehen gängig. cfr auch das Übersatte des Barock, weil
Wirkung aufgestaut, zu viel Idee, zu wenig in Leben
gelöst. aufgestaute Hoffnung. So hat die Geschichte ihr
Maß im Menschen. Welche Bedeutung oder Lehren Handelro-
mane doch haben, die innerste Grenze Reinheit und die
äußerste Glaube. [Ölbergidee so auch in Herzen trennen.
Entgegen dem, daß Gott Gewähr und Nähe nicht gibt,
nicht sich nahe kommen läßt, ihm entgegen wirken, dadurch
daß man sich x [?] der inneren Grenze, der Vermischung
der Herzen trennt, wenn er die innere Grenzberührung
mit sich nicht zuläßt. Das ist das sich in die Wüste
begeben, die Askese des Herzens
; sie bringt
aber die Gefahr Lucifers und der Verirrungen im
Geiste.

Löwin, Eile, über Besitz herrschen, die Sicherheit, daß Nahrung
findet.

2

Nun auch [Zeichnung] Ausschränkung Erkenntnis wird zum Recht aus Erfahrung,
daß nämlich Kunst und Geschichte richtend Unfehlbarkeit hat.
Unsere Geschichte, wie unser Schicksal uns zugefügt wird, als Weltgericht
empfinden.

Das Nationale und auch Fichte als romant. Substanzkernbildung
die Geschichtsbehaltung, nicht das westlich demokratische und auch nicht das
östlich spiritualistische (Dostojewski) Vaterschaftsproblem)
aber in dem Protestanten diese romant. Ges. Substanz
nicht auf den einzelnen gewendet, sondern in Gesamt-Ge-
meinschaftsbegriff, dies ist die romantische protest-
antische Verfälschung, Verderbnis des eigentl
Romant. Geschichtsbegriffs {sinns}. (Dies ist auch Schelers zu
schnelle falsche Substanzbereitung). Allerdings
hatte gerade dieses Nationale Fichtesche und scheint [VR] auch
heute dies kathol. schärfere den Erfolg zu haben.
Das Überschlagend über⟨..⟩ießende scheint das
Rechte zunächst zu sein. Dies ist Schelers sozial.
Pietismus.

3

14. VIII. 17[Dienstag, 14. August 1917]

Die Schäferei auch als Gegenbildung der un-
ertragbar größeren Geschichtlichkeit, Barockgröße wird hier
nicht ertragen. Pegnitzschäfer, auch cfr meine Sehnsucht nicht nur zu Mutter
und Heimat, sondern auch immer wieder zu Bauerntum, jetzt da Frau Wendl [? VR]
heim ist zu Aushilfe und kranker Mutter. nebenbei auch diese Sprachreini-
gung, auch dies Kunstübel. Diese Art Trieb zu Eigenschaftung! [:?]
fruchtbringende Gesellschaft, der Schmackhafte, der Nährende etc.

daß es meine Aufgabe ist, jetzt die Verschränkung als Aus-
schränkung anzuwenden, jetzt aus Kern in Geschichte und Raum
zu führen

16. VIII.[Donnerstag, 16. August 1917]

Immer wieder an die Notwendigkeit der Herztrennung
denken. Auch C. hat das als Pflicht schon aus sich gewollt.
cfr Christi Tempelgang, da hat Christus sie vollzo-
gen.

Das zu viel Orientiertsein am Sozialen gibt Pietismus,
Quietismus

die logische Reinheit der M. [VR] Impotenz. cfr
aber auch mein Streben nach falscher äußerer Klarheit
der Lebensverhältnisse, falsche Trauer.

4

das Korrekturbedürfnis, diese Unfreiheit aus Unfruchtbarkeit,
das eigene Halteangstgewesen [sic].

zuerst nicht nachkommen, jetzt voraus sein und zur Zeit
der Verschränkung ⟨1⟩ das Verhaspeln, aber den Augen-
blick muß man erraffen, das stete Reich, Hoffnung und
Namen, das ist dein Wille.

Sich von Herz trennen. Liebezeit beginnt. [Strichzeichnung?]
wie ist nun nach aller Friedenswilligkeit, man
muß sich behaupten. Dienst wie [VR] Ritter sein, Berichten
wollen, an Kirche nur tadeln

Deutschlands Stellvertretung der Welt und ihrer Geschichte

Jemand durch bloß äußere Dienste verpflichten, dies sittl.
Tendenziöse an sich spannen.

F. [?] das schnelle, scheinbar naive Herankommen (die Naivität
der Frechheit) da steh ich jetzt, auch dramatisch verwer-
ten.

18. VIII. 17[Samstag, 18. August 1917]

heute sehr deutlich der Gedanke des offenen Arbeitens,
alles aus „erkannter dich zu geben“. Das falsche Bekennen bloß im
Verstand, katholisch sein, auch das falsche Getan dastehen, sich nicht
bei Tun sehen lassen, kein Beispiel, sondern perfekt verdeckt

5

sein wollen, auch Arbeit nicht zeigen wollen, ist nicht Liebe (Pietà)
nicht werktätig. Das werktätig sein an sich heiligen durch
Sehenlassen auch ohne Zweck

19. VIII.[Sonntag, 19. August 1917]

Felizitas Gedicht versucht. Die Mühe, das Örtliche,
Dingliche aus der bloßen Bewegung her aber [VR], das wirkliche zu erreichen.

nicht so demütig, falsch enthaltend. Es muß gewollt sein.
Von Gott mehr verlangen. unfruchtbar als geschichtlicher Täter
ich, anders als kaum gesogener Quell ich und Gedanke
fleischliche Mutterschaft. Gegen die bloße Haltekraft. Schmetterling
auf Wiesen und Anlagen, das Zwing. Wie lange kaum
gesogene Quelle. dem Überwältiger nur Blüte. Das
Leben nicht genügend achten
in Zorn und Wut.

Um Jahr 1000 die Darstellung ohne Stoffeingliederung, der
reine geschichtl. Kelch geht ganz auf Zweck und am Ende der
Verschränkung. In X Mitte ist doch alle Stoffauflösung dabei
Hilferufen aus Ohnmacht Weltrufen.

Wie jeder doch den Platz findet nach Verdienst des ges.
Tuns, gegenüber dem persönl. eigen wesenden Tun oder
Sein

6

Das Leben und die Lebensmöglichkeit speist und nährt sich nicht
aus dem eigenseelischen Behauptetsein, nicht aus der seelischen
Anwartschaft, sondern aus der unfreieren gesellschaftlichen Anteil-
nahme, aus der ges. Substanz, nicht aus der eigenen
Versubstantiierungskernigkeit, (Dörfler, Fischer). Löwin, dieser
ges. Hintergrund, diese Art Sicherung, wie X Gefahr sicher

20. VIII[Montag, 20. August 1917]

Wieder Felicitas probiert: Es muß alles dinglich werden
leichter Welt mir gebe durch Glaube, nein dinglich
hier schneide Geist kann alles und ist nie unterlegen
Schmerz des Unterliegens ist noch Triumpf. mit
diesem Übergehen auf kathol. Weltpflicht. Wir
Katholiken immer weniger Weltrahmen, aber immer noch
Weltstoff, Substanz, Welterhalter werden müssen, so geht
reclusa welterhalten, das erste göttliche aus letztem Menschlic⟨..⟩
hervor. Auch die Vermischung des Herzens Trägheits täuschung
statt stete Liebe, Welteroberung Daß zu falschem Mutter-
gefühl in Versagen der Neid notwendig wäre als männlichste

Tugend Eigenschaft
die Trägheit im Blute in dieser Zeit als mittelgefühl des Ichs
des Anfangs der Zukunft

7

23. VIII. 17[Donnerstag, 23. August 1917]

Stoff fassen, so viel wie also Ölberg nicht auf-
lösen, sondern zufassen, nehmen, dadurch sich von Bedränger schlechter [VR]
Art (Fischer) trennen, Richtung nehmen. jetzt dies trennen müssen
wie Ölberg oder Felicitas Abstand nehmen, innerlich loskommen
und dann mit Stoff wiederkommen mit dem gewucherten Pfund

24. VIII.[Freitag, 24. August 1917]

gestern Tornaus Referat über Fl. Gedichte eingegangen.
heute wieder zurück. „Diese Präkonisierung solle ihm nicht in Hochland hinein-
kommen, dies Aufleben der Romantik, wenn entschließt in anderer
Weise, lasse er mit sich reden, gegen den Dichter Fl sage er nichts. glaubt
noch schnell und radikal abweisen zu können

25. VIII.[Samstag, 25. August 1917]

Vom nächtlich ungerastet, versteckten Wort, das mühvoll
nicht zu finden. – Donner ein und stärker rauscht der Regen
[Entwurf des Gedichts "Morgen" in Sinnreich der Erde]

wie sich alles herumsammelt, Funk, Scheler, etc. das Verstecktsein
ungeletzt ich, nähre die Unechten, falscher Neid doch
wieder. doch noch mehr Muth [?], mein Herz gegen das männ-
lichste keinen Neid Tun hilft, durch Tun sich richten
lassen. Nicht [VR: Klammer auf] du Sohn des Menschen hast die Schuld.
energischer [? VR], Kreuztragung, welcher Unterschied

8

es ist der Kern.

wie aus Krieg gerade geistige und künstlerische Kräfte, nicht die
Organisation, sondern das Werk hervortauchen als Kräfte.
Dramaschiebung die Kraft der Gesellschaft, ⟨1⟩ bei Katholiken,
da man doch nicht weiß, ob fällt.

25. VIII.[Samstag, 25. August 1917]

Fürchtet euch nicht, ich bin immer, zuerst Ver-
trauen, dann aber Einleitung zu Gefahr ansagen, dann
wieder vertrauen. Diese Feinheit der Bewegung. das Wort selber
fürchten, das sich prophezeit.

Mein Ölberg“ mein Gefühl wie auch in Osterbeicht
gedicht Jonas gefühl nach Michelangelo dieser
Prophet des sich Aufrichtens vom Rücken. Nicht wie meine
Figur, doch auch Vogel aus Händen. Nicht wie Caspar
auf Angesicht liegen, sondern auf Rücken und nun aufrichtend
mit Welt an Rücken gegen Gott sehen. so wechsele
stets und nicht bewußt die Spanne Zeit durch das „mein
Ölberg“ jetzt vielleicht darauf gekommen wie mich
trennen und mit Passion vereinen kann
Dies ist der Druck der Unfruchtbarkeit,

9

des Unvermögens, die Passion zu gestalten, weil ich mich
nicht von ihr trennen kann, nicht von Christus in Sohnschaft
trennen, loslösen kann. Kann ich mich nur lösen,
indem ich die Welt aus mir zur Gesellschaft lö-
send schaffe. Nur durch drittes Lebengeben. Daß
nie anders wird, das weiß ich, den Schrei heb
an
. Keinen Neid z. B. Caspar ⟨.⟩den andern nicht
neiden. Durch Dauer ärger. will vollenden,
ja du lässest nicht. da ich dich aus dem Schutt
erkauft. nimm mich nicht zu diesem Richter
das unfaßbare Volk. wer mich anrührt ist selig
oder sterben. der tut das nächste, ich das weiteste,
drum braucht er alle, ich niemand.

Wort stets an mir angewandt, das ich
sage und wage zu erheben, stets anders gedreht.
bei mir, heb an den Schrei.

26. VIII.[Sonntag, 26. August 1917]

Schüssel tauschen der Teilnahme und bleiben müssen
Judas durch weg gehen. Petrus bleibt, dem
Verrat am nächsten
. Ich

10

auch gegenüber dem erst Trennungsgedanken, dabei bleiben
müssen, sich nicht trennen lassen, Segen der Trägheit
so auch in Sünden und Bedrücktnot Stärke finden.

Zu mancher {dieser} Zeit mein Sein wie See
und alles drängt in meinen vollen Nachen
ich aber kann nicht Fährmann machen
vor ⟨1⟩ Weh Mond
[Entwurf des Beginns des Gedichtes "Geist über Wassern" (Das Herz des Wortes)]

muß Zusammenhang
der weiteste voraus am meisten wartet
das hört nicht auf, zuerst Richtung, dann C.
nie beisammen. Mutter aller

Der weinende Petrus Ich wußte ja, daß
es mir immer gilt, wie heute war ich dem Meister
nie noch nah, ja über ihm. im Eifer, Aufge-
regt sein sah ich daß sein Auge still wie brach.
er weiß, er wußte es.

27. VIII.[Montag, 27. August 1917]

Regel an mich: never do, what a
man can do.

Diese abstufung des Werts, statt geistiger Tragung
gegenseitig.

11

Wir dürfen nicht die Substanz der geschichtlichen Sünde und
Abfälligkeit verleugnen (so auch Schalom sich verstehen!!
Denn sie ist unsere Kraft wie im Persönlichen, bleib
dabei
! dies gegeninternationale Prinzip ist weni-
ger der anderen Völker, die ein Formprinzip, sich sel-
ber im Charakter haben, dafür substituieren. Es ist
aber ganz deutscheste Notwendigkeit, Prinzip der
Berufung und des Abfalls, das wir die eigentlichen
Christophori, geschichtsmacher sind, kein anders
Prinzip haben dürfen und wenn wir eines machen,
uns [und?] aus der Berufung verhärten

die Stefan George Zeit, Bernharts Mitarbeit die allerdings nicht ganz
zum Ausdruck kam

der Jude „schämt“ sich für andere, weil nicht Erkenntnisab-
trennung, Erfahrungsersetzung (Heucheleiartig).

27. 29. 30.[Montag 27., Mittwoch 29, Donnerstag 30. August 1917]

Die Ähre, „Gedanke meiner alten Schwere
der mit mir spielt. ["Die Ähre", Sinnreich der Erde (erste Fassung)]
schon seit 1914 daran gedacht und jetzt auf diese geschiedenere, nicht aufge-
blühte Weise gestaltet.

30. VIII.[Donnerstag, 30. August 1917]

die falsche Vaterschaft Rußlands, weil es die
wahre Mutterschaft und Kirchen Mutter nicht hat. passive
Aktion

12

30. VIII. 17[Donnerstag, 30. August 1917]

geg. causa sein. Wort ist Fleisch geworden, Gott ist Fleisch geworden
Menschensohn ist Fleisch geworden, filioque. Fleischlich, Weg
des Verderbs der [?] einzelne aufhalten
.

Augustinus, Gnade X Freiheit X Geschichte
Kirche und natürliche Ordnung Geschichtliche Ordnung
aber nicht absolute Klassik Verstand immer wieder natürliche Ordnung. wir
müssen uns in die Geschichtliche Ordnung begeben.

Mit stärkster Kraft größter Mangel diese Eigenheit ⟨1⟩ Deutschheit.
deutsche Treue, Ritter dienen (gegen [VR: dagegen] den
Pietismus [?] wieder als falsch mütterlich verstehen

So auch Völkerwertstufen nach Berufenheit
zu Dienen, zur Art des Dienens. geschichtl. Be-
rufenheit Wertstufe, Vierung, weshalb [VR] Wort [Wert?] klassisch
die deutsche Weltform ist cfr C. Ölberg das
Erbarmen. Jeder glaube braucht patrimonium

31. VIII,[Freitag, 31. August 1917]

mich mitteilen, so ist die Lösung des Mitteilens
durch ausscheiden, in der Verschränkung ist der

13

Mittelpunkt der Geschichte, ist auch die Kommunion, ist
das Mitteilen Gottes, der Ölberg das Abendmahl
So ist auch Christus mitgeteilt und ausgeschieden.
Hungers steh ich auf vermessen, muß mich [VR] teilen, mittei-
len, hingeben. daß man nur von höchster Kraft
nur für C. leben will und sich dazu halten will, daß man
aber allen die Gerechtigkeit widerfahren lassen soll.

hier ist die 2. Scheidung und Verschränkung und Aus-
schränkung, die erste ist die Trennung von Baum
der Erkenntnis und Geschichte, die zweite ist
die Brechung [VR], Ästung im Baum des Lebens, daß
nicht sich rein geben und nicht aus scheiden kann,
wie [VR: die] Erfahrung direkt, daß der Wille gebrochen, Erb-
sünden verderb. So die zweifache Verschränkung
in der Menschheit, die geschichtliche in Baum der
Erkenntnis und des Lebens, die filioque geschicht.
Ordnung und dann darnach, (aber auch innerst davor)
die natürl. Verschränkung im Baum
des Lebens.

14

daß jetzt die vorbereitende Zeit vorbei (an H. Eberz auf-
satz, immer noch die Referierung!) Fischer, mit dem gestern abend zusammen)
äußere Bereitwilligkeit kommt zu spät jetzt muß
Stoff und Volk und Zeitbeherrschung ein treten, Form nutz-
bar werden.

1. September 1917[Samstag, 1. September 1917]

Zu Simmel „Rembrandts“ Religiosität [Kapitel "Religiöse Kunst" in Georg Simmel: Rembrandt Ein kunstphilosophischer Versuch. Leipzig: Kurt Wolff 1916], das aus mir selbst erfahren,
was er zu einem reinen Gegensatz macht, nämlich
mittelalterlichen religiösen Menschen und Rembrandt, daß der
natürlichste Mensch 1 im letzten Gegensatz der geschichtlichste, der
geschichtlichst endigendste der natürlich verlassendste {religiöse} ist.
Christus ist so ganz natürlich und wirklich, weil ganz geschicht-
lich, Daher Schwere und faule Knecht, tiefste metaphysische
und endliche Verschränkung

3.[Montag, 3. September 1917]

wird alles Werk klein durch Vollendung gegenüber
der Absichtsarbeit. Eberz Fischer, in der es groß erscheint,
gib[t?] diese Kleinheit, diese Demut geschichtlicher Vollendung
als wahrste Kleinigkeit, wahrste Größe
2So werde ich Spiegel des Zeitplanes als dieser Tage Mensch,
statt lebendig frei und keinem Tage haftbar
Diese Art Selbstbeschränkung [VR] ohne Willen
als bloß[e?] Empfängnis

15

zu Gespräch mit Hildebrand: Mangelbetonung gegenüber
Maßbetonung, Demut, wahre Substantiierung. Diese
Mangelbetonung wird dann auch unfreiwillig unpersönlich,
überpersönlich zeitlich

faßbar werden ohne Willen als Zeitplan spiegel, Pallas
der weinende Petrus
Judas, gegenüber dem Sontagsgedanken
vor 8 Tagen: Bleibe dazwischen {Judas} schildern als den
unangenehm anhänglichen, nicht abschüttelbaren, Fischer [VR],
daß er C. nicht ankann, daß ich dafür {unter ihm} leiden muß.
ich unter solchen Verhältnissen und Leuten sein muß. Ölberg.

Taumel des Vorgestern und der Empfängnis von Lesen, Zeit ver-
geuden und euch alle lassen und Schreckbare Pflichten
geht das mit Zeiten wie den Jahren. – ein unbekümmerter
Sperling.

4. IX.[Dienstag, 4. September 1917]

die Schwere und Niedergeschlagenheit dieser Tage, weil man [? VR] Brot
und Leben und Treue [VR] muß als inigend [? VR]. Und wieder Gedanke, daß nicht
allein tun und alles leisten muß, dies aber Christus an Ölberg
ganz allein und Kreuzigung. Gefühl durch Geborgenheit durch
Menschheit und Nächsten pflegen müssen.

die künftige kathol. Krise wird sein –
alles dann dahin führen, Qualität Quantität

16

Meine schreckliche, verzweifelte Schwere und lieber im Felde stehen
als diese nicht zur Arbeit oder besser zur Entscheidung und wahre
Weltformung freie Stellung (u) [?] komisch Gedanke dazwischen, wie
Fl. in Nachwort, daß Himmel und Hölle mit kämpfen, so gab ich in
letzter Zeit jedem Scheler, Hildebrand den Teufel mit (daß
P. Desiderius nicht Teufel darstellen wolle)

Wie der Glaube verloren geht, wenn man sich nicht im Schnitt befindend
mitmacht, Verehrung des ideal religiösen Erlebnisses, aber zu
Zweck ausnutzen und dann schöpferische Kritik, aber den Dichter Versemacher
nennen, verachten der inneren Kraft der Zeit, so Antichrist, ihn
jetzt abschneiden.

5. IX.[Mittwoch, 5. September 1917]

Grafrath, Grünsink. Verstand festhaltend
zur Räumlich machung notwendig, durch ihn sich von Na-
tur trennen zur epischen Gegenbild stellung. So
kehrt sich nach der Verschränkung der Fluch der Erkenntnis(baums)
um und der Verstand gerade muß die Erfahrung zum
gegenwärtigen Raume und zur Stufe gestalten, der erlöste
Raum wird irdisch. Pflicht, dieses Herz aus Druck endlich zu
befreien. Metaphysik der Trägheit. der lähmende [VR: deren lähmender]
Druck das Herz tötet und Jahre nagt, durch Trennung Arbeits-
möglichkeit. Empfunden bei Anblick eines Waldsaumes,
daß man leichter fühlt und genießt, wenn man ihn freier, untierhafter beschaut

17

Daß Petrus der Verrat zu treffen mußte, weil er nicht immer
Dauer hatte, das Rechte verfehlt auch bei treuestem Be-
kenntnis, daß gerade so Petrus und Rom geschichte so Rechte
verfehlen muß, manchmal überhaupt darin nicht stark
ist, das zu starke zeitliche Bekenntnis der Fußwaschung
und Verrat dann muß er verhängnisvoll erfahren (nicht zu
fromm, Gott hält das Maß der Entfernung für den Menschen
und auch für seine Kirche in ihrer Zeitlichkeit in Händen)
um Dauer zu erkennen, daß überhaupt die Ver-
standesgewißheit vorgeschichtlich. wenn alle dich
verraten!! die zufällige Geschichtserwartung, den
Verderb der Undauer im geschichtl. Überlassensein
erfahren muß. Dies geschichtliche fallen gegen Verhärten,
die Seele machen sie schmiegsam. Wie doch so
auch Petrus, jeder Mensch sich nicht ändern kann, sein Ver-
hängnis auf sich hat. Ausflug mit Marie, glücklich einem
Menschen Platz gewähren, wie tief, wie weit, weitend)

6. IX[Donnerstag, 6. September 1917]

das liberale zu spätkommen, weil Verschränkung vermeiden
jetzt Lit. pflege in H. [?] ⟨1⟩ George, was früher hätte kommen [VR] müssen.
ich aber noch nie so beschränkt und selbst Atem wie Gewicht
in Brust aufheben.

18

was ist alle diese Angst und Ängstigung: keine Tapferkeit, Christus
durfte in Mitte der Welt zweifeln, aber wir aus Ab-
trennung wie in Mittelalter ritterlich tapfer. Meta-
form der Ritterschaft.

wie jeder seine Nahrung findet, daß man Leben und Nahrung
zieht aus Nebensachen, je mehr sie aus [VR: von] geschichtliche
Innerfolge weg sind. Wer aus der Geschichte, aus der
Hauptsache der Menschheit leben will, der ißt und trinkt
sich
das Gericht So das Sakrament statt Nahrung.

Fl. las mein „Ähre“ und sagte mitten darin „dies Zergliedern wird
dir zum {ist ein} Verhängnis

Lied des Mannes, ich nahe mich, Moses vom Berge, dadurch
Kraft bekommen.

6. IX.[Donnerstag, 6. September 1917]

Notwendigkeit X Freiheit was später
Erkenntnis X Erfahrung was später
Geschichtl. X wahre Ordnung was später

Erfahrung aus der natürl. Ordnung durch Erkenntnis
und geschichtliche Ordnung aufrichtend. Kelch
nächste Vers

umge
kehrt

woran ich immer gehalten bei „Kelch der
Zeit, jetzt vielleicht weiter

19

Wie ich Scheler letzthin fragte, ob er glaube, daß Controverserhöhung
der konfessionellen und religiösen Ideen möglich ohne die geschicht-
lichen Stoffe und Kräfte, so auch sehe ich jetzt immer mehr,
daß daran sich die katholische Kulturfrage entscheiden wird,
welche Partei auch die Werke, die Verarbeitung in sich mit bringt,
nicht bloß die objektiven Werttheorien [VR: Werktheorien], so immer mehr
aus der Zeit meine früheren für Metaform gedachten
Substanz und Transsubstantiationsideen mit Wirklich-
keit erfüllt [anfüllt?].

Donnerstag, 7. IX. [Donnerstag, 6. September 1917]

In der Anschauung ist das Gesetz und der
Zwang (im engen noch der Verstand), in der Geschichte (durch
Erfahrung) ist die Freiheit, darum durch Wirkenwollen
nach vorwärts in Geschichte herstellen und zur Freiheit kommen
endlich aus der Spannung, dem von mir anfangs gedachten
gerechten Punkte des Bildes in der Ebenbildlichkeit vereinigt
Dahin kommen gerade durch Geschichtlich werden die Spannung zu
lösen zur Freiheit, aus Wirken nach vorwärts erst zur Ge-
schichte nach rückwärts. Dies neue paradoxon ist nun
wirklich gegenüber dem alten

20

Dies ganze Erlebnis-{ansicht}, Gefühlsfalschheit und Erkenntnis-, Weltheiligkeit
Wetteifer ohne Sinn und Geschichte (Scheler) aber jetzt die Frage, ist eine
Zeitschrift möglich ohne den Stoff des Zeitkampfes, Ver-
achtung des wahren Werkes. Am Werk wird sichs entschei-
den. Prüfung der Menschheit durch das Werk. Das Künstlerische
als Mittelpunkt der kulturellen Welt.

Ratgeber, ich Referat auch über Literatur. Gespräch mit ⟨1⟩ wegen Fl. Nach-
wort (ich glaube, daß er sich dieses Referat auch teilweise leichtgemacht)
ich sei entschlossen, es einfach zu machen (ich hatte vorher [VR] auch nicht daran
gedacht) er gleich bevor ich davon eigentlich anfing: es gehe
nicht und obwohl wir ja unseren Standpunkt hätten, er müsse
sowieso noch Explosion mit Feuer und Schwefel erwarten,
er also dagegen. Er glaube, daß M. Totschweigetaktik befolgen
werde (er fängt sie aber doch gleich selber an. Ich habe es Sonntag C er-
zählt. Ich kann nun doch nicht darauf bestehen, zu erwähnen, wenn
Herausgeber dagegen. Auch heute Montag Ettl. nochmal. es gehe nicht.

Knabe Scheit: daß man meint, Gott nicht dan-
ken zu müssen, da man doch bereit ist, im Augenblick
in ihn zu vergehen. aber man trägt ein

21

größeres als eigene Schuld (zur Zeit immer diese Art Kraftgedanke)
und muß darum Dauer begründen, für dieses Geheim-
nis, auch daß man erst fortlebt, Dank.

Sonntag, 9. IX.

Marie Namenstag, Spätnachmittag
C. und Frau und Frau ⟨3⟩ Gesang, Weincream, Kuchen. Abfallen
an Tisch, das fast Verzagen des Herzens und Erstillen
des Schlages bei Reichtum des Lebens und Fülle des Kommenden
und wie man umgehen und Haupt hängt von Nacken und Horchen
von ferne, daß alle nah und auch mein jetzt und soll mir bleiben,
will mir bleiben. Helfer. wie Jünger am Tisch des Abendmahls
die Zukunft mahnt. || Daß ich Fl (bei Nachwort) jetzt nicht helfen
kann. Ich soll, will Gott, nicht ausweichend, sondern erhöhend noch
weiteren Ausdruck suchen, Zeit noch höher, nicht nur
romantisch umfassen, insofern geistig später, jünger,
zukünftiger, vorwärtiger als Fl.

woran jetzt plötzlich die Frage der Romantik am Hochland zur
Entscheidung kommt. Vor Scheler noch H. ganz ungerichtet [VR].
Jetzt plötzlich in einem Jahre schärfste Stärkung darauf, während
doch eigentlich Scheler, der M. nun jedenfalls wieder [VR: wenn] auch nicht
direkt absichtlich, sondern nur in Unkenntnis und Wirkenwollen

22

mit Resultaten gegenüber dem „Fahrigen“ bestärkt. Es ist die Frage
des zu fromm [des nicht in der rechten Entfernung bleibens“]
Scheler hat zu fromm eingesetzt, zu gemeinschafts fromm.3 und
will nun bloß die geistige Härte, das „Lichte, Abstrakte“, Ge-
reinigte, gehoben, geklärt. Für uns aber muß auch fromm, aber da
noch unwürdig abgehalten die Nähe erobert werden. daß
Arbeit also Nähe Gottes und Würdigung mitbringt. Gott
will, daß man ihn durchsetzt
.

Weltpflicht: Es scheint uns gegenwärtigen alles in die eigene Natur-
mitte getragen zu werden, was in vor 100 Jahren nur in Va-
terland und Vorzeit empfangen.

bei Beschäftigung mit Boisserée nun Gedanke, daß nicht Kampf
durch äußere Gründe gegen Goethe, sondern alles schreiben
mit mittelalterlicher Auffassung
und Gründen, dadurch nicht
Romantikerverteidigung, sondern Romantik machen, und zwar
für Welt, nicht bloß Katholizismus. Wie wichtig, daß Gott
mich auch zum Dichtwerk geführt hat, und daß diese Zeit doch nicht
verloren, sondern den Kern dieses positiv romant. Schaffens
gibt, vielleicht statt Angst und Verzagen einmal noch be-
schämter denke.

23

10. IX. 17[Montag, 10. September 1917]

wie am Samstag die Selbstversicherung (cfr Artikel über
Eberz) daß nicht bis zur innersten Grenze kann und darf (oder doch,
aber Vertrauen muß Wage halten, dieses innerste Maß der Seele mit
Gott) so heute Mittag das Vertrauen Fläche und Ruhe geben
muß, daß (weil Caspar gestern abend von dem „Traumhaften“,
weniger Schweren der früheren „Christopher“ sprach) heute
nachdenken, daß auch Willegis Schwere in Vertrauen aufgeho-
ben werden muß!!

Darum nicht sentimental werden, und Bedrückung abwerfen, daß
Katholik (auch Gral?) gerade bei Katholiken, wenn er weltsicher
katholisch sein will, bedrückt wird, verfolgt wie Fl. und ver-
achtet, zum Knecht unterdrückt, sondern gerade daraus Kraft und
Weltpflicht, klug wie Schlangen nehmen und dadurch den Katholi-
zismus wieder weltläufig machen. Das ist die Trennung von Mutter,
doch nicht ihr Tod, sondern ihr Leben, da Last frei wird.

Nicht zu fromm ist Lösung für Weltpflicht, und endlich
würdig zu werden, wahre Entfernung Zeit darstellen

ist auch Schalom-Schicksal, immer durch Gebet gehalten
über die Verschränkung, aber Arbeit nicht erfüllen,
dafür Verziehung, Irrung.

24

wie ich letzthin bei Ausflug Gedanke Verstand nur zu benützen
zur Wirkung, und doch gerade jetzt immer in Geist für Werkgrundlage
für romant. Idee kämpfe, doch Tun wichtiger und Werkgnade in
Geschichte anrufen und benützen ist wichtiger

3 Versuchungen: der Teufel, Begriff ders Freiheit {Frechen Frechen}, das getriebensein,
überall zuzugreifen, zu korrigieren, ändern zu wollen, Teufel
X Schulmeister, Erziehung, die Anfangssituationen des Geistes und die
Widerart der Geschichte in gang wollen, so auch Teufel bevor Christus
sich aus der Wüste an die Geschichte sich begibt. Anfang für die 3
Versuchungen: Klassik ist Hoffart des Lebens gegenüber romant.
geschichtl überpersönlicher Demut. [Zu gestern Bewegung
bei Tisch. Erliegen des Sein müssens, heute Nachgedanke,
Meine Zeit ist noch nicht gekommen.

Löwin: ein Weib und [?] gegenwärtig haben, das mir immer anders, ganz [VR]
fühl ich mich umgeben göttlich Spiel

12. IX. 17[Mittwoch, 12. September 1917]

heute nachmittags allein in der N. Sezession. Gedanke,
daß dahinter und die Erfahrungscharakternatur doch immer auch wichtig,
Platz finden arbeit; dann später, daß Gesetze machen, Anschauung
bilden, die Künstlerarbeit, Übertragungsarbeit doch immer den angest.
Stand des Charakters, so daß [VR] seine Möglichkeit, sein ges. Willens-
ahnung bezeichnet, hier meist verkleinlicht ist, aber

25

doch gerade so wichtig ist bei C. zwar in Patmos starke volle
Arbeit und gutes Wesen in [und?] Taufe und doch er auf Passion weiter gehen muß.
dann daß die Arbeit der Übertragung gesetze bildet, jeder für sein
Tun. Wer sich der Geschichte übergibt, je mehr desto mehr
muß er die Kommunion machen nehmen, was früher
Baum der Erkenntnis X Erfahrung
wird jetzt Geschichte X Kommunion [Zeichnung]

der Glaube früher muß zuletzt in Liebe übergehen,
die äußere Anschauung in innere.

wieder wegen Verständlichkeit. Streit „Sie dürfen überzeugt sein, daß
es jedem geht wie mir“ er fühlt sich zwischen Himmel und
Erde aufgehängt“ er hat sich nicht durchgesetzt [VR] C. [?] „ich glaube
noch nicht daran, das ist Kriegsgewinner⟨..⟩h⟨..⟩g.

1 1/2 Stunden Kampf mit M., der den Eberzartikel
einfach auf den Tisch warf, das könne er nicht brauchen,
ich diesmal mit starker Kraft und Weite gesprochen, direkt
Vortrag über Anschauung und die Eberzbilder, Gruppe der
Linien, Islam etc gehalten. Ich sagte, daß ich es
wage, jedem (Burger) etc gegen zu treten und Kampf aufzu-
nehmen, ich sagte, daß wirklich dies Verhängnis in dieser

26

Kunst sei und Not und über Kommunion zu müssen. Immer wieder: er müsse
es doch zuerst verstehen. Gelegentlich dann nach Erklärung:
„Es steckt oft gar nicht so viel dahinter es ist nur die ver-
zwickte unlogische Ausdrucksweise.“ Wenn er wüßte, wie viel
anderes gerade im gegenwärtigen Augenblick noch dahinter steckt.
Wie ich doch hingespannt [?] bin, ohne Lohn diese Sache in
dieser Höhe zu vollenden

12. IX.[Mittwoch, 12. September 1917]

wir gehen von reclusa und Fläche aus, aber das
eben ist es, wie weit dies stimmt, Fehler [VR] von uns erst erkannt
wird, hängt von unserer gegenwärtigen Kunsterfahrung ab.
Immer sind wir verantwortlich für unsere Erkenntnis.

die Italienreise als Taufe empfang, Wasser flie-
ßen und die mächtige Erregung in Mailand. ara coeli
fertigmachen als geschichtl. Begründung des Prozessus
Baptisterium die Einsicht dieser Fähigkeit [VR] so darstellen, aufzu-
quillen, Mut zu Glück und Größe bis Gottes Plan und
Weisheit

[mit Bezug auf Seitenanfang: ] ich sprach besonders auch davon, daß die Idee, die Kunstblätter [? VR]
Wille das Werk sucht, nicht mir, daß kein Stoff

27

Zufall vor [?] Zeitwillen, sondern auch Wille selber künstlerische
Sprache, das diese bestimmte Vollkommenheit, diese bestimmte
Ausdruckssprache bedingt wird, dies aber von Künstler als gut erkannt wird
wenn auch nicht die klare Bewußtheit, daß sich doch dadurch Festigkeit
und Folge bildet, auch wenn Idee noch nicht erkannt, dadurch stehen
die Kreuze fest da, sind solche Nebenerscheinungen Brosamen
wie Stückgold nicht möglich. für Vorwort gerade dies auch be-
tonen. Gegen Schwanken [VR], wie nötig Richtung ist. Ich sagte auch,
die Zeit und geistige Zwang und Wille hat sein inneres Gesetz.
wenn man nicht zur rechten Zeit Anschluß nimmt, kommt man
nicht hinein, kann nicht wirken. Dieser Augenblick und Zu-
kommen des inneren Gesetzes muß mit erarbeitet
werden.

wie nun schon gelbe Blätter und Zweigspitzen und mit ersten
Morgennebel gestern fällt Feuchtigkeit ein. Noch nie so
stark bemerkt wie heute Morgenregen und Straße wie
Laub leicht überhin fast wie [?] auf Gehsteig

der Begriff naiv für innere Struktur.

M. über [VR] Eberzauf. „Sie lehnen diese Kunst ja gar nicht so sehr ab.“
Nein, aber ich stelle den Punkt fest, wo Be-

28

währung beginnen muß, ich glaube ja nicht, daß Eberz so
weit kommt, aber bis jetzt auch gelten lassen.

nicht zu fromm, protest. Frömmigkeit Werkgerechtigkeit

das göttliche Heilswerk, wie es bei mir sich geschichtlich als [?] bei mir
verlangt als Folge stärke des Gedankens bis zur Sauberkeit.

13. IX.[Donnerstag, 13. September 1917]

Gedanke an gestern, daß der Augenblick des
Teilnehmenkönnens miterarbeitet werden muß,
das [VR: da] zu kommen. Dieses ist der Kern des Gesprächs über die
Hoffnung. Dies [Das?] zu komme dein Reich muß ebenso mitver-
arbeitet werden, wie konnten ihre Richtung [Reich ⟨..⟩?] selbst M. ohne
Idee der Tragweite Caspars für ihn erarbeiten helfen

14. IX.[Freitag, 14. September 1917]

Mit Dr. Funk, der von Bukarest da, gesprochen. Wurm
von ihm geschätzt. ich gegen Wurm. Was nützt diese Askese, wenn man
Unrecht tut, bloß inhaltl. und tote Form und dann den Juden
lobt und deutsch. Katholiken Unrecht. Er, er wisse schon, daß auch
gegen ihn, er glaube, diese müde Auffassung Zwiespalt.
Aber das aktivistische scheine ihm zu wenig Sacra-
mental, nicht empfangen, sondern nur

29

wollen. Ich: doch, ob er glaube, daß Ölberg und Joh-Bild neben
einander Zufall. Nein ich, Stoffwahl der Form. C.
schätzt er sehr. und ist erstaunt, daß Bruder von M. ist. C. immer
dieser Mittelpunkt. Er selber nicht stark, verstand weich.
Plötzlich da Funk von Notwendigkeit, immer an Frührenaissance
anzuknüpfen gesprochen (dies erwähnen) und überhaupt Gespräche
erwähnen, da hier Lösung nicht vollzogen, das Gefährliche nicht
gewagt, und auch das Selige nicht mehr empfangen und fällt
nun zu: wie damals sich Gruppe von Basilika trennte, so
bei Hildebrand durch Maréesgruppe, Zwiespalt und da
wäre Folge der Drang zu Bild und Geschichte gewesen. So schließt
sich innerlich Buch, die kathol Kunstpflicht.

Es war in diesem Gespräch mit Funk wie nun gleich
mit Erstaunen über diesen Kern als Zwiespalt also [VR: oder] meinem
Denken als Einigung jetzt mit innerer Freude und Teilnahme
bei ihm, daß er diesen Mittelpunkt als Sehnen geäußert.
Ich auch gesagt, daß man immer und zuerst das Werk
wollen müsse bis zur Hingabe (dies gegen aktivist.
Bedenken

30

dies sei Gotik, Er: „dies habe er noch nicht so gedacht“ Opferbegriff ist in
Mitte. Er glaube auch, daß weltl. Kunst von religiöser Verschie-
den sei.

15. IX.[Samstag, 15. September 1917]

Ist es möglich, das Herz mehr zu zerreiss {b}en. Der
gläubige Mensch ist seines Schicksals ohnmächtig, wenn
nicht Allmacht der Liebe seinen Glauben bewegt
. Magni-
ficat. Diese Ohnmacht des Glaubens preissen [?] lassen:
Kleist
, Konradin. (Der spätere Gedanke, durch größtes
Versagen das Göttliche darstellen, hier ist der Quellpunkt, größter
Glaube, aber nicht zu Liebesnähe geladen sein, fernge-
halten sein durch ihn. der Kern des schweren Geistes
dieser Zeit
16. XI. 17

16. IX.[Sonntag, 16. September 1917]

Wieder gedanke an Eberzstreit mit M. wegen „Selbstver-
sicherung der – ⟨1⟩ wer „in Bezug –“ Gedanke daß
in alttestamentl. überhaupt ältere Schrift nicht diese liberal
innerökonomisch logisch methodischen leeren Be-
zugsfeststellungen, sondern genetiv und [VR] Herkunft.

31

die Wahrheit der Gedanken und ihre Bewegung muß Herkunft,
Genetiv und Gruppierung der Worte verbinden, da hat der
Stil nicht die Pflicht, von sich aus zu ordnen und Wahrheit zu
machen [suchen?], sondern er folgt selber der Wahrheit, sie bindet ihn und die
Öffnungen [?] Unklarheiten, die Gnade, die Zwiespalten [VR: Zwiespaltungen] des Genetivs
lassen uns tiefere stärkere Lichtspalte, die hereinscheinen,
in Denken in Bewegung aufsaugen.

Novelle „Un⟨..⟩uf“ als Stilbruch [? VR]

Besprechung: Gleich anfangs, Ölberg Stoff-
wahl der Zeit in diesen Künstler dieser Stoff für
diese Zeit als erster ästhet. Gedanke, alles
⟨1⟩ gesichte. Stoffwahl der Form. fortbildung
in der Zeit. Gruppenbildung. wer gliedert sich
an
. also besonders auch Sinnes [? VR] Momente, Sodann ab-
wehrend wie nicht Perspektive, so ist auch überhaupt Verfei-
nerung der Mittel nicht Fortschritt, sondern allenfalls
Mittel der Auflösung. Geistesbehauptung: dann aus

32

dem Kern der persönl. und der Zeitstoffwahl, aus der Bewegung [? VR]
zwei Wege, der, den Geist durch auflösung der
Materie, des Stoffes zu befreien, und der den Stoff,
das Ding an sich durch höhere Geist stärker
verwirklichen. also diese Wege gerade entgegenge-
setzt dem gewöhnl. menschenprodukt. Als
Geschichtsfortbildung [?] und [in?] Natur konkretion und als Kommunion
und Geisterlösung.

17. IX. 17[Montag, 17. September 1917]

daß mir Marées Bedeutung bei Hildebrandaufsatz
neu und größer noch aufgegangen. gestern mit C. in Glaspalast: Thoma,
Kalckreuth. Er auf das künstlerisch wahre, ich doch dagegen mehr Marées
und darüber [VR] Kleist. Abends sagte er mir, daß auf mein Porträt
meine Ölbergfigur kommt!!

18. IX.[Dienstag, 18. September 1917]

Abends wieder mit M. über Eberzartikel. Wieder, daß ich nicht logisch,
sondern organisch schreiben wolle, geschichtl. (er [VR: Er], stehe fest, philoso-
phia perennis, Ich: nein, das sei nur Haltemittel, Theo-
logie aber entwickle sich. Dann kam [?] das Wort
„vorpersönlich“ (in romanisch. Kunst). Er: Nun gehen
Sie mir aber, nun habe ich genug“. ich setzte zum Aus-
weg „unsubjektiv. Mittwoch morgen Einsicht, daß

33

gerade dies Angelpunkt und prozessus. Er: nur ein Satz,
mit dem er ganz einverstanden sei, (daß die Kunst das
Wirkliche wolle) ((Gerade dieser Satz aber dann in Korrektur nachher
gestrichen. Ich auf die Ermahnungen, daß er es gut meine,
ich würde meinen Stil nur dann ändern {verlassen}, wenn die Kunst
verfalle, von der ich lebe.

Wir müssen jede Welt, z. B. Luther dadurch bekämpfen,
daß wir sie in ihrer besten, edelsten Kraft aus den
Angeln heben, dadurch graben wir Gott entgegen, z. B.
Luther in Glaube {allein} Verzweiflung durch Glaubehoffnung fortsetzung
die Verschränkung, der Schnittpunkt von der Einheit und Geschichte
zur Seele, die Selbstversuchung des nicht ganz sich zerstören
können, des Dienen müssens ist die Kirche, = das
Pfand der Hoffnung
.

Daß der Deutsche mehr Besitz braucht und Staat, weil
als Geist mehr gefährdet, sich von Geschichte zu
trennen, Glaubenstrennung mit Gebietsent-
fall. – Sittlichkeit des Rechts. Das Recht als deutsche
Weltaufgabe, daß Sittlichkeit das Recht zerstört, daß also Recht
und Existenz zum Recht, Fortexistenz erste Frage, Fichte

34

An Unrecht beteiligt sein müssen, Petrus
{Vermischung auch des} Herzens von mir nimmt Johannes
das Recht Jakobus
II Gott versuchen durch Wagen
III Ich bin Gott Vater in Langmut. „Daß man
sich nicht rächen kann
. Diese innerste Weltkernkraft
anerkennen müssen
.

Diese falsche Gemeinschaftsromantik bei Scheler und auch bei M.
gerade bei jenen, die die Einzelverantwortung, diese wahre Roman-
tik nicht annehmen. die 14 Stationen, Gewand
entkleiden, von Geschichte berauben. Einleitung:
das nahtlose Gewand.

Friedens bereitschaft: er für Papst: ich dagegen
Barbarossa. statt Angleicher aus falscher Idee
zu sein, ist es besser, gehorsame Gegenkämpfer
zu sein.

35

Gegen die Gemeinschaftsidee außer der Kirche, sondern an jedem
Stofflichen und geschichtlichen sich halten und den Erlöser und Ver-
derbweg zu erfahren, den Erlösweg jetzt statt Verderb,
durch sein Fleisch der Geschichte Reichtum des Opfers zu geben
statt der falschen (Renaissance [? VR]) Askese.

So sehr Luther das wahre meint und sich nicht als Irrtum
finden konnte. Wie wichtig es ist, die Gnade der Kirche zu
besitzen, die die Leitlinien gibt.

Knabe, Auferstehung: Meine Passion ist die Gezwungen-
heit zu Besitz als Opfer des Tuns.


Glaube Luthers, hier die Allwirksamkeit (aus dem
Unsubstantiellen) dadurch bloß Gott (Deismus)
ich Hoffnung: dadurch Mensch gegen Gott durch Gott
filioque.

Es ist immer die Frage, den Menschen in wahrer Weise und
Entferntheit von Gott nicht zu trennen.

früher ich mehr Abhängigkeit betont, jetzt mehr Hoffnung
das heidnische X das christliche
diese Verschränkung , das habe ich erlebt!!!

36

Auch im Deutschen (cfr zu Italien im Juni immer gedanke
an den geschichtlichen Menschen) auch im Deutschen die
wahre geschichtliche Natur (nicht [stehendes X / Kelch], sondern [liegendes X / Kelch] gegenüber
der Aufhebung der Zeitlichkeit, die auch Luther im tiefsten
Gegensatz sinne vollbrachte, diese geschichtl. Natur positiv
herstellen durch Hoffnung, Luthers Glaube als Gefühl,
daß wieder Anfang der Geschichte notwendig sei.

dagegen [VR] die falsche Liebe. Luther fehlt der
Mutterdank an Kirche, damit die wahre
unendliche Zeitlichkeit.

verbum caro in Ölbergästhetik, einen Orden gründen,
wo jedes Wort an Christi Fleischwerdung genossen.

Bohne, das stete Fassen im Weichen, der gute Trieb, Geschichte

19. IX. 17[Mittwoch, 19. September 1917]

daß Hochland mein Roman nicht gefallen wird, so auch F. Gedichte [VR]
daß sich aber niemand deutlich warum, aber der Widerspruch auf den
ausgeprägtesten fallen wird, der noch weniger verstanden [VR] wird. So auch
die Wahl des Bildes Eberz gegen mich sich richten [VR] wird. Diese Übertragung
und Opferbürdung auf den Dritten, Dramagedanke

20. IX. 17[Donnerstag, 20. September 1917]

„In Tages Mitte nur ein einzler Mann“ [Erste Zeile des Gedichts "Mittag" (Sinnreich der Erde)]

37

20. IX. 17[Donnerstag, 20. September 1917]

{Gespräch [VR] mit M.}
Ich war schon lange ein ungeschickter Mensch, aus jedem
Anlaß hätte ich ein Schriftchen machen sollen und mir dadurch selber
helfen, statt mir vorzunehmen, diese neuen Dinge einfach so in kathol. Kultur-
gedanken in engste Verbindung mit der kathol Gegenwärtigkeit zu behandeln
die es gar nicht gibt; und so allein durch meine ungenügende Kraft und zudem
Lässigkeit diese Verbindung vorzutäuschen. Was hindert mich, uns allen ein
Schriftchen zu machen. Ich tue es nicht, weil ich alls ausgewichten
will, wie mein Leben soll, Du quälst mich mit dem geistigen Gewicht.
Meine Kraft ist meine Schwäche. Durch Gottes Kraft gegen Vernichtung
gesichert, aber nicht gegen Unterdrückung, dies ist mein Erbe, dies mein
Schicksal. Dies auch Petrus und die Kirche. neue Wendung
des Denkens nach Auswärts, Substitution.
wie alles vorwärts kommt ohne Dich. Dabei einsehen, daß
in aller Ärmlichkeit immer noch ganz dein Geschöpf
und Gnadenkind, wie du mich demütigst und bindest,
gibst mir, mit Dir zu tragen.

20. IX.[Donnerstag, 20. September 1917]

wie man sich dem Schicksal der Älteren ange-
glichen sieht, indem man merkt, daß die noch jüngeren
wieder den gleichen Unsinn und {Welt} Allgemeinheit reden (z B Mombert-
aufsatz) man meint sich fördernd, die Welt müßte vorwärts
gehen zu einer gleichen Klärung und Vollkommenheit entstehen
aber man entsteht nur selber wie das Wort bestimmt und hart und die
Weltgemeinheit drängt hinten ebenso wieder nach, darum noch mehr auf
eigene Kraft.

38

verbum caro, wofür ich leide, das mich richtet, nicht mein Eigensinn
Glaube, der sich an Ort erfüllen muß. die Kraft der Welt vermehrt.
nach heutigem 3. Streit wegen Eberz aufsatz, Er direkt auf Herrn Huber
hin gezielt, daß er mit ihm in Einverständnis die Streichungen etc. ver-
lange. Ich dann bloß noch Schlußwendung, ob eine dann ist bloß
noch die Frage, ob eine Wahrheit und neue Gewißheit auch ohne ihren
Stil, ihren wahren Ausdruck erfaßt, für sich benützt und sich damit
fortgeholfen werden kann. Er immer, nicht die Ansicht, sondern nur die stilistischen
Formulierungen, was er bekämpfe und geändert haben wolle. Dabei aber
eben die Stellen gestrichen, die Kern enthalten, so „Entfernung“ und
„Kraft vermehre“. In Tages Mitte nur ein einzler Mann
wie schwer ich denke [Erste beiden Zeilen des Gedichts "Mittag" (Sinnreich der Erde)]

21. IX. 17[Freitag, 21. September 1917]

Tun ganz abgeschritten. Gefühl ganz ohne Mittler sein
Laß nur das geschichtl. Tun in [und?] die Kuppel von Gott ergänzen. Neue
Wendung ⟨.⟩ Trägheit X Vollkommenheit, der diese [VR: deine] Liebe Stück-
hauch
[?], Pfingsthymnus, Sturm, entlaß, hat auch dieser Sturm
unwirksam Platz, muß ich beschaulich sein und bleiben, ist
Gestaltung nicht in Tun, kann man nicht ganz geschichtlich
vollkommen werden. Wieder Lebensform jetzt in dieser
Wandlung und geschichtl Teilung.

Bürgertum anders verstehen, immer mehr deutlich, d. h. fortge-
schrittener, diese geistige Welt mehr persönlich verschränkt.

39

So ohne Grund und Halt in dieser Weltzeit und um mich doch Begehr
und schier Gefühl inneren Glücks, weiter gehoben als das Fließen
des Herzens. Dabei ist immer Gedanke an Caspar
und Leben an seinem Tische, Geborgenheit in seiner [VR] Unterhaltung.

22. IX. 17[Samstag, 22. September 1917]

ara coeli, Rom als Mittelpunkt der Welt nehmen, als
Schnitthaltepunkt der Erkenntnis, in einem Glauben
auch heute, wie von Wackenroder geschrieben. Ratgeberreferat

23. IX.[Sonntag, 23. September 1917]

quod est in potentia, non est in actu
Gedanke: heutige Lyrik nur gebrochen komponiert, nicht farbig,
erst Lyrik, wenn wie bei Gezelle auch farbe des Tones. Daß jetzt
diese farbige Zeit und des Tones kommen muß.

„aus dem Zeitkern wachsend“ in Eberzart. {Kern} Das sei zu unklar
könne man sich nicht bestimmtes Denken, Fremdwort Substanz
sei hier besser, da kann man sich doch (stockt) mehr
denken!

Beschäftigung mit H. [?] Hildebrand diesen Monat.
seine Kunst: das Maß des Natürlichen zur Ruhe und
Anschauung gebracht. Herwagen [VR: Herragen] des Natürlichen, in Ge-
sicht führen, in Anschauung führen aus Bewegung

40

dabei gewisses Jugendliches, Knospendes, Poesie, dabei un-
sinnlich. Hier immer das Maß nur gegenüber dem Natürlichen
Es fehlt die äußere Grenzbedeutung, darum nach innen Feinheit
nur bis zu gewisser Grenze, nach außen Starre, etwas Nicht-
sprechendes, keine „Frage an das Schicksal“, nach außen keine über
die Erfahrung hinausgehende Grenzhaltung, Grenzbedeutung.
Nur das Natürliche, das in Geschichte nicht übergeht, sondern durch Maß ge-
halten wird. Wie geht Weg in Geschichte? durch Relief
in persönlicher Stimmungskraft
, Relief und Erfahrung, diese
Art Pastorale gegenüber Delacroix. (cfr Holbein. Weg zum
Holbeinischen wieder aus der Geschichte), wo dann Bedürfnis aus-
zustrahlen, da malerisch werden “Luna“. Daher auch
die Geschlossenheit der Bauten nach innen und von außen,
die nicht weltoffen wird und nur Denkmalgrab
artig. || Durch Mehrzahl der Menschen Gruppe in Bereit-
schaft zu seelischem Verhalten, insofern ist Marées
weiter, als diese Bereitschaft zu seelischem Geschehen. – Es ist
ein ernstes Geschehensein, klassisch rückwärts ge-
wandtes bei ihm, kein Treiben im

41

Mangel und Drama, sondern ein „gerettet sein“ in gedachter An-
schauung. Marées, der viel bedeutendere, da er dieser Art
in deutschen Zwiespalt des Rückwärtssehens statt Vorwärts-
treibens reicht, der an der Unmöglichkeit als Klassisch machen
zugleich auch Weltsinn halten litt. Der höhere Sinn des
Wirkens in Raum, des Raumwollens als ein geistige
Konstellation wieder herstellen. gestern abend {9. IX?} mit

Erinnerung an Abend mit Fischer, daß er sagte „Halten wir gegen ihn zusammen,
so zeigt sich der Verräter in Freundschaft [VR].

C. davon gesprochen, daß er Gruppenbild von uns machen
will. heute an Hildebrand Weltsinn gesehen, den
⟨1⟩ Gruppenbild hat. C. gestern abend bes. Marées
Gruppenbild gelobt. ||| Relief, wo sonst das geschichtliche in
Frührenaissance einsetzt, geht bei ihm stärker in das
Natürliche zurück, in jene ungelöste Menschhaftigkeit, altklass.
Verschlossenheit, wenn [VR] auch dies von seiner Kraft stark, gegenüber bloßer
Stimmung.

folgende Tage?

42

2. Oktober 1917[Dienstag, 2. Oktober 1917]

Hindenburgtag, Plakate abgerissen, der Dank.

Die stärkste Erfahrung, die ich gemacht habe, ist (Hochl. Wurm, Förster) das
Unrecht Tun des Sittlichen. Dies Sittliche für die Allgemeinheit statt
aus sich verkehren in Weltordnung, wollen nicht für Dogma, für
prozessus die Erde erobern und tun den Kräften, die die Erde
hart verdienen wollen, wie Deutschland, das größte Unrecht. Dieser
Weltfrevel. Meine Aufgabe, gegen all dieses auch die falsche
Passion, falsche Kirchenstaatsverzicht, dem Wundenschlagen der
Kirche gegenüber Stoff und Erde und Platz erobern, selbst Güter in
Geld als Opfer wie C. Und dann das sittliche bekämpfen, z. B.
Purgatorium könne nur „sittlich seelisch“ sein

daß nur das Kunstaufgabe mittelpunkt als Kulturwille
vorwärts kommen sein kann, weil es alles und allein
wahren Ausdruck bringt und zugleich Urteil in sich trägt
als Stigma, nicht nur der Erkenntnis, sondern der Kräfte. Leben-
digkeit, aber bei mir wie vollzogen? woran es liegt.

3. X. 17[Mittwoch, 3. Oktober 1917]

heute keinen freien Tag dieses mal, nur nachmittag
diesen schönen Herbsttag, wehrlos. Verfahren: Für eine
Gnade, die etwa in Aussicht steht, ein Recht nehmen

43

das man hat, überhaupt und allgemeiner für ein scheinbares
geistiges Freundschaftsgut ein materielles Entziehen. das
Christentum nicht getan, es ist auch Stofferoberung.

5. X[Freitag, 5. Oktober 1917]

Stückgold, wir bekämpfen die Juden {als Pest}, wenn sie unter
sich vorarbeiten und ihr Talent nützen (Liebermann), wenn
sie aber unsere Gesinnungs substanz, unsern Kern, unsere
Natur versauen, dann ehren wir Sie und nehmen sie auf.
Dieser falsche Neid, der uns selber straft.

Dieser Verrat [Unrat?] Caspars Ausstellung (mit meinem Porträt) mein Ölberg
darauf. Öfterer Besuch. wie die M. N. N. [Münchner Neuesten Nachrichten] und A Abdzg [Augsburger Abendzeitung] es loben und bes.
auch das Religiöse. Die Eindrücke? Das Natürliche weniger
beherrschen, mehr als Lebendigkeit neu empfangen. das
steter Wirkliche, „Heimsuchung“, Stoffwahl der
Form, das Natürliche und Weltliche empfangen und dann
das Menschliche stärker Wirkliche[r?] wirken lassen,
die Stärke der Passion, und die Frauen am Grabe,
diese Osterfreude des leeren Grabes. cfr [VR: dieses] position
leer, entsagt empfangen als an älteren
zeitlichen Ölberg an diesen aber das Versagt-

44

entsagen bes [VR] bei mittleren Jünger [? VR] [Zeichnung] gegen die Felsführung
deutlich [? VR]. Gedanke hier aufgeweckt, daß das Moderne das
Religiöse durch stärkstes Versagen des Menschlichen, stärk-
sten Gegensatz ausdrückt, dies zeitlich deutschest gegenüber Italienisch
Erfüllen.

ältere Geißelung der jüngere Mensch läßt handeln, das aber doch
nur ein Geschehen ist, der ältere Mensch läßt (Passionsgeißelung)
geschehen was an Handeln ist, verwirklichen ist

Das Geschaffene Verhärten wie „Moses am Dornbusch“ wie
Schmuck oder Bau, um darin nicht zu vergehen. Auch so Stoffwahl
der Form. Melchior: siehe daß du diese reiche Qual verstehst,
aber das Handeln ist besser. bei Caspar auch das
Vergehen wollen, so Köpfe vor [VR: an] Felsen, so die Scheibe
des Tisches an dem Christ Joh. bild [Zeichnung: Bogen] Ich muß
vergehen
. wie bei älteren Joh. Abendmahl, Ölberg
Geschichte will vergehen, vor den Dingen, Unser Tun
möchte vergehen vor den Dingen und ihrer Unerfassten
Gewißheit, aber die Dinge müssen vergehen wie unser
Lauf besteht, das heute 3. XII erfasst, gegenüber der Notiz vom
damals ich muß vergehen, wie dies nur Auffassen!! zu dem

45

Sinn der Joh. Komm. Ich muß vergehen, daß er wachsen kann.
der Täufer, die Liebe des Evangelisten.

6. X.[Samstag, 6. Oktober 1917]

das HildebrandPorträt als bes. gut bezeichnet für Beilage!: es
habe keinen Inhalt. Unser Inhalt ist der gewordene, gesehene,
vergoltene Charakter.

Das falsche Recht. cfr [? VR] Münchner Post Aufsatz [VR] über Förster sistiert: Es gibt
keine fruchtbarere Expansion als die Expansion des Rechts-
gedankens über die nationalen Schranken hinaus!“
Ich muß dieser Leute Unrecht leiden, um das falsche Recht
dieser (freimaurerischen) Richtung zu erkennen.

Warum muß ich immer damit behaftet, unter dieser Art
Menschen sein, weil ich von eigener Gewordenheit
auch Erkenntnis krank, falscher Baum, nur von Herkunft
Baum des Lebens und darum leide ich zu Recht, um in
mir die wahre Gesellschaft über zu propfen.
Glaube gerade, daß Kirche übernatürl. Geist etc ist,
das zeigt, wie Katholizismus wieder mit Protest. zusammen-
trifft, dies ist nun aber bei Kath. mehr Methoden-
frage, mehr Beiseitefrage, der menschl. neben
dem geschichtl. Weg. 4

46

bin ich Erkenntnis ganz bei ihm
Auch meinen Willen nur, wie er es will

ich trage mich nicht in sich, erst mein Werk das Ge-
heimnis des Tragens. Auch meinen Willen nur
möglich werden läßt, wie er es will mich nährend
lange Zeit, Maß dieser Zeit in mir, ich bin
gesegnet, regt und regnet.

der weinende Petrus, daß stets bei Fortgehen oder
vor Schla⟨..⟩ oder in Rede und widerprallen der größte
Eifer zu tun. So auch Petrus nur in Handlung auf-
richtig stets Bekenntnis, so Fußwaschung, Knecht Ohr,
Verrat immer zu eifrig und sonst nichts tun als Hand-
werk
und davon immer doch der tiefe Blick
als Gnade bekommen, diese Vaterschaft der Trägheit
und Rom bleibende {Last, wie mein eigene Tun, Gott} {wie hilfst} Du Dir.

8. X. {9.}[Montag, 8. [Dienstag, 9.] Oktober 1917]

Wie trüb der Himmel überfließt, dan Sturm
auf Erden.

Abends wegen [VR] Telegramm fast 1 Stunde wieder auf Red. als nächstes [VR] Geknechtet
daß nicht zum Knechte [Erste Zeile des Gedichts "Vollbringung" (Die cumäische Sibylle)]

47

wegen Anstrengung, Wut und Rachegefühl zu überwinden, Gott soll mir
wahre [VR] Kraft des Vortrags geben und endlich Herz fließen machen, Reichtum
der Farbe, daß wirklich Glaube sich hier bewähren muß, daß durch Sohn an
innerer Kraft zum großen Deutschen werde, umwälze, riga, quod
est aridum Deutschtum der Seele, daß was ich noch am meisten brauche
diese Freiheit innerhalb des Menschen. Das wahre Geben, Gleichmut als Kraft.
Das Wesen der Gemeinheit. Während der Hasser recht [VR] verfolgt, tut der
Gemeine, als merke er gar nichts, daß er ungerecht das [VR] Leben schädigt.
Diese Art der Frechheit.

7. Okt. Sonntag.[Sonntag, 7. Oktober 1917]

Bande im Reichstag. daß man nicht den schlichten [? VR] Mann
für sich handeln und sprechen lassen darf. Soz. für Centrum, in sich
so auch verderben lassen durch geschehen lassen, immer heute diese fremde Sünde,
daß auch hier der Bessere nicht der Gemeinheit weichen soll, gezwungen mit
zu arbeiten, wie im religiösen Leben. Hier ist Opfer menschlich
schön und tritt an Stelle der göttlichen Führung die ges Bela-
denheit, so daß eigentl. Wachsen in geschichtl. Kraft, vorher [VR] in
Dauer gegenüber der natürl. übernatürl. Ordnung. Wie erst [oft?] die
Vornehmheit gegenüber dem hündischen Willen ⟨1⟩ leere muß [nicht?]
Geschick hat. „Er kneift“! Diese Maus [VR] tapferkeit. Das
ethische, so recht uneigene, für alle phrasentönende
Kraftwort geht von links am leichtesten. Der sittliche
Ton nimmt je weiter nach links, zu.

48

10. X. 17[Mittwoch, 10. Oktober 1917]

Rundschauartikel über Glaspalast: „Das stilistische
Band“ {M} das sei wieder ganz unanschaulich gedacht „Das verstehen Sie ge-
wiß selber noch nicht. Auch B. würde es nicht verstehen. das sei aber doch zuerst [VR]
notwendig. So auch zwei Künstler (sicher Fugel und B. Schmitt) hätten
sich zusammengesetzt, um einen Aufsatz von mir zu lesen. Sie hätten
aber nichts verstanden. Ich: das glaube ich wohl, das sei etwas ganz anderes
als diese Art etc. Er: Nein, sie anerkennen z. B. bei Caspar wohl
einen gewissen Fortschritt. Ich: nein das ist nicht Fortschritt, das ist
vollständige Umwälzung. Er: Auch [VR] ich bin noch durchaus nicht so überzeugt.
ich wünsche [VR] Caspar recht sehr Entwicklung und Klärung. daß der andern
ist nicht so bloß Unverständnis, {Ach was:} ich selber bin bei C. noch gar nicht so überzeugt,
Ich: aber die Nichtkatholiken glauben es und da ist der Nutzen kulturellen
Fortschritts. Er: ich glaube an diese ganze Geschichte nicht, Schwindel,
Kriegsjoppenschwindel (das immer wieder) glauben, daß wenn sie kaufen, sie
ein gutes Geschäft machen (als ob nicht zu Geschäft glauben und Echtheit
brauchte). So ist es und bleibt es auch jetzt noch, die Katholiken hinter-
ziehen alles und glauben nicht, wie von den andern kann er [?] er leben
darum auch ganz recht daß er doch Verbindung [?] sich ⟨1⟩ findet. Ich bin
der Zeuge von all diesem, Erbarmen mit Leuten, ich werde
immer größer durch Milde wie Gewitterwolke, kann nicht eingehalten
werden, zittern vor eigenem Schicksal.

Das Schwerste, was sich in der Welt durchsetzen kann,
ist die wahre Geschichte, der Glaube an die rechte

49

Geschichtsbewegung und den Sinn des Seins außer der
Eigensucht. daß z. B. C. bedeutender wie Scheler

Symbol immer noch nachdenken über den Satz in Caspar
Feuilleton für K V. daß Mittelalter kein Sym-
bol hatte außer dem gewesenen der Erlösung für die Gesell-
schaft. Aber der Einzelne kann doch und muß die Natur
erlöst erschaffen; „Säule der Erde“, das ist doch eine
Art Symbol, neu erschaffen, ihm ist aber Kraft
gegeben, Lösen X Binden, romant. Idee.

Sonntag, 14. Oktober 1917[Sonntag, 14. Oktober 1917]

Nachmittags bis abends spät bei C. gewesen.

zu Häupten das Panier
des gleichbeseelten Atems noch nicht leer
des Weges wieder bin ich leider schwer
von Dir zu mir

will sich fliehe nicht den stillen Zug

15. X.[Montag, 15. Oktober 1917]

diesen Mittag Bemerkung zu Flaskamp wegen
des letzten Wortes in seinem Schriftchen „Weltreligion und Weltkrieg“,
das Wort „Weltsorge“, das seinerzeit Titel meines ersten
geplanten Buches sein sollte. Er schmunzelt, und dann
stritten wir uns über unsere gegenseitige Beeinflussung
Ich hätte Hegel gelesen, er mir Schlegel vorgeschlagen
so [VR] z. B. auch über Substanz der Geschichte. Ich schließlich:

50

alles dieses sei ganz gleich, man könne jede Anregung erst
brauchen, wenn sie einem selber gefordert sei, vom Stand
des seelischen – Schließlich fiel mir etwas deutlich geworden:
ich sagte, er suche mehr die Bewegung der Haltepunkte, ich
mehr die Haltepunkte der Bewegung, die Eigenschaften der Ge-
schichte. Beim Heimgehen sah ich den Unterschied noch
klarer, er trägt die Natur in die Geschichte,
X ich trage die Geschichte in die Natur, in die Eigen-
schaften. (Er nannte es gefährlich, etwas nur halb zu
lesen, er wolle bei einer Periode wissen, ob sie sich
nun nicht nur {so} vollzogen haben könne, sondern so voll-
zogen habe. Ich: ich vergleiche die Punkte da und in
meiner Natur und jetzt bin ich zum Vollziehen
gezwungen, in mir ist der Austrag und ohne meine
Bewährung geht nicht weiter die wahre Eigenschaft.
Schluß von Hoffnung so: C.: wie der Fisch im Wasser der Taufe,
Fl.: um die Natur in die Geschichte zu tragen
W.: um die Geschichte in der Natur zu
vollenden.

51

am Nachmittag wieder nachdenkend plötzlich wieder das Weibliche
meiner Auffassung, das mütterliche Prinzip der Geschichte
mein Erbteil, Pietà, 4. Gebot. 4 Bf.

16. X.[Dienstag, 16. Oktober 1917]

Es wächst der Mensch aus sich im Glauben, [so trieb
mich der Gedanke hin, aufscheuchend in mir her von Anbeginn
wie Laub die Straßen. [Entwurf zum Gedicht "Der grünende Stab" (Sinnreich 1. Fassung)]

Stürmisch auf Straße, 2 Bäume, die gelbes Laub verlieren,
haben unten an den Astspitzen wieder neues gelbgrünes Laub
jung angesetzt.

Do. [?] 18. X. 17[Donnerstag, 18. Oktober 1917]

nicht so viel Sinn der Dinge, nicht der dich umstellt,
wie Opfer, ausbrechen in die Welt [Entwurf zum Beginn von "Verbum caro" (Die cumäische Sibylle)]
und Gedanke an Panier, der geringste aller, und aus den
Enden die Menschheit heraufführen, aus Weite
kommt den Unbekannten Ehre. Dieses nicht aus Nähe, sondern aus Ferne
den Zug sammeln und führen und so in Mitte nicht ⟨1⟩, sondern Führung
lassen.

19. X. 17[Freitag, 19. Oktober 1917]

Ich, der ich binde, bin befreit, {der Sohn spricht:}
du Mutter blinde, falte dein Kleid. [Beginn des Gedichts "Sohn (Sohnschaft)" (Nachlaß)]

Gegenwärtig betone ich immer sehr stark die Notwendigkeit der
kulturellen und geschichtlichen Ordnung und will damit Auf-
sätze zusammenbinden. Vor ein paar Tagen sah ich

52

aber gegenüber Flaskamp als meine Art: das Geschichtliche
in das Natürliche zu holen
. Ich empfand mich als zu-
künftiger als Fl. Heute plötzlich Gedanke in Malerei, C. sucht
mehr Natur und wie auch in franz. Bildern da und dort immer
das stark Pastorale, dagegen alle Geschichtsbilder der Nazarener
so eng unzeitlich begrenzt, nicht reich. Der Weg geht so in
geschichtlicher Ordnung weiter, daß er nur als natürliche
Ordnung immer eigener wird
, das {Volk} wird so natürlich
stärker
durch geschichtliche Befreiung. So geht Ver-
schränkung aus dem Persönlichen ins Gesellschaftliche
in eigenem Schicksal.

bei Streichungen etc, daß ich nicht so hart zu sein brauche, und bestehen,
ich habe die größere Findigkeit, ich kann mich drehen, darum
werde ich mehr geschlagen, weil ich besser ausweichen kann.
Dieser Tanz der Geißelung, Passion (M. Widerstand [VR] Glaspalastrundschau [VR])

Meine Angst, sich immer mehr zu verlieren, durch unverständliches Tun auch die
Erkenntnis in eigener Arbeit und zu Überzeugungskraft wächst
das ist die stärkste Umkehrung, daß jetzt Erkenntnis aus
Erfahrung
, Geschichte aus Natur, Zukunft aus Freiheit,
während bis jetzt immer Baum der Erkenntnis, jetzt
Baum des Lebens, keine Angst mehr, da auch

53

Kraft wächst. Die Angst, die Eva gehabt haben muß
im Moment des Pflückens von Erkenntnis und Welt
sichöffnens
, in dem Augenblick, als die ganze
Geschichte bis Christus auf sie zurückschlug, weil die
Erlösungsfreiheit nicht mehr Mut gab. Die Angst
bis zur Erlösung, diese Tragik
phobon

Mutter der Geschlechter ⟨..⟩ da ich im Wort mich quälte,
mich nur Erkenntnis stählte [Anfang von "Mutter der Geschlechter" (Fragmente aus dem Nachlaß)]
Baum der Erkenntnis, in Natur empfangen, Sinn
erfüllen, umkehren in Leben, Wesen der Wüste, woher,
dies ist nun das Symbol und die nächste Wirklichkeit, die
Mutter wirkt nach, daß aus Erkenntnis Leben wird.
Nicht bloß Schnitt sein, wie es Eva war, nicht bloß
Sinnerfüllter sein, gegen Geschichte in Natur aufnehmen
eigenes Wesen, wie mich heute Fortschritt der Ein-
sicht mitreißt, zurückschauend auf Eva, die blei-
ben muß
wie Urzeit. Wie auch Jesus
im Tempel, Mutter und Vater bleiben muß

54

vielmehr gehen darf und er sich dann suchen läßt, wie
so die Mutter zurückbleiben muß, diese Parallele
diese Muttertrennung jetzt
.

20. X. 17[Samstag, 20. Oktober 1917]

s. Scheler in Nov. heft S. 134. „Ordnung, die ein
Bestandteil der teleologischen Weltordnung überhaupt ist
und Augustinus daß Raum und zeit als das erst
vorfindliche hier Güter werden, christliche Katego-
rien
. Gleich nach dieser Einsicht telephonisches Gespräch mit
Dr. Hildebrand über „christl. Raum“ in C. Ölbergbild der
Ausstellung. cfr ⟨.⟩ Hildebrand „man blickt zurück zu ihm
auf eine Kunst, die in dem Maße, als sie die Schönheit Zeit
ausschloß, die gebundene Schönheit der Schöpfung wachrief

[Eingeklebter Artikelausschnitt]

Man
blickt zurück zu ihm auf eine Kunst,
die in dem Maße, als sie die Zeit aus-
schloß, die gebundene Schönheit der
Schöpfung wachrief, wie er zurückschaute
in die vorchristliche Welt der Formen,
wo die in der Zeit noch unerlöste Wahr-
heit in dem Maße als Schönheit aus der
Schöpfung strahlte, in dem sie das Schick-
sal ahnend ausschloß.

eben in Korrektur erhalten, die
Heiligung der Kategorien Raum
und Zeit

Der Unterschied, ob der sich ordnende (Hildebrand) oder
der erfahrende (Caspar) vorausgeht erst zum ord-

55

nenden hin, so schließlich der „christl. Raum“ entsteht (der Kirchen-
raum, dafür Ölberg abbilden und Auseinandersetzung mit
der Michelangelo Bemerkung Hildebrands

vielleicht wird nun für Scheler, was ich ihm seinerzeit voraussagte,
die Verschärfung und Beklemmung dessen, was er angefasst hat
in seiner Haltung zur Frage klassisch oder romantisch, da
er noch den Zwiespalt zu groß, persönl. Quellpunkt
darum in Reue wenn auch noch so heftig, doch zu unent-
schieden, unkünstlerisch sich auswiegend, klein und er
sich um so mehr auf Gemeinschaft überträgt,
so kommt zu der Entfernung, in die Gott die Seele
hält, daß sie ihm nicht nahen kann, wie in Nov. so
heftig suchte in „Zu dieser Zeit mein Sein wie See“
["Geist über Wassern" (Herz des Wortes)]
noch eine zweite Entfernung für das
Verhältnis zu Gemeinschaft und Volk
Geschichte, das entscheidende Entfernungsver-
hältnis, in dem aber tatsächlich mehr Frei-

56

heit und Glaubenswagen, mehr Ritterschaft, aber auch mehr
Verurteilung hat, in dem man sich vor Gott in der
Hand hat. Dies ist die geschichtl. romant. Entfernung,
das Bestimmen der Ebenbildlichkeit, nicht seiner,
aber [VR: als wie] der geschichtlichen, Erkennung und Vollendung des
zeitlichen Dramas, nun nicht mehr bloß
ganze Länge der Ebenbildlichkeit wie
in meinem Anfangsdenken, (zur Schinnerer
artikel zeit oder wie anfangs [VR: als er in Anfang] auch christl
so [? VR] gegen Hegel sowohl wie die pietistisch Punkt
agnostische Fassung, sondern jetzt zu der ganzen
Länge auch diesen Punkt festhalten und sogar
als notwendigsten


Zu Scheler S. 137 statt Abhängigkeit (cfr Morgen-
choral ["Morgenchoral im Blute"? (Sinnreich 1. Fassung)]) jetzt Schöpfungsgefühl. So zu Sohnschaft
im Menschen ist gegenüber der Vaterschaft (der Schöpfung) die
Abhängigkeit heidnisch, im christl. aber ist das
Schöpfungsgefühl erst im Erlösten in der Sohnschaft

57

Treue muß an der Untreue der absoluten Heuchelei
stets verzagen, Treue gegen Weltplan, da doch in mir
Treue, Treue in mir geplant, verborgener Weg.

K. B. als [Lücke] Michael: wer ist wie Gott
wie Lebensform möglich

Philosophie der Sohnschaft

in dieser Form [Zeichung: liegender Kelch] gegen Metaphysik
der Zeitgenossenschaft in dieser Form [Zeichung: stehender Kelch]
dieser Unterschied zwischen Philosophie und
Metaphysik

die Bäume fast alle noch ganz belaubt, erst wenige kahl. Manche
Kastanien und andere ganz klar gelb durchaus und so durch-
sichtig belaubt und Stämme und Äste ganz schwarz dazwischen nach
dem vielen Regen naßkalte Witterung dieses Monats wie in Frühling
sehen Bäume anders aus: die Blätter pfennigklein werden
am Rande gilbend und rotbraun, dadurch viel kleiner aus-
sehend.

Daß Linksparteien und Sozial⟨..⟩. die bloße Zufallszahl des Majori-
tätswesens nie scheuen brauchen, liegt in ihrem Welt
anschauungsglauben, da die Zunahme der Quantitierung

58

durch die Teilnahme an Gemeinschaft nur durch übernommene
aus ihr fälschliche Sittlichkeit, statt ihr dienende. Konser-
vative Parteien können dies nie prinzipiell annehmen, weil ihr
Glaube ein größerer ist, ein stärker zu vertretender.
Inwiefern das sittliche zur Quantitierung beiträgt.

22. X. 17[Montag, 22. Oktober 1917]

Mutter, von ihr gehen in des Vaters Schutz. d. i. aus Ge-
schichte in Natur. das ist nun auch eine Umkehrung gegen früher.
Zuerst Mutter bei unerlöster Geschichte die Natur vor der
Verschränkung, jetzt erlöst aus Verschränkung ist die
Mutter Geschichte und Vater wird Natur. So ist die
Mutter das Gebliebene, vom Heidentum und
Christentum und in ihr im gebliebenen [VR: nun in ihr ein gebliebener], ist
die Erlösung empfangen. So auch in dieser Zeit
die Natur in Geschichte übergehend (Rodin
von Natur zur Gotik, Die Mutter ist Schuld,
daß jedes Schlages Wucht weiter reicht, aber jetzt
reicht auch meines Schlages Wucht weiter als eigene
Kraft

Metaphysik der Kriegslage, Der Abwehrkrieg gegen
die Quantitierung

59

Flandern, Italien, will aber hier gleich zu viel Sinn (⟨2⟩)
Angriff und Fortschritt gegen Vaterschaft, Riga, Ösel.

23. X. 17[Dienstag, 23. Oktober 1917]

neu Gedanke letzte Tage zu: Bruder schwer auf Weg von Dir
zu mir, daß nicht Kampf von Person zu Person,
sondern weiter und zu größeren Mitbewegung, daß meine Helfer
von {den} Grenzen und Aufgängen her hole, wie im weiten
Aufgang über die Erde her, so auch deutsche Politik,
nicht [?] demokratisch, nicht Problem der Mittelung, aber
stärkt Volk von Kern her gegen diese Staatsmitte
und holt die einzelne Geistigkeit aus den
andern Völkern.

23. X. 17[Dienstag, 23. Oktober 1917]

Der Mensch hat {5} statt des prozessus den actus, statt
der Schöpfung die Arbeit, er wieder durch Arbeit der
Geschichte mächtig, wie Gott in sich hervorgeht
das wichtige Plastische (Hildebrand


– sondern das dienende Gebundensein
an eine Lebens(form)aufgabe

60

als Naturreinheitahnung, auch P. Desiderius ahnt)
diese Arbeitssühne zur Gegengeschichte, in Plastik
so die immaculata der Geschichte der Klassik, eine
geschichtl Arbeits immaculata zu Paradiesfluch, aber
in Klassik nur Ges form dieser Plastischen Willentlich-
keit, nicht einzelnseelisch in Klassik eine
Abstraktion selbstzwecklebensform in der
Höhe allerdings, die das heutige Ges. Sittliche
nicht hat. Es muß immer die Substituierung
Transsubstantiation sein statt der
Metaform6 ([mit Bezug auf "einzelnseelisch"] hier Malerei) Sie {die Plastik} geht weiter
zur formalen Verhärtung, zur Entfernung in
der Erkenntnis durch zu große Annahme,
(während das unkünstl. sozial Sittl. ges.
zur Erreichung geht, zur Entfernung in Leben
in Erfahrung durch zu große Hergabe, aber nicht sich ein-
setzend dabei, sondern das abstrakt er-
löste gesellschaftliche. So jene Klassik

61

das Gesellschaftl., obwohl selbst eigenseele christlich, verheid-
nischend, diese Sozialität, an sich natur sittlich heid-
nisch, das gesellschaftl. falsch christlichend, die Einzel-
seele sittlich christlich plagend.

24. X.[Mittwoch, 24. Oktober 1917]

Der Lauf von Gott und die Unmöglichkeit der
Beschleunigung vorgeschrieben. Herrisches Leben
wie ein gerüsteter Augendunkel
so bin ich schwer gerüstet.
immer abends um die Seele, dieses stete Vornehmen
Abends will den Lauf beeilen, heftig wachen
sollen. Immer ist das zurückgehen schädlich
Wiederkehr vorwärtsgehend jedes Stoffes | so
Reformen des Urchristentums. Eile auch auf Sünde
Dank vorwärts.

24. X. 17[Mittwoch, 24. Oktober 1917]

Dogma der Unfehlbarkeit, daß es
auf Papst und nicht auf Gesamtkirche festge-
setzt (auf Papst allein auch gegen Konzil) diese tiefste und
geschärfteste geschichtliche Glaubens-

62

wahrheit des Übergangs der Substanz oder
vielmehr ihrer Bewahrung, Bewährung auf den Einzelnen
Unfehlbarkeit als Schalomaufgabe {Menschliches}, Höhe der Zeit-
verschränkung, Anerkennung des menschlichen
Kerns der Geschichte. Der Wert der Glaubensge-
wißheit, aber sie kann erst Hoffnung werden
durch Geschichtslage, geschichtl. Glaubensordnung
der einzelne Glaubensgewißheit

zu Bornhaks Lutherartikel, Ich dachte
nach, warum Niederlande durch: „Das ist“ ge-
trennt. Plötzlich fiel mir ein entgegen
der Lückenbetonung im Lit. Ratgeber Litrefer⟨..⟩t
Das Wort ist der Mittelpunkt der deutschen
Literatur
(als stärkster ⟨1⟩ und kleinster Haltepunkt
der stärksten Zeitlichkeit) und Luthers
Bibel „Das ist“ kein lit., sondern ein
religiöses Werk. Dies ist die

63

größte Literatur und Wandlungsworte
(und filioque der Deutschheit), dies die andern
versymbolen, verzeitlichen wollen, ist
und beendet so deutsche Transsubstan-
tiation. Lucifer naht mit Schrecken {Trauer}: Ich habe
das gedacht

Manchmal gibt Gott die Gnade der Erkenntnisse und inneren
Anregungen ganz unabhängig, ob man sich würdig
fühlt, wenigstens nur mitarbeitend wie Strafe
da man fast unempfänglich, nur empfindlich
und wie Regen aufschlägt innen Lufthauchend
wie Regen und fortschreitender und furchtbarer Himmel,
so daß man spürt, wie sein Zweck ihm
über den Menschen geht, daß er das Verdiente
erlöst gibt, wie zuregnend den Unwürdi-
gen. So dieses Gefühl Luthers der Zurech-
nung in anderer Form als Zuregnen.
er {Luther} nur eben statt in Erfahrung, in Erkenntnis
gekleidet.

64

heute viel Blätterfall nach gestern kalt nass sonnigem Tag
durch Nachtregen und [in?] Kälte. Wie wenn es regnet, ob Haupt
ob ungefühlter Hand, Vorübergang –
so bin ich heut gesegnet [Beginn des Gedichts "Wie Regen" (Herz des Wortes)]

25. X. [Donnerstag, 25. Oktober 1917]

mit meiner Frau auf Dult Brief von Hieber und Schreuer
wegen C. Feuilleton. „Da haben Sie's.“ Diese Stilfrage.
Ich lasse nicht nach. Hast Du mich zum Verfolger bestimmt, ich
bin Verfolger, Saulus, Paulus. Du willst mich nicht verpflichten [? VR]
oder Blitz, Zweifel und Jagd. Ich war in gleicher Gefahr wie
Macher F. Du holst mich heraus

Mittagssturm über [?] dem sonnigen Morgen., gestern noch gelbe Blätter
fast alle Bäume voll, jetzt in Sturm Blättertreiben haushoch, die Lise-
nen werden deutlich alles Gebälk. hell und scharfes Blau der noch
hartgrünen Bäume. Bald Sturmregen.

Hindenburg. Italien nach Ösel trotz Flandernschlacht
das Ungeheuerliche des stillen Meisters

Wage aus der inneren Kraft zu leben, nicht aus dem vermittelnden Anschluß
immer wieder jeden Augenblick, daß man dies eigentl. Hüftenstarke nicht
wagt, sondern Hüftgebrochen geht, daß man wie früher ich dachte, Fabelist [?]
so leicht, und doch dagegen den innern [einen?] unerschütterlichen Glauben so hart behält.
die unangreifbare, unstörbare Geborgenheit.

26. X. 17[Freitag, 26. Oktober 1917]

verzagt. Wie kommt es, daß C. und auch ich doch Leute
finden, die verstehen. Verzagen, Gott schafft aus

65

Knochen neue Menschen um uns her. Ezechiel

Drama; die ersten Pressestimmen aus Italien über
die Offensive. Man hört das Geschützfeuer bis Udine. Allg.
Unruhe, aber nichts bestimmtes und auch das Volk und die Öffentlichkeit
hört an der Schwelle großer Ereignisse nur das Äußere,
wie bei der Mensch bei einem Unglück. Anfang eines
Dramas.

27. X. 17[Samstag, 27. Oktober 1917]

Förster unruhe an Universität. Wie schwach des
Mannes gehaben und Rede. Försters „Höheres“. {⟨4⟩} Was hat es für
den Mann, der kämpfen muß, Wert, wenn er nicht tieferes Geheim-
nis erfüllen will, z. B. der weiße höhere Mensch muß gegen
den schwarzen kämpfen. hier ist alles „höhere“ Geistige aus-
geliefert und Seele gegen Seele gegen Dasein auf eine Erdenstufe
gesetzt. Wie ist hier Opfer und Muth noch ganz anders in
Blitz und Glauben gelenkt. Diese falsche Stufe des Höheren
und kulturellen, statt Knauf und stete Gleichung [Zeichnung: Kelch]
auch dies Höhere [stehendes X / Kelch] wird endlich doch Geschichte [liegendes X / Kelch] wahr und hoch
zugleich, nicht bloß abstrakt.

Immer wieder, was das für Leute sind. „Ich will lernen“, (dich [?]) dieses Absichten
verfolgen und doch nicht Wille, sondern nur Zweck, Unterwürfig-
keit und wie Hunde laufend, ich Knecht ⟨1⟩ nicht Unterwürfig.

Weltpflicht: Denkart dieser Leute, einerseits Logik (Grammatik)
bloß auf allg. Gesellschaft angewandt, nicht auf persönl. Erfahren

66

anderseits Erlebnis Ethik auch allgemein gemeint. Ethik
unzeitlich, dadurch nicht wirklich bestimmt und nicht in Konflikt gebracht
Logik unräumlich, dadurch öffnet sie auch nirgends ein Geheimnis.

Gedanke, daß ich in letzter Zeit immer (cfr. Glaspalastaufsatz) den
Zwiespalt betont habe, den Zeit und Menschheit füllen muß,
daß das Göttliche voll und deutlich werde. Wir müssen uns [und?] auch
muß meine Gedanken und Gedichte durchsetzen7. Auch das ist
verpflichtung. Nicht nur Gott Schalom artig beweisen, nicht nur
der Ölberg ist meine Lebens aufgabe und die eigene Transsub-
stantiation, sondern die Zeit mitführen, das Volk umfassen
in die Lücke stellen zu Erfüllung der Transsubstantiation
das ist die Verwirklichung der Aufgabe. von Dir zu mir mit-
nehmen die Gesellschaft.

gestern abend Försterkolleg, man meint man muß [VR] helfen, ein starkes Wort zu
finden. statt des Ausweichens und dazwischen „Manneszucht“.
ehtische Finten. Matt sonniger kühler Morgen. In Nacht
gesprochen in Traum bes mit Dr. von Hildebrand, daß ich den
Baum der Erkenntnis und des Lebens in das Herz pflanzen
wolle. Der ich mein Haupt rücklings verkehre
zum Morgenlicht
Ich rang die ganze Nacht mit Dir im Traum [Verse aus "Zum Tage" (Sinnreich der Erde)]

Sonntag, 28. X. 17

Vormittags trüb bedeckt, doch nicht unlustig

67

Durch Weinstraße zu Kirche. Gefühl und geistige Aufstehung: nicht
schwer, sondern leicht. Nicht in Schwere wie bisher, sondern in Leichtig-
keit hier ist, in der wirklichen Eigenschaft und ihrer Aufzweigung [VR]
die innerlich quellende Eigenschaft, stärkste Ausspannung,
Kuppel. In Kapuzinerkirche überlegen, daß wirkliche Milde
in Leichtigkeit allem Möglichkeit furchtlos gegen sich geben, nichts
neiden und verschweigen, dann daß man selber nur
so wachsen kann, also so handeln muß. immer wieder der gute
Wille wie Gnade
vorher aus eigenem gelockt, daß erst
Überlegung, daß ich so handeln auch muß, diese Gnaden-
organisation
, daß man scheinbar selber so voraus
gehen darf. Diese Seelenerfahrung, die ich so oft mache. das
Hingenommensein in Segen an unwürdigen Tagen
die Strafe des Segens (Görz, Cividale)

29. X.[Montag, 29. Oktober 1917]

was ist das „Höhere“ gegen Förster, in einem Verslein
Gott. Aber auch Gott ist nicht das Höhere für ein Volk, wenn
nicht in der hieratischen Erwerbung in Gütern, die Stufen-
folge, die Recht in Menschheit auch Vorrecht begründen,
die in dem Maße, als auch Gott dem Volke gegeben

68

hat, die (stärkste) Volksverantwortung für die Geschichte, so
und der Welt begründen, die Geschichtssubstanz hingeben
das geschichtliche Substanzopfer fordern,. da Förster alg. [sic]
Lehrfreiheit anruft; stellt auch Förster sich auf die allg. Lehrfreiheit.

29. X.[Montag, 29. Oktober 1917]

heute Mittag mit Fl. disputiert, ob „Hochzeiten“ zu K Wolff
geben. Judenmacher in diesem Verlag. gestern abend auch mit C. ob Verrat
aber hier vollzieht sich die Entwicklung dieses Augenblicks. hier ist der
eine Teil, als Weg des Verderbs in Aktion.

der es mir nimmt, / nun nicht mehr d⟨.⟩ / vom Herzen löst.
Als Unruhe, daß ich mich zu viel kümmere über Kleines
ich Muttergefühl heute Mittag so stark über Schwelle
wie Sichel schneidend [Zeichnung: Sichel] Ich Muttergeist dieser Zeit
durch Warten und Demutglauben.

bei Abschreiben von „Ölberg unserer Zeit“ fällt es mir wie aus mir
gewiß machend auf, daß wie eine Einleitung für meine
Gedichte geschrieben. Diese Art mir oft auffallend bis zu be-
wußtem Tun diesen Sommer, daß sich, was in Gedichten forme,
stärker als meine bewußte Meinung mir Prophe-
zeiung ist und selbst Richtschnur des Handelns
aus Fügung des Wortes gegeben, besonders „Gefecht der Seele“ ["Gefecht der wachen Seele" (Sinnreich 1. Fassung)]
Mild und erkannter sich zu geben

69

Gegen die bloße Antithese Natur X Geist stets die
Dreiheit im Denken des letzten Jahrhunderts, nur das
richtige dritte Suchen, das göttliche geboren geschichtvermitt-
elnd.

30. X. 17[Dienstag, 30. Oktober 1917]

die Eigenschaft, Glaube, Haß etc ist das erste Kunstele-
ment und ist ganz mit Menschen verwachsen
Askese aus Unkraft, Stückgold, diese Gefahr, auch Geistig-
keit aus Unkraft
. Ethik aus Unkraft
Dies Stigma der sogenannten idealistischen Be-
strebungen dieser Zeit.

1. November 17 Allerheiligen[Donnerstag, 1. November 1917]

Kapuzinerkirche, Nachmittags Tierpark, Elephanten
Italien 180000, 1500 Geschütze. Auf 2 Nov. kalt reif Laubfall leise
und stetig und kühle Sonne – wie wenn durch Hertling durch die
staatsmännische Vorbereitung und männliche Sicherheit Demokratie und Sozial.
gebunden wird.

Schätze als Segen, was du hast, auch deine erste Gedicht habe, sich erar-
beiten, auch den Segen, den man schon empfing, sonst er
unfruchtbar werdend, dadurch kommt Moses herab zu
eigenem Tun, immer zurückkehren, wie Christus zu Jüngern

70

Moses jetzt erst herab gegenüber den Eilern um das goldene Kalb und die
Vorwürfe daß z. B. Fl. nichts fertiggemacht hat.

Welterwählter Kern, aber doch Gefühl, nicht halten können, nun schwebt
das Blatt, nun so erst hingegeben zittert, Trägheit, Tragfähig-
keit. Und ich in Dir wie Wiederkehr
von allem was gewesen und muß kommen
{und nicht die Dauer eines Frommen}
Dein flammend Auge wächst zu ihm nicht mehr.
[Dritte Strophe von "Geist über Wassern" (Herz des Wortes)]

3. XI. 17[Samstag, 3. November 1917]

Wie schön und richtig klug es ist, wenn auch Hertlings Natur
ganz gemäß, daß er seine Art „Parlamentarisierung“, was die Menge
ein Prinzip nennt, nicht als Prinzip gemacht hat, sondern als Gegenteil,
daß er der Gesellschaft, dem Kaiser das Gegebene gibt und der
natürl übernatürl. Ordnung sich und der Geschichte und dem Kaiser durch sich das
Bleibende unprinzipiell, der bewegliche Katholik gegenüber dem
Protestanten Bethmann und Michaelis, das geistiger und impon-
derabler rechnende als die national robuste Kraft Bismarcks.

Mutter du blinde, bloß sich wendend herrschen, Leben durch
Wenden, Sicherheit, Leben in der Hand haben.

zu Schlegel „Kunst“ S. 230 zweimal spricht die Natur ihren
Willen und ihre Schönheit in den Willen und Empfinden
des Schöpfers, auf Weg zu Verschränkung (romantisch {8}), in Weg
aus Verschränkung Auseinandersetzung [VR] mit Klassik 9. das erste berufene
und beladene Natur und persönlich ihre Auflösung, das zweite
mal die Neuschöpfung gegen das und für das „Ding an sich“10

71

Die farben größer statt der moralischen Abstraktion

5. XI.[Montag, 5. November 1917]

zu S. 182 Phantasie auch der germ geschicht. [VR: gotischen] Wurzel
wie [VR: wenn] auch als gedanke deutscher Art gegenüber reclusa, gegenüber der Schwere
des Wortes und der Geschichte. Daß aus starker [VR: stärksten] Naturgeist [Zeichnung: stehendes X / Kelch] eben
durch Naturgefühl auch stärkste [Zeichnung: liegendes X / Kelch] Geschichte gekommen, die Ver-
schränkung aus ihrem stärksten Gegensatz

wie auch eigene dichtung entsteht, Wort schließt [VR] schwer, kräuselt sich
in Gedanken, so ist Gedanke in Wort des Orients, Verstandes-
spiele noch Gegensatz der Verschränkung. Mosaik ist dann
Maß gegenüber Phantasie. Sandstein und Holz, der allg. und
geistigere Grund der Auflösung des geringer Stofflichen um so stär-
ker und höher geistiger gegenüber dem weniger auflösbaren Marmor,
so Erde viel blühender.

4. XI. 17[Sonntag, 4. November 1917]

Reformation Hoffnung heute persönlich nähere Ent-
fernung. Nicht mehr diese persönliche Verschränkung in Geschichtl. Ver-
schränkung. Gedanke Spiel, Wort Schwere, Reue verdirbt den
Menschen. Einfügung bis zum Grund und so Druck Gottes
bis zu letztem Tun ohne Rechenschaft zu rechten. Dieser letzte
neue Glaube, so aufgehoben in Druck wie letztes Ende aus der
spätsommer mäßig
brennend, harter irrer Zug
Baum der Erkenntnis wie arm die Menschheit [VR] ⟨1⟩
verschweigt
Verschränkung, dann läuft die Uhr ab [X- bzw. Kelchförmige Gekrakel]


72

Wunsch um Gottes Willen auf Weihnachten: daß auch Vermischung des Herzens
von mir nimmt
. (Bis die Furcht überwunden immer wieder, so wie Formeln
in Zukunft mich bannende Worte zu schreiben, zu Erholen)

5. XI. 17[Montag, 5. November 1917]

zu Schlegel 182, cfr auch Schalom aus dem stärksten Gegen-
satz von [Zeichnung stehendes X /Kelch] in [Zeichnung liegendes X /Kelch] gekommen.

6. XI.[Dienstag, 6. November 1917]

Ohnmacht und Martermild, daß Gott in Allmacht unbe-
wegt erst durch Sohnschaft annehmen sich in die Abhängigkeit des Herzens
Ohnmacht und dadurch letztes Versagen für größte Kraftentlassung
hergibt in so [?] Ohnmacht des menschl. Herzens in stärkste Sicherheit
letzten Berufenseins, keine Spannung mehr. fließend aus der
Verschränkung, Zeit bevor Werk einsetzen kann. Das fließende, Herz Jesu.
Von meiner Brust, die Menschheit, wie ein Schild den ich gelöst
entwichen, ich halte über ihm die eignen Hände

Gerade das Persönliche wird das Außer-Überpersönliche. Gestern abend
in Gaßner Fugger fragt mich, ob ich nicht doch für gewöhnl. Sterbliche zu schwer
schreibe und man das nicht auch anders sagen könne. Gegenfrage Warum Maler so,
könnte er nicht auch anders. Jetzt für mich Gedanke, daß dies selber nicht anders
können, aber auch der Willen, die Zeit organisch mitzufassen, in die
Zeit gebunden, aus sich sein und dadurch sich nicht selber als Nächsten
mitteilen können
, diese also persönlichste zugleich stärkste zeitliche
Bindung aus sich und Gebundenheit: Das Persönlichste
ist so das Überper-

73

sönlichste. so kommt die Überpersönlichkeit (wie gegen M. betont
das Vorpersönliche Ölbergartikel), diese Geheimnisbedeutungskraft für die Zeit
zu stande. So auch das paradoxon der Erkenntnis in die wahre
Wechselgeschaffenheit des einen für die Zeit, für und wider, der
feste Punkt, wie schwer ich mich darinnen doch aber geändert, wie fließ ich hin darin.

8. XI. 17[Donnerstag, 8. November 1917]

Wie auf mich auf einmal fällt in dieser Umgebung der altte-
stamentlich Psalm „ab homine iniquo et doloso. [Psalm 42,1 (Vulgata)] Dieser
Anfang der Geschichte
dies persönlich machen bei David
oder Christus, ab iniquo müßte den Anstoß geben zu
persönl. Sich werden

10. XI. 17[Samstag, 10. November 1917]

Einer ist bestimmt, ich muß es lösen [erlösen?] I falsch, II wahre
Passion, Judas, Christus, dies ist die Bedeutung des Judas,
Gegenpart, Christus zu Jünger, zu Menschen getrieben
Schluß: Kraft aus sich.

Der weinende Petrus (Regenmorgen) daß gerade nach Sünde
wie Regen Gnade tätig und Blick Christi, so Petrus gerade
nach Abfall den Blick als Trauer Gnade gespürt. Gott
durch Sünde zur Gnade locken wollen stärkster Ver-
messenheitsfrevel stärkste Gnadensicherheit
⟨1⟩: letzter Vers, Kraft des Lebens zu tun, was man nicht lassen
kann
{citat}

74

Wert des Menschlichen jetzt aus der Verschränkung erfahren, nicht
das Klassisch Menschliche, sondern das von Gott in Entfernung gehalten
sein, z. B. Thoma, Hildebrand alt. Sezession und doch er seiner [VR] Aufgabe
getreu geworden. Lucifer: ich habe den Umreis erfasst. Auch da
verstehen, warum Christus an Ölberg zu Menschen getrieben wurde.

Ich bin in Schulden
und muß Verhängnis für dich dulden. Mache, daß meine
Kraft und Seele für Menschen von leichteren und von anderer Schul-
den bewegt wird. Petrus. Diese Furcht und Trauer: immer von eigener
Schuld

10. XI.[Samstag, 10. November 1917]

Samstag abend Löwenbräu Tirpitz, Vaterlandspartei
Sicherung für Papst. C. Fl. und ich

gutes Zeichen, daß die Vaterlandspartei ⟨2⟩ so ausgesprochen gegen England
damit auch der weltanschauliche Gegensatz zur Parteigestalt reifend.
daß in der Sittlich. Scheinerhabenheit, Försters Hinderung eines Volks-
glauben gerade, daß, wovon immer spricht, gerade Ritterlichkeit
gar nicht möglich, weil man sich schon die voraussetzende
Zielgläubigkeit, den Glauben, für den man sich körperlich ein-
setzen muß, nimmt.

das Persönlichste ist der Welt am Unterjochtesten, Geknechteten
Diener da Geist der Welt untertan sein will, da ausgenützt
Paket nach ⟨..⟩nn.

12. XI. 17[Montag, 12. November 1917]

wie die Bosheit wächst, dadurch daß sie merkt, wie

75

ihre Kraft durch Lüge wächst, Erfolg hat, z. B. Fl. zu unterdrücken,
das schlechte Prinzip, Teufel, wächst durch gesellsch. Ausbreitung, das
gute durch innere Festwerdung, so der Einzelne wird feind der
Welt und trennt sich aus Verschränkung, immer im Gegensatz zu Teufel. Mutter, du blinde

die Tragik der Kraft und die Strafe des Segens

14. XI.[Mittwoch, 14. November 1917]

Mein Volk in mir so hart erweckt

der Gedanke Kraft durch Kraft, stärkste Eigenschaft nun durch
Gegenmittel, nicht aufhebend, sondern immer stärker im gleichen Stamm sich
fortsetzend und für die Geschichte wenden. so Ebenbild gewahrt in
der Lebensform
. trotz Opfergebung und dienen. So auch in
Dornenkrönung die Schiebung [?] verstehen. Fl. Natur auch so [Zeichnung]
statt Verschränkung dieses stete wahr wirkliche Verschränkt sich
fortsetzen. Shakespear, der das Maß ins Menschliche
spielend drehend kann, auch christl. Fortsetzung das heidnische
scheinbare Maß erstehen lassen kann, wie eine Blüte,
Spiel des Christen wie Gott mit Heidentum, Kuppel.
neuer Sinn.

15. XII 17 [sic][Donnerstag, 15. November 1917]

F. auch Red. über Sorge etc. Knies, er [VR] überall auch bei Knies
mit [VR] hören und res. [?] Fragt über seine eigenen Ged., ich zuerst, daß wie er
Glaspalast geschrieben hätte, der Zwischenraum wirklich
werden müßte, dann es sei das Gleiche wie sein Eintreten
für Stückgold [bezogen auf "Zwischenraum"] dies die Verräumung Wahrheitswirklich-
keit, dies das wichtigste

76

16. XI.[Freitag, 16. November 1917]

den Aufsatz „Ölberg unserer Zeit“ wiederlesen, damals
noch meine Meinung, die bleibenden Kräfte immer dynami-
scher erleben, jetzt Gedanke vor gleichen Bildern gefaßt
daß sie entstehen durch das Versagen eigener Kraft,
damals noch unbewußt Lebensform substituieren, jetzt
den Zwiespalt entstehen lassen.

17. XI. 17[Samstag, 17. November 1917]

Wunder, wie Gott die Geringen durch Geringe
Helfer nährt z. B. Lingens, Dörrer durch Mumb. [Mumbauer] Gott
bedrängen mit sich, daß er sie noch besser schützen
muß, der auch mir Rast {und Recht} werden läßt

18. XI.[Sonntag, 18. November 1917]

Kunst doch auch von relig. Malerei getrennt und diese eigen Gebiet wie
Hierarchie im Himmel x gesch. Kulturform.

19. XI.[Montag, 19. November 1917]

verbum caro, nicht bewegt mehr als durch allen
letzten Willen, nichts kann diesen Frost [?]
ersticken

20. XI[Dienstag, 20. November 1917]

die beiden Kräfte, die {abzufallen} bei Konservativ an Gedanken
aber weiter, Monarch und Bauer, sie sind bei
Anfang und Ende, Fortschritt ist so nützlich als stetes Ende, so
findet sich der Weg von Kunsttatsache zu Zeitaufgabe

77

21. XI. 17[Mittwoch, 21. November 1917]

Oft in meinen Gedichten etwas wie Barock empfun-
den. Nun lese eben in Korrektur Körner-Schlegel, wie
so Romantik mehr durch Schlegel Liebe für Barockdichter. wie
sich im Baum des Stammes das Religiöse wieder⟨..⟩. So auch mein
Mark und Keim in diesen Stamm gepfropft.

Daß noch nicht Leben nach mir faßt. daß man nicht bedurft wird und
Kreis und Gesellschaft bildet.

Daß ich immer abtrennen will und darum das Judasproblem
sehe (da doch Hand in Schüssel tauchen) Auch noch dieser
letzte Selbstverrat
(Fisch. abtrennen) statt annehmen.
Nicht bloß Arche, sondern alles aufnehmen, so erlösend in eigene
Kraft nehmen. Ruhe wie die Arche Gefühl in
Kirche
.

Diese Ruhe vor Sturm und Ereignissen

23. XI.[Freitag, 23. November 1917]

gelesen Goethe Urfaust. Dramagedanke.
die skettische Wüste als Arche der Kirche. Neues
pastorales Drama

plötzlich erkenne ich, da [?] ich immer Jammernd
und fürchtend und frevelscheinend die Ähnlich-

78

keit mit Christi Erfahrung nicht will, daß ich muß,
was in Erkenntnis vorgenommen, den Gedanken,
der auf mich gefallen, daß filioque, daß alles seit
Geburt anderen Geistes und Formens, selbst sich
in mich wendet, ich selbst diese Form des Lebens
x Erkenntnis, aus Erfahrung werden
muß, so Wahl des Gedankens ich als pro-
zessus hervorgehen gegenüber Schlegel, der Kirche
propagieren will S. 356. (1. Szene hervorge-
hen zu Wahrheit, aber in Gram Zorn, so Düster-
keit der Schuldbeladung)
Zeichnung der heutigen kathol. Kämpfer und [?]
Naturen. (Scheler) ich mit Kuppel. „Was
doch der Sonnenstrahl das Herz entlastet {Sinai [VR: Sieh wie]}
Demut ⟨.⟩ Frechheit nicht der jüngere, ⟨1⟩ unten [?]
probierenden Ausleger der Wirklichkeit

79

das Erfolg habenwollen und Mentalität (nicht verschwiegen werden)
Monolog: die Völker leben wie Personen Gottes, Vater-
schaft nicht bis zu Ende gehend Rußland
Art der Heiligen: Natur X Geistabfall: das [der?]
⟨..⟩ner. Schluß: Ihr müßt die Sohnschaft verwirklichen
im [?] Geschichtlichen

ob ich S. 360 zukunftstragend korrigieren soll und so selbstlose
Milde und nur denken darf, wie Christus austrieb aus
Tempel, daß Zorn geschehen lassen darf. Der stets Wachende
⟨1⟩ sich geschichte anheben lassen. So hier [VR] Motive in Wüste, sinnl.
und Zornverschulden, das Geschichte in Fluß bringt. So Vermischung
des Herzens oder Rache. durch Milde aufhalten oder durch
Härte weitertreiben, mit Milde der eigenen Seele
dienen oder [aber?] mit Härte der Menschheit. Frage
der Ritterschaft, die sich schuldig machen muß
für geschichtl. Dienste. Mit Milde und Sonne angehen
Selbstverrat, hier könnte ich nicht milde sein.

Fußnote daselbst nicht nur nicht streichen, sondern finden, wie
durch andere Streichungen {am Schluß} bleiben kann. nicht nur mehr dulden,
sondern schieben, daß sich für 2. Akt handlung anbahnt.

80

3. Akt. daß ich es im Geiste tat, aber ob ich es auch wirklich tun
mußte: schon durch Wirklichkeit überhohlte [sic].

(den Schild statt das Schild habe ich korrigiert (Aushängeschild des Juden).
Vor dem Schluß: der ganz alte, man merkt, daß er diese Gnade nicht
erwiesen. hätte doch nicht ändern können. Überstürzung maß-
loser Eitelkeit
. Eine Szene ⟨.⟩ Gesellschaftsgründung, daß man nicht
rein arbeiten kann getrennt von Mitmenschen, sondern dann
auch in christ⟨..⟩ Streite.

24. XI. 17[Samstag, 24. November 1917]

{kath} Gedanke ⟨1⟩ Rausch

Traum des Geschlechtes [?]

der Verurteilte, die besten zu pressen [?]

⟨1⟩ Buchartikel [?]: Für religiösen Essay. der Schwindel dieser
rel. Essay idee!

Erfahre von Herrn Huber persönlich, daß er meine Aufsätze
nicht nehmen könne, er habe kein Papier. 2-3 Jahre
nach dem Kriege noch sei es ausgeschlossen. Dabei
wird eben das Gedichtbuch von F. gesetzt. Auf diese Weise unbe-
gehrt und ungefürchtet, da unverständlich, auf die Seite
geschoben. Aber wohl wie nach allem anzunehmen
Absicht, niederhalten, nicht treu Knechtsein können lassen

81

27. XI.[Dienstag, 27. November 1917]

Nicht bewegt mehr als durch allen letzten Willen

ich gebe Dir meine Geistspiele, wenn in Kämpfen Klarheit
in Welt zu wirken (wie Beseler gegen Antwerpen) du wirst
sie seinerzeit mir wieder geben als Ziele und Wege
um zu erfüllen: Verlaß den Schild gegeben. Immer
meinen, als ob das ein Sich ausliefern an Gott, ein
Sich bloß stellen, statt daß es ein Opfer ⟨1⟩. Wann [Schon?]

ersetzt ein Kraftstärken, ein Zweigen sei [Zeichnung]
das ist immer noch ein Nichtvertrauen, eine Feigheit
und die falsche Passion, die sich nicht in die Erde
und erlöste Wirklichkeit getraut.

27. XI.[Dienstag, 27. November 1917]

gestern Namenstag und [wie?] das Gefühl fester Wirk-
lichkeit wie mein Frau „Mann“ betont und Vertraut natür-
liche Festigkeit bürgerlicher Namensgebung. Glückliche.
Abends Rodin gedacht. wie ihm Eigenschaft fehlt,
was ist Wesen der Kunst, nachdem nun
geschichtlich gesättigt, ist es wieder und am stärksten

82

die Eigenschaft. Glaube (Verstand) Hoffnung (Wille) Liebe Gefühl
Natur vor Verschränkung X Geschichte X Natur nach
Verschränkung
aus Geschichte

Rodin kommt nicht in das (Hildebrand) Michelangeloarchitektonische
nicht ins wahr geschichtliche und bleibt darum auch unter den Begriffen
er ist aber inwiefern! gerade Ausdruck eigenschaftslos intensiver
Zeit. Dabei aber trotz Gotik (im Intellekt) auch [VR: und] Natur
etwas Rokoko. In Gotik und Barock die Trennung von
Plastischem und Architektonischem. Es sind die Stile des
Zwiespalt, der Trennung zwischen Gemeinschaft und Einzel-
seele durch stärkste Verinnerung, der
Rhombus, damit dies[e?] um so stärker trage, die
Transsubstantiation, Maß, Entfernung [Zeichnung]. Daß
ich herabkommen könnte und endlich der Volksnahe
werden. kann aber auch nicht populär werden, sondern wie Moses,
er durfte nicht ohne die Tafeln herabkommen!!
Die Entfernungshöhe jedes Lebens.

28. XI.[Mittwoch, 28. November 1917]

heute Nachmittag bei Knorr und Hirth mit
Caspar. Zuerst [VR] über Mittag schon auch Enttäuschung (auf die Ablehnung

83

bei Kösel hin), da LuxusDrucke verboten. Aber alles gut einge-
leitet. Darauf an C. Gedicht „Station“ geschickt am Abend;
„Von solcher Kreatur, mit Schärfe ohne Ende ––– ["Der stete Fall zur Erde" (Cumäische Sibylle)]

Dein Werkzeug, das Werkzeug des mächtigsten ist das Hilf-
loseste. Jonas, ist zerbrochen schon in Deinem Willen,
nicht nur erbsündlich {sondern auch erlöst zerbrochen}, (Jonas), kann sich nicht selber
helfen und um so mehr schwingst du es. Anachoreten

in. Kelch der Zeit übernächster Vers „nun krampft sich enger
die Welt strebt nicht nach dem besten, z. B. daß man
Fl. Gedichte nicht bewirbt, sondern sie bildet Schicht, und die
Mittelschicht eilt sich rettend, zwischen ⟨1⟩ nahtlose Gewand nicht
zerteilen.

Von E. höre, daß er mich in K. gebracht, daß er fest Schild ⟨1⟩ gehen will wieder F.
der kommende Mann. [Satz großenteil in Steno, Entzifferung von VR]
[Wie weit darf ich mittun, so weit als eigenes
Tun stärker ist als die Täuschung, die entsteht?!] Wie
hilflos der Stärkere! Laß mich nicht Verräter werden. Gestern
abend Vortrag Hartlaub in Kunsthaus „Reich“ [Kunsthaus «Das Reich», gegründet von Alexander von Bernus, eröffnet 12. November 1917 in München] wie schlecht
wie steht man getrennt, kann nicht gutes nicht Großes tun. Gott will
nicht Tat {für sich} getan für ihn, sondern er will Drama, indem er
in Entfernung das Vollkommene freihält. Er will, daß
man ihn sehe und erkenne. in der Fern halt uns

84

von ihm, in der Zeiterfüllung. Er macht sich seinen Schemel
diese Anachoretenidee, dann für Konradin Ritteridee
das freie zur Verfügung Gottes stehen, ⟨1⟩ der Stärkste hilflos
wenn ihn Gott nicht in Ehren sich schlagen läßt, weil der Schlechte
Mittel hat. z. B. {Selbst} Reklame, die der wahre Dienenwol-
lende nicht benützen kann, (so unterliegt Konradin?) Muß es
denn sein, daß man im Treu bleiben wollen im
Welterfolg unterliegen muß
. Dramaträger

Abends noch Bild des alten Mittelrhein. Meisters in Diederichs
Werk dabei Naturnähe ich im Frühjahr gedacht: „Mir
nah ⟨.⟩ was nicht vollendet, was diese Naturnähe dieses Frühjahrs
zu bedeuten hatte

„Der alte Meister schloß im Gitterzaun
die liebe Erde ["Unsre Liebe Frau im Hage" (Das Herz des Wortes)] die im Aug empfing
Erfüller ⟨.⟩

⟨1⟩ fast ganz fertig.

so von selber
an das Geheimnis rühren, der immaculata
von Erscheinung zu Wort.

30. XI. 17[Donnerstag, 30. November 1917]

Abends mit C. im Gaßner zur Besprechung der Ausgabe
er über die Bibel, die Schönheiten der Evangelien, bes. auch

85

der Nebenteile, Gegenstände der Szenen in ihrer Seltsamkeit
wunderhaft, Bedeutung in ihrem Nebensinn und Geschehen. Ich, ja, wie
schon zu Max sagte: Jedes Ding ist frei erwählt und jedes Wort wörtlich
wirklich, nicht bloß liberaler Glaubens- und Sittensinn, sondern Wort-
Glaube, die Verschiedenheit der Evangelien. C. so und fragt mich
welch Passion mir am besten gefalle. – Ich dann zu Gedicht: Unsere
liebe Frau im Haage“, daß ich gerade heute Abend gedacht, wie gerade
ich zu Neid komme, „im Aug empfing“ war neuer Anlaß,
da er mir doch gar nicht natur wachsend, aus Sehen,
Anschauen gegenüber Wort und Wortkampf, Lucifer aus Gottes
Anschauung, diese Spaltung des Neides, diese Eigenschaft des
Raumes, die ihn ganz unräumlich tiefst gotttrennend
zeitlich macht, Anfangsabtrennungseigenschaft, so Erde
spalten in Fruchtbarkeit gegen Neid als dann auch
wie der Erde in Gemeinschaft gegenüber Neid wird, zu große
eitle, eifernde Frömmigkeit, der die Hand mit mir
in die Schüssel taucht, dieser Verrätereifer, der abfällt, jetzt
so stark in dieser Zeit, daß aber auch kein Wort in
Bibel bloß negativ warnend, vielmehr
er darf Hand in Schüssel tauchen, nur

86

nicht eifernd eitel, daß jedes Wort in Bibel positiv
Gnadenhaft wirklich, man muß in allem zum Opfer {⟨1⟩}
Anteil nehmen bis zum Reichtum und immer wieder
ist so das wahrste Wort, frei Geschichtskraft: wer
hat, dem wird gegeben, daß noch mehr habe, dies so
antisozial, antisittlich, höchst Geistweltverzweigend
wahr [Zeichnung] – Dann über Landschaft als Vierung,
nicht so erzählend wie Reichlich, sondern nicht so festigend wie
Mantegna, Bellini, sondern lösend, daß Opfervierung
entsteht. C. erzählt Korresp mit M. Gräfe, dem
nicht räumlich genug. Es ist der gleiche Gegensatz wie in der
Anmerkung des Delacroix Werkes.

Rede Hertlings im Reichstag. Methode, Diplomatie,
die Umkehrung Bethmanns, nicht Ethisches, was zu
seiner Zeit auch not, aber auf Dauer nicht wirkt. Der
Katholik ist in Behandlung der Geschichte, in Metho-
de, methodisch, politisch, in Sache bleibt er, was er
ist. Was trennt diesen Handlungscharakter aber doch
nun von der liberal kathol. Lit und Kultur-

87

mache. In dieser ist gerade die Tunmethode ethisch,
das Substantielle ist nichts mehr, während hier das Substan-
tielle ethisch oder mehr ist und das Tun diplomatisch sein
kann, freier (natürlich nicht so in Prinzipien zu trennen). Es
ist wie mit Shakespeare spiel, es muß dem Spiel
Raum gelassen bleiben (in wahrem Glauben), auch hier
nicht zu ernst, sondern bloßer Niederschlag, es muß durch
gegensatz, Spielweite, Entformung gewahrt sein, nicht
zu fromm, selbst frei sonst zu sehr verengert und dann
Verrat, auch Judas Verräter aus Verengerung,
er muß dein Verräter werden.

Nachdenken, daß in dieser Frömmigkeitskunst Eberz
und Fischer Standarte [Almanach zum 50. Geburtstag von Johannes Mumbauer, darin von Weiß: Die Bitte um das Blut, Bittgang, Morgengestirn] doch gewiß etwas wahres gemeint ist wie
in der Richtungsliebe dieser Zeit. Aber das Falsche ist
die Eigensucht dieser Frömmigkeit, das auf sich und andere
wirken wollen, feil und künstlerisch schlecht
Die Frömmigkeit nur für sich selbst machen
wird zum Verräter
, wird so diese

88

Zeit noch stärkeren Judas und Abfall als geringer
strebende bringen. Hier [VR: Wie] immer dies Problem wie an-
hängend: nicht zu fromm. Führe [VR] mich nicht so schnell,
o Herr! Den Schein des Verrates kann man nur
durch Zuvortun verlieren, aber wieder falscher Eifer
„was du tun willst, tue bald“. So Judasproblem
aus der eigensuchteifernden Frömmigkeit ver-
standen. Dies zu viel durch andere Tun
lassen wollen, Ersatz
X
andre Art dagegen das zuviel selber
tun, der Trockner, wie ich früher zu viel und
wertlos gefastet. Pflicht zu wahren Genuß

1. Dez. 1917[Samstag, 1. Dezember 1917]

der leichte Reif über den Bäumen morgens, mittags plötzlich
Nebel gebrochen und alle Zweiglein und Knicke voller
Perlen tropfend und Straßen und Plätze fleckweise
benetzend wie geweint und unaufhörlich still

89

nachfließen und alles in sonst kühl trockener Natur fast heiter
⟨1⟩ lockend lächernd astend und stille Sonne und wie
aufgewaschen, der weinende Petrus

was früher als Stimmung bekämpft, jetzt als Trennung verstehen
als wahres Spiel aufstehen lassen, wahre Entfernung,
Shakespeare.

Diese Woche hat mir Herr H. persönlich meine Aufsätze zu verlegen abge-
lehnt. (aus Papiermangel) 2-3 Jahre nach dem Kriege noch
diese Hilfe für die Resultate, die vielleicht als die einzigen der Be-
wegung Erfolg zeigen können.

Es muß alles gemeinsam sein, dann ist alles, man in
allem getrennt. um den Baum der Erkenntnis ist
man verschieden, dadurch kann unser Stoff nicht gemein-
sam sein.

Versuch Signorelli „Menschenkern in Gestalt, einer des
andern Gewalt. [Beginn des Gedichts "Untergang" (Fragmente aus dem Nachlaß)]

3. XII.[Montag, 3. Dezember 1917]

Morgenchoral im Blute [Sinnreich 1. Fassung]

4. XII.[Dienstag, 4. Dezember 1917]

Strafe des Segens, daß ich, so auch Schicksal
der ganzen Welt in Geschichte und Erkenntnis weiter
und deshalb, da wahre Tat nicht folgt, Strafe
des Segens
. 2. Drama, Heinrich II.

90

ganz das wirkliche Leben, sich ganz offenstellen
ich kann mich wenden und mir erst in Erkennungs-
bildern, Fetisch-Kümmernissen, diese Erfahrung ⟨1⟩ sammeln
und mich auszuschildern, Hier immer alle Welt in Sünden
wirkliches Leben verschwunden [? VR]. daß alles möglich, kleinste
Kraft die Wandlung bringt. Zulange an Gram
bleiben. Auch insofern wirkliches Leben, als man nicht
das negative, an fremder Kleinheit leidende Da-
sein dulden soll.

Anachoreten, Beispiel von Frechheit, demütig reden
lassen mit lauter: „Könnte man nicht“, dann auf einmal
das Bild ist gut, die krumme Kralle, daß ich immer nicht
[Zeichnung], daß das nicht wahrer Glaube, sondern nur Neidi-
sches Stehen für wahren Glauben. Mein
Glaube ist nicht tätig, ist nicht Werk und
wirklich, sondern Neid für den Glanz
des Glaubens
.

91

Mißgunst aus eigener Unwirklichkeit, und falsche
Hut des Glaubens vor fremder Unfähigkeit.
daß auch falscher neid, daß lieber das Gute vielleicht [?] gar nicht,
als daß der falsche es nützt, dies ist der falsche Same
dem Samen nicht das verkümmern gelten lassen
wollen, nichts geschehen lassen wollen

Jonas, statt treiben, daß geschieht
man kann zu lang bei Kummer bleiben
und Demut spielen, statt sich aufmachen
nach Ninive

Staude, Natur, nicht soviel Sinn der Dinge, der Dich umstellt ["Verbum caro" (Cumäische Sibylle)]
daß ich vor falschem Neid, das Gute dem
weniger guten hintertreiben will, so auch
Knies und Fischer und M hinterhalten. Daß ich meinte

92

gerade ich hätte Neid nicht und gerade nach dem
gedicht: Unsere l. Frau im Hage“. Auch darum falscher
Gram. Die größte Reinheit Josephs, daß er diesen Neid
und falschen Gram nicht hatte
in lebendigster
Menschenbergung. Vielleicht ähnlich in Kleist Penthesilea {Amphytrion}

ab homine iniquo et doloso [Psalm 42,1 (Vulgata)]

Diese eigentüml. Bitte und ges. Gegenkraft
im alten Testament.

statt der Elegie des Verstandes, Erkenntnis
geschichts fälsche Hegels, die Elegie wenn der
Baum der Erkenntnis nicht recht hat.
statt dieser immerhin noch poetischen Empfindung
die schafmäßige Verärgerung, wenn sich die
Weltgesch. ohne das förstersche Höhere ohne
Erfüllung des Sittl. Rechthabens entfaltet

93

so den Baum der Lebensfälsche zur Dummheit.

Immer wieder Lutoslawski Nachtragung [?]. Wer die Natur so weckt
und ihr geistige Einflüsse recht [ernst?] absichtlich zuweist, diese
Art Natur aus Geist, der liefert sich aus.

5. XII.[Mittwoch, 5. Dezember 1917]

Auf ⟨.⟩. telephonieren, Parabel: er der mir
vorgeht läßt mein Ohr nicht ruhn, die Schlechten weist man
fort. Daß ich nun auf Christi Person und Namen
komme, mich teilen wollend, daß vorher [VR] Gott zu
allgemein, jetzt vielleicht noch Reichtum und
erst Teilung, wie ist in ihm die Hoffnung, erst die
Hoffnung auf Teilung des Reichtums. Hoffnung: diese
seelischen Erfahrungen aufzählen
Hoffnung ist in Mitte des Tunsollens
es ist die Vereigenschaftung in Erfahrung

94

6. XII.[Donnerstag, 6. Dezember 1917]

Nicht immer auf Zeitspanne warten, sondern immer neu und jeden
Augenblick füllen. Aber doch auch Christus auf Zeit und Stunde
gewartet. Gast [?] der Zeiten wie des Jahres.

Gegenwärtig oft Erinnerung und Gedanke an das Wort und Auf-
spielen „Opfer bringen.“ Diese Selbsteitelung , wie Fischer
aufgetaucht ist, daß man sich als Opfer fühlt, weil man
sich schlecht macht, durch sich die schlechte [VR] liberale Mitte und Gemein-
schaft festhält, statt mit Christus sammeln, durch
zerstreuen alles in [VR: und] sich selbst unfruchtbar
macht, dann dieses nicht einmal wie bei Hegel
elegisch, sondern einfach Rabengefühl [?] als Opfer
Weltpflicht und Anachoretentum. Wie so jedes
Gefühl und Weltkraft falsche Fratze
und Spiegelung hat.

Anfang: in diesen Beziehungen der Menschen
hat jedes Gefühl und jede Eigenschaft ihre
falsche Fratze und Spiegelung so aber

95

auch der Gedanke sich gegen mich wendend.
nichts hat Folge, einer, der für Folge eifert,
auch Christus hatte nicht Folge, er trennte, es geschieht
alles jeden Augenblick.

Szene am Anfang eines Aktes, wie allgemein
gespannt und siegessicher, arbeitstüchtig, hände-
rührig (vereinigung von Gral und „Wasser“ mal ruhig
abwarten) dann in Akt die Wendung.

ein logisches Motiv dramatisch steigern

Der Unterschied, ob der sich ordnende
Hildebrand, oder der erfahrende
Caspar vorausgeht erst zum ordnenden
hin, so schließlich der „christliche
Raum
“ aus der Erfahrung der Zeit

96

die alte reclusa in die neue
Pieta reclusa (paradoxon gelöst
übergeht. der heidnische, nicht mehr
für Gottes Anschauung freie Raum
durch die Fülle der Zeit als nun
erfüllte Eigenschaft entsteht
so der Monolog des Anachoreten
anfang schon vordeu⟨..⟩
auf ein Peripetiegespräch
Gesellschaftsgespräch
dies ist aber auch der

97

Kern des christl Ölberg.
ästhetisch Raum durch
Zeit und [?] Erkenntnis durch
Erfahrung Eigenschaft werdend
wieder Zeit

Dies auch teilweise verstärkt durch
Gespräch mit Max an Neujahr
über Math. Raum und Zeit
und bei Lesung des Gedichts
wieder Wie durch einen Spiegel [Sinnreich 1. Fassung]